Die Ottonen hatten einen überragenden Anteil am geschichtlichen Wandel einer Epoche. Nach dem allmählichen, sich Fortschleichenden Zerfall des fränkischen Großreiches besiegelte die Königserhebung Heinrichs – der zuvor bereits von dem karolingischen König Konrad I. designiert worden war – im Jahre 919 das Ende der karolingischen Königsdynastie. Es war aber nicht alleinig ein Wechsel in der Dynastie zugunsten der Ottonen, sondern auch zugleich die Abkehr von dem fränkischen Prinzip der dynastischen Erbteilung, die unter anderem entscheidend für den Untergang des fränkischen Großreiches gewesen war. Durch die bisherige Aufteilung des Reiches unter allen legitimen Söhnen eines Königs war das ehemalige fränkische Großreich zunehmend zersplittert und dadurch auch seiner gebündelten Macht beraubt. Seit Heinrich dem I. herrschte nunmehr die Individualsukzession im Königsamt vor.
In dem Deutschen Reich des 10. Jahrhunderts bilden „…volkstümliche Rechtsformen…“ , die ihren Ursprung aus dem Wahlverhalten der Germanen beziehen, die geschichtliche Grundlage bei der Wahl des Deutschen Königs. Bei den Germanen galten die jeweiligen Fürsten als Repräsentanten und “Sprachrohre“ der einzelnen Stämme, die den Willen der gesamten Stammesangehörigen kundtaten und gegebenenfalls auf ein gemeinsames Oberhaupt übertrugen.
Hieraus resultierend spricht man im Mittelalter von einer durch die Fürsten erfolgenden Volkswahl, da die einzelnen Fürsten Vertreter der gesamten Bevölkerung eines Reiches sind. Jedoch ist der Begriff der Volkswahl hierbei nicht in dem heutigen demokratischen Verständnis auszulegen.
Inhaltsverzeichnis
I. Geschichtliche Einrahmung
II. Biographie Otto des I.
III. Einleitung
IV. Die Thronerhebung Ottos
1. Die Designation
2. Die Vorwahl
3. Die weltliche Thronerhebung
4. Die geistliche Thronerhebung
V. Krönung und Salbung
VI. Das Krönungsmahl
VII. Schlusswort
VIII. Quellenkritik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Prozess der Königserhebung Ottos I. im Jahr 936, um aufzuzeigen, wie das Zusammenwirken von Designation, Wahl und sakraler Bestätigung den Übergang zur Ottonenherrschaft rechtlich und symbolisch festigte.
- Historische Rahmenbedingungen des deutschen Reiches im 10. Jahrhundert
- Die Bedeutung der Designation durch Heinrich I.
- Der Ablauf der weltlichen Thronerhebung und der Akklamation
- Die Rolle der Kirche bei der Krönung und Salbung
- Strukturanalyse des Krönungsmahls als symbolisches Ritual
Auszug aus dem Buch
3. Die weltliche Thronerhebung
Der feierliche Akt der Thronerhebung Ottos des I. fand am Sonntag, dem 7.August 936 in der Kaiserpfalz zu Aachen statt. Die weltlichen Herzöge, die Ersten der Grafen, auch die herausragendsten militärischen Befehlshaber und sonstige bedeutsame Personen hatten sich bereits in der Vorhalle des Doms Karls des Grossen, auch Xystus genannt, versammelt und erwarteten dort den Einzug des zukünftigen Herrschers Otto. In der Vorhalle des Doms werden, so Helmut Hiller, ungefähr 1500 bis 2000 Menschen anwesend gewesen sein. In dieser Säulenhalle wurde von den Fürsten der symbolische Wahlakt vollzogen, infolge dessen der bisherige Herzog der Sachsen zum König erwählt werden sollte. Als Otto sich der Kaiserpfalz näherte, gingen die Fürsten ihm entgegen und geleiteten ihn in einem feierlichen Zuge in das Innere der Vorhalle der Marienkirche hinein. Umringt von den weltlichen Führern bestieg Otto schließlich den eigens in dem Xystus errichteten Thron und nahm dort Platz. Die Thronbesteigung ist bereits als Zeichen einer vollzogenen Wahl auszulegen. Durch lautes und offenkundiges Zurufen bestätigten die Fürsten die Vorwahl und nahmen somit den bisherigen Sachsenkönig Otto zu ihrem König an.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Geschichtliche Einrahmung: Das Kapitel beschreibt die geografischen Ausdehnungen und die Bedrohungslage des Deutschen Reiches im 10. Jahrhundert durch äußere Feinde sowie interne Rivalitäten.
II. Biographie Otto des I.: Hier werden die biografischen Eckdaten Ottos I. sowie seine Bedeutung als „der Große“ anhand zeitgenössischer Quellen skizziert.
III. Einleitung: Diese Einleitung erläutert den Wandel von der karolingischen Dynastie zu den Ottonen und die Abkehr vom Prinzip der fränkischen Erbteilung.
IV. Die Thronerhebung Ottos: Das Kapitel analysiert die vier Komplexe der Designation, Vorwahl sowie der weltlichen und geistlichen Thronerhebung.
V. Krönung und Salbung: Hier wird der zeremonielle Akt der Insignienübergabe und die sakrale Salbung durch die Erzbischöfe detailliert behandelt.
VI. Das Krönungsmahl: Das Kapitel beleuchtet das Krönungsmahl als symbolisches Ritual, bei dem die Fürsten durch Hofdienste ihre Unterordnung demonstrierten.
VII. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Wahl als Mischung aus Wahlrecht und Erbanspruch unter Berücksichtigung der Kompetenzaufteilung.
VIII. Quellenkritik: Dieser Abschnitt bewertet die Glaubwürdigkeit des Berichts von Widukind von Corvey als Hauptquelle für die Ereignisse des Jahres 936.
Schlüsselwörter
Otto I., Königserhebung, Mittelalter, Thronerhebung, Designation, Vorwahl, Akklamation, Krönung, Salbung, Aachen, Widukind von Corvey, Ottonen, Lehnsrecht, Herrschaftssymbolik, Reichstag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Analyse der Königserhebung Ottos I. im Jahr 936 in Aachen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die staatsrechtlichen Abläufe der Wahl, die Rolle der Kirche bei der Krönung und die politische Symbolik der Insignienübergabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Wahlvorgang als eine Mischung aus Tradition, Erbrecht und politischer Designation zu entschlüsseln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse historischer Berichte, insbesondere der „res gestae saxonicae“ von Widukind von Corvey, angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Erhebungsprozess in Designation, Vorwahl, weltliche sowie geistliche Thronerhebung und untersucht begleitende Rituale wie das Krönungsmahl.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Königserhebung, ottonische Dynastie, Akklamation und Quellenkritik stehen im Zentrum der Arbeit.
Warum war die Designation durch Heinrich I. so bedeutend?
Sie diente als bindender Wahlvorschlag, der den Erbgedanken stärkte und zukünftige Konflikte bei der Nachfolge minimieren sollte.
Welche Rolle spielten die rheinischen Erzbischöfe?
Sie stritten um das Privileg der Weihe, wobei sich schließlich der Mainzer Erzbischof als ranghöchster Prälat durchsetzte.
Wie ist die Glaubwürdigkeit der verwendeten Quellen einzuschätzen?
Obwohl Widukind von Corvey als Hofchronist subjektiv beschönigt haben könnte, gilt er aufgrund seiner Nähe zur Königsfamilie als wesentliche und glaubwürdige Quelle.
- Quote paper
- Philipp Wansel (Author), 2004, Die Königserhebung Ottos I., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161887