In dieser Arbeit soll das Thema ‚Künstler entdecken die Ethnologie’ anhand des Dada- und Surrealismus dargestellt werden. Durch Freuds Psychoanalyse etablierte sich in der westlichen Welt der Begriff
des Unterbewussten. Von nun an gab es nicht nur das Rationale auf das unsere Handlungen zurück zu führen war, sondern auch das Unterbewusste spielte dabei eine relevante Rolle. Diese Wandlung des Menschenbildes veränderte natürlich auch die Kunst. Während die Dadaisten sich vom Rationellen abwandten und jegliche Konvention über den Haufen warfen, waren die Surrealisten eher daran interessiert, das Unterbewusste zu erfassen und in ein neues Weltbild zu integrieren.
Die vorliegende Arbeit möchte diese beiden Kunstrichtungen kurz vorstellen und den Einfuss primitiver Kunst darauf näher bringen. Dabei geht es vorrangig um die Fragen, was genau sich Künstler von den Fremden abgeschaut haben und inwiefern es in ihre eigene Kunst mit eingefossen ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Der Dadaismus
Der Primitivismus im Dadaismus
Der Surrealismus
Der Primitivismus im Surrealismus
Schlusswort
Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rezeption außereuropäischer Kunst im Dadaismus und Surrealismus, um zu klären, wie sich Künstler von sogenannten „primitiven“ Kulturen inspirieren ließen und diese Einflüsse in ihr eigenes Schaffen integrierten.
- Die ästhetische und ideologische Ablehnung bürgerlicher Normen durch den Dadaismus.
- Die Rolle des Primitivismus als Suche nach einem unverfälschten Ausdruck im Dadaismus.
- Die theoretische Fundierung des Surrealismus durch Psychoanalyse und Anthropologie.
- Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem „Primitiven“ und dem Unterbewussten.
Auszug aus dem Buch
DER PRIMITIVISMUS IM DADAISMUS
Da man sich als Dadaist gegen jegliche bürgerliche Konventionen auflehnte, war die primitive Kunst ganz besonders interessant für sie. So glaubte man, dass diese Kunstform den unverdorbenen Ursprung des Menschen darstellte und frei von jeglichen Einflüssen der westlichen Kultur war.
Das einzig existierende Bild das eine der vielen Soireen der Dadaisten dokumentiert ist Cabaret Voltaire (1916). Dort gibt es den ersten Hinweis darauf, dass der Primitivismus im Kabarett eine präsente Rolle hatte. Denn an einer Wand sind eindeutig wilde Gesichtsmasken zu erkennen. Diese wurden von Marcel Janco für Aufführungen angefertigt. Obwohl es keine Originale waren, hatte man sich doch etwas von den Primitiven abgeguckt. Die Masken waren nämlich mit bis dahin unüblichen Materialien angefertigt worden.
Benutzte man bis dahin nur edle und erlesene Produkte für ein Kunstwerk, so bediente sich Janco und Co. an Kartons, Papier, Pferdehaar und Draht. Es waren also Stoffe, die wertlos und leicht verderblich waren. Jean Arp, der ebenfalls solche Materialien nutzte, kommentierte es mit folgenden Worten: „Anstatt das Papier zu zerschneiden, zerriss ich mit meinen Händen, ich gebrauchte Gegenstände, die ich am Strand fand, und ich stellte natürliche Collagen und Relifs zusammen. Ich arbeitete so wie die Ozeanier, die sich nie um die Dauer ihrer Materialien kümmern, wenn sie Masken anfertigen, und die verderbliche Materialien wie Muscheln, Blut und Federn verwenden.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hinführung zur Thematik der künstlerischen Auseinandersetzung mit Ethnologie innerhalb der dadaistischen und surrealistischen Strömungen.
Hauptteil: Detaillierte Analyse der kunstgeschichtlichen Entwicklung, beginnend mit der dadaistischen Revolte bis hin zur surrealistischen Integration des Primitivismus und des Unterbewussten.
Schlusswort: Kritische Reflexion über die Grenzen des interkulturellen Verständnisses und das Scheitern der vollständigen Aneignung fremder kultureller Ausdrucksformen.
Literatur: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Bildnachweise.
Schlüsselwörter
Dadaismus, Surrealismus, Primitivismus, Ethnologie, Kunst, Psychoanalyse, Cabaret Voltaire, Marcel Janco, Max Ernst, André Breton, Unterbewusstsein, Masken, Transformation, Ästhetik, kulturelle Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Künstler des Dadaismus und Surrealismus die Ethnologie und „primitive“ Kunstformen entdeckten und in ihre künstlerische Praxis einfließen ließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die dadaistische Ablehnung traditioneller Kunst, die surrealistische Erforschung des Unterbewussten und die Faszination für außereuropäische Kulturen als Inspirationsquelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit „fremde“ ästhetische Konzepte von Dadaisten und Surrealisten übernommen wurden, um das westliche Weltbild zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunstgeschichtliche und ethnologische Literaturanalyse, um das Verhältnis der Kunstströmungen zur außereuropäischen Kunst zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Dadaismus, seiner Faszination für das „Primitive“, des Surrealismus sowie dessen stärkere theoretische Verankerung in der Psychoanalyse und Ethnologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Dadaismus, Surrealismus, Primitivismus, Ethnologie, Kunst, Psychoanalyse und kulturelle Identität.
Wie unterschied sich die Herangehensweise der Dadaisten von der der Surrealisten?
Während Dadaisten das „Primitive“ eher für eine intuitive, anti-bürgerliche Lebensform und Materialität nutzten, integrierten die Surrealisten es systematischer in eine philosophische und psychologische Theorie des Lebens.
Welche Rolle spielten Masken bei Marcel Janco?
Für Janco und die Dadaisten waren Masken Mittel, um die soziale Identität des Trägers zu transformieren und einen „tragsich-absurden Tanz“ zu inszenieren, der von bürgerlichen Zwängen befreit war.
Welchen Einfluss hatte Sigmund Freud auf die Surrealisten?
Freud lieferte mit seiner Traumdeutung und den Begriffen des Unbewussten die theoretische Basis, mit der die Surrealisten versuchten, die Symbole „primitiver“ Kunst besser zu verstehen und darzustellen.
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- Fernanda Menezes Dias (Author), 2008, Künstler entdecken die Ethnologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161330