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Zu Foucaults "Überwachen und Strafen"

Die historische Entwicklung zur Disziplinargesellschaft

Titel: Zu Foucaults "Überwachen und Strafen"

Seminararbeit , 2010 , 15 Seiten , Note: 1, 7

Autor:in: Sonja Uhl (Autor:in)

Soziologie - Recht und Kriminalität

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

1.Einleitung

Der Strafvollzug ist ein Thema, das nie an Aktualität verliert. Auch heute noch fehlt es nicht an Diskussionen über die Situation der Gefangenen im Strafvollzug und dessen Qualität. Während es in einigen Ländern noch die Todesstrafe gibt, wird die Bestrafung in Europa vor allem durch Gefängnisstrafe vollzogen. Damit hat sich die Art der Bestrafung in den letzten dreihundert Jahren grundlegend verändert. Während Ende des 17. Jahrhunderts die Bestrafung aus öffentlicher Folter und Marter sowie Hinrichtungen bestand, bei denen der Körper des Verbrecher zur Schau gestellt wurde, kam es gegen Anfang des 18. Jahrhunderts zur entscheidenden Wende im Strafvollzug. Heute spielt sich der Akt des "Strafens" hinter verschlossenen Türen ab. das zwanghafte, körperliche, isolierende und verheimlichende Modell der Strafgewalt das repräsentative, szenische, zeichenhafte, öffentliche und kollektive Modell verdrängt?"3

2. Das Fest der Martern

Überwachen und Strafen beginnt mit der Schilderung einer grausamen Todesmarter, der öffentlichen Hinrichtung von Francios Damien, der verurteilt wurde, weil er ein (erfolgloses) Attentat auf Ludwig XV. verübt hatte. 4 Er wurde brutal gefoltert und vor einer Menschenmenge gevierteilt. Im Mittelalter und bis Anfang des 18.Jahrhunderts fand die Bestrafung von Gesetzesübertretern öffentlich statt. Vor aller Augen wurden äußerst grausame Marterstrafen vollzogen. Ende des 17.Jahrhunderts verschwanden diese "peinlichen" Marterstrafen mehr und mehr von der Bildfläche. Während diese brutale Gewalt später gering geschätzt wurde, war die Marter damals Anlass für große öffentliche und populäre Spektakel. Sie war ein politisches Ritual. Die Marterstrafe erzeugte eine bestimmte Menge an körperlichen Schmerzen und sollte bewußt nicht sofort töten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Fest der Martern

3. Änderungen im Strafvollzug

4. Nicht mehr Strafen, sondern Bessern und Heilen

5. Die Technologie der Disziplin

5.1 Der gelehrige Körper

5.2 Funktionsweisen der Disziplin

5.2.1 Die Kunst der Verteilung

5.2.2. Die Kontrolle der Tätigkeit

5.2.3 Die Organisation von Entwicklungen

5.2.4 Die Zusammesetzung der Kräfte zu einem Apparat

5.3 Die Mittel der guten Abrichtung

5.4 Das Panoptikum und der Panoptismus

5.5 Das panoptische Prinzip in der Gesellschaft

6. Das Gefängnis als Disziplinaranstalt

7. Kritik an der Institution Gefängnis

8. Fazit:

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert Michel Foucaults Werk "Überwachen und Strafen" mit dem Ziel, den historischen Wandel von Strafmechanismen sowie die Etablierung moderner Disziplinarformen im Gefängniswesen und der Gesellschaft zu untersuchen.

  • Historische Entwicklung von der öffentlichen Marter zur modernen Gefängnisstrafe
  • Die Entstehung der Disziplin als neue Form der Machtausübung
  • Die Funktionsweise des Panoptikums als architektonisches Machtinstrument
  • Das Gefängnis als "totale Institution" zur Produktion von Konformität
  • Kritik an der Wirksamkeit und den Auswirkungen der Gefängnisstrafe

Auszug aus dem Buch

5.4 Das Panoptikum und der Panoptismus

Das Panoptikum ist die architektonische Realisierung eines permanenten “hierarchischen Blicks”. Die perfekte Überwachung und Diszplinierung wird erzielt in einer Anlage, "in der die Techniken des Sehens Machteffekte herbeiführen und in der umgekehrt die Zwangsmittel die Gezwungenen deutlich sichtbar machen."31 Das Panoptikum nach Bentham ist der Idealtypus einer solchen Anlage. Es ist architektonisch wie folgt aufgebaut: “an der Peripherie ein ringförmiges Gebäude; in der Mitte ein Turm, der von breiten Fenstern durchbrochen ist, welche sich nach der Innenseite des Ringes öffnen; das Ringgebäude ist in Zellen unterteilt, von denen jede durch die gesamte Tiefe des Gebäudes reicht; sie haben jeweils zwei Fenster, eines nach innen, das auf die Fenster des Turms gerichtet ist, und eines nach außen, so daß die Zelle auf beiden Seiten von Licht durchdrungen ist."32Wenn sich nur ein einziger Wächter im Turm befindet, können alle kontrolliert werden. So ist in jeder Zelle ein Individuum, das allein und dabei ständig gesehen werden kann oder sich zumindest ständig beobachtet fühlt. "Die panoptische Anlage schafft Raumeinheiten, die es ermöglichen, ohne Unterlaß zu sehen und zugleich zu erkennen. "33Die wichtigste Einwirkung des Panoptikums ist "die Schaffung eines bewußten und permanenten Sichtbarkeitszustandes beim Gefangenen, der das automatische Funktionieren der Macht sicherstellt. "34

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den historischen Wandel des Strafvollzugs von der körperlichen Folter hin zum modernen Gefängnissystem basierend auf Foucaults Analyse.

