Immer mehr private und auch institutionelle Investoren vertrauen ihre Vermögen in immer höherem Maße Kapitalanlagegesellschaften (KAG) an. Das Investmentfondsvolumen der deutschen Investor ist in den Jahren 1998 bis 2008 von 665.579 Mio. € auf 1.217.478 Mio. € gewachsen.Dies ist ein prozentualer Anstieg von über 82%, was ein Beleg für die Attraktivität der Investmentfondsanlage ist. Auf welche Tatsachen eine solche Attraktivität im Genauen zurückzuführen ist, lässt sich folgendermaßen erläutern.
Ein Investmentfonds bietet den Investoren die Möglichkeit, mit geringem Kapitaleinsatz an der Wertentwicklung eines diversifizierten Portfolios aus Aktien-, Renten-,Geldmarkt- und/oder Immobiliefondsanlagen zu partizipieren. Daneben enthalten diese Anlagen viele Serviceleistungen, wie die Depotverwaltung oder die Abwicklung von Zins-, Tilgungs-, Dividenden- und Bezugsrechtszahlungen.
Dass ein Investmentfondsmanager ein breit diversifiziertes und risikoeffizientes Portfolio erstellen soll, wird vom Investor als selbstverständlich erachtet. Oftmals wird darüber hinaus von den Investmentfondsmanagern auch eine bessere Information über die Kursentwicklung von Investmentfondstiteln, als sie selbst haben,
erwartet und dass sie diese auch im Sinne des Investors einsetzen. Die Qualität des Investmentfondsmanagers äußert sich damit in der Prognosefähigkeit zukünftiger Kurse. Da die breite Palette an Serviceleistungen nicht unentgeltlich für den Investor zu
bekommen ist, sollte natürlich auf die unterschiedlich hoch anfallenden Kosten, Gebühren und neuerdings auch Erfolgsbeteiligungen eingegangen werden. Denn der Investmentfondsmanager möchte für die erbrachten Leistungen auch angemessen entlohnt werden. So sehen die Investmentfondsverträge neben den erfolgsunabhängigen Verwaltungsgebührenkomponenten, die durch eine fest vereinbarte
Gebühr auf das Investmentfondsvolumen an einem Stichtag berechnet
werden, seit jüngerer Zeit in zunehmendem Maße auch erfolgsabhängige Verwaltungsgebühren, sogenannte Performance Fees, vor. Letztere werden in der Fachpresse kritisiert, man spricht sogar von einem „Abkassieren der Investor“. Diesist darauf zurückzuführen, dass in einer Hausse die Investmentfondsmanager kräftig mitverdienen, hingegen bei schlechter Marktentwicklung keine Strafgebühr zu erwarten haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Kapitalmarktorientierte Performancemessung
2.1.1 Überblick
2.1.2 Grundsätze ordnungsmäßiger Performancemessung
2.1.3 Relative Performancemessung
2.1.3.1 Grundidee
2.1.3.2 Anforderung an die relative Performancemessung
2.2 Erfolgsbeteiligung
2.2.1 Basiselemente
2.2.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
2.2.3 Prinzipal-Agenten-Beziehung zwischen einem Investor und einer KAG
2.3 Risiko
2.3.1 Überblick
2.3.2 Risikoarten
2.3.4 Risikoeinstellung des Investors
2.4 Investmentfonds
2.4.1 Begriffsdefinition
2.4.2 Fondsgattungen
2.4.3 Kosten und Gebühren von Investmentfonds
3. Performancemaße von Investmentfonds
3.1 Eindimensionale Performancemessung
3.1.1 Überblick
3.1.2 Einfache Renditeformeln
3.1.3 Interne Rendite
3.1.4 Zeitgewichtete Rendite
3.1.5 Multiplikative Bereinigung (BVI-Methode)
3.1.6 Modifizierte Dietz-Methode
3.1.7 Resümee
3.2 Zweidimensionale Performancemessung
3.2.1 Überblick
3.2.2 Risikomaße
3.2.2.1 Volatilität
3.2.2.2 Betafaktor
3.2.2.3 Tracking Error
3.2.3 Capital Asset Pricing Model
3.2.4 Sharpe-Maß (Reward-to-Variability-Ratio)
3.2.5 Treynor-Maß (Reward-to-Variability-Ratio)
3.2.6 Jensen-Maß
3.2.7 Fazit zur zweidimensionalen Performancemessung
4. Erfolgsbeteiligung von Investmentfondsmanagern
4.1 Gestaltung von Anreizverträgen
4.1.1 Das Risikoanreizproblem
4.1.2 Entlohnungsfunktionen
4.1.2.1 Mit uneingeschränkter Gewinn- und Verlustbeteiligung
4.1.2.2 Mit Verlustbeschränkung
4.1.2.3 Wert einer Austauschoption mit Verlustbeschränkung
4.1.2.4 Mit Gewinn- und Verlustbeschränkung
4.2 Fees im Investmentfondsmanagement
4.2.1 Begriffserklärung Fee
4.2.2 Management Fee = erfolgsunabhängige Verwaltungsgebühr
4.2.3 Performance Fee = erfolgsabhängige Verwaltungsgebühr
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Analyse von Investmentfonds mittels unterschiedlicher Performancemesstechniken, um die Leistungsfähigkeit der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) bzw. der Investmentfondsmanager zu bewerten und ein geeignetes Entlohnungssystem zu konzipieren, das den Fondsmanager incentiviert, im Sinne der Investoren zu handeln.
