Modernisierung, Differenzierung und der gestiegene Wohlstand westlicher Gesellschaften haben im Alltagsleben der Individuen zu maßgeblichen Veränderungen während der vergangenen Jahrzehnte geführt. Lebensqualität ist nicht mehr nur eine Frage der ausreichenden Versorgung und Absicherung, sondern wird zunehmend gemessen am persönlichen Glücksempfinden des Einzelnen. Weniger absolutes Ziel als vielmehr notwendige Bedingung zur Erfüllung jeglicher persönlicher Bedürfnisse und gesellschaftlichen Anforderungen ist dabei ein guter gesundheitlicher Zustand. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchen, inwiefern gesellschaftliche Aspekte die subjektive wie auch objektive Idealvorstellung von Gesundheit bestimmen und inwieweit vor diesem Hintergrund Gesundheit ein für den Einzelnen überhaupt erreichbares Ziel darstellt. Als Grundlage zur Diskussion dieser Frage werden verschiedene Theorien über die sozialen Bestimmungsfaktoren des Gesundheitszustands der Individuen dargestellt. Hierbei werden Gesundheit und Wohlbefinden als Produkt äußerer Rahmenbedingungen und Risiken, als abhängig von spezifischen Widerstandsressourcen und als Ergebnis des stufenweisen Lebenslaufprozesses dargestellt. Ergebnis der Gegenüberstellung dieser verschiedenen Theorien zur Bestimmung von Gesundheit in Anlehnung an die jeweils subjektiven und objektiven Gesundheitsideale ist, dass sich grundsätzlich über die individuelle Definition des eigenen Wohlbefindens auf der persönlichen Gesundheitsskala im sozialen Kontext zwar eine Regulation bewirken lässt, jedoch der Wesentliche Anteil zur Bestimmung individueller Gesundheit durch eine Vielzahl komplexer äußerer Faktoren induziert wird, wodurch aus individualistischer Perspektive die eigene Gesundheit als absolutes Ziel wenn überhaupt, dann nur theoretisch, nicht jedoch praktisch erreichbar wird.
Inhaltsverzeichnis
Kurzzusammenfassung
1 Einleitung
2 Gesundheit als angestrebtes Ideal
2.1 Gesundheit aus individualistischer Perspektive
2.2 Gesundheit aus gesellschaftlicher Perspektive
3 Die Gesundheit des Individuums als Produkt gesellschaftlicher Faktoren
3.1 Gesundheitsrisiken und Gesundheitsressourcen
3.2 Das Konzept der Salutogenese von Antonovsky
3.3 Das Sozialisations-Modell von Hurrelmann
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern gesellschaftliche Faktoren das subjektive und objektive Gesundheitsverständnis beeinflussen und ob Gesundheit für das Individuum ein realistisch erreichbares Ziel darstellt.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen individuellen Gesundheitsidealen und gesellschaftlichen Anforderungen.
- Untersuchung von Gesundheit als Produkt äußerer Rahmenbedingungen und Lebensumstände.
- Darstellung des Salutogenese-Modells von Aaron Antonovsky.
- Diskussion des Sozialisations-Modells nach Klaus Hurrelmann.
- Reflektion über die begrenzte Eigensteuerung individueller Gesundheit durch persönliches Risikoverhalten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Gesundheitsrisiken und Gesundheitsressourcen
Waller (2006) unterscheidet drei verschiedene Kategorien von gesundheitsbeeinflussenden Faktoren, aus denen sowohl die Risiken wie auch die Ressourcen zur Bewältigung von Stressfaktoren und Risikoeinfluss geschöpft werden. Die ersten beiden Kategorien sind intrinsischen Ursprungs, während die dritte außerhalb des Einzelnen in dessen Umwelt zu finden ist. Als Bestandteile für gesundheitliche Risiken wie auch Ressourcen spielen entsprechend erstens personale Aspekte eine Rolle, unter denen psychische sowie physische Merkmale zu verstehen sind. Zweitens wird das Verhalten und die Lebensweise des Individuums als eine wichtige Schlüsselkategorie für die gesundheitliche Verfassung einer Person genannt. Drittens müssten die allgemeinen Lebensbedingungen berücksichtigt werden, die außerhalb des Individuums in seinem Lebensraum zu finden sind (vgl. Waller 2006: 66).
Aus soziologischer Perspektive sind alle Kategorien als Strukturkomponente für die Untersuchung von Gesundheit als erreichbarem oder nicht erreichbarem Idealzustand vor allem vor dem Hintergrund des salutogenetischen Modells von Bedeutung, jedoch fällt das Hauptaugenmerk in Hinblick auf die Beeinflussbarkeit von Gesundheit eher auf Verhalten und Lebensweise aus mikrosoziologischer Sicht sowie auf die allgemeinen Lebensbedingungen des Individuums aus makrosoziologischer Sicht.
