Am 30. Januar 1933 wurde die Macht im Staate an Adolf Hitler und seine NSDAP übergeben. Durch diese politische Entscheidung änderten sich nicht nur die Gegebenheiten im Reich – die Weimarer Republik fand somit ein jähes Ende – sondern natürlich auch für die Stadt Braunschweig. Ein Ort, der die Ereignisse, wie sie überall im Reich stattfanden widerspiegelt, ist der sogenannte „August-Bebel-Hof“. Kein anderes Wohnungsbauprojekt war ähnlich umstritten wie der Bebelhof.
Bereits der Namensgeber lässt darauf hindeuten, dass es sich beim Bebelhof um ein Zentrum sozialistischer oder möglicherweise sogar kommunistischer Gesinnung handelt. Diese These stellt in dieser Arbeit die zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung
III. Die Entstehungsgeschichte und Konzept der Wohnungssiedlung
1. Planung und Bau
IV. Der Bebelhof und die Sozialdemokratie
V. Fazit
VI. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sozialgeschichte der Wohnsiedlung „August-Bebel-Hof“ in Braunschweig und prüft die These, ob es sich bei dem Projekt um ein Zentrum sozialistischer oder kommunistischer Gesinnung handelte, insbesondere im Kontext des nationalsozialistischen Aufstiegs.
- Architektur und städtebauliche Konzepte der Moderne
- Soziale Zusammensetzung der Mieterschaft
- Politische Instrumentalisierung und Konflikte
- Der Jasper-Ausschuss und die Finanzierungskritik
- Politische Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus
Auszug aus dem Buch
Die Entstehungsgeschichte und Konzept der Wohnsiedlung
Die Grundsteinlegung für den August-Bebel-Hof fand am 5. September 1929 (Ehrhardt geht fälschlicherweise von Juli 1929 aus, jedoch berichtet der „Volksfreund“ vom 6. September 1929 über die Grundsteinlegung vom Vortag) statt. Sie beschränkt sich weitestgehend auf den Raum zwischen den Straßen Salzdahlumer Straße, Borsigstraße, Hans-Porner-Straße und der Hermann-von-Vechelde-Straße. Der Hof war mit dem Anspruch verbunden, nicht allein durch die Schaffung zusätzlichen Wohnraums der Wohnungsnot entgegenzuwirken, sondern auch für sogenannte „Minderbemittelte“ bis dahin nicht erreichbare Standards an Wohnqualität zu bieten.
Die nach dem sozialdemokratischen Politiker August Bebel benannte Siedlung wurde durch den Hamburger Architekten Friedrich R. Ostermeyer einheitlich im Stil des „Modernen Bauens“ von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Braunschweig GmbH (Gewobau), einem Tochterunternehmen der Deutschen Wohnungsfürsorge AG für Beamte, Angestellte und Arbeiter (Dewog), angelegt. Wohnen wurde im Modernen Bauen zentrales Thema der Architektur, vor allem das Wohnen in der Großstadt und in Arbeiterwohnungen. Architektur, Bau und Wohnen wurden nun philosophisch, es ging um eine neue Einheit von Kunst und Industrie.; dies zeigt sich besonders gut in Walter Gropius‘ „Staatliches Bauhaus Weimar“ aus dem Jahre 1923. „Da Bauen kollektive Arbeit ist, hängt sein Gedeihen nicht vom einzelnen, sondern vom Interesse der Gesamtheit ab.“ An diesem Satz lässt sich gut zeigen, dass Bauen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts mehr als nur den Zweck des ‚Wohnens‘ erfüllte, viel mehr rief der Bau eines Hauses im Menschen den demokratischen und sozialen Grundgedanken hervor und stellte damit eine Verbindung von Politik und Wohnen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die These aufgestellt, dass der August-Bebel-Hof ein Zentrum sozialistischer oder kommunistischer Gesinnung darstellte, und die verwendete Quellenbasis wird erläutert.
Die Entstehungsgeschichte und Konzept der Wohnungssiedlung: Dieses Kapitel beschreibt die Planung, den architektonischen Stil des „Modernen Bauens“ sowie die Intentionen hinter dem Wohnprojekt.
Der Bebelhof und die Sozialdemokratie: Hier wird die politische Einordnung des Projekts sowie die Konfrontation mit der rechten und kommunistischen Presse sowie nationalsozialistischen Aktivitäten beleuchtet.
Fazit: Die Arbeit resümiert die Schwierigkeiten der sozialgeschichtlichen Untersuchung und bestätigt, dass die Siedlung gute Voraussetzungen für eine sozialdemokratische Gesinnung bot.
Bibliographie: Dieses Kapitel führt die verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.
Schlüsselwörter
August-Bebel-Hof, Braunschweig, Sozialdemokratie, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Wohnungsbau, Moderne Architektur, Heinrich Jasper, politische Verfolgung, Arbeiterklasse, Gewobau, Mietstreik, Widerstand, Stadtgeschichte, Wohnungsfürsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Sozialgeschichte der Siedlung „August-Bebel-Hof“ in Braunschweig und deren Bedeutung im politisch spannungsgeladenen Umfeld der späten Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Architektur, der sozialen Struktur der Bewohnerschaft sowie den politischen Konflikten zwischen dem sozialdemokratisch geprägten Milieu und den aufkommenden Nationalsozialisten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die These zu überprüfen, ob der Bebelhof ein Zentrum für sozialistische oder kommunistische Überzeugungen in der Stadt darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse, wobei Dokumente, Zeitungsartikel, zeitgenössische Statistiken und Fachliteratur zur Braunschweiger Landesgeschichte ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Planung und Architektur des Bebelhofs, der Zusammensetzung der Bewohnerschaft, der Kritik an der Finanzierung sowie den politischen Auseinandersetzungen während des NS-Aufstiegs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind August-Bebel-Hof, Sozialdemokratie, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Wohnungsbau und politischer Widerstand.
Was war der "Jasper-Ausschuss"?
Dies war ein Untersuchungsausschuss der NSDAP-DNVP-Regierung, der die Finanzierung des Bebelhofs durch den ehemaligen Finanzminister Heinrich Jasper prüfen und das Projekt politisch diskreditieren sollte.
Wie reagierten die Nationalsozialisten auf den Bebelhof?
Die Nationalsozialisten versuchten, Mietinteressen zu instrumentalisieren, organisierten Mieterstreiks und führten provokatorische SA-Aufmärsche durch, um den Widerstand des sozialdemokratisch geprägten Milieus zu brechen.
Welche Rolle spielte der "Waschmeister" laut dem zitierten Vermerk?
Er wurde als marxistischer Akteur dargestellt, der das Waschhaus als Rückzugsort für das Reichsbanner und als Basis für Überfälle auf Nationalsozialisten genutzt haben soll.
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- Martin Kersten (Author), 2009, Der August-Bebel-Hof in Braunschweig, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164984