In Zeiten eines Strukturwandels – wie wir ihn gerade in Deutschland bezüglich des Bildungs- und Erziehungssystems vorfinden – stellt sich mehr denn je die Frage, was Kinder und Jugendliche in der Identitätsentwicklung und –findung beeinflusst. Den meisten Personen kämen wohl sofort Schlagwörter wie Medien, Erziehung, Gruppenzwang bzw. Cliquen in den Sinn – aber was heißt das im Speziellen? Ist die Selbstsozialisation eines jungen Menschen etwa nur ein Produkt, determiniert durch das umgebende Milieu und darin vorkommende Personen? Oder sucht sich ein Jugendlicher aktiv und bewusst Quellen, die ihn schließlich zu dem werden lassen, was er als Erwachsener letztendlich darstellt?
Die folgende Arbeit versucht diese Fragen zu beantworten. Dabei wird zunächst geklärt, wie aus einem Kind ein Jugendlicher wird (unter Bezugnahme auf den
Loslösungsprozess vom Elternhaus und Theorien des Jugendalters), was eine Gruppe ausmacht und letztendlich wie die Sozialisation durch Peers erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einfluss auf die Entwicklung des Individuums
2.1 Das Jugendalter
2.1.1 Ablösungsvorgang vom Elternhaus im Entwicklungsprozess
2.1.2 Theorien des Jugendalters
2.2 Gruppen, Peers und Jugendkultur
2.2.1 Definition von Gruppen
2.2.2 Entstehung, Struktur und Funktion von Peergroups
2.2.3 Bestimmung und Abgrenzung des Begriffes Jugendkultur
2.3 Sozialisation durch Peers
2.3.1 Der Einfluss der elterlichen Erziehung bei der Selbstsozialisation
2.3.2 Sozialisierende Effekte
2.3.3 Selbstfindung in und durch die Gleichaltrigen-Gruppe
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel der Sozialisationsinstanzen während der Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen, wobei der Fokus insbesondere auf dem abnehmenden Einfluss des Elternhauses und der wachsenden Bedeutung von Gleichaltrigengruppen (Peers) liegt.
- Einfluss des strukturellen Wandels auf die familiäre Erziehung
- Psychologische und soziologische Aspekte des Jugendalters
- Funktionen und Strukturen von Peergroups
- Sozialisationseffekte durch Gleichaltrige
- Herausforderungen der Identitätsfindung und Selbstsozialisation
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Entstehung, Struktur und Funktion von Peergroups
Der Zuwendung zur und Bildung von Gleichaltrigengruppen durch Jugendliche liegt eine zentrale sozialisatorische Motivation zu Grunde – der Übergang aus dem sekundären Status (wie dem Elternhaus oder der Erziehung an sich) zu einem primären Status, in dem das Individuum ganz es selbst sein kann und gleichzeitig als vollwertiges und angenommenes Mitglied der Gesellschaft fungiert. Dies wird dem Jugendlichen aber verwehrt, da er im System der Erwachsenen nicht als ebenbürtiger Teil wahrgenommen wird. Um dennoch das Gefühl des Primärstatus zu erhalten, bilden die Jugendlichen ihre eigene Gruppe, die u.a. auf Grund der Altershomogenität in Form einer Teilkultur der Gesamtkultur ähnelt und damit als Ersatz dient (vgl. Naudascher 2003, S. 116).
Um dies umzusetzen bedarf es eines eigenen Platzes, in dem sich die Jugendlichen ausleben können – dem Sozialraum (vgl. Reinders 2003, S. 126). In diesen Sozialräumen kommen die Jugendlichen aus verschiedenen Ursachen zusammen:
- Institutionelle Gründe: Schule und Ausbildungsstätte, Freizeitbereich und Kulturbetrieb
- (Sozial-) Psychologische Gründe: selbst gewählte Gruppen als Entzugsmöglichkeit des Drucks der durch Erwachsene dominierten Gesellschaft (vgl. Schäfers 2001, S. 163).
