Die Arbeit thematisiert die wesentlichen Charakteristika von Organisationen in modernen Gesellschaften. Diesbezüglich wird zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss über die Entwicklung und Stellung von Organisationen in der Gesellschaft gegeben. Damit einher gehend werden die drei entscheidenden Dimensionen von Organisationen, Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung, vorgestellt.
Diese Betrachtung wird unter Einbeziehung der aktuellen Entwicklung der digitalen Medien (insbesondere des Internets) exemplarisch anhand von großen deutschen Firmen in Online Communities betrachtet. Die Zielsetzung der kritischen Analyse ist die Evaluation möglicher Unterschiede zur realen Welt. Zur Quantifizierung solcher Differenzen referenziert die Betrachtung kontextuell auf den drei vorgestellten Dimensionen. Nach der Initialbetrachtung wird eine Übertragbarkeit der Resultate auf weitere Bereiche des Internets thematisiert.
Die betrachteten Beispiele zeigen deutliche Differenzen in der Übertragbarkeit der drei Organisationsdimensionen. Eine starke kontextuelle Abhängigkeit in Bezug auf das Geschäftsmodell, die Nutzergruppe und die soziale Interaktion innerhalb der Online Communities ist beobachtbar. Allgemein zeigen die drei Dimensionen unterschiedlich starke Aussagekraft für den virtuellen Raum. Bedingt durch Möglichkeiten der Anonymisierung und rechtlicher Grauzonen zeigt die klassische Betrachtung von Organisationen entlang dieser Dimensionen Limitationen im Erklärungswert. Die Betrachtung bezüglich weiterer Kommunikationsmedien im Internet unterstreicht diese Differenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Abstrakt
1.2. Problemstellung
1.3. Aufbau der Hausarbeit
2. Hintergrund
2.1. Organisationen und gesellschaftlicher Kontext – ein kurzer historischer Exkurs
2.2. Organisationale Grunddimensionen: Ordnung, Gebilde, Vergemeinschaftung
3. Virtuelle Räume und Online Communities
3.1. Entwicklung von Online Communities im organisationalen Kontext
3.2. Betrachtung der organisationalen Grunddimensionen in Bezug auf virtuelle Umwelten
4. Kritischer Diskurs
4.1. Anwendbarkeit von organisationalen Schematas auf Online Communities großer deutscher Firmen
4.2. Übertragbarkeit der Ergebnisse auf weitere virtuelle Bereiche
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit klassische soziologische Organisationsdimensionen – Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung – auf Online-Communities großer deutscher Unternehmen anwendbar sind, um den Wandel von Organisationen in virtuellen Räumen besser zu verstehen.
- Historische Entwicklung und soziologische Bedeutung von Organisationen
- Charakterisierung virtueller Räume und Online-Communities
- Kritische Analyse der Übertragbarkeit klassischer Organisationsdimensionen
- Fallstudien zu Otto.de, StudiVZ.net und Spiegel.de
- Weiterentwicklung von Organisationsmodellen für den digitalen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.2. Organisationale Grunddimensionen: Ordnung, Gebilde, Vergemeinschaftung
Ausgehend vom Leitsatz „Wir wollen ein zweckgerichtet geordneter sozialer Körper sein“ (vgl. Türk, 2009, S.15) lassen sich drei Dimensionen zur Beschreibung einer typischen Organisation ableiten – Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung. Diese drei Dimensionen stellen unterschiedliche Kontexte dar, in denen eine Organisation als Gruppenstruktur gestaltet ist. Jede dieser Dimensionen umfasst nicht nur eine singuläre Bedeutung, sondern spannt einen Bedeutungszusammenhang auf. Da diese Dimensionen deshalb allgemein formuliert sind, werden sie in der Betrachtung dieser Arbeit als Vergleichsfelder für den Wandel von Organisationen im Zeitalter der digitalen Räume dienen.
Ordnungsdimension: Die Dimension der Ordnung geht von Max Weber (vgl. Weber, 1964) aus und lehnt sich an der Form von bürokratischen Organisationen an. Die Ordnung beinhaltet drei wesentliche Komponenten: Die Herrschaft, die Vernunft (Rationalitätsprinzip) und die Effektivität (Ökonomie und Produktivität). Diese Faktoren sind besonders präsent, wenn man auf Großkonzerne referenziert. Sie spiegeln zugleich eine implizite Handlungsgrundlage wieder, wie innerhalb dieser sozialen Gebilde miteinander umgegangen wird.
