„Was Besseres kann denen gar nicht passieren eigentlich“
(deutscher Urlauber o. N.)
Diese Einschätzung stammt von einem so genannten deutschen Sextouristen als Einschätzung seiner finanziellen Unterstützung der thailändischen Prostituierten nach dem Tsunami Ende 2004 und gab somit seinem Reisemotiv, in Thailand mit einheimischen Frauen gegen Bezahlung Sex zu haben, einen entwicklungshelfenden Charakter. Moralische Bedenken wegen der Prostitution in Thailand hatte er augenscheinlich nicht. Während nach dem Tsunami 2004 noch einige Leichen am Strand geborgen werden, laufen schon die ersten asiatischen Frauen auf der Suche nach Freiern und Geld der Touristen herum. Thailand ist eines der beliebtesten Destinationen für Prostitutionstouristen (=Sextouristen) geworden und setzt trotz Verboten und gesellschaftlicher Verachtung in vielen Regionen auf genau diesen Wirtschaftszweig. Spezielle Infrastruktur, d.h. Massagesalons angereiht an Go-Go-Bars und anderen Vergnügungseinrichtungen, in so genannten Sextourismuszentren wie Bangkok oder Phuket lassen nicht das Gefühl aufkommen, dass Sextourismus nicht gewollt wäre. Viele Sextouristen haben daher kein schlechtes Gewissen, sondern fühlen sich wie im Paradies und so kann es passieren, dass regelmäßige sexuelle Kontakte freundschaftliche oder Liebesgefühle entstehen lassen und seitens der Touristen längst nicht mehr von Prostitution sondern eher von Hilfe und Unterstützung