„Der dort drüben steht mit der Waffe, könnte mein Bruder sein. Doch was ist ein Bruder? Kain erschlug Abel. Märchen erzählen von feindlichen Brüdern, doch auch das beweist nichts!“
Neue Soldatenlieder im Gespräch: 1. Strophe aus „Mein Bruder, mein Feind“, 1978
Analyse und Darstellung des Wehrunterrichts in der DDR - Die zentrale Frage innerhalb der Ausarbeitung ist, wie es Politik zu schaffen versucht einstige „Brüder“ soweit von einander zu distanzieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Wehrerziehung in der DDR
2.1. Historische Einordnung
2.2. Gründe für die Einführung des Wehrunterrichts
3. Wehrunterricht in der DDR
3.1. Die wehrpolitisch-propagandistische Ausbildung
3.2. Die vormilitärische Ausbildung
4. Folgen der Einführung des Wehrunterrichts
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Einführung und Ausgestaltung des Wehrunterrichts in der DDR als Instrument der sozialistischen Erziehung. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie es dem SED-Regime gelang, durch politisch-propagandistische und vormilitärische Ausbildung die Identifikation der Jugend mit dem sozialistischen Staat zu erzwingen und gleichzeitig ein ausgeprägtes Feindbild gegenüber der Bundesrepublik zu etablieren.
- Historische Entwicklung der Wehrerziehung in der DDR
- Ideologische Beweggründe und Strategien des SED-Regimes
- Struktur und Inhalte des schulischen Wehrunterrichts
- Rolle von Institutionen wie der NVA und der FDJ
- Reaktionen der Bevölkerung und der Kirche auf die Militarisierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die wehrpolitisch-propagandistische Ausbildung
Die politische Erziehung in der DDR war dadurch geprägt, dass der Hass gegenüber dem imperialistischen Westen gesteigert oder antrainiert werden sollte. So hieß es in einem Lehrbuch des Militärverlags der DDR: „Als politisch-moralischer Beweggrund für das Handeln und Verhalten von Menschen ist der Haß gegen den Klassenfeind ein Produkt der antagonistischen Klassengesellschaft. Er ist Ausdruck dafür, daß es zwischen den antagonistischen Klassen keinen Klassenfrieden und keine Klassenharmonie geben kann…“ Bewusst wurde den Staatsbürgern der DDR von staatlicher Seite eine Vorurteilstruktur implantiert, um den Osten vom Westen Deutschlands zu trennen. Dieses Ziel vor Augen setzte der SED-Staat alles daran die politische Erziehung in allen Altersstufen umzusetzen.
So wurde bereits Kindergartenbesuchern beigebracht, dass Soldaten Arbeiter sind, denn sie arbeiten für die Menschen, indem sie sie bewachen und dafür Sorge tragen würden, dass die Kinder spielen könnten. In der Grundschule setzte sich dies durch entsprechende Literatur-, Sport- und Geschichtsausbildung fort. Bereits im Heimatkundeunterricht der zweiten Klasse wurde – laut Lehrplan – den ermordeten NVA-Angehörigen an der innerdeutschen Grenze gedacht. In der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ sollte die Liebe und Achtung gegenüber den NVA-Soldaten und der sowjetischen Armeen gefördert werden. Während die Pionierorganisation den Kindern bis zur siebten Klasse ausnahmslos vorbehalten war, organisierten sich Zweidrittel der Jugendlichen in der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Inhaltlich zielte diese Vereinigung auf wehrpolitische Veranstaltungen und militärische Geländespiele ab. Und schließlich wurden den neunten und zehnten Klassen die Arbeitsgemeinschaften „Wehrausbildung“ angeboten. Offiziell war die Teilnahme freiwillig. Die Themenschwerpunkte lagen hierbei auf „… Grundfragen der sozialistischen Landesverteidigung, Geländeausbildung, Schießausbildung, Schutzausbildung und Sanitätsausbildung.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der politischen Erziehung in der DDR ein und umreißt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Distanzierung zwischen den deutschen Staaten durch den Wehrunterricht.
2. Grundlagen der Wehrerziehung in der DDR: Das Kapitel beleuchtet die historische Genese und die strategischen Gründe des SED-Regimes für die Etablierung eines obligatorischen Wehrerziehungssystems.
3. Wehrunterricht in der DDR: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete Umsetzung des Pflichtfachs Wehrkunde und analysiert die wehrpolitisch-propagandistischen Inhalte sowie die vormilitärische Lagerpraxis.
4. Folgen der Einführung des Wehrunterrichts: Hier wird der wachsende zivilgesellschaftliche Widerstand gegen die zunehmende Militarisierung des Schulalltags sowie die Rolle der Kirche als oppositionelle Kraft thematisiert.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die erfolgreiche Durchsetzung der sozialistischen Ideologie durch Frustration und Repression und zieht einen kritischen Vergleich zum Beutelsbacher Konsens in der Bundesrepublik.
Schlüsselwörter
Wehrunterricht, DDR, SED-Regime, Sozialistische Erziehung, NVA, Vormilitärische Ausbildung, Klassenfeind, Ideologie, Propaganda, Militarisierung, Landesverteidigung, Jugend, Zivilverteidigung, Pionierorganisation, Politische Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Einführung und Durchführung des Wehrunterrichts in den Schulen der DDR und untersucht dessen Funktion als Mittel zur ideologischen Indoktrination der Jugend.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen und politischen Erziehung, der Konstruktion von Feindbildern, der Rolle der FDJ und NVA sowie den Reaktionen der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, wie das SED-Regime durch den Wehrunterricht versuchte, junge Menschen an den sozialistischen Staat zu binden und sie systematisch auf eine Konfrontation mit der Bundesrepublik vorzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von zeitgenössischen Lehrplänen, offiziellen Dokumenten der SED sowie auf die Auswertung einschlägiger Fachliteratur zur Bildungsgeschichte der DDR.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die historische Einordnung, die wehrpolitische Propaganda, die vormilitärische Ausbildung in Lagern sowie die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wehrunterricht, DDR, SED-Regime, Sozialistische Erziehung, NVA, Vormilitärische Ausbildung, Klassenfeind, Ideologie und Militarisierung.
Welche Rolle spielte die Kirche in diesem Kontext?
Die evangelische Kirche fungierte als zentrale Anlaufstelle für Eltern und Oppositionelle, die sich gegen die staatlich verordnete Hasserziehung und Militarisierung wehrten.
Wie vergleicht der Autor die Erziehung in der DDR mit der in der BRD?
Der Autor kontrastiert die ideologische Überwältigung in der DDR mit dem Beutelsbacher Konsens der Bundesrepublik, der eine kritische und schülerorientierte politische Bildung vorschreibt.
- Quote paper
- B.A. David Wolf (Author), 2008, Politische Erziehung in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162425