This paper deals with the question in which way Sultan Saladin was perceived by the western world. For a long time his person has sparked a great number of fictional stories dealing with his life. Remarkably he was perceived quite paradoxically in two distinct ways.
Due to the strong Christian perception of history as path to salvation and the Influence of Augustine´s division of the world in civitas dei and civitas diaboli, the early accounts of his life are quite negative. As a usurper of power he is seen as salahdinus tyrannus. Quite a number of negative images were constructed in order to integrate him in this universalistic worldview. These propagandistic depictions surface immediately after the first contact of Crusaders and Saladin. This reception started at the end of the 12th and lasted until the end of the 13th century. They form as reaction to the catastrophic defeats which the Christians suffer. They are a way to overcome the shock and integrate these defeats in their teleological worldview so that may seem sensible.
A second group of more positive views of Saladin emerged in the 13th until the 15th century. They express a more distanced mentality towards these catastrophic events during the third crusade. Saladins transforms into the ideal noble Knight which exemplifies christian virtues. Again in the medieval historiography and literature the writers tried to integrate Saladin in their worldview.
He stands out in contrast to the very negative and dark images of Islam which are common in Europe in this time. In order to make his good deeds plausible stories about him being a knight or even of christian birth were invented. As in the first group he becomes a western instrument of criticism and propaganda though now in an opposite way. He is merely a reflex of western fears and problems than in any way close to the historic Person. Both groups show the same need to cope with Saladin. He posed a challenge to western Christian moral and religious belief-system. That’s why he had to be integrated in a positive or negative way. Afterwards a short sketch of Saladin in the Enlightenment and romantic tradition has been given. In his still ongoing reception Saladin has become a more and more flexible, adaptable symbolic figure which was used in diverse contexts to convey quite different messages. Only the scientific research of the 20th century has tried to portrait an objective picture of Saladin.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. HAUPTTEIL
II.1 KONTEXT KREUZZÜGE UND DAS LEBEN SALADINS
II.2 SAGEN UM SALADIN IM CHRISTLICHEN EUROPA
II.2.1 GRUNDSTRUKTUREN DER SAGEN
II.2.2 GRUPPE I– NEGATIVE DARSTELLUNGEN
II.2.3 GRUPPE II – POSITIVE DARSTELLUNGEN
II.2.4 GRUPPE III – SALADIN IN DER LITERARISCHEN REZEPTION DER NEUZEIT
III. RESUMÉE
IV. ABSTRACT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältige und oft widersprüchliche Rezeption der historischen Figur Saladin im christlichen Europa vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Ziel ist es, die Wandlungsfähigkeit des Saladin-Bildes aufzuzeigen und zu analysieren, wie die Person des Sultans als Projektionsfläche für zeitgenössische kulturelle Anforderungen, religiöse Identitätsstiftung und propagandistische Ziele genutzt wurde.
- Analyse der christlich-abendländischen Sichtweise auf Saladin als Feindbild oder Idealfigur.
- Kontrastierung der sagenhaften Überlieferungen mit der historischen Person Saladins.
- Untersuchung der Bedeutung des christlich-augustinischen Geschichtsbildes für die Deutung Saladins.
- Darstellung der Transformation Saladins vom „satanischen Barbaren“ zum „edlen Heiden“ und ritterlichen Vorbild.
- Rezeptionsgeschichte in Literatur und Geschichtsschreibung, inklusive der Instrumentalisierung in der Aufklärung und Romantik.
Auszug aus dem Buch
II.2.1 Grundstrukturen der Sagen
Erzählungen über Saladin finden sich in verschiedenen Textgattungen, deren Autoren besonders im 12. bis 15. Jahrhundert häufig innerhalb der christlichen Kirche angesiedelt waren. Für die Frühzeit lässt sich eine Dominanz von Berichten in Briefform oder in Chroniken ausmachen. Prosadarstellungen sind zu dieser Zeit noch selten. Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss mündlicher Überlieferung insbesondere für die Ausgestaltung des populären Bildes von Saladin durch die Autoren in Europa. Inwiefern die unterschiedlichen Textgattungen die Darstellung Saladins im Einzelnen beeinflussten, kann nur zum Teil geklärt werden, da diesbezüglich zum einen nicht ausreichende Erkenntnisse vorliegen und dies zum anderen in seiner notwendigen Detailliertheit den Rahmen dieser Untersuchung überschreiten würde.
