Bei der Planung und Vorstudie eines Großprojektes für die Einführung einer Testautomatisierung fehlte dem Autor eine geeignete Vorlage für die Umsetzung dieses Projektes. Beschreibungen der Softwareunternehmen, die geeignete Anwendungen anbieten um Testfälle zu automatisieren, reichten nicht aus um Entscheidungen treffen zu können. Alternativen zu vergleichen bzw. Abläufe zu planen war mit den frei verfügbaren Dokumentationen nicht möglich. Typische Fragestellungen für die Projektplanung konnten mit Hilfe der Herstellerinformationen ebenfalls nicht geklärt werden. Allgemeine Vorgehensmodelle für vergleichbare Vorhaben werden bei den führenden Unternehmensberatungen in diesem Bereich nur intern und nicht öffentlich zugänglich weiter gegeben. Einige der Literaturquellen dieser Arbeit verdeutlichen zwar das allgemeine Vorgehen, sind allerdings nicht mit praxisnahen Informationen versehen um in einem hektischen Projektumfeld Hilfestellung leisten zu können. Dieser Leitfaden soll diese Lücke schließen und die Projektleitung sowie die Entscheidungsebene bei der Auswahl einer Anwendung und der Umsetzung der Einführung einer Testautomation unterstützen. Klassische Projektmanagementmethoden werden mit Erfahrungswerten des Autors ergänzt und geben die Möglichkeit Anwendungen schnell und einfach zu vergleichen. Entscheidungen können Bedarfsgerecht getroffen und die einzelnen Module des Leitfadens einzeln genutzt werden. Der anschließende Praxisteil weist auf typische Problemstellungen hin und unterstreicht die Bedeutung der vorangegangenen Kapitel und deren Auswirkung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1. Forschungsinteresse
1.2. Bergriffserklärung
1.3. Themenabgrenzung
1.3.1. ISO 9000 Norm
1.3.2. Tests im Kontext der Qualitätssicherung
1.3.3. Qualitätsmanagement für Softwareprodukte
1.3.4. Testautomation
1.4. Zielsetzung und Aufbau des Leitfadens
2 Entscheidungsprozess für die Testautomatisierung
2.1. Anstoß für die Einführung einer Testautomation
2.2. Ziele
2.3. Rahmenbedingungen
2.3.1. Ist-Analyse
2.3.2. Unternehmensgröße und Wachstum
2.3.3. Marktstudie
2.3.4. Organisation
2.3.5. Qualitätsanspruch
2.3.6. Analyse der Testobjekte
2.3.7. Grenzen der Testautomation
2.4. Auswahl der Softwarelösung
2.4.1. Risikoanalyse
2.4.2. Entscheidungsmatrix
2.4.3. Kosten-Nutzen-Analyse
2.5. Erwerb der Software
2.6. Projektauftrag verfassen
3 Einführung der Testautomation
3.1. Projektvorbereitung
3.1.1. Zielvorstellung
3.1.2. Machbarkeitsstudie
3.1.3. Wirtschaftlichkeitsprüfung
3.1.4. Projektplanung
3.2. Konzeption
3.3. Spezifikation
3.4. Realisierung
3.4.1. Umsetzung der Testautomation
3.4.2. Umsetzung Testfallbeschreibung in automatisierte Tests
3.4.3. Test und Qualitätssicherung
3.4.4. Dokumentation
3.5. Inbetriebnahme
3.6. Wartung
4 Einsatz der Automatisierungssoftware
5 Praxisfall
5.1. Rahmenbedingungen
5.2. Projektvorbereitung
5.3. Projektverlauf
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt einen Leitfaden für die Einführung einer Testautomation in Unternehmen, um die Qualitätssicherung von Softwareprodukten effizienter zu gestalten, indem sie klassische Projektmanagementmethoden mit praxisorientierten Erfahrungen des Autors kombiniert und so eine Entscheidungsgrundlage für die Auswahl von Tools und die Planung der Projektabläufe bietet.
- Methodische Vorbereitung und Entscheidungsprozess für Testautomatisierung
- Kosten-Nutzen-Analyse und Risikobewertung von Automatisierungsprojekten
- Projektplanung und Konzeption unter Berücksichtigung der "Automated Testing Life-Cycle Methodology"
- Praxisnahe Anwendung des Leitfadens anhand eines Referenzprojektes
Auszug aus dem Buch
1.3.2. Tests im Kontext der Qualitätssicherung
Um die vom Kunden geforderte Qualität zu prüfen muss zunächst feststehen, welche Anforderungen an das Produkt gestellt werden. In der Fertigungsindustrie kann dies z.B. die Reißfestigkeit eines Sicherheitsgurtes für ein Auto sein, die sich aus der üblichen Nutzung des Sicherheitsgurtes ergibt. Am Markt ist nur ein Produkt erfolgreich, das den Eigenschaften der üblichen Nutzung entspricht. In diesem Beispiel bedeutet das, dass der Sicherheitsgurt im Falle eines Unfalls den Fahrer vor dem Herausschleudern aus dem Auto schützt. Es wird in Folge dessen definiert, wie viel Belastung ein Sicherheitsgurt aushalten muss. Ob das Produkt diese Eigenschaften aufweist, kann durch einen Produkttest geprüft werden. Die Belastung des Gurtes ist ein Teil der Anforderung. Weitere Anforderungen werden mit folgenden Produkttests nachgewiesen.
