Der palästinensisch – israelische Konflikt ist einer der größten Problemfelder internationaler Stabilität. Seit der Gründung des israelischen Staates gelang es nicht die Gegensätze und das Misstrauen zwischen den beiden Konfliktparteien abzubauen. Ein Versuch der Analyse dieses Krieges und der involvierten Parteien, zeigt die Inhomogenität auf palästinensischer und auf israelischer Seite auf, ein Umstand der eine Lösung weiter erschwert.
Augenscheinlich wir dies bei den Palästinensern, bei welcher auf der einen Seite die Fatah politisch anerkannt und in die Friedensgespräche eingebunden ist. Die westlichen Akteure unterstützen ebenso die Fatah, demgegenüber steht die Hamas. Als Gewinner der demokratischen Wahlen in den Palästinensergebieten, wird diese bis heute nicht von Israel und der internationalen Gemeinschaft als Verhandlungspartner anerkannt. In europäischen und amerikanischen Medien grenzt es an ein Paradoxon, dass eine radikal – islamische Gruppierung, welche in der Berichterstattung alleinig durch Terroranschlägen und dem Ziel der Vernichtung des jüdischen Staates in Erscheinung tritt, in der Bevölkerung dennoch einen derartigen Rückhalt vorfindet, dass sie freie Wahlen gewinnen konnte. Doch wie kommt es, dass Menschen einer radikalen Organisation beitreten, diese Unterstützen und freiwillig für sie kämpfen, in dem Wissen, dass sie als Selbstmordattentäter nicht mehr zurückkehren werden? Europäische Massenmedien, aber auch sogenannte Qualitätsmedien und wissenschaftliche Publikationen, begründen dies lapidar mit einfachen Begriffen wie „Fanatismus“, „Hass gegen den Westen“, und immer wieder das Motiv, der Islam als Grundstock und Basis für blinde Gewalt gegen andere Religionen. Doch reicht dies als Erklärungsmuster, oder sind diese Begriffe nicht eher die Auswirkungen und Resultate tiefergehender Konfliktfelder? Verhindern diese Erklärungsmuster nicht einen differenzierteren Blick auf die Ursachen und die tatsächlichen Vorgänge in einem seit Jahrzehnten politisch und militärisch umkämpften Gebiet? Fanatismus, Islam als Ursache, „Hass gegen den Westen“, derartige Aussagen führen zu einer Kontextualisierung hin zu einem Bild einer tief religiösen palästinensischen Gesellschaft, mit welcher es aufgrund ihres radikalen Glaubens unmöglich wäre, einen Frieden zu finden. Ein differenziertes Betrachten der Situation, ist jedoch nur mit der Entstehungsgeschichte der Hamas möglich, um in der Folge ihre heutigen Aussagen und Aktionen verstehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1.Vorwort
2.Einleitung
3.Gründungsjahre der Hamas und Hintergründe zur Entstehungsgeschichte
4.Historischer Rückblick über Suizidanschläge im Nahen Osten
4.1. Entwicklung und Entstehung der Hamas - Suizidanschläge
4.1.1. politisch und gesellschaftlich bedingte Motive
4.1.2. Religion als Motiv
5.Jassir Arafats Tod als Chance einer demokratischen Entwicklung
6. Nachbetrachtung
7. Literaturnachweis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und ideologische Entwicklung der palästinensischen Hamas sowie deren Rolle im Kontext des palästinensisch-israelischen Konflikts, mit einem besonderen Fokus auf die Hintergründe und Motive hinter Suizidanschlägen.
- Analyse der historischen Entstehungsgeschichte der Hamas unter Berücksichtigung der Muslimbruderschaft.
- Untersuchung der Beweggründe für Suizidanschläge jenseits rein religiöser Interpretationen.
- Bewertung des Einflusses politischer und sozialer Faktoren auf den Wahlerfolg der Hamas.
- Kritische Betrachtung der westlichen Berichterstattung und der damit verbundenen Feindbildkonstruktionen.
- Beleuchtung der Dynamik zwischen militärischer Strategie und politischer Partizipation der Hamas.