Ursprung aller Berichte um Saladin ist eine Bedrohungssituation. Saladin tritt 1187 bei der Schlacht von Hattin mit darauf folgenden Einnahme Jerusalems schockhaft in das Bewusstsein der christlichen Welt. Er erscheint als übermächtiger, kaum zu besiegender Feind. Die christliche Geschichte im Mittelalter ist Heilsgeschichte, die nach Ansicht der Theologen - Geschichte wurde nur als Hilfswissenschaft zur Theologie verstanden - in sich eine Deutung aller Weltgeschehnisse erlauben sollte. Ihr Geltungsanspruch war universal. Das christliche Geschichtsverständnis war maßgeblich durch die Annahme eines personalisierten Gottes geprägt, der den Ablauf der Ereignisse teleologisch, also auf das Gute hin zielend, lenkt. Im Zentrum dieser geschichtlichen Abläufe sahen sich die Christen als die von Gott auf den richtigen Pfad Berufenen. Saladins überwältigende Feindschaft stellte einen Angriff auf das christliche Weltbild dar, indem es scheinbar ihre Sieghaftigkeit und damit ihre göttliche Sendung in Frage stellte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Bedeutung Saladins für das europäische kulturelle Gedächtnis ein und umreißt die Fragestellung sowie den Untersuchungsrahmen der Arbeit.
II. HAUPTTEIL: Dieser Abschnitt bietet zunächst einen historischen Abriss zum Leben Saladins und analysiert anschließend detailliert die verschiedenen Gruppen der europäischen Saladin-Sagen.
II.1 KONTEXT KREUZZÜGE UND DAS LEBEN SALADINS: Es wird die historische Realität Saladins und das politische Umfeld der Kreuzzüge als Kontrastfolie für die spätere Sagenbildung beschrieben.
II.2 SAGEN UM SALADIN IM CHRISTLICHEN EUROPA: Das Kapitel strukturiert die sagenhafte Überlieferung und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
II.2.1 GRUNDSTRUKTUREN DER SAGEN: Hier werden die Entstehung der Berichte aus der Bedrohungssituation und deren Einbettung in das mittelalterliche Heilsgeschichtsbild analysiert.
II.2.2 GRUPPE I– NEGATIVE DARSTELLUNGEN: Der Fokus liegt auf der frühen, stark negativ gefärbten Rezeption als Christenfeind und Instrument der göttlichen Strafe.
II.2.3 GRUPPE II – POSITIVE DARSTELLUNGEN: Es wird die Transformation Saladins zum „edlen Heiden“ und ritterlichen Vorbild sowie die Aneignung durch christliche Ideale untersucht.
II.2.4 GRUPPE III – SALADIN IN DER LITERARISCHEN REZEPTION DER NEUZEIT: Dieses Kapitel behandelt die Rezeption in der Aufklärung und Romantik, in denen Saladin vermehrt als idealer, toleranter Herrscher stilisiert wird.
III. RESUMÉE: Die zentralen Ergebnisse werden zusammengefasst und die Bedeutung der paradoxen Wahrnehmung Saladins für die mittelalterliche und neuzeitliche Daseinsbewältigung hervorgehoben.
IV. ABSTRACT: Eine zusammenfassende Darstellung der Forschungsarbeit in englischer Sprache.
Schlüsselwörter
Saladin, Kreuzzüge, Rezeption, Mittelalter, Geschichtsbild, Sagen, Rittertum, Heilsgeschichte, Christenheit, Islam, Aufklärung, Romantik, Feindbild, Toleranz, Mythos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die muslimische Herrscherfigur Saladin über mehrere Jahrhunderte hinweg in der christlich-europäischen Literatur und Geschichtsschreibung wahrgenommen und interpretiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Kreuzzüge, mittelalterliche Heilsgeschichte, die Entwicklung von Feindbildern versus Idealisierungen sowie die literarische Rezeption vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die „doppelsträngige“ Rezeption Saladins aufzuzeigen und zu ergründen, warum seine Figur als Projektionsfläche für christliche Bedürfnisse, Ängste und Ideale diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Textanalyse, bei der sagenhafte Darstellungen Saladins mit Erkenntnissen über seine historische Person sowie den jeweiligen kulturellen Entstehungskontexten kontrastiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Saladins und eine detaillierte Analyse der Saladin-Sagen, unterteilt in drei zeitliche und inhaltliche Rezeptionsgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Saladin, Kreuzzüge, Rezeptionsgeschichte, Ritterideal, Heilsgeschichte und christliches Geschichtsverständnis.
Wie unterscheidet sich die Rezeption in den drei Gruppen?
Gruppe I ist geprägt von einer negativen Darstellung aus einer unmittelbaren Bedrohungssituation heraus; Gruppe II zeigt eine positivere Aneignung als ritterliches Ideal; Gruppe III nutzt Saladin in der Neuzeit flexibel für aufklärerische oder romantische Ideale.
Welche Rolle spielt das augustinische Geschichtsbild für die frühe Rezeption?
Das augustinische Geschichtsbild ermöglichte es, Saladin in die christliche Heilsgeschichte zu integrieren, indem man ihn als göttliches Instrument zur Strafe für die Sünden der Christen deutete.
Warum wurde Saladin in der Literatur zum „edlen Heiden“ erklärt?
Die positive Umdeutung diente dazu, Saladins Tugenden in Einklang mit christlichen Ritteridealen zu bringen und somit die eigene religiöse und moralische Identität nicht durch das Dasein eines „barbarischen“ Feindes zu gefährden.
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- M.A. Thomas Steller (Author), 2007, Saladin in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164053