Diese Examensarbeit geht der Frage nach, ob die Unterschicht gegenwärtig bildungsbenachteiligt ist. Daraus ergeben sich weitere Unterfragen: Sollte die Unterschicht tatsächlich bildungsbenachteiligt sein, inwiefern könnte dann die soziale Herkunft neben den kognitiven Fähigkeiten die Schullaufbahn beeinflussen? Wie müsste Schule gestaltet sein, um Chancengleichheit herzustellen?
Zu Beginn der Examensarbeit werden vier aktuelle Studien vorgestellt. Diese Studien werden gezielt danach analysiert, ob sie auf schichtspezifische Chancenungleichheiten bezüglich des Schulerfolges hinweisen. Damit soll überprüft werden, ob Kinder der unteren Sozialschicht noch immer benachteiligt in ihrer Bildungslaufbahn sind (Kap. 2).
Das dritte Kapitel befasst sich mit der Frage, wie etwaige Bildungsbenachteiligungen erklärt werden könnten.
Als Grundlage wird zunächst ein Erklärungsansatz von Pierre Bourdieu dargelegt. Hier wird erläutert, welche sozialen Gruppen Bourdieu unterscheidet. Es wird beschrieben, welche kulturellen, sozialen und ökonomischen Ressourcen Bourdieu den jeweiligen Schichten zuschreibt. Ebenso wird aufgezeigt, welche Vor- bzw. Nachteile aus der schichtspezifischen Ressourcenverteilung hinsichtlich des Schulerfolgs entstehen.
Anschließend werden weitere Erklärungsansätze dargestellt, welche aktuell in Forschungsliteratur diskutiert werden. Eingangs wird untersucht, wie sich die familiäre Sozialisation zwischen den Schichten bezüglich schulrelevanter Denk- und Verhaltensweisen unterscheidet. Daraufhin werden jene vermittelten Dispositionen mit den Leistungs- und Verhaltensanforderungen verglichen, welche die Schule an ihre Schüler stellt. Vor diesem Hintergrund werde ich ableiten können, wie sich die familiäre Sozialisation auf den Bildungserfolg auswirkt.
Anknüpfend werden der kulturökologische Ansatz von John Ogbu und die Kulturforschung Hofstedes mit zur Klärung der Chancenungleichheit herangezogen. Auch die Rational-Choice Theorie wird vorgestellt, welche hauptsächlich Aufschluss über schichtspezifische Bildungsentscheidungen seitens der Eltern geben soll.
Danach wird verglichen, inwieweit diese aktuellen Ergebnisse mit den Thesen Bourdieus vereinbar sind (Kapitel 3.3).
In der Schlussbetrachtung werden zentrale Ergebnisse zusammengefasst wie auch Antworten auf die eingangs gestellten Fragen formuliert.
Kapitel 4.2 zeigt Handlungsmöglichkeiten auf, welche potenzielle Bildungsnachteile der Unterschicht aufheben oder kompensieren könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktueller Forschungsstand
2.1 „Bildungschancen und Lernbedingungen an Wiesbadener Grundschulen am Übergang zur Sekundarstufe I“
2.2 „Kinder in Deutschland 2010”
2.3 „TIMSS 2007“
2.4 „IGLU-E 2006“
2.5 Auswertung der Studien
3. Erklärungsansätze
3.1 Habitus-Theorie von Pierre Bourdieu
3.2 Aktuell diskutierte Erklärungsansätze
3.3 Vergleich der Habitustheorie von Bourdieu mit aktuelleren Erklärungsansätzen
4. Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Implikationen
4.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Kinder aus der Unterschicht gegenwärtig bildungsbenachteiligt sind, und analysiert den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg und die Schullaufbahn unter Berücksichtigung kognitiver Leistungen.
- Analyse aktueller Studien zur schichtspezifischen Bildungsbenachteiligung.
- Theoretische Fundierung durch die Habitus-Theorie von Pierre Bourdieu.
- Diskussion weiterer Erklärungsansätze (z.B. Kulturdiskrepanz, Rational-Choice-Theorie).
- Reflexion von Handlungsmöglichkeiten zur Kompensation von Bildungsnachteilen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In meiner Examensarbeit möchte ich der Frage nachgehen, ob die Unterschicht gegenwärtig bildungsbenachteiligt ist. Daraus ergeben sich weitere Unterfragen: Sollte die Unterschicht tatsächlich bildungsbenachteiligt sein, inwiefern könnte dann die soziale Herkunft neben den kognitiven Fähigkeiten die Schullaufbahn beeinflussen? Wie müsste Schule gestaltet sein, um Chancengleichheit herzustellen?