- Grundlagen zur kapitalmarktorientierten Performancemessung
- Prinzipien und Instrumente der Erfolgsbeteiligung bei Fondsmanagern
- Methoden der ein- und zweidimensionalen Performancemessung
- Analyse von Anreizverträgen und Performance Fees zur Interessenangleichung
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Sharpe-Maß (Reward-to-Variability-Ratio)
Ausgangsüberlegung für das Sharpe-Maß ist die Kapitalmarktlinie (Abbildung 10). Das Sharpe-Maß wurde von William F. Sharpe im Jahre 1966 entwickelt und ihm ist die Bezeichnung Reward-to-Variability-Ratio beigefügt worden. Die Bezeichnung bedeutet so viel, dass das die erwirtschaftete Überschussrendite („Excess Return“) zu dem dafür übernommenen Risiko ins Verhältnis gesetzt wird. Dabei stellt die Überschussrendite eine Risikoprämie dar und für das übernommene Risiko findet die Volatilität als Risikomaß Anwendung. Hierbei wird, wie in Abbildung 9 bereits dargstellt, das Gesamtrisiko berücksichtigt. So lässt sich die mathematische Formel wie folgt darstellen:
Sharpe-Maß (SM) = (Rp - Rf) / σP
mit
RP = durchschnittliche Rendite eines Portfolios p
Rf = risikofreier Zinssatz
σP = Standardabweichung/Gesamtrisiko des Portfolios p
Rp - Rf = Risikoprämie/Überschussrendite („Excess Return“)
Aus dieser Formel wird ersichtlich, dass je höher die Beziehung zwischen der Risikoprämie und dem Gesamtrisiko eines Portfolios ist, desto größer wird das Portfolio bemessen, indem es einen größeren Gewinn je Einheit Risiko erreicht hat. Daraus folgt, dass eine Performance umso besser ist, je größer das Sharpe-Maß ausfällt. Somit kann bei einem Vergleich von mehreren Portfolios eine Rangbildung erstellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die steigende Attraktivität von Investmentfonds und begründet die Notwendigkeit einer Performancemessung sowie angemessener Entlohnungssysteme für Fondsmanager.
2. Grundlagen: Hier werden theoretische Fundamente wie die kapitalmarktorientierte Performancemessung, die Prinzipal-Agenten-Theorie sowie Risikoarten und Fondsdefinitionen dargelegt.
3. Performancemaße von Investmentfonds: Dieses Kapitel stellt detailliert eindimensionale Renditeformeln sowie zweidimensionale Performancemaße (unter Berücksichtigung des Risikos und des CAPM) vor.
4. Erfolgsbeteiligung von Investmentfondsmanagern: Dieser Abschnitt analysiert das Risikoanreizproblem und entwickelt verschiedene Entlohnungsmodelle und Gebührenstrukturen (Fees) zur Anreizsteuerung.
5. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse der Analyse zur Performancemessung und Erfolgsbeteiligung zusammen und bewertet die Anreizwirkung der untersuchten Vergütungsstrukturen.
Schlüsselwörter
Investmentfonds, Performancemessung, Erfolgsbeteiligung, Investmentfondsmanager, Rendite, Risiko, Prinzipal-Agenten-Theorie, Sharpe-Maß, Treynor-Maß, Jensen-Maß, Performance Fee, Anreizverträge, Kapitalanlagegesellschaft, Portfolio, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Performancemessung von Investmentfonds und die Möglichkeiten, Investmentfondsmanager über erfolgsabhängige Vergütungssysteme incentiviert am Erfolg zu beteiligen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die theoretischen Grundlagen der Performancemessung, die Risikoanalyse von Fonds, die Prinzipal-Agenten-Problematik sowie die Ausgestaltung von Anreizverträgen für Fondsmanager.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Analyse von Performancemesstechniken zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Fondsmanagern und die Konzeption eines Entlohnungssystems, das Anreize für eine leistungsstarke Portfolioverwaltung schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf der Kapitalmarkttheorie, der Portfoliotheorie und der Prinzipal-Agenten-Theorie, kombiniert mit mathematischen Herleitungen von Performancemaßen und Entlohnungsfunktionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Methoden der eindimensionalen und zweidimensionalen Performancemessung (z.B. Sharpe-Maß, CAPM) sowie die Gestaltung von Anreizverträgen (Management Fee vs. Performance Fee).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselbegriffen gehören Performancemessung, Risikoanreizproblem, Prinzipal-Agenten-Beziehung, Performance Fee, Portfolio-Management und aktive Rendite.
Warum ist das Risikoanreizproblem in der Arbeit relevant?
Das Risikoanreizproblem ist relevant, weil Manager bei einer Haftungsbeschränkung Anreize haben könnten, ein höheres Risiko einzugehen, als es im Sinne des Investors wäre, um ihre erfolgsabhängige Vergütung zu maximieren.
Welche Rolle spielt die Benchmark bei der Performance Fee?
Die Benchmark fungiert als Referenzgröße, an der die Leistung des Fondsmanagers gemessen wird; eine Performance Fee wird dabei meist nur dann gezahlt, wenn das Portfolio diese Benchmark übertrifft.
- Quote paper
- Saad Maiwand (Author), 2009, Performancemessung und Erfolgsbeteiligung von Investmenfondsmanagern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164688