Das Thema „Ausländer“ ist ständig präsent im politischen Diskurs, in den Medien und im alltäglichen Leben in Deutschland. Immer wieder tauchen solche Begriffe wie „Ausländer“, „Immigranten“, „Asylanten“, „Aussiedler“, „Menschen mit einem Migrationshintergrund“ in den Diskussionen über „ausgeglichene Gesellschaft“, „überlastete nationale Werte“ und „die Einheit des Deutschen Volkes“ auf. Es ist kein Wunder. Mehr als sieben Millionen Ausländer, das sind fast neun Prozent der Bevölkerung, leben zurzeit in Deutschland. Hinzu kommen etwa 1,5 Millionen eingebürgerte ehemalige Ausländer und etwa 4,5 Millionen Aussiedler. Das bedeutet, dass etwa jeder sechste Einwohner selbst zugewandert ist oder aus einer Migrantenfamilie stammt. Eine besondere Zuwanderergruppe bilden die in Deutschland aufgenommenen Spätaussiedler. Hierbei handelt es sich um Personen deutscher Herkunft, die in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und in den anderen ehemaligen Ostblockstaaten gelebt haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer sind die „Russen“ und welche Rolle spielen sie in der Deutschen Gesellschaft?
3. „Deutsch“ sind „wir“ - Sind die Ausländer „die Anderen“?
4. Die Darstellung der russischsprachigen Bevölkerung in der deutschen Presse
4.1. Alkoholkonsum
4.2. Gewalt / Kriminalität
4.3. „Russen – Mafia“
4.4. Armut
4.5. Symbolisierte Bezeichnungen
4.6. Gemeinsamkeiten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Darstellung der russischsprachigen Bevölkerung in Deutschland und analysiert, inwieweit durch stereotype Berichterstattung Vorurteile in der Gesellschaft reproduziert oder verstärkt werden.
- Historische Einordnung der Migrationswellen aus der ehemaligen Sowjetunion
- Diskursanalyse über nationale Identität und die Konstruktion des "Fremden"
- Untersuchung von Medienberichten zu den Themen Kriminalität, Alkohol und Armut
- Analyse der Wirkung medialer Klischees auf die gesellschaftliche Integration
Auszug aus dem Buch
4.2. Gewalt / Kriminalität
„Gewalt besitzt stärker als (fast) alles andere die Eigenschaften eines höchst interessanten journalistischen Themas. Gewalt- und Bedrohungsszenarien zu vermitteln ist bei Medien, denen man wenig Selbstkontrolle und das vornehmliche Interesse an Quoten unterstellt, ein lohnendes, wenn nicht sogar notwendiges Geschäft. Im Sinne ihres Auftrages, die Öffentlichkeit zu informieren, sind sie andererseits sogar verpflichtet, auch über heikle Themen zu berichten.“
Sowohl in der lokalen als auch in der überregionalen Presse wird sehr viel über Gewalt berichtet. Oft werden russischsprachige Migranten damit in Verbindung gebracht. Manchmal reicht es schon, wenn das Wort „russisch“ in allen seinen Formen in irgendeinem Titel eines Artikels, in dem es um Gewalt geht, erscheint und die „Russen“ stehen schlecht da.
Wie z.B. die Überschrift in einem Artikel über einen gewöhnlichen Kiosküberfall:
„Russen-Mafia schoss dreimal in die Beine“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte über Zuwanderung in Deutschland ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des medialen Bildes der russischsprachigen Bevölkerung.
2. Wer sind die „Russen“ und welche Rolle spielen sie in der Deutschen Gesellschaft?: Das Kapitel beschreibt die vier Wellen der Migration aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland im 20. Jahrhundert.
3. „Deutsch“ sind „wir“ - Sind die Ausländer „die Anderen“?: Hier wird der theoretische Rahmen zur Differenzierung zwischen „Eigenem“ und „Fremdem“ sowie die Bedeutung nationaler Identitätskonzepte beleuchtet.
4. Die Darstellung der russischsprachigen Bevölkerung in der deutschen Presse: Dieser Hauptteil analysiert konkrete mediale Zuschreibungen und Stereotype in der Berichterstattung anhand verschiedener Fallbeispiele.
4.1. Alkoholkonsum: Untersuchung des Vorurteils, das russischsprachige Migranten systematisch mit übermäßigem Alkoholkonsum in Verbindung bringt.
4.2. Gewalt / Kriminalität: Analyse der medialen Darstellung, bei der russischsprachige Personen oft in kriminelle Zusammenhänge gesetzt werden.
4.3. „Russen – Mafia“: Untersuchung der Verwendung des Begriffs „Russen-Mafia“ als reißerisches Element in der Presseberichterstattung.
4.4. Armut: Diskussion darüber, wie das Motiv der „armen Russen“ genutzt wird, um Mitleid zu erzeugen, ohne Respekt aufzubauen.
4.5. Symbolisierte Bezeichnungen: Darstellung der Verwendung von Metaphern, die Bedrohung und Überfremdung suggerieren.
4.6. Gemeinsamkeiten: Reflexion darüber, warum Gemeinsamkeiten zwischen Migranten und Einheimischen medial seltener thematisiert werden als Unterschiede.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Medien durch stereotype Berichterstattung zur Stigmatisierung der russischsprachigen Bevölkerung beitragen und somit den kulturellen Austausch hemmen.
Schlüsselwörter
Medien, Migration, Russlanddeutsche, Vorurteile, Klischees, Berichterstattung, Fremdbild, Identität, Integration, Kriminalisierung, Presse, Deutschland, Stereotype, soziale Schließung, Diskursanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der medialen Darstellung von Menschen mit Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion in deutschen Medien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Zuwanderung, Konzepte der nationalen Identität sowie die Analyse spezifischer Klischees wie Alkoholkonsum, Kriminalität und Armut.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Medien durch bestimmte Darstellungsformen das Bild der russischsprachigen Bevölkerung prägen und welche Auswirkungen dies auf deren Wahrnehmung in der Gesellschaft hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden qualitative Inhaltsanalysen sowie die Auswertung von Presseberichten und soziologischen Identitätstheorien verwendet.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Ausgrenzungsmechanismen und eine detaillierte Analyse der medialen Stereotypisierung in den verschiedenen Themenkategorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medienmanipulation, soziale Identität, Fremdenbild und Migrationsgeschichte geprägt.
Wie wird die Rolle der Medien bei der Konstruktion von Wirklichkeit bewertet?
Die Autorin argumentiert, dass Medien als Instrumente zur Wirklichkeitskonstruktion fungieren, die durch selektive Berichterstattung Stereotype verfestigen und somit die Wahrnehmung der Realität beeinflussen.
Warum wird der Begriff „Russen-Mafia“ kritisch hinterfragt?
Der Begriff wird kritisiert, da er zur Pauschalisierung neigt, Ängste schürt und die Aufmerksamkeit des Lesers durch stigmatisierende Schlagzeilen zu Lasten einer differenzierten Darstellung erhöhen soll.
Welches Fazit zieht die Autorin zum kulturellen Austausch?
Das Fazit lautet, dass die medial vermittelten negativen Bilder die einheimische Bevölkerung von direkten Kontakten abhalten, was dem gegenseitigen Verständnis und der sozialen Integration massiv schadet.
- Arbeit zitieren
- Olesya Franiel (Autor:in), 2007, Die mediale Darstellung der russischesprachigen Bevölkerung in den deutschen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165065