Die weiterhin steigende Zahl der, bei der zentralen Registrierungsstelle DENIC eG registrierten Homepages in Deutschland belegt die anhaltende Aktualität des Themas Homepages. Die Motive der Besitzer persönlicher Homepages, der Öffentlichkeit Details aus
ihrem Privat- und Berufsleben zu präsentieren, sind in Anbetracht der Vielzahl unterschiedlicher persönlicher Homepages offensichtlich keineswegs einheitlich. Die bestehende Forschung auf dem Gebiet persönlicher Homepages weist bisher eher explorativen Charakter auf (Schütz, Machilek & Marcus, 2003) und lässt kaum Rückschlüsse auf die tatsächlichen Motive der Homepagebesitzer für ihre persönliche
Homepage zu. McClelland, Koestner und Weinberger postulierten 1989 ein Modell, das von der unabhängigen Koexistenz impliziter und expliziter Motive ausgeht (McClelland, Koestner & Weinberger, 1989). Vor dem Hintergrund der Selbstdarstellungstheorie wird im Rahmen
dieser Arbeit der Frage nachgegangen, inwiefern sich die impliziten und expliziten Motive von Homepagebesitzern bei der Selbstdarstellung auf ihren persönlichen Homepages widerspiegeln. Zudem ergibt sich eine Validitätsfragestellung in Hinblick auf die
Vorhersagekraft motivthematischer Homepageinhalte für Skalen der PRF (Stumpf et al.,1985) und des MMG (Schmalt et al., 1999).
Das explizite Machtmotiv erwies sich als Prädiktor macht- und leistungsmotivthematischer Homepageinhalte. Das implizite Anschlussmotiv steht in negativem Zusammenhang zu leistungsmotivthematischen Homepageinhalten. Rubriken, die sich auf die Selbstdarstellung der eigenen Person, sowie auf bereits bestehende soziale Kontakte beziehen, zeigen besonders große Relevanz für eine persönliche Homepage. Neben dem Erleben von
Kreativität spielen vor allem Gründe für eine persönliche Homepage eine wichtige Rolle, die Bezug zu sozialer Interaktion und Kommunikation haben. Selbstbezogene Motive hingegen scheinen eher in den Hintergrund zu treten. Probanden, die bereits an einer parallel
durchgeführten Untersuchung teilgenommen und in diesem Zusammenhang ebenfalls PRF (Stumpf et al., 1985), MMG (Schmalt et al., 1999) und die Selbstdarstellung auf einer persönlichen Homepage bearbeitet hatten, wiesen sowohl für das implizite Macht- und Anschlussmotiv signifikant niedrigere Werte, als auch tendenziell niedrigere Werte für das Anschlussmotiv in der Selbstdarstellung auf der persönlichen Homepage auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motive
2.1 Zwei Analyseperspektiven: Druck oder Zug
2.2 Motivstärke
2.3 Motivkomponenten
2.4 Primäre und sekundäre Motive
2.5 Die klassische Motivtrias: Leistung, Macht und Anschluss
2.5.1 Das Leistungsmotiv
2.5.2 Das Machtmotiv
2.5.3 Das Anschlussmotiv
2.6 Implizite versus explizite Motive
2.6.1 Implizite Motive
2.6.2 Explizite Motive
2.6.3 Die Interaktionshypothese
2.6.4 Validitätsbereiche impliziter und expliziter Motive
2.7 Motivdiagnostik
2.7.1 Projektive Verfahren
2.7.2 Fragebogenverfahren am Beispiel der Personality Research Form
2.7.3 Semiprojektive Verfahren am Beispiel des Multi-Motiv Gitters
3. Persönliche Homepages
3.1 Definition persönlicher Homepages
3.2 Klassifikation persönlicher Homepages
3.3 Verbreitung persönlicher Homepages
3.4 Inhalte persönlicher Homepages
3.5 Motive für persönliche Homepages
3.6 Zielgruppen persönlicher Homepages
3.7 Selbstdarstellungstheorie
4. Ziel der Untersuchung
5. Fragestellung und Hypothesen
6. Methode
6.1 Allgemeine Beschreibung der Untersuchung
6.1.1 Untersuchungsinstrumente
6.1.2 Untersuchungsmaterialien
