Die Thematik Umweltschutz ist in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Aufgaben der Menschheit geworden. Insbesondere die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die großflächigen Überschwemmungen in Pakistan und die Waldbrände in Russland in jüngster Vergangenheit zeigen, welche Brisanz der Umweltschutz für die Menschheit besitzt. Dabei rückt das Thema „Klimawandel“ immer mehr in den medialen Fokus. Forscher prognostizieren seit Langem eine Zunahme von Umweltkatastrophen, als Antwort Jahrhunderte langer Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt durch den Menschen.
Als eine der ersten wissenschaftlichen Studien über die Begrenztheit natürlicher Ressourcen veröffentlichten Meadows et al. (1972) im Auftrag des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“. Darin prognostizieren sie ein starkes Bevölkerungswachstum und eine daraus resultierende Nahrungsmittel- und Rohstoffknappheit. Die Modernisierungstheorie und der damit einhergehende technische Fortschritt lassen die Thesen Meadows et al. nicht zutreffen. Dieser ermöglichte in der Vergangenheit die Substitution eines knappen Rohstoffes durch einen Ersatzstoff. Somit stellt die Knappheit der Ressourcen ein kleineres Problem gegenüber den CO2-Emmissionen durch Verbrauch von fossilen Ressourcen dar (Diekmann 2001: 41-42). Viele Forscher prognostizieren eine einhergehende Erderwärmung mit dem CO2-Ausstoß. Daneben bewirken die anhaltende Abholzung der Regenwälder und die Zerstörung natürlicher Lebensräume ihr übriges.
Im Jahr 1992 fand erstmals eine UN-Konferenz zum Thema Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro statt, der 178 Staaten beisaßen. Seit dieser Konferenz bis einschließlich der zweiten UN-Konferenz, 17 Jahre später in Kopenhagen, konnten sich die beteiligten Staaten nicht auf eine gemeinsame Zielsetzung einigen.
Diese Sachlage wirft die Frage auf, warum es zum Scheitern einer gemeinsamen Umweltpolitik gekommen ist. Die Problematik und die Gründe hierfür in Verbindung mit der Kollektivgut Theorie werden unter Punkt 2 erläutert.
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit richtet sich auf die Fragestellung, wie der Staat dafür Sorge tragen kann, dass die Bürger die Herstellung und Bewahrung des Kollektivguts Umweltschutz leisten.
In diesem Zusammenhang wird im Anschluss an die Kollektivgut Theorie die Rational Choice Theorie erläutert. Unter Punkt 4 ist die Handlungsfähigkeit des Staates in der Umweltpolitik in Zusammenhang mit den externen Effekten beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1 Umweltschutz – Bedeutung und Aktualität
2 Kollektivgüter Umwelt und Umweltschutz
3 Theoretischer Ansatz zur Erklärung des Umwelthandelns
3.1 Rational-Choice Theorie
3.2 Einsatz der Rational-Choice Theorie im Umweltschutz
4 Handlungsfähigkeit des Staates in der Umweltpolitik
5 Ordnungsrechtliche Instrumente des Staates
6 Ökonomische Anreizinstrumente des Staates
6.2 Umweltgebühren
6.3 Umweltzertifikate
6.4 Umwelthaftungsrecht
7 Informelle und kooperative Instrumente
8 Fazit und kritische Anmerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Dilemma der Bereitstellung des Kollektivguts Umweltschutz und analysiert, welche staatlichen Mechanismen und Steuerungsinstrumente geeignet sind, um Bürger zu einem umweltfreundlichen Verhalten zu motivieren und eine nachhaltige Bewahrung der Umwelt sicherzustellen.
- Analyse von Kollektivgütern und dem Trittbrettfahrerverhalten
- Theoretische Fundierung durch die Rational-Choice Theorie
- Untersuchung staatlicher Handlungsspielräume und Marktversagen durch externe Effekte
- Vergleich und Einordnung ordnungsrechtlicher, ökonomischer sowie informeller Instrumente
Auszug aus dem Buch
3.1 Rational-Choice Theorie
Die Rational-Choice Theorie fußt auf dem Gedanken eines rational handelnden Akteurs, der alle seine Präferenzen vergleichen und rangmäßig bewerten kann. Die aus den Wirtschaftswissenschaften stammende Theorie stützt sich auf den methodologischen Individualismus und ein konsequenzorientiertes Verhalten. Die Idee des methodologischen Indivdualismus erklärt alle sozialen Phänomene über den Umweg des individuellen Handelns. Auf der Makroebene wird hier das Explanandum gebildet und im Anschluss auf der Mikroebene erklärt (Kunz 2004: 33-41, Schmitt o. J.: 1). Adam Smith benutzt in diesem Zusammenhang den methodologischen Individualismus zur Erklärung des Wohlstandsbegriffes, indem er das Explanandum Wohlstand auf die Mikroebene zurückführt. Laut Smith drängt jeder Einzelne auf Wohlstand und Profitsteigerung. Dies führt zu Bedürfnisbefriedigung und neuen Bedürfnissen. Infolgedessen steigen Bruttoinlandsprodukt und Wohlstand im ganzen Land (Adam Smith 1789 zitiert nach Wex, 1999: 190).
