Kaum ein Begriff ist heutzutage so omnipräsent und alltäglich wie der der „Unterhaltung“. Er beschreibt ein für den Menschen äußerst relevantes, subjektives und positives Phänomen, das nur zustande kommen kann, da es intrinsisch motiviert ist und somit „ohne äußeren Zwang und ohne externe >Bewertungen< entsteht.“ (Hartmann 2006, 76). Auch in der Kommunikationswissenschaft ist das Konstrukt „Unterhaltung“ seit den 1990er-Jahren von zentraler Bedeutung (vgl. Gehrau/ Schramm/ Wirth 2006, 7), denn Medien bestimmen mit ihrem beachtlichen Unterhaltungspotenzial immer mehr unsere Lebenswelt.
In der vorliegenden Arbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, wie Unterhaltung durch Medienrezeption entsteht. Dabei bezieht sich der Verfasser dieser Arbeit vorrangig auf die von Werner Früh entwickelte „Triadisch-Dynamische Unterhaltungstheorie“ (TDU), die als umfassende Rahmentheorie den Prozess des Unterhaltungserlebens erklärt. Als Rahmentheorie ist sie deshalb zu bezeichnen, da sie viele verschiedene Theorien aufgreift und zusammenfasst sowie gleichzeitig Anschlussmöglichkeiten für andere Theorien und Modelle liefert.
Zunächst soll in dieser Arbeit beschrieben werden, inwiefern das Entstehen von Unterhaltung als Prozess anzusehen ist. Weiterhin werden die unterschiedlichen Elemente, die in diesem Prozess eine Rolle spielen, erläutert und dabei wird besonders auf die Relevanz spezifischer Kontrollprozesse während der Herausbildung von Unterhaltung eingegangen. Anhand der Beschreibung der drei Phasen von Unterhaltungserleben soll dann verdeutlicht werden, dass es sich bei diesem Prozess um einen kognitiv-affektiven Vorgang handelt, der sich auf einer Mikro- und einer Makroebene vollzieht. Unterhaltungserleben präsentiert sich dabei letztendlich auf Makroebene als „Makroemotion“. Abschließend werden die unterschiedlichen Arten von Unterhaltung beschrieben, die verdeutlichen, dass es neben der gezielten Unterhaltungsrezeption, von der die TDU in ihrer Darstellung vorrangig ausgeht, noch weitere Formen gibt.
Es sei hier noch darauf hinzuweisen, dass die TDU Unterhaltung durch Medien speziell auf Fernsehen bezieht, grundsätzlich aber, wie im Verlauf dieser Arbeit sicher deutlich wird, auch auf andere Medien anwendbar ist.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Unterhaltungserleben als Rezeptionsprozess
III. Elemente des Unterhaltungserlebens
1. Das triadische Ursachenfitting: Person, Medienangebot, Situation
2. Die Kontrollprozesse
IV. Phasen des Unterhaltungserlebens
1. Die präkommunikative Phase
2. Die kommunikative Rezeptionsphase
2. 1 Mikro- und Makroebene
2. 2 Die kognitive Komponente: Makrostruktur „Inhalt/ Thema“
2. 3 Die affektive Komponente: Makroemotion „Unterhaltung“
3. Die postkommunikative Phase
V. Formen der Unterhaltungsrezeption
VI. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Entstehungsprozess von Unterhaltung durch Medienrezeption, wobei die „Triadisch-Dynamische Unterhaltungstheorie“ (TDU) von Werner Früh als zentraler theoretischer Rahmen dient. Ziel ist es, die kognitiven und affektiven Vorgänge sowie die Bedeutung von Kontrollprozessen während der Mediennutzung auf Mikro- und Makroebene zu analysieren.
- Prozesshafte Natur des Unterhaltungserlebens
- Die triadische Konstellation: Person, Medienangebot und Situation
- Differenzierte Kontrollprozesse und deren Rolle bei der Rezeption
- Kognitive und affektive Interpretationsmuster (Mikro- und Makroebene)
- Formen und Bedingungen der Unterhaltungsrezeption
Auszug aus dem Buch
II. Unterhaltungserleben als Rezeptionsprozess
Unterhaltung bzw. Unterhaltungserleben versteht sich nicht als ein plötzlich eintretendes Gefühl oder kurzweiliges Erlebnis, sondern vielmehr als ein Prozess der Informations- und Emotionsverarbeitung (vgl. Früh 2002, 140). Dieser findet auf einer kognitiven sowie affektiven Ebene statt und wird dabei „als positives emotionales Erleben auf Makroebene konzipiert“ (Arendt 2006, 68).