Der Tragekomfort könnte eine weitere Eigenschaft sein. Die Produkttests sind die Überprüfungen der Anforderungen durch einen Test. Ein Test ist definiert als ein, nach einer genau durchdachten Methode vorgenommener Versuch bzw. Prüfung zur Feststellung der Eignung, der Eigenschaften, einer Leistung oder einer Person. Dies bedeutet, in dem oben genannten Beispiel, dass definiert wird, dass ein Sicherheitsgurt für ein Auto, zum Beispiel 1 Tonne Gewicht aushalten muss. Wird in einem Produkttest diese Belastung simuliert und der Gurt reißt nicht, ist dessen Eignung für diese definierte Anforderung bewiesen. Reißt der Gurt, ist die Ware fehlerhaft bzw. entspricht nicht dieser Anforderung. Im Positivfall muss die Erfüllung der einen Eigenschaft noch lange nicht bedeuten, dass das gesamte Produkt mangelfrei ist. Ist der Gurt zwar reißfest, wiegt aber über hundert Kilogramm, ist die Anforderung nach einem angemessenen Tragekomfort nicht gegeben. Das bedeutet, dass das Produkt mit der Gesamtheit an Eigenschaften am Markt nicht absetzbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung erläutert das Forschungsinteresse des Autors, definiert relevante Fachbegriffe und grenzt das Thema in den Kontext der Qualitätssicherung und des Projektmanagements ein.
2 Entscheidungsprozess für die Testautomatisierung: Dieses Kapitel beschreibt die notwendigen Vorüberlegungen, wie die Ist-Analyse, die Zieldefinition und die Kosten-Nutzen-Abwägung, bevor eine Testautomation eingeführt wird.
3 Einführung der Testautomation: Dieser Teil widmet sich dem konkreten Projektablauf, von der Vorbereitung und Konzeption über die Spezifikation und Realisierung bis hin zur Inbetriebnahme und laufenden Wartung.
4 Einsatz der Automatisierungssoftware: Dieses Kapitel vertieft die Anwendung der gewählten Software im Projektalltag unter Berücksichtigung der "Automated Testing Life-Cycle Methodology".
5 Praxisfall: Hier wird der theoretische Leitfaden anhand eines konkreten, mehrjährigen Projekts für einen Kunden aus der Finanzdienstleistungsbranche illustriert und validiert.
6 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die erfolgreiche Anwendung der vorgestellten Methoden und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung von Testautomatisierung in der Softwareentwicklung.
Schlüsselwörter
Testautomation, Qualitätssicherung, Softwareprodukte, Projektmanagement, Testmanagement, Testfall, Testphase, Kosten-Nutzen-Analyse, Amortisationszeit, V-Modell, Prozessorientierung, Regressionstest, Softwareentwicklung, Automatisierungssoftware, Entscheidungsmatrix
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit behandelt die strukturierte Einführung von Testautomatisierung zur effizienten Qualitätssicherung von Softwareprodukten, insbesondere um den Testaufwand bei wiederkehrenden Tests zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Entscheidungsprozess für Testautomatisierung, die methodische Projektplanung nach dem "Automated Testing Life-Cycle", die Auswahl von Softwarelösungen sowie die praktische Umsetzung und Wartung automatisierter Tests.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, einen Leitfaden für zukünftige Projektleiter zu erstellen, der bei der Planung, Auswahl und Einführung einer Testautomation unterstützt und dabei klassische Projektmanagementmethoden mit den Erfahrungen des Autors verknüpft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine Kombination aus klassischem Projektmanagement, der "Automated Testing Life-Cycle Methodology" (ATLM) sowie betriebswirtschaftlichen Analysetools wie Kosten-Nutzen-Analysen und Entscheidungsmatrizen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen prozessualen Entscheidungsprozess für das Unternehmen und einen darauf aufbauenden, chronologischen Projektablauf zur Implementierung, inklusive der Analyse von Risiken und Amortisationszeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Testautomation, Qualitätssicherung, Projektmanagement, Testmanagement, Amortisationszeit und Regressionstest.
Wie hilft der Leitfaden bei der Tool-Auswahl?
Er bietet Entscheidungsmethoden wie die gewichtete Entscheidungsmatrix an, um verschiedene Lösungen – wie Komplettlösungen, Erweiterungen oder Eigenentwicklungen – basierend auf spezifischen Anforderungen messbar zu vergleichen.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des Autors von bestehender Theorie?
Der Autor ergänzt die existierende Literatur durch eigene praktische Erfahrungswerte, die insbesondere in einem hektischen Projektumfeld Hilfestellung leisten sollen, wo rein theoretische Vorgehensmodelle oft zu kurz greifen.
Welche Rolle spielt die Risikoanalyse in diesem Kontext?
Die Risikoanalyse ist essenziell, um frühzeitig mögliche Schwierigkeiten wie Budgetüberschreitungen oder Personalengpässe zu identifizieren und Notfallpläne zu erstellen, die den Projekterfolg absichern.
Was ist die Kernbotschaft für die Praxis?
Die Einführung einer Testautomation sollte nur dann erfolgen, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll ist; eine gründliche Vorbereitung und klare Kommunikation der Grenzen des Systems sind dabei entscheidend für die Akzeptanz und den Erfolg.
- Quote paper
- Arne Drescher (Author), 2011, Leitfaden für die Einführung einer Testautomation zur effizienten Qualitätssicherung von Softwareprodukten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165270