6.1.3 Umgang mit Störvariablen
6.2 Stichprobenbeschreibung
6.3 Untersuchungsdesign
6.3.1 Prädiktorvariablen
6.3.2 Responsevariablen
6.3.3 Zusätzliche Variablen
6.4 Untersuchungsablauf
7. Ergebnisse
7.1 Interraterübereinstimmungen
7.2 Motivthematische Homepageinhalte und Motive der Probanden
7.3 Fragebogen „Persönliche Homepages“
7.3.1 Gewünschte Rubriken auf persönlichen Homepages
7.3.2 Gründe für eine persönliche Homepage
7.3.3 Erfahrungen mit persönlichen Homepages
7.3.4 Teilnahme an der „Untersuchung zur Wahrnehmung von Persönlichkeitsmerkmalen“
8. Diskussion
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht erstmals empirisch die motivationalen Hintergründe für die Gestaltung persönlicher Homepages. Das primäre Ziel besteht darin, zu klären, ob sich explizite Motive (bewusste Werte/Selbstbilder) oder implizite Motive (unbewusste Bedürfnisse) der Person in der Selbstdarstellung auf einer persönlichen Homepage widerspiegeln.
- Rolle impliziter und expliziter Motive in der Internet-Selbstdarstellung
- Validierung psychologischer Testverfahren (Multi-Motiv Gitter, Personality Research Form) im Kontext von Homepages
- Untersuchung von Rubrikenpräferenzen und Beweggründen der Homepagebesitzer
- Interaktionshypothese zwischen bewusster Eindruckssteuerung und unbewussten Motivtendenzen
- Eignung persönlicher Homepages als diagnostisches Instrument für die Personalpsychologie
Auszug aus dem Buch
Die Rolle expliziter und impliziter Motive bei der Gestaltung persönlicher Homepages
Im Zeitalter des Internets sind Homepages inzwischen weit mehr als nur eine Modeerscheinung und längst nicht mehr Großunternehmen und der Prominenz vorbehalten. Der Besitz einer persönlichen Homepage ist heute viel mehr allen Altersgruppen vom Teenager bis zum Senior, allen Personengruppen vom Single über das Pärchen bis zur Großfamilie und nahezu allen Nationalitäten zugänglich und aufgrund der weiterhin steigenden Zahlen zur Domainentwicklung (DENIC, 2006) offensichtlich noch längst nicht gesättigt.
In den vergangenen Jahren sind mit dem Trend zur persönlichen Homepage auch eine Reihe von Untersuchungen zu diesem Thema einhergegangen (Machilek, Schütz & Marcus, 2004; Schütz, Machilek & Marcus, 2003; Döring, 2001). Die meisten der etwa 40 empirischen Arbeiten zum Forschungsgegenstand persönliche Homepages weisen aufgrund von Problemen einer adäquaten Stichprobenziehung jedoch eher explorativen Charakter auf (Schütz, Machilek & Marcus, 2003).
Das Beispiel der Homepage eines 17-Jährigen, der derzeit als Austauschschüler in Chile lebt und seine Erlebnisse vor Ort im Blog mit Bildern und Texten dokumentiert, ist ebenso charakteristisch für die Vielfalt der Selbstdarstellungen im Internet, wie die Seite der Bürokauffrau, die über ihre Bewerbungshomepage nach ihrer Elternzeit versucht zurück in den Beruf zu kehren. Albert, der privat auf seiner Homepage Informationen über erforderliche Rechnereinstellungen für den Internetzugang mit T-Online sammelt und diese interessierten Besuchern zu Verfügung stellt, ist ein weiteres Exempel. Und schließlich die Homepage der Großfamilie, die von A wie Auto, bis Z wie Zwergkaninchen alles über sich preisgibt und Verwandte und Freunde mittels ausführlicher Fotodokumentationen, Webcam und Gästebuch über die aktuellsten Geschehnisse auf dem Laufenden hält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verbreitung persönlicher Homepages ein und stellt die forschungspsychologische Relevanz der Frage nach den zugrunde liegenden impliziten und expliziten Motiven dar.