In der Vorpubertät sind die Peergroups in Mädchen- und Jungengruppen unterteilt. Dabei besteht die weibliche Variante aus einer eher informalen Primärstruktur, wobei der emotionale Kontakt innerhalb der Gruppe als sehr wichtig bewertet wird. Bei den Knaben hingegen findet man in der Vorpubertät unorganisierte und spontan gebildete Gruppen, in der Pubertät dann formal organisierte und bewusst gebildete mit festen Regeln und Rollen.
Erst in der Pubertät selbst kommt es zu gemischtgeschlechtlichen Formatierungen, wobei hierbei der Anteil der Mädchen im Vergleich zu den Jungen relativ ausgeglichen ist (vgl. Rückert 1959, S. 91 f.).
Ist eine Gruppe letztendlich gebildet, besteht sie aus einem „hierarchischen System der Über- und Unterordnung“ (Rückert 1959, S. 95). Innerhalb dieser Struktur herrschen wiederum verschiedene Zwischenstufen vor, die Rollen zuweisen, wie es das Charakterisierungsmodell der sieben Zonen sozialer Distanzverhältnisse nach Runner aufzeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den strukturellen Wandel im Bildungssystem und wirft die Kernfrage auf, inwieweit die Identitätsentwicklung durch Peers im Vergleich zum Elternhaus beeinflusst wird.
2. Einfluss auf die Entwicklung des Individuums: Dieses Kapitel analysiert die Verschiebung des Sozialisationseinflusses von der Familie hin zu außerfamiliären Instanzen und definiert theoretische Grundlagen sowie die Phasen des Jugendalters.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Entwicklung eines Individuums ein komplexer, krisenbehafteter Prozess ist, in dem die Familie trotz sinkenden direkten Einflusses die notwendige Basis für eine gelungene Selbstsozialisation bildet.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Jugendalter, Peergroups, Gleichaltrige, Identitätsentwicklung, Adoleszenz, Selbstsozialisation, Erziehung, Sozialraum, Familienstruktur, Individuation, Integration, Statuspassagen, Jugendkultur, Entwicklungsaufgaben
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den veränderten Rahmenbedingungen der Sozialisation und der wachsenden Bedeutung von Gleichaltrigengruppen für Heranwachsende im Vergleich zum elterlichen Einfluss.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen den Ablösungsprozess vom Elternhaus, die theoretische Einordnung des Jugendalters, die Funktionen von Peergroups und die Mechanismen der Selbstsozialisation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Prozess der Identitätsfindung Jugendlicher zu analysieren und aufzuzeigen, wie Peers als Sozialisationsinstanzen fungieren und welche Rolle sie bei der Abgrenzung zur Welt der Erwachsenen spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Synthese bestehender entwicklungspsychologischer und soziologischer Fachliteratur.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Einflusses auf das Individuum, die Analyse von Gruppenstrukturen und die detaillierte Betrachtung der Sozialisation durch Peers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Sozialisation, Identitätsentwicklung, Peergroups, Adoleszenz, Selbstfindung und das Spannungsfeld zwischen Familie und Gleichaltrigen.
Was besagt die Theorie der „Jugend als Schonraum“?
Sie beschreibt Jugendliche als Personen in einer Phase „verlängerter Kindheit“, in der sie sich vor dem direkten Leistungsdruck der Erwachsenenwelt in spezifischen Sozialräumen entwickeln können.
Welche vier Ressourcen für das Zusammenspiel von Selbstfindung und Peergroup nennt Reinders?
Die vier genannten Ressourcen sind Integration, Assimilation, Segregation und Marginalisierung, welche beschreiben, wie unterschiedlich Jugendliche ihre Peergroup-Zugehörigkeit nutzen.
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- Anonym (Author), 2007, Neue Sozialisationsagenten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161993