Aus einigen Untersuchungen ist bereits bekannt, dass Jugendliche aus unteren Gesellschaftsschichten in höheren Bildungswegen unterrepräsentiert seien. So hat beispielsweise die PISA-Studie 2000 ergeben, dass lediglich etwa zehn Prozent der Gymnasiasten aus Arbeiterfamilien stammten. Als „Arbeiter“ bezeichne ich hierbei Facharbeiter, Arbeiter mit Leitungsfunktion, Angestellte in manuellen Berufen, un- und angelernte Arbeiter sowie Landarbeiter (vgl. Petra Stanat et al. 2003, S. 75). Im Gegensatz dazu stellten Arbeiterkinder an der Hauptschule einen überproportionalen Schüleranteil von fast 40 Prozent dar. Infolgedessen lautet eines der Ergebnisse der PISA-Studie, dass Kinder der höchsten sozialen Schichten eine dreimal größere Chance als Arbeiterkinder hätten, bei gleichen kognitiven Fähigkeiten ein Gymnasium anstelle einer Realschule zu besuchen (vgl. Deutsches PISA-Konsortium 2002, S. 12f.).
Zu Beginn meiner Examensarbeit werden vier aktuelle Studien vorgestellt. Diese Studien werden gezielt danach analysiert, ob sie auf schichtspezifische Chancenungleichheiten bezüglich des Schulerfolges hinweisen. Damit soll überprüft werden, ob Kinder der unteren Sozialschicht noch immer benachteiligt in ihrer Bildungslaufbahn sind (Kapitel 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Bildungsbenachteiligung der Unterschicht und Darlegung des methodischen Vorgehens.
2. Aktueller Forschungsstand: Analyse von vier aktuellen Studien (Wiesbadener Vollerhebung, World Vision Kinderstudie 2010, TIMSS 2007, IGLU-E 2006) hinsichtlich schichtspezifischer Unterschiede im Bildungserfolg.
3. Erklärungsansätze: Theoretische Auseinandersetzung mit Pierre Bourdieus Habitus-Theorie und ergänzenden Erklärungsmodellen zur Entstehung von Bildungsungleichheit.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der zentralen Forschungsergebnisse, Ableitung von Handlungsmöglichkeiten für die Praxis und abschließendes Fazit.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Unterschicht, Soziale Herkunft, Habitus-Theorie, Pierre Bourdieu, Schullaufbahn, Chancengleichheit, Bildungsaspirationen, Leistungsniveau, Lehrerempfehlung, Rational-Choice-Theorie, Kulturdiskrepanz, Bildungssoziologie, Schule, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob Kinder aus der Unterschicht gegenüber anderen sozialen Schichten bildungsbenachteiligt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit umfasst Bildungsaspirationen, schulische Leistungen, Lehrerempfehlungen sowie den realisierten Übergang in die Sekundarstufe I.
Welches Ziel verfolgt die Verfasserin?
Das primäre Ziel ist es zu klären, inwiefern die soziale Herkunft neben kognitiven Fähigkeiten den Bildungserfolg determiniert und wie Chancengleichheit hergestellt werden könnte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse aktueller Studien sowie soziologischer Theorien, um diese zu vergleichen und auf die Fragestellung anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme aktueller Daten aus vier Studien sowie die theoretische Fundierung durch Erklärungsansätze wie die Habitus-Theorie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bildungsbenachteiligung, soziale Herkunft, Habitus, Schulerfolg und Bildungschancen.
Welche Rolle spielt die Habitus-Theorie von Pierre Bourdieu?
Sie dient als soziologische Grundlage, um zu verstehen, wie soziale Herkunft Denk-, Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster prägt, die den Bildungserfolg beeinflussen.
Welche Bedeutung kommt der Lehrkraft bei Selektionsentscheidungen zu?
Die Arbeit zeigt auf, dass Lehrkräfte bei ihren Übergangsempfehlungen oft unbewusst durch das soziale Milieu des Schülers beeinflusst werden, was zu Benachteiligungen für Kinder aus niedrigeren Schichten führt.
Welche Handlungsempfehlungen gibt die Verfasserin für die Praxis?
Empfohlen werden unter anderem der Ausbau vorschulischer Förderung, die Umwandlung in Ganztagsschulen und eine engere Kooperation zwischen Elternhaus und Schule.
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- Ann-Kathrin Daab (Author), 2010, Sind Kinder aus der Unterschicht bildungsbenachteiligt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163808