2. Motive: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über die Motivationspsychologie, insbesondere die klassische Motivtrias (Leistung, Macht, Anschluss) sowie die theoretische Fundierung der Unterscheidung zwischen impliziten und expliziten Motiven.
3. Persönliche Homepages: Hier wird der Forschungsstand zu persönlichen Homepages dargelegt, inklusive Definitionen, Klassifikationsmöglichkeiten, inhaltlicher Gestaltung und bisheriger Erkenntnisse zu Nutzer-Motiven.
4. Ziel der Untersuchung: Dieses Kapitel definiert die Ziele der Arbeit, die darin bestehen, die motivationalen Hintergründe der Web-Selbstdarstellung empirisch zu erhellen und die Validität der Testinstrumente in diesem neuen Kontext zu prüfen.
5. Fragestellung und Hypothesen: Basierend auf der Selbstdarstellungstheorie werden spezifische Hypothesen zum Ausdruck expliziter und impliziter Motive in verschiedenen Themenbereichen der Homepage-Gestaltung aufgestellt.
6. Methode: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, inklusive der verwendeten Testinstrumente (MMG, PRF), der Stichprobenbeschreibung und des experimentellen Untersuchungsdesigns mittels multipler linearer Regressionen.
7. Ergebnisse: Die statistischen Auswertungen der Regressionsanalysen und der Fragebogendaten zur Rubrikenpräferenz und den Beweggründen der Probanden werden hier detailliert präsentiert.
8. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert und kritisch hinterfragt, wobei insbesondere die Rolle des Machtmotivs und der Einfluss des impliziten Anschlussmotivs erörtert werden.
9. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel rekapituliert die theoretischen Grundlagen, die methodische Umsetzung und die zentralen empirischen Befunde der Diplomarbeit.
Schlüsselwörter
Persönliche Homepages, implizite Motive, explizite Motive, Leistungsmotiv, Machtmotiv, Anschlussmotiv, Multi-Motiv Gitter, MMG, Personality Research Form, PRF, Selbstdarstellung, Impression Management, Motivationspsychologie, Internet, Web-Design
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die motivationalen Hintergründe, die Menschen dazu bewegen, sich auf persönlichen Homepages darzustellen, und analysiert, inwieweit diese durch implizite oder explizite Motive gesteuert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Motivationspsychologie, die Selbstdarstellungstheorie (Impression Management) und die psychologische Erforschung der Internetnutzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob und wie sich implizite (unbewusste) und explizite (bewusste) Motive der Homepagebesitzer in der Gestaltung ihrer persönlichen Homepages widerspiegeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Zur Erfassung der Motive werden das Multi-Motiv-Gitter (für implizite Motive) und die Personality Research Form (für explizite Motive) genutzt; zur Analyse der Homepage-Inhalte dient der Auswertungsschlüssel für fließenden Text nach Winter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu Motiven und Homepages, gefolgt von einer empirischen Untersuchung, in der 40 Probandinnen eine fiktive Homepage gestalteten, deren Inhalte anschließend ausgewertet wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Selbstdarstellung, Motivdiagnostik, Leistungs-, Macht- und Anschlussmotiv sowie die Unterscheidung von impliziten und expliziten psychologischen Konstrukten definiert.
Welche Rolle spielt das explizite Machtmotiv bei der Homepage-Gestaltung?
Überraschenderweise erwies sich das explizite Machtmotiv als einer der stärksten Prädiktoren für macht- und leistungsmotivthematische Inhalte auf den Homepages, was auf eine soziale Akzeptanz dieses Motivs in der Zielgruppe hindeutet.
Warum wurde eine rein weibliche Stichprobe gewählt?
Aufgrund bekannter Geschlechterunterschiede bei der Internetnutzung und der Erfassung impliziter Motive wurde die Stichprobe aus Gründen der methodischen Kontrolle auf weibliche Psychologiestudentinnen begrenzt.
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- Julia Marzschesky (Author), 2007, Die Rolle impliziter und expliziter Motive bei der Gestaltung persönlicher Homepages, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161879