Auszug aus dem Buch
4.1.1. politisch und gesellschaftlich bedingte Motive
Politische und gesellschaftlich – sozialen Beweggründen sind die Hauptursache von Selbsttötungsanschlägen in Israel. Dies zeigt sich in der Entwicklung des gesellschaftlichen Rückhaltes der Hamas in den Palästinensergebieten. Eric Rouleau schreibt über dieses Thema:
„Ganz offensichtlich fand das politische und soziale Programm der Islamisten, (…) in der Bevölkerung weit mehr Anklang als die religiöse Botschaft (…). Nur so dürfte der Aufschwung der Islamisten zu erklären sein, der sich erst vollzog, nachdem sie sich zu Kämpfern für die nationale Sache gewandelt hatten.21
Bei der Betrachtung der historischen hintergründe palästinensischer Selbstmordattentate, wird offensichtlich, wie ich auch schon in dieser Seminararbeit erwähnt habe, dass der Zulauf in Richtung Hamas und der damit verbundenen Steigerung vordergründig religiös motivierter Anschläge, zeitgleich mit dem Scheitern der Friedensverhandlungen einherging. Ebenso der Hinweis der Hamas, dass die Verwendung von Selbstmordattentäter ein Gleichgewicht gegenüber der hochgerüsteten israelischen Militärmacht darstelle, gibt Rückschlüsse auf die Ohnmacht der Menschen und daraus entstehenden Mechanismen.22
Neben dem direkten politischen Konflikt, wirken auch soziale und ökonomische Faktoren ein. In der ausweglosen wirtschaftlichen Situation, in welcher sich die palästinensische Zivilbevölkerung befindet, bietet sich durch den Tod als Märtyrer die Möglichkeit, zumindest die Familie finanziell abzusichern, da die Hamas den Hinterbliebenen Finanzhilfen zukommen lässt.23 Speziell in einem jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikt, wie jener zwischen den Palästinensern und Israeliten, ist das Motiv der Rache ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Fast jeder Mensch auf beiden Seiten der Konfliktparteien, hat persönliche Verluste zu beklagen. Trauer und Schmerz lässt Menschen „irrational“ handeln und über ihre normalen moralischen Grenzen agieren.24
Zusammenfassung der Kapitel
1.Vorwort: Einführung in die Problematik des Terrorismusbegriffs und Erläuterung der Zielsetzung, die Hamas abseits gängiger Klischees zu untersuchen.
2.Einleitung: Darstellung der verfahrenen Situation im palästinensisch-israelischen Konflikt und der medialen sowie politischen Einordnung der Hamas.
3.Gründungsjahre der Hamas und Hintergründe zur Entstehungsgeschichte: Analyse der Wurzeln in der Muslimbruderschaft und der Transformation der Organisation während der ersten Intifada.
4.Historischer Rückblick über Suizidanschläge im Nahen Osten: Einordnung der Suizidanschläge als historisch nicht rein religiös motiviertes Phänomen, auch im Kontext globaler Kriegstaktiken.
4.1. Entwicklung und Entstehung der Hamas - Suizidanschläge: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Friedensprozessen und dem Erstarken radikaler Gruppen.
4.1.1. politisch und gesellschaftlich bedingte Motive: Herausarbeitung sozialer, ökonomischer und politischer Triebfedern für Attentate.
4.1.2. Religion als Motiv: Diskussion der Rolle des Glaubens als Rechtfertigungsinstrument innerhalb der Hamas-Ideologie.
5.Jassir Arafats Tod als Chance einer demokratischen Entwicklung: Analyse der politischen Folgen nach Arafats Tod und des Wahlerfolgs der Hamas 2006.
6. Nachbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Plädoyer für ein tieferes Verständnis der Ursachen der Gewalt.
7. Literaturnachweis: Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Hamas, Nahostkonflikt, Suizidanschläge, Palästina, Israel, Islamismus, Widerstandsbewegung, Intifada, Politische Partizipation, Radikalisierung, Muslimbruderschaft, Märtyrertod, Friedensprozess, Gesellschaftliche Motive, Asymmetrische Kriegsführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die palästinensische Hamas im Kontext des Nahostkonflikts und untersucht, warum die Organisation zwischen politischer Teilhabe und militärischer Gewalt agiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehungsgeschichte der Hamas, den Hintergründen von Suizidanschlägen sowie der Rolle von Religion und Politik in diesem Konflikt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine differenzierte Betrachtung der Hamas, um die Ursachen hinter ihren Aktionen jenseits einer rein religiösen oder fanatischen Sichtweise zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur und Dokumenten, um politische, soziale und historische Zusammenhänge kritisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie der Hamas, dem Wandel der Widerstandstaktiken und den sozioökonomischen Faktoren, die den Zulauf zur Organisation begünstigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hamas, Nahostkonflikt, Suizidanschläge, Radikalisierung, politische Partizipation und die Rolle der Religion im gesellschaftlichen Kontext.
Welche Rolle spielte der Tod von Jassir Arafat für die Entwicklung der Hamas?
Sein Tod führte zu einem Machtvakuum und einer politischen Neuordnung, die den Weg für den Wahlsieg der Hamas im Jahr 2006 ebnete.
Warum lehnt der Autor die einfache Einordnung als "Fanatismus" ab?
Der Autor argumentiert, dass solche Begrifflichkeiten lediglich Resultate tieferliegender politischer und sozialer Konfliktfelder verschleiern und eine sachliche Friedenssuche verhindern.
- Quote paper
- Florian Klimka (Author), 2008, Gewalt im Nahen Osten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165006