Weltweit gibt es heute fünf offizielle Atommächte: die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Elf Prozent aller bis 1995 getätigten Nukleartests wurden von Frankreich durchgeführt, welches Anfang der Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit dem Aufbau einer eigenen Atomstreitmacht, der Force de Frappe, begann. Die wohl entscheidende Kraft hinter dem Wunsche Frankreichs, eigene Nuklearwaffen zu besitzen, ist in der Person des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle zu finden.
Daher wird diese Hausarbeit einerseits beschreiben, wie sich die Force de Frappe im Laufe der letzten sechzig Jahre bis zur Gegenwart, in der Frankreich nach den USA, Russland und China die vierstärkste Atommacht der Welt ist, entwickelt hat und warum auch noch heute die Idee der Abschreckung durch den Besitz von Nuklearwaffen im französischen Selbstverständnis vorhanden ist. Andererseits wird erklärt werden, wieso die Force de Frappe das zentrale Element in Charles de Gaulles Außen- und Sicherheitspolitik war und welche persönlichen Erfahrungen und politischen Umstände ihn von der Notwendigkeit des Atomwaffenbesitzes überzeugten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Internationale politische Einordnung
3. Entwicklung der Force de Frappe
3.1 Von den Anfängen bis 1958
3.2 Von 1958 bis 1969
3.2.1 Die Rolle des Staatspräsidenten
3.2.2 Technik, Waffensysteme
3.2.3 Atomversuche
3.2.4 Kosten
3.3 Ab 1969 bis heute
4. Charles de Gaulles Gründe für den Aufbau der Force de Frappe
4.1 Verhinderung eines Krieges auf französischem Boden
4.2 Grandeur und indépendence
4.3 Auswirkungen auf Bündnisse und internationale Organisationen, Abkommen
4.3.1 NATO
4.3.2 EURATOM
4.3.3 PTBT und NPT
5. Innen- und außenpolitische Meinungen
5.1 Innenpolitische Meinungen
5.2 Außenpolitische Meinungen
6. Aktuelle Situation und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der französischen Atomstreitmacht, der "Force de Frappe", unter der Ägide von Charles de Gaulle bis in die Gegenwart, wobei der Fokus auf den strategischen, politischen und sicherheitspolitischen Motiven liegt.
- Die historische Genese und technologische Entwicklung der französischen Nuklearwaffen.
- Die Rolle von Charles de Gaulle bei der Etablierung einer nationalen Atompolitik.
- Die Auswirkungen der Force de Frappe auf Frankreichs Bündnispolitik, insbesondere zur NATO.
- Die innen- und außenpolitische Wahrnehmung der nuklearen Abschreckung als Symbol nationaler Souveränität.
Auszug aus dem Buch
3. Entwicklung der Force de Frappe
Force de Frappe heißt wörtlich übersetzt Schlagkraft und symbolisiert die Doktrin der französischen Militärstrategie, die von Charles de Gaulle in den 1950er und 1960er Jahren geprägt wurde. Verbunden mit dem Aufbau der Force de Frappe war die Stratégie du faible au fort, die besagt, dass aus einem ausgewachsenen Atomkrieg jeder Gegner als Verlierer herausgehen würde und dass aus dieser Aussicht heraus der stärkere Gegner, der mehr verlieren würde, Angriffe unterlassen würde.
Bis in die Mitte der 1990er Jahre basierte die Force de Frappe, die in einigen Statistiken in die Bereiche FNS (Forces Nucléaires Stratégiques) und ANT (Armes Nucléaires Tactiques) gegliedert wird, auf drei strategischen Komponenten: die Forces Aériennes Stratégiques (FAS, luftgestützte Streitkräfte), die Force Océanique Stratégique (FOS, seegestützte Streitkräfte) und landgestützte Streitkräfte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der historischen Bedeutung der französischen Nuklearwaffen im Kontext der Weltmächte.
2. Internationale politische Einordnung: Analyse des globalen Umfelds nach dem Zweiten Weltkrieg und der Blockbildung zwischen den USA und der Sowjetunion.
3. Entwicklung der Force de Frappe: Darstellung der technischen und organisatorischen Fortschritte beim Aufbau der Atomstreitmacht von den Anfängen bis zur modernen Ära.
4. Charles de Gaulles Gründe für den Aufbau der Force de Frappe: Erläuterung der ideologischen Motive, wie nationale Souveränität, Unabhängigkeit und der Wunsch nach internationaler Anerkennung.
5. Innen- und außenpolitische Meinungen: Diskussion des gesellschaftlichen Konsenses und des internationalen Widerstands gegenüber der französischen Nuklearpolitik.
6. Aktuelle Situation und Ausblick: Bestandsaufnahme des heutigen französischen Waffenarsenals und der fortwährenden Rolle der Abschreckung.
Schlüsselwörter
Force de Frappe, Charles de Gaulle, Nuklearwaffen, Abschreckung, Souveränität, Grandeur, NATO, Atomversuche, Sicherheitspolitik, Kalter Krieg, Nuklearkonsens, Plutonium, CEA, Atomwaffensperrvertrag, Strategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Aufbau und die Entwicklung der französischen nuklearen Abschreckungsmacht, der sogenannten Force de Frappe, unter Charles de Gaulle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den technischen Aspekten, der Verfassungsänderung zur Entscheidungsgewalt des Präsidenten sowie den außenpolitischen Konsequenzen für Bündnisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Motive und die Notwendigkeit des französischen Atomwaffenbesitzes aus der Perspektive von de Gaulles Sicherheitsverständnis zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und politikwissenschaftlichen Analyse von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten und zeitgenössischen Reden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung, die politischen Begründungen (Grandeur, Indépendance) und die Auswirkungen auf internationale Beziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Force de Frappe, nationale Souveränität, Atompolitik und Abschreckung.
Warum war der Rückzug aus der NATO für de Gaulle wichtig?
De Gaulle wollte die Unabhängigkeit der französischen Verteidigungspolitik wahren und sich nicht der Dominanz der USA in einer multilateralen Struktur unterordnen.
Welche Bedeutung hatten die Atomtests im Pazifik für die innenpolitische Stabilität?
Obwohl die Tests international auf scharfe Kritik stießen, blieb der breite gesellschaftliche Konsens in Frankreich zum Erhalt der Abschreckung weitgehend bestehen.
- Quote paper
- Catrin Dams (Author), 2005, Der Aufbau der Force de Frappe unter Charles de Gaulle (1959-1969) und die weitere Entwicklung bis in die Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165286