Zukünftig wird den Akteuren des Gesundheitswesens ein hohes Veränderungspotenzial abverlangt. Neue und innovative Versorgungsformen wie die Integrierte Versorgung werden
zwangsläufig neue Anforderungen an das Profil der Gesundheitsberufe stellen. Der Pflege als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen kommt hier eine tragende Rolle zu.
Ohne Pflege würde es der Medizin nicht möglich sein, eine kontinuierliche Versorgung zu gewähren. Durch ihr professionelles und strukturiertes Handeln leistet die Pflege einen erheblichen Beitrag zu einem ganzheitlichen Versorgungsansatz. Sie unterstützt die Überbrückung der Sektoren, denn Pflege agiert im ambulanten wie stationären Sektor. Durch die Planung und Organisation der stationären Nachsorge, kompensiert sie schon heute Diskontinuitäten, so gleicht sie beispielsweise infrastrukturelle Defizite zwischen den Sektoren aus. Wo liegen hier die Entwicklungspotentiale und Qualifizierungsbedarfe?
Die Medizin, die Pflege und andere Heil- und Hilfsberufe befinden sich in einer anhaltenden Professionalisierungsdiskussion. Das Hauptziel der aktuellen Akademisierung ist die Qualifizierung für institutionsgebundene Führungstätigkeiten. In dem neuen Verständnis der Gesundheitsversorgung – sektorenübergreifende Netzwerke unterschiedlicher Akteure - kann die Grundlagenausbildung der Pflege das Wissens- und Verständnisfundament für Managementtätigkeiten in Versorgungsnetzen bilden. Jedoch muss ein größerer Fokus auf betriebswirtschaftliche, organisatorische und die entsprechenden Schlüsselqualifikationen gelegt werden.
Pflege kann neue Strukturen mitgestalten, wenn sie zukünftig mehr Verantwortung in der Organisation und Steuerung der Behandlungs- und Versorgungsprozesse übernimmt. Diese neuen Aufgaben und Kompetenzen können bei einer tragfähigen Legitimation zu einem neuen Pflegeverständnis führen, sie bedingen jedoch eine nachhaltige Entwicklung und Veränderung der bestehenden Pflegeausbildung in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pflege im Fokus eines Wachstumsmarktes: Chancen einer Branche
2.1 Alter im Zentrum des Pflegebedarfs
2.2 Fokussierung von Demenz
2.3 Verschiebung des Pflegebedarfs in den extramuralen Bereich
2.4 Wandel der sozialen Strukturen
2.5 Nachfragesteigerung von Pflege (-produkten und -leistungen)
3. Neue Qualifikationsfelder: Verzahnung von Fachexpertise und Management
3.1 Kooperation und Koordination
3.2 Organisations- und Personalentwicklung
3.3 Rollendefinitionen für innovative Versorgungsangebote
4. Kompetenzbildung und Qualifizierung: Warum eine duale Ausbildung?
4.1 Pflegeausbildung im internationalen Vergleich
4.2 Hintergründe zur dualen Ausbildung
4.3 Merkmale der dualen Ausbildung
4.4 Potenziale der dualen Ausbildung
5. Die berufliche Perspektive: Konkrete Einsatzfelder der Absolventen
5.1 Das Pflegeexpertentum in der US-Pflege
5.2 Geschäfts- und Tätigkeitsfelder im Bereich der Gesundheitsversorgung
5.3 Ausgewiesene Tätigkeitsfelder durch die Ausbildungsstätten
6. Die Integrierte Versorgung: Potenziale für Pflegefachkräfte
6.1 Entlassungsmanager
6.2 Patientenberater (Patientenedukation)
6.3 Case Manger
6.4 Netzwerkmanager
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die notwendige Rollendefinition zukünftiger Pflegefachkräfte im Kontext eines sich wandelnden Gesundheitswesens, das zunehmend von Arbeitsteilung und kooperativen Versorgungsformen geprägt ist. Ziel ist es, den Mehrbedarf an professionellen Pflegeleistungen aufzuzeigen und Strategien für eine modernisierte, duale Ausbildung zu entwickeln, die klinische Fachexpertise mit betriebswirtschaftlichen Managementkompetenzen verknüpft.
- Demographischer Wandel und Auswirkungen auf den Pflegemarkt
- Entwicklung neuer Qualifikationsprofile in der Pflege
- Integration akademischer Ausbildung mit praktischer Pflegequalifikation
- Rolle der Pflege in neuen Versorgungsmodellen (Integrierte Versorgung)
- Konkrete Einsatzfelder wie Entlassungsmanagement und Case Management
Auszug aus dem Buch
3.3 Rollendefinitionen für innovative Versorgungsangebote
Im Rahmen innovativer Versorgungskonzepte (z.B. IV) können drei maßgebliche Kompetenzen identifiziert werden: Netzwerkmanagement, Disease- und Case Management. Diese Managementaufgaben adressieren die Organisation, Planung, Steuerung und Kontrolle des Netzwerkes, der Behandlungsprozesse und der Patientenversorgung.34 Grundlage dieser Managementaufgaben ist ein allgemeines Verständnis für Gesundheit und Krankheit. Dieses Wissen wird durch die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenschwester/Gesundheits- und Krankenpfleger gewährleistet. Diese ermöglicht ein Verständnis bio-medizinischer Grundlagen und die Vermittlung aus theorie- und praxisgekoppelten professionellen pflegerischen Fähig und Fertigkeiten.