Unter dem Gesichtspunkt des Verhaltens und der Lebensweisen ist besonders das Risikoverhalten des Einzelnen von Bedeutung, worunter solche Handlungsweisen zu verstehen sind, „die ja nach Intensität, Dauer und wechselseitiger Interaktion zur Ausprägung sogenannter Risikofaktoren beitragen (wie Alkoholkonsum und Bewegungsmangel) oder selbst als solche angesehen werden (wie das Rauchen)“ (Franzkowiak 1986: 124). Die Konsequenz risikohaften Verhaltens ist nicht selten das in unmittelbarer Folge auftretende Entstehen chronisch-degenerativer Erkrankungen. Das Risikoverhalten ist jedoch nur eine Komponente der ihr funktional als übergeordnet zu betrachtender Lebensweise einer Person. „In der Lebensweise vereinigen sich anforderungsspezifische, d. h. auf die (sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen) Umweltbedingungen bezogene Bewältigungsleistungen mit zustandsspezifischen, auf das subjektive Befinden ausgerichteten Verarbeitungsleistungen“ (Waller 2006: 49). Vor diesem Begriffsverständnis von „Lebensweise“ erscheint das Risikoverhalten in seiner eher als gefährdend und destruktiv definierten Funktion und Konsequenz als ein zu ihr im Widerspruch stehendes Paradoxon.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Gesundheit zwar als höchstes Gut gilt, ihre Definition jedoch zwischen Individuum und Wissenschaft divergiert.
2 Gesundheit als angestrebtes Ideal: Dieses Kapitel beleuchtet Gesundheit sowohl aus der individualistischen Perspektive, die das subjektive Befinden betont, als auch aus der gesellschaftlichen Perspektive nach Parsons.
3 Die Gesundheit des Individuums als Produkt gesellschaftlicher Faktoren: Dieser Abschnitt analysiert theoretische Ansätze (Waller, Antonovsky, Hurrelmann), die Gesundheit als abhängig von äußeren Lebensbedingungen und Sozialisationsprozessen darstellen.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine vollkommen frei gesetzte Idealvorstellung von Gesundheit im sozialen Kontext kaum realisierbar ist, da objektive Voraussetzungen außerhalb des eigenen Einflusses liegen.
Schlüsselwörter
Gesundheit, Salutogenese, Sozialisation, Lebensbedingungen, Risikoverhalten, Kohärenzgefühl, Gesundheitssoziologie, Individuum, Gesellschaft, Prävention, Stress, Widerstandsressourcen, Lebenslauf, Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Gesundheit für das Individuum tatsächlich ein erreichbares Ziel ist oder ob sie als bloße Utopie betrachtet werden muss, wenn man gesellschaftliche Einflussfaktoren berücksichtigt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die soziale Konstruktion von Gesundheit, das Spannungsfeld zwischen individuellen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Erwartungen sowie theoretische Modelle zur Gesundheitsförderung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwiefern gesellschaftliche Aspekte die subjektive und objektive Vorstellung von Gesundheit bestimmen und inwieweit Gesundheit vor diesem Hintergrund für den Einzelnen erreichbar bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, bei der soziologische Konzepte (Salutogenese nach Antonovsky, Sozialisations-Modell nach Hurrelmann) analysiert und kritisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gesundheit als angestrebtes Ideal und die Analyse, inwiefern Gesundheit ein Produkt gesellschaftlicher Faktoren ist, unterteilt in Risiken, Ressourcen und Sozialisationsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Gesundheit, Sozialisation, Salutogenese, Lebensbedingungen, Risikoverhalten und Kohärenzgefühl.
Welche Rolle spielt das Kohärenzgefühl nach Antonovsky?
Das Kohärenzgefühl bezeichnet eine günstige Ausgangskonstellation von Widerstandsressourcen, die es einem Individuum ermöglicht, stresserzeugende Situationen besser zu bewerten und zu bewältigen.
Wie bewertet die Arbeit das Risikoverhalten des Einzelnen?
Das Risikoverhalten wird als eine Komponente identifiziert, die der Einzelne am ehesten selbstständig beeinflussen kann, wobei dessen Ausprägung dennoch stark von der sozialen Umwelt und der Sozialisation abhängig bleibt.
Ist Gesundheit nach Hurrelmann ein statischer Zustand?
Nein, Hurrelmann definiert Gesundheit als einen komplexen, dynamischen Prozess und als Ergebnis der erfolgreichen Bewältigung von Lebensanforderungen während des gesamten Lebenslaufs.
- Arbeit zitieren
- Jasmin Dittmar (Autor:in), 2010, Die Gesundheit des Individuums - Utopie oder erreichbares Ziel?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164346