In den vereinigten Staaten begann der Niedergang des breit gestreuten Bankensektors im März 2008. Die fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns geriet bereits im Jahr 2007 ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem zwei milliardenschwere Hedgefonds aufgrund von Fehlspekulationen im Subprime-Bereich liquidiert werden mussten. Außerdem ver-buchte das Kreditinstitut im vierten Quartal den ersten Unternehmensverlust in der Ge-schichte. Anfang 2008 verdichteten sich zunehmend Gerüchte, dass die Invest-mentbank vor der Zahlungsunfähigkeit stehe [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor
1.1 erster Faktor: Asset Backed Securities
1.2 zweiter Faktor: Leverage-Effekt
1.3 dritter Faktor: niedrige Eigenkapitalquote
2. Chronik des Niedergangs
3. Wenn Dominosteine kippen – Die Pleite von Bear Stearns
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die strukturellen Ursachen und den Verlauf der globalen Finanzkrise mit einem besonderen Fokus auf die Mechanismen, die zum Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns führten, und untersucht dabei Übernahmen als Instrument zur Stabilisierung des Finanzsektors.
- Ursachen der Finanzkrise (Subprime-Krise, Asset Backed Securities)
- Bedeutung des Leverage-Effekts und geringer Eigenkapitalquoten
- Chronologischer Ablauf der Bankenkrise
- Der Fall Bear Stearns als systemisches Ereignis
- Die Rolle von staatlichen Garantien und Übernahmen in der Krise
Auszug aus dem Buch
1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor
In der mittelfristigen Ursachenforschung kann der Beginn der Weltwirtschaftskrise am Abschwung auf dem US-Immobilienmarkt im Jahr 2006 festgemacht werden. Privat finanzierte Hypothekenkredite minderer Bonität (subprime mortgages) wurden als Hypotheken gesicherte Wertpapiere (MBS) verbrieft, Forderungen in CDOs umgewandelt und an die Kunden weitergereicht. Hausbesitzer mit schwächerer Bonität spekulierten auf den Anstieg der Immobilienpreise, finanzierten ihr Eigentum also nicht durch das laufende Einkommen, sondern durch eine mögliche Verwertung ihrer Immobilie. Diese Spekulation gelingt aber nur dann, wenn die Preise tatsächlich steigen. Steigen die Preise nicht mehr an oder sinken sie, ist die Spekulation geplatzt. Die zunehmenden Kreditausfälle bei Hypotheken und die damit verbundene Zwangsverkäufe verstärkten den Preisverfall der Immobilien.
Die Krise im Bankensektor kann auf drei Faktoren zurückgeführt werden. Zunächst wurden Instrumente entwickelt, die die Kreditrisiken aus den Bilanzbüchern der Banken entfernen sollten. Forderungen in unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichen Risikoprofilen wurden von dem Emittenten in eine Vielzahl von Tranchen gebündelt, von einer Ratingagentur bewertet und an den Kunden weitergereicht.
Die Unsicherheit auf den globalen Finanzmärkten ist aber insbesondere auf den sogenannten „Leverage-Effekt“ zurückzuführen. Dabei wird ein bestimmtes Zielprojekt (z.B. Investition in Immobilien) sowohl durch Fremd- als auch durch Eigenkapital finanziert. Das Fremdkapital wird mit einer zuvor vereinbarten Höhe verzinst. Die Eigenkapitalrendite errechnet sich aus dem Gewinn dividiert durch das eingesetzte Kapital. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass der Gewinn durch eine Reduzierung des Eigenkapitals maximiert werden kann. Diese enorme Hebelwirkung führt zu einem Maximum an Fremdfinanzierung und einem Minimum an Eigenkapital. Dabei waren sich einige Banken ihrer Risikostreuung derart sicher, dass sie die gegenteilige Hebelwirkung unterschätzten. Die zentrale Funktion des Eigenkapitals, einen Puffer gegen Verluste zu bilden, sei an unaufhörlich wachsenden Märkten verzichtbar gewesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ursachen und Voraussetzungen für die Krise im Bankensektor: Das Kapitel erläutert die Entstehung der Krise durch den US-Immobilienmarkt und analysiert drei zentrale Faktoren: Verbriefungen, den Leverage-Effekt und unzureichende Eigenkapitalquoten.
2. Chronik des Niedergangs: Hier wird der zeitliche Verlauf der Krise nachgezeichnet, beginnend bei den ersten Zahlungsproblemen bis hin zu den Liquiditätsengpässen bei prominenten Instituten wie Northern Rock.
3. Wenn Dominosteine kippen – Die Pleite von Bear Stearns: Dieses Kapitel beschreibt den spezifischen Fall des Zusammenbruchs von Bear Stearns und die Rolle von J.P. Morgan bei der Übernahme unter staatlicher Unterstützung.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Subprime-Krise, Bear Stearns, Investmentbanking, Leverage-Effekt, Asset Backed Securities, Eigenkapitalquote, Liquiditätskrise, Too-big-to-fail, Bank Run, US-Immobilienmarkt, Finanzmarktstabilität, J.P. Morgan, Risikomanagement, Verbriefung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 2008 mit besonderem Fokus auf die Rolle von Investmentbanken und die Mechanismen, die zu systemischen Instabilitäten führen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Immobilienblase, die Hebelwirkung durch Fremdkapital, die Auswirkungen von Verbriefungsinstrumenten und die staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für den Zusammenbruch von Bear Stearns zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Übernahmen als Krisenbewältigungsstrategie fungieren können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine ursachenorientierte Analyse auf Basis von Literaturstudien, Marktberichten und der Auswertung der Chronologie des Bankrotts von Bear Stearns.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ursachenanalyse, eine chronologische Darstellung der Krisenentwicklung und eine detaillierte Fallstudie zur Pleite von Bear Stearns.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Finanzmarktkrise, Leverage-Effekt, systemrelevante Banken und staatliche Garantien beschreiben.
Warum war der Leverage-Effekt für Banken wie Bear Stearns so riskant?
Der Effekt vervielfachte zwar Gewinne in guten Zeiten, führte aber bei sinkenden Immobilienpreisen durch die geringe Eigenkapitalbasis zu einer existenziellen Bedrohung durch massiven Kapitalverlust.
Welche Rolle spielte der Staat bei der Rettung von Bear Stearns?
Der Staat intervenierte indirekt, indem die Notenbank Garantien in Milliardenhöhe bereitstellte, um die Übernahme durch J.P. Morgan überhaupt erst zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Marco M. Hagemeyer (Autor:in), 2010, Voraussetzungen und Ursachen für die Krise im Bankensektor, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164389