Die vorliegende Arbeit liefert eine Strukturanalyse von Eliza Orzeszkowas Erzählung "A…B…C…" aus dem Jahr 18861 anhand der Erzählstrukturelemente Licht sowie Augen und Sehen. Die Arbeit zeigt, dass diese für den behandelten Text von zentraler Bedeutung sind. Betrachtet werden in diesem Zusammenhang die Raumstruktur der Erzählung sowie die Figurencharakterisierung und die Bewegung der Figuren im Raum. Der ausführlichen, textimmanenten Analyse ist eine kurze Einordnung des Erzähltextes in den kulturellen Kontext seiner Entstehungszeit nachgestellt. Dies erscheint sinnvoll, da kein Text im luftleeren Raum existiert und eine Betrachtung seines Kontextes zu einem besseren Verständnis der herausgearbeiteten Strukturen beiträgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorab: Die Raumstruktur
2.1. Die Stadt - offizieller und ziviler Raum
2.1.1. Der offizielle Raum vs. dem zivilen Raum
2.1.2. Das Gerichtsgebäude als Extremraum des offiziellen Raums
2.1.3. Die Teilräume des zivilen Raums
2.1.3.1. Die Wohnung der Geschwister Lipski
2.1.3.2. Das Zimmer der Joanna Lipska und seine Gegenräume
2.1.3.3. Das Zimmer der Mieczyslaw Lipski
2.1.4. Der ideale vs. dem realen Raum
2.1.5. Weitere Räume
3. Licht vs. Dunkelheit und unsichtbare Mächte
3.1. Das Licht als Bote des idealen Raums
3.1.1. Licht vs. Dunkelheit
3.1.1.1. Aus der Dunkelheit ins Licht
3.1.2. Licht vs. unsichtbare Kräfte
3.1.2.1. Aus dem Licht in die Dunkelheit
4. Augen und Sehen als Spiegel der Seele und Instrument der Erkenntnis
4.1. Die Augen als Spiegel der Seele
4.2. Das Sehen als Instrument der Erkenntnis
4.2.1. Joanna als Betrachtungsobjekt - Blicke als Wendepunkte
4.2.1.1. Kostuś
4.2.1.2. Mieczyslaw
4.2.1.3. Der Gerichtsvorsitzende
5. Fazit: Licht, Sehen, Augen - Zusammenhänge im Text
6. Der kulturelle Hintergrund
7. Zusammenfassung und weiterführende Fragestellungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Eliza Orzeszkowas Erzählung „A...B...C...“ unter besonderer Berücksichtigung von Licht, Augen und Sehen als zentrale Erzählstrukturelemente, um die Raumstruktur sowie die Charakterisierung und Bewegung der Figuren innerhalb dieses Gefüges zu analysieren.
- Analyse der Raumstruktur (offizieller vs. ziviler Raum)
- Die Rolle des Lichts als Bote eines idealen Raums
- Die Funktion von Augen und Sehen als Instrumente der Erkenntnis
- Einfluss des kulturellen Kontexts (Positivismus) auf die Erzählstruktur
Auszug aus dem Buch
2.1.3.2. Das Zimmer der Joanna Lipska und seine Gegenräume
Im strukturellen Gefüge der Erzählung ist das Zimmer von Joanna Lipska ein Raum von zentraler Bedeutung. Neben Ärmlichkeit ist es vor allem gekennzeichnet durch Beengtheit und eine dunstige Atmosphäre: „Joanna; D. S.] [s]tała na podłodze z desek grubych i sterczących czarnymi głowami gwoździ; nad nią zwisał sufit niski, belkowany, ciemny od pyłu i dymu [...]“ Damit steht es in direkter Opposition zum Extremraum des offiziellen Raums, dem Gerichtsgebäude. Dieses wird im Text als riesig, weit ausgedehnt und vornehm dargestellt:
Była to największa z sal wielkiego gmachu [sądowego; D. S.]. Prawie kościelna wysokość nadawała jej pozór imponujący; uroczyste wrażenie sprawiały kobierce i okrycia długiego stołu, za którym siedzieli sędziowie.