Vergemeinschaftungsdimension: Die Vergemeinschaftung beschreibt einen weiteren wesentlichen Aspekt von Organisationen, nämlich die Fokussierung der Mitglieder auf die Gemeinschaft. So entsteht eine „Wir-und-die-Anderen-Perspektive“ (vgl. Türk, 2010, S.21). Dabei ist der Effekt des Minimal Group Paradigmas von Henri Tajfel (Sews, 2009, S.47ff.) deutlich erkennbar. Durch eine Separation von der restlichen Gesellschaft entsteht unter anderem ein starkes Gemeinschaftsgefühl, eine Kollegialität.
Gebildedimension: Die Gebildedimension beschreibt letztlich den Ort von organisationalen Aktivitäten. Ebenfalls spielt die Bildung von Zurechnungseinheiten für Operationen und Produktivitäten eine wichtige Rolle. Die Gebildedimension beschäftigt sich im Kern also stark mit der Operationalisierbarkeit und Repräsentation des eigenen Handelns. So dient die juristische Person z.B. als ein Konzept der Meinungsvertretung von organisationalen Interessen durch natürliche Personen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Stellenwert von Organisationen in der modernen Gesellschaft ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung von Organisationen im virtuellen Kontext.
2. Hintergrund: Dieses Kapitel liefert historische Grundlagen zu Organisationen und definiert die drei zentralen Strukturdimensionen: Ordnung, Gebilde und Vergemeinschaftung.
3. Virtuelle Räume und Online Communities: Das Kapitel beschreibt die Evolution von Online-Communities und setzt diese in Bezug zu den organisationalen Grunddimensionen.
4. Kritischer Diskurs: Hier wird anhand von Praxisbeispielen großer deutscher Unternehmen evaluiert, wie gut sich die klassischen Dimensionen auf digitale Umgebungen anwenden lassen und wie sich die Ergebnisse verallgemeinern lassen.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten im Bereich virtueller Organisationsstrukturen.
Schlüsselwörter
Organisation, Soziologie, Online-Community, Virtuelle Räume, Ordnung, Vergemeinschaftung, Gebilde, Web 2.0, Digitale Medien, Organisationssoziologie, Soziale Interaktion, Identität, Digitale Transformation, Partizipation, Unternehmenskommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologische Perspektive auf Organisationen und wie diese durch die Entstehung digitaler Räume und Online-Communities in ihrer Struktur beeinflusst werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Organisationssoziologie, die Charakteristika von Online-Communities und die kritische Überprüfung klassischer Organisationsmodelle im Web 2.0.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Evaluation der Anwendbarkeit der drei Organisationsdimensionen (Ordnung, Gebilde, Vergemeinschaftung) auf Online-Communities sowie die Analyse möglicher Abweichungen zur realen Welt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die durch eine fallbasierte Untersuchung (Otto.de, StudiVZ.net, Spiegel.de) eine qualitative Diskursanalyse vornimmt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Organisationsbegriffe, die Charakterisierung virtueller Gemeinschaften und eine exemplarische Diskussion der Übertragbarkeit dieser Begriffe auf Online-Auftritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere Organisationssoziologie, Ordnung, Gebilde, Vergemeinschaftung, Online-Communities und virtuelle Räume.
Warum fällt die Übertragbarkeit der Ordnungsdimension auf Online-Communities so schwer?
Die Übertragung scheitert häufig an der Anonymität im Netz, dem Fehlen von klassischer Herrschaftsstrukturen sowie der mangelnden Ausrichtung auf klassische ökonomische Effizienz und Rationalität.
Wie unterscheidet sich die Interaktion bei Spiegel.de von anderen Communities?
Spiegel.de nutzt den Kanal primär in Monologform, bei dem die Redaktion die Inhalte vorgibt und die Nutzerinteraktion nur in sehr beschränktem Rahmen, etwa durch Leserbriefe, stattfindet.
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- Dr. Tobias Fritsch (Author), 2010, Individualisierungsphänomene in Organisationsgesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163754