2. Das Fest der Martern: Beschreibung der historischen Praxis öffentlicher Folter und Hinrichtung als politisches Ritual des Souveräns.

3. Änderungen im Strafvollzug: Erläuterung der humanistischen Reformbewegungen, die zu einer Abkehr von körperlicher Strafe und hin zur Strafe als Angelegenheit der Gesellschaft führten.

4. Nicht mehr Strafen, sondern Bessern und Heilen: Analyse des neuen Ziels der Resozialisierung und der Einwirkung auf die Seele statt auf den Körper.

5. Die Technologie der Disziplin: Darstellung der Disziplin als grundlegende Machtform, die das Verhalten durch Kontrolle und Normierung steuert.

5.1 Der gelehrige Körper: Untersuchung der Disziplinierung körperlicher Funktionen zur Steigerung der Effizienz und Unterwürfigkeit.

5.2 Funktionsweisen der Disziplin: Überblick über Techniken wie räumliche Verteilung, Zeitplanung und Standardisierung.

5.2.1 Die Kunst der Verteilung: Analyse der räumlichen Parzellierung und Isolation zur Steigerung der Kontrolle.

5.2.2. Die Kontrolle der Tätigkeit: Erläuterung der minutiösen Zeit- und Bewegungsplanung zur erschöpfenden Ausnutzung des Individuums.

5.2.3 Die Organisation von Entwicklungen: Betrachtung der Normierung von Lern- und Arbeitsprozessen in zeitlich festgelegten Abschnitten.

5.2.4 Die Zusammesetzung der Kräfte zu einem Apparat: Analyse des Individuums als funktionales Einzelteil innerhalb eines disziplinären Gesamtapparats.

5.3 Die Mittel der guten Abrichtung: Erörterung der Rolle des hierarchischen Blicks und der Prüfung als Mittel zur ständigen Kontrolle.

5.4 Das Panoptikum und der Panoptismus: Vorstellung des architektonischen Modells zur permanenten, automatisierten Überwachung.

5.5 Das panoptische Prinzip in der Gesellschaft: Diskussion der Ausbreitung disziplinärer Strukturen über das Gefängnis hinaus in alle gesellschaftlichen Bereiche.

6. Das Gefängnis als Disziplinaranstalt: Einordnung des Gefängnisses als "totale Institution", die das gesamte Leben des Insassen reguliert.

7. Kritik an der Institution Gefängnis: Auseinandersetzung mit der These, dass Gefängnisse Delinquenz eher fördern als beseitigen.

8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung des Gefängnisses als zentrales Element der modernen Disziplinargesellschaft nach Foucault.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Disziplin, Disziplinargesellschaft, Gefängnis, Strafvollzug, Panoptikum, Macht, Körper, Kontrolle, Resozialisierung, Delinquenz, Überwachung, Machtmechanismen, Institutionen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer soziologischen Analyse von Michel Foucaults Werk "Überwachen und Strafen" und untersucht den Wandel der Strafpraktiken von der frühen Neuzeit bis zur Moderne.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Übergang von körperlichen Strafen zu disziplinären Maßnahmen, die Rolle der Macht in Institutionen und die Entwicklung der modernen Disziplinargesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Gefängnis als Mittel der gesellschaftlichen Machtausübung fungiert und wie durch "Technologien der Disziplin" eine Verhaltensänderung bei Individuen erzwungen wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse der Schriften von Michel Foucault sowie ergänzende soziologische Konzepte zur Untersuchung gesellschaftlicher Machtstrukturen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Disziplin, die Architektur der Überwachung (Panoptikum), die Funktion des Gefängnisses als totale Institution und die Kritik an dessen tatsächlicher Wirksamkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Macht, Disziplin, Überwachung, Gefängnis, Disziplinargesellschaft und Delinquenz charakterisiert.

Welche Rolle spielt das Panoptikum in der Argumentation?

Das Panoptikum dient als architektonisches Idealmodell, das die Macht durch ständige, automatisierte Sichtbarkeit internalisiert und somit eine physische Kontrolle durch Wärter weitgehend überflüssig macht.

Warum argumentiert der Autor, dass das Gefängnis Delinquenz eher fördert?

Basierend auf Foucault wird argumentiert, dass die Lebensbedingungen im Gefängnis und die Isolation zur Bildung eines kriminellen Milieus beitragen, was die Rückfallquote erhöht, anstatt das kriminelle Verhalten zu verringern.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zu Foucaults "Überwachen und Strafen"
Untertitel
Die historische Entwicklung zur Disziplinargesellschaft
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Soziologie )
Note
1, 7
Autor
Sonja Uhl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V162353
ISBN (eBook)
9783640779864
ISBN (Buch)
9783640780532
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault Überwachen und Strafen Gefängnis Strafvollzug
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sonja Uhl (Autor:in), 2010, Zu Foucaults "Überwachen und Strafen" , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162353
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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