Bezüglich des Beispiels von Adam Smith wird den Akteuren konsequenzorientiertes Handeln unterstellt. Um individuelles Handeln zu erklären Bedarf es einem Akteursmodell, welches der Homo Oeconomicus darstellt. Dieses fiktive Menschenbild basiert auf drei Kernannahmen: Die Präferenzen bilden die erste Annahme. Sie spiegeln feststehende Wünsche des Individuums in einer bestimmten Rangfolge wieder. Restriktionen stellen Einschränkungen gebildeter Präferenzen dar. Ein vorhandenes Lohngefüge oder ein Kreditrahmen können beispielsweise monetäre Restriktionen sein, die die Präferenzerfüllung beschränken. Als Folge reagiert der Akteur auf die gegebenen Restriktionen, indem er, laut der dritten Annahme, durch rationales Handeln seine Präferenzen möglichst am besten erfüllt. Mit anderen Worten wird sein Handeln durch die Nutzenmaximierung geprägt (Kunz 2004: 33-41, Schmitt o. J.: 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Umweltschutz – Bedeutung und Aktualität: Das Kapitel beleuchtet die steigende Dringlichkeit des Umweltschutzes aufgrund globaler Katastrophen und thematisiert das Scheitern internationaler Konferenzen bei der Zielsetzung.
2 Kollektivgüter Umwelt und Umweltschutz: Hier wird das Dilemma der Umweltnutzung als öffentliches Gut erläutert, wobei insbesondere das Trittbrettfahrerverhalten als Ursache für die Übernutzung knapper Ressourcen identifiziert wird.
3 Theoretischer Ansatz zur Erklärung des Umwelthandelns: Dieses Kapitel führt die Rational-Choice Theorie und das Modell des Homo Oeconomicus ein, um individuelles Handeln und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Umweltschutz zu erklären.
4 Handlungsfähigkeit des Staates in der Umweltpolitik: Die Analyse konzentriert sich auf Marktversagen durch externe Effekte und die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe zur Korrektur ökologischer Fehlentwicklungen.
5 Ordnungsrechtliche Instrumente des Staates: Dieser Abschnitt behandelt Gebote und Verbote als klassische staatliche Steuerungsinstrumente und kritisiert deren ökonomische Ineffizienz.
6 Ökonomische Anreizinstrumente des Staates: Es werden indirekte Lenkungsmechanismen wie Umweltgebühren, Zertifikate und Haftungsrecht vorgestellt, die Marktteilnehmer zu effizienterem Handeln anregen sollen.
7 Informelle und kooperative Instrumente: Hier steht die Beeinflussung von Einstellungen und Werten durch Moral Suasion, Selbstverpflichtungen und Zertifizierungen im Mittelpunkt.
8 Fazit und kritische Anmerkung: Die Arbeit resümiert die komplementäre Wirkung der Instrumente und betont, dass nur durch globale Abstimmung ein nachhaltiger Umweltschutz gesichert werden kann.
Schlüsselwörter
Umweltschutz, Kollektivgut, Rational-Choice Theorie, Homo Oeconomicus, Trittbrettfahrerverhalten, Marktversagen, Externe Effekte, Ordnungsrecht, Anreizinstrumente, Umweltpolitik, Nachhaltigkeit, Zertifikathandel, Umwelthaftungsrecht, Moral Suasion, Verursacherprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, warum der Umweltschutz als Kollektivgut vor großen Herausforderungen steht und welche staatlichen Instrumente eingesetzt werden können, um Bürger und Akteure zu einem umweltfreundlichen Verhalten zu bewegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Kollektivguttheorie, das Trittbrettfahrerverhalten, die ökonomische Theorie rationalen Handelns sowie der Vergleich zwischen ordnungsrechtlichen, marktorientierten und informellen Umweltinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Staat durch verschiedene Maßnahmen wirksam in das Marktgeschehen eingreifen kann, um die Einhaltung und Bewahrung des Kollektivguts Umwelt zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die insbesondere ökonomische Theorien (Rational-Choice) und politikwissenschaftliche Ansätze zur Umweltregulierung miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Rational-Choice) und eine detaillierte Gegenüberstellung staatlicher Instrumentarien – von direkten Geboten und Verboten bis hin zu ökonomischen Anreizen und kooperativen Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Kollektivgut, Trittbrettfahrerverhalten, Rational-Choice, externe Effekte und die verschiedenen Steuerungsinstrumente der staatlichen Umweltpolitik definieren.
Warum scheitern internationale Umweltkonferenzen laut der Arbeit häufig?
Der Autor führt dies auf das Trittbrettfahrerverhalten der Akteure zurück, die den Nutzen einer gemeinsamen Klimapolitik zwar erkennen, aber die Kosten für deren Umsetzung vermeiden wollen, um einen Wettbewerbsvorteil zu behalten.
Was ist die Hauptkritik an ordnungsrechtlichen Instrumenten wie Verboten?
Die Kritik liegt primär in der ökonomischen Ineffizienz und den hohen Kosten für Betriebe, da diese Instrumente oft keine Anreize für technologischen Fortschritt schaffen und Investitionen eher in nachgeschaltete Technologien statt in Innovationen lenken.
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- Michael Braun (Author), 2010, Kollektivgut Umweltschutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163304