Ausgangspunkt ist stets ein bestimmter Rezipient mit bestimmtem Wissen, Einstellungen und Emotionen, der einem Medienangebot gegenüber steht (vgl. Früh 2002, 141). Dieser verfolgt zwei unterhaltungsrelevante Handlungsziele: das Management seines Energiebudgets, welches das Aufbrauchen der zur Verfügung stehenden Energie über einen bestimmten Zeitraum meint, sowie das Streben nach angenehmem Erleben (vgl. Wünsch 2006, 103 f.). Der Rezipient fühlt sich also ausgehend von diesen Handlungszielen durch das Medienangebot gewissen Reizen bzw. Erregungen ausgesetzt, die bei der Rezeption bzw. Interpretation eines bestimmten Fernsehinhaltes entstehen. Diese Reize können von inhaltlichen (z.B. Thematik eines Spielfilms), aber auch formalen (z.B. Machart des Films) Merkmalen ausgehen (vgl. Früh 2002, 140). Einerseits finden während der Wahrnehmung des Reizes nun wie schon erwähnt kognitive, andererseits affektive Interpretationsprozesse statt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Thema Unterhaltung und Vorstellung der TDU als theoretische Grundlage für die Untersuchung des Medienrezeptionsprozesses.
II. Unterhaltungserleben als Rezeptionsprozess: Erläuterung des Unterhaltungserlebens als komplexer Prozess der Informations- und Emotionsverarbeitung auf kognitiver und affektiver Ebene.
III. Elemente des Unterhaltungserlebens: Analyse der triadischen Interaktion zwischen Person, Medienangebot und Situation sowie der steuernden Kontrollprozesse.
IV. Phasen des Unterhaltungserlebens: Detaillierte Darstellung der prä-, kommunikativen und postkommunikativen Phasen sowie der damit verbundenen kognitiven und affektiven Mechanismen.
V. Formen der Unterhaltungsrezeption: Diskussion verschiedener Rezeptionsmodi, von der gezielt motivierten Nutzung bis hin zu habitualisierten Formen.
VI. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Anwendbarkeit der TDU als präzises Erklärungsmodell für das Unterhaltungserleben.
Schlüsselwörter
Unterhaltungserleben, Medienrezeption, Triadisch-Dynamische Unterhaltungstheorie, TDU, Kontrollprozesse, Makroemotion, Kognition, Affekt, Mikroebene, Makroebene, Informationsverarbeitung, Rezeptionsprozess, Valenztransformation, Medienangebote, Situationskontext
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Prozess, wie beim Menschen durch die Rezeption von Medieninhalten ein Unterhaltungserleben entsteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Theorie des Unterhaltungserlebens, die Rolle von individuellen Personenmerkmalen, Medienangeboten, situativen Kontexten sowie die Bedeutung ständiger Kontrollprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte auf Basis der „Triadisch-Dynamischen Unterhaltungstheorie“ (TDU) erklären, wie Unterhaltung als kognitiv-affektiver Prozess entsteht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Rahmentheorie von Werner Früh aufbaut und weitere kommunikationswissenschaftliche Modelle zur Erklärung heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert das Unterhaltungserleben in Phasen, beleuchtet die Makro- und Mikroebene der Rezeption und analysiert die kognitiven sowie affektiven Komponenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die zentralen Begriffe sind Unterhaltungserleben, TDU, Kontrollprozesse, Makroemotion und Medienrezeption.
Warum ist das „Fitting“ in der TDU so bedeutsam?
Das „Fitting“ beschreibt das optimale Zusammenpassen von Person, Medienangebot und Situation, welches erst die Voraussetzung für ein effektives Unterhaltungserleben schafft.
Wie erklärt die Arbeit den Genuss von vermeintlich negativen Inhalten?
Durch die Trennung in Mikro- und Makroebene können auf Mikroebene negative Gefühle entstehen, die auf Makroebene in eine positive „Makroemotion“ transformiert werden.
- Quote paper
- Ariane Bahr (Author), 2007, Unterhaltung als Makroemotion, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164286