Um den zukünftigen Herausforderungen der Versorgungslandschaft gerecht zu werden, braucht es neben der pflegerischen Expertise vor allem Systemwissen. Die Schwerpunkte liegen hier bei gesundheitspolitischen- wie ökonomischen Fragestellungen und Managementtätigkeiten für die Steuerung sowie Organisation der Versorgung. Um die gesundheitssystemischen Zusammenhänge verstehen zu können bedarf es zukünftig auch betriebswirtschaftlicher bzw. kaufmännischer Grundlagen. Erst die Kopplung dieser Fach-, Sach- und Methodenkompetenzen ermöglichen Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume für Pflegeexperten in einem innovativen Versorgungssystem.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die veränderten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen und die damit einhergehende Notwendigkeit, das Rollenprofil der Pflege neu zu definieren.
2. Pflege im Fokus eines Wachstumsmarktes: Chancen einer Branche: Dieses Kapitel analysiert demografische und soziale Trends wie Alterung, Demenz und Strukturwandel, die den Pflegemarkt als Wachstumsbranche ausweisen.
3. Neue Qualifikationsfelder: Verzahnung von Fachexpertise und Management: Es wird erörtert, wie Pflege zukünftig Managementaufgaben in sektorenübergreifenden Netzwerken übernehmen muss, was neue Qualifikationsanforderungen bedingt.
4. Kompetenzbildung und Qualifizierung: Warum eine duale Ausbildung?: Das Kapitel diskutiert die Vorteile dualer Studiengänge zur Verknüpfung von wissenschaftlich-theoretischer Ausbildung mit der pflegerischen Praxiskompetenz.
5. Die berufliche Perspektive: Konkrete Einsatzfelder der Absolventen: Hier werden basierend auf US-amerikanischen Vorbildern neue Einsatzbereiche für Pflegeexperten identifiziert, die weit über die klassische Pflege hinausgehen.
6. Die Integrierte Versorgung: Potenziale für Pflegefachkräfte: Dieses Kapitel beschreibt konkrete neue Berufsrollen wie Entlassungsmanager, Patientenberater, Case Manager und Netzwerkmanager im Rahmen der Integrierten Versorgung.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die duale Ausbildung eine entscheidende Chance bietet, um Pflegefachkräfte für die Anforderungen einer modernen, kooperativen Gesundheitsversorgung zu qualifizieren.
Schlüsselwörter
Pflegeverständnis, duale Ausbildung, Integrierte Versorgung, Pflegemarkt, Demenz, Gesundheitswesen, Case Management, Entlassungsmanagement, Kompetenzbildung, Rollendefinition, Gesundheitsmanagement, Versorgungsnetzwerke, Pflegeexperten, Pflegewissenschaft, Demografischer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Anforderungen an ein neues Pflegeverständnis und wie sich die Aufgaben sowie Kompetenzen von Pflegefachkräften durch strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen wandeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der demografische Wandel, die Notwendigkeit zur Professionalisierung und Akademisierung der Pflege sowie die Verzahnung von medizinischer Fachexpertise mit Managementkompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Konsequenzen aus den Trends des Gesundheitsmarktes für die Ausbildung von Pflegexperten abzuleiten und aufzuzeigen, wie diese durch duale Ausbildungsprogramme auf neue berufliche Rollen vorbereitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Stand der Versorgungsstrukturen, ausländische Rollenmodelle für Pflegeexperten und Qualifizierungserfordernisse kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Pflegemarkt, die Anforderungen an neue Versorgungsformen, die Konzeption dualer Ausbildungsgänge sowie spezifische neue Tätigkeitsfelder wie Case- und Entlassungsmanagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie duale Ausbildung, Integrierte Versorgung, Kompetenzbildung, Case Management und Pflegemarkt charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die im Text vorgeschlagene Ausbildung von der traditionellen?
Die duale Ausbildung verknüpft ein akademisches Studium mit einer praktischen Pflegeausbildung, um eine neue Generation von Pflegenden mit sowohl klinischem als auch betriebswirtschaftlichem Wissen zu schaffen.
Warum spielt die Integrierte Versorgung eine so große Rolle?
Sie zielt auf eine effiziente, patientenorientierte und sektorenübergreifende Versorgung ab, für deren Koordination Pflegefachkräfte aufgrund ihrer Nähe zum Patienten prädestiniert sind.
Welche neuen Rollen werden für Pflegefachkräfte konkret genannt?
Es werden unter anderem Rollen wie Entlassungsmanager, Patientenberater (Patientenedukation), Case Manager und Netzwerkmanager definiert.
Was ist die Rolle des Case Managers in diesem Kontext?
Ein Case Manager übernimmt die Koordination zwischen verschiedenen Versorgungsebenen, steuert Patientenpfade und ist für die Planung und Überwachung des gesamten Behandlungsprozesses verantwortlich.
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- M.Sc. (PH and Admin.) Rajko Pflügel (Author), 2008, Aufgaben und Kompetenzen für ein neues Pflegeverständnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163438