Der Gegensatz von Klein und Groß wird im Text jedoch relativiert. So bereits durch die Ausdrücke „pozór (Anschein) und „wrażenie“ (Eindruck) im obigen Zitat, darüberhinaus aber auch explizit durch Erzählerkommentare: „Jednak małość i wielkość są pojęciami nadzwyczaj względnymi.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit analysiert die Erzählstrukturelemente Licht, Augen und Sehen in Orzeszkowas Erzählung „A...B...C...“ und ordnet den Text in seinen kulturellen Kontext ein.
2. Vorab: Die Raumstruktur: Das Kapitel erläutert die komplexe Raumstruktur der Stadt, die in einen offiziellen, deutsch geprägten Raum und einen zivilen, polnisch geprägten Raum unterteilt ist.
3. Licht vs. Dunkelheit und unsichtbare Mächte: Es wird dargelegt, wie Licht den idealen Raum markiert, während Dunkelheit und unsichtbare Mächte den offiziellen Raum sowie gesellschaftliche Unterdrückung symbolisieren.
4. Augen und Sehen als Spiegel der Seele und Instrument der Erkenntnis: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Augen und Sehen als Spiegel der inneren Verfassung der Figuren dienen und den Prozess der moralischen Erkenntnis fördern.
5. Fazit: Licht, Sehen, Augen - Zusammenhänge im Text: Das Fazit fasst zusammen, wie das Zusammenspiel von Licht, Sehen und Augen als Katalysator für die positive Entwicklung der Figuren hin zum idealen Raum dient.
6. Der kulturelle Hintergrund: Hier wird die Erzählung in die Epoche des Positivismus eingeordnet, insbesondere im Hinblick auf die Konzepte der „Arbeit an der Basis“.
7. Zusammenfassung und weiterführende Fragestellungen: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und Ansätze für eine weiterführende Betrachtung der Geschlechterrollen im Kontext des Lichts skizziert.
Schlüsselwörter
Eliza Orzeszkowa, A...B...C..., Erzählstruktur, Raumstruktur, Positivismus, Licht, Dunkelheit, Augen, Sehen, Erkenntnis, Offizieller Raum, Ziviler Raum, Polnische Literatur, Physiognomik, Figurencharakterisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit liefert eine tiefgehende Strukturanalyse der Erzählung „A...B...C...“ von Eliza Orzeszkowa unter Anwendung von narratologischen Untersuchungsmethoden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Raumstruktur, die Charakterisierung der Figuren durch physiognomische Merkmale sowie die symbolische Bedeutung von Licht, Augen und Sehen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Licht sowie Augen und Sehen nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern zentrale Elemente der Erzählstruktur sind, die die Entwicklung der Figuren steuern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine textimmanente Strukturanalyse durchgeführt, die durch eine Einordnung in den kulturellen Kontext des Positivismus ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Stadt als Raum, die Symbolik von Licht und Dunkelheit sowie die Analyse der Augen als Spiegel der Seele und Instrument der Erkenntnis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Raumstruktur, offizieller/ziviler Raum, Lichtsymbolik, Erkenntnis, Positivismus und Figurencharakterisierung.
Welche Bedeutung kommt dem Gerichtsgebäude im Text zu?
Das Gerichtsgebäude fungiert als „Extremraum“ des offiziellen, deutsch geprägten Raums und stellt den Gegenpol zur privaten, zivilen Sphäre dar.
Wie wirkt der Anblick von Joanna auf andere Figuren?
Der Anblick Joannas wirkt für die Figuren des zivilen Raums als Katalysator, der eine positive innere Entwicklung oder Erkenntnis einleiten kann.
- Arbeit zitieren
- Dominika Sobecki (Autor:in), 2009, Licht vs. Dunkelheit und unsichtbare Mächte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162793