Die weltweiten Industriemärkte haben seit Beginn der 90er-Jahre eine fundamentale Transformation bzw. Trendwende erfahren, welche sich hauptsächlich in der Beschaffung vollzieht. Der Zukaufanteil produzierender Unternehmen in Relation zum Umsatz liegt bei etwa 55%, in der Automobilindustrie betrug der Anteil am Bruttoproduktionswert im Jahr 2003 sogar 73,4%. Dadurch wird deutlich, dass die Beschaffung signifikante Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg haben kann. In einschlägiger Literatur spricht man bzgl. der Beschaffung mittlerweile von einer Art Paradigmenwechsel, der durch die Abkehr von vornehmlicher Transaktionsorientie-rung hin zu einer stärkeren Betonung der Beziehung zwischen Hersteller und Lieferant definiert ist. Beide Parteien haben offensichtlich erkannt, dass in einer frühzeiti-gen Integration des Zulieferers in den Wertschöpfungsprozess wesentlich größere Potenziale schlummern, als in der reinen Preisverhandlung.
Aufgrund des stetig zunehmenden Wettbewerbs im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung, werden Unternehmen gezwungen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu erzielen, die das Überleben des Unternehmens sichern sollen. Durch die immer stärkere Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen steigt entsprechend auch die Abhängigkeit von Lieferanten, ohne deren Mithilfe eigene Wettbewerbsvorteile kaum mehr zu realisieren sind. Um dieser Abhängigkeit strategisch entgegenzuwirken und die Machtverteilung zwischen beiden Parteien ausgewogen zu gestalten, muss dem Lieferantenmanagement in Einkauf und Beschaffung zukünftig offensichtlich wesentlich stärkere Bedeutung beigemessen werden. Schließlich gilt es, ein solches, teils sehr komplexes Beziehungsnetzwerk effektiv und effizient zu koordinieren.
Inwieweit der Einsatz eines Lieferantenmanagements im Rahmen der strategischen Beschaffung einen Beitrag zur Wertschöpfung eines Unternehmens leisten kann, ist Gegenstand dieser Arbeit. Im Zentrum steht die Frage, welche Schritte notwendig sind, um ein optimales Lieferantenmanagement zu implementieren, welche Voraussetzungen dafür notwendig sind und ob es tatsächlich geeignet ist, Probleme bzw. Entwicklungspotential bei Zulieferern zu erkennen und zu lösen. Diese Frage erhält am Beispiel des japanischen Automobilherstellers TOYOTA zudem auch einen praktischen Bezug.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Einkauf im Wandel
2. Vorüberlegungen und Begriffsabgrenzung
2.1. Die Beschaffungsfunktion im Unternehmenskonzept
2.2. Begriffsklärung und Einordnung des Lieferantenmanagements in die Beschaffung
3. Bausteine eines optimalen Lieferantenmanagements
3.1. Sourcing Strategie
3.2. Lieferanten Strategie
3.3. Analyse des Wertbeitrags
4. Der Prozess des Lieferantenmanagements
4.1. Lieferantenbewertung
4.2. Lieferantenentwicklung
4.3. Lieferantenintegration
5. Praktische Umsetzung des Lieferantenmanagements am Beispiel TOYOTA
6. Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die strategische Bedeutung des Lieferantenmanagements als Instrument zur Steigerung der Wertschöpfung in produzierenden Unternehmen. Im Zentrum steht die Frage, welche Voraussetzungen für die Implementierung eines optimalen Lieferantenmanagements notwendig sind und wie dieses dazu beitragen kann, Potenziale bei Zulieferern zu identifizieren, zu fördern und nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu generieren.
- Paradigmenwechsel von der transaktionsorientierten Beschaffung zur lieferantenorientierten Partnerschaft.
- Strukturierung der Bausteine eines optimalen Lieferantenmanagements, insbesondere Sourcing- und Lieferantenstrategien.
- Prozessphasen des Lieferantenmanagements: Bewertung, Entwicklung und Integration von Zulieferern.
- Praktische Anwendung der Konzepte am Beispiel des Toyota-Produktionssystems.
Auszug aus dem Buch
3. Bausteine eines optimalen Lieferantenmanagements
Die Auswahl von Lieferanten stellt den Startpunkt jeder Materialdisposition dar. Hierbei kommt der zu wählenden Sourcing Strategie entscheidende Bedeutung zu, da diese die optimale Lieferantenstruktur unabhängig von konkreten Lieferanten festlegt. Sie bestimmt die ideale Lieferantenzahl sowie die Art und Weise der Lieferungen. Darüber hinaus muss die jeweilige Versorgungsstrategie gewährleisten, dass die Lieferungen zuverlässig und einwandfrei erfolgen, um so negativen Entwicklungen sowie Risiken auf den Supply-Märkten vorzubeugen.
Die verschiedenen Sourcing Modelle lassen sich in prozess-, lieferanten-, teile- und regionenbezogene Strategien unterscheiden (Siehe Abbildung 2). Es ist Aufgabe der Beschaffung, aus diesen Alternativen eine auf das Unternehmen zugeschnittene Mischung zu erstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Einkauf im Wandel: Beschreibt den Paradigmenwechsel in der Beschaffung hin zu einer stärkeren Betonung langfristiger Lieferantenbeziehungen zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen.
2. Vorüberlegungen und Begriffsabgrenzung: Definiert die Beschaffungsfunktion im Unternehmenskonzept und ordnet das Lieferantenmanagement als ganzheitlichen Ansatz zur Wertschöpfungsoptimierung ein.
3. Bausteine eines optimalen Lieferantenmanagements: Analysiert die strategischen Grundlagen, wie Sourcing-Strategien und die Analyse des Wertbeitrags, als Basis für eine erfolgreiche Lieferantensteuerung.
4. Der Prozess des Lieferantenmanagements: Detailliert die operativen Schritte der Lieferantenbewertung, -entwicklung und -integration in den Wertschöpfungsprozess.
5. Praktische Umsetzung des Lieferantenmanagements am Beispiel TOYOTA: Illustriert anhand des Toyota-Beispiels, wie durch Kooperation, Wissensaustausch und langfristige Bindung Wettbewerbsvorteile gesichert werden.
6. Fazit & Ausblick: Führt zusammen, dass eine ganzheitliche Steuerung von Lieferantenbeziehungen unerlässlich ist, um externe Wertschöpfungspotenziale voll auszuschöpfen.
Schlüsselwörter
Beschaffungsmanagement, Lieferantenmanagement, Sourcing Strategie, Lieferantenbewertung, Lieferantenentwicklung, Lieferantenintegration, Wertschöpfung, Wettbewerbsvorteile, Toyota, Keiretsu, Wissensaustausch, Zulieferer, Beschaffungskette, Prozesssteuerung, Kunden-Lieferanten-Beziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle des Lieferantenmanagements als strategisches Werkzeug im Einkauf zur Optimierung der Wertschöpfung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gestaltung von Sourcing-Strategien, dem Prozess der Lieferantenbewertung, gezielten Entwicklungsmaßnahmen für Zulieferer sowie deren Integration in den Produktionsprozess.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Schritte und Voraussetzungen notwendig sind, um ein optimales Lieferantenmanagement zu implementieren und ob dieses geeignet ist, Entwicklungspotenziale bei Zulieferern effizient zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung, die durch eine praxisorientierte Fallstudie des Automobilherstellers Toyota ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die strategischen Bausteine, die operativen Prozessphasen des Lieferantenmanagements sowie deren Anwendung in der Praxis.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Lieferantenmanagement, Sourcing-Strategien, Wertschöpfung, Lieferantenentwicklung und Lieferantenintegration.
Wie definiert Toyota seine Lieferantenbeziehungen?
Toyota setzt auf komplexe Netzwerke (Keiretsu), die durch Kooperation, Gruppenloyalität, intensiven Wissensaustausch und ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen geprägt sind.
Warum ist eine Lieferantenentwicklung laut Arbeit notwendig?
Sie dient dazu, Leistungsdefizite bei Zulieferern proaktiv zu beheben und deren Performance sowie Produktqualität im Sinne der Unternehmensziele kontinuierlich zu steigern.
- Quote paper
- Philipp Moll (Author), 2010, Lieferantenmanagement als Werkzeug in der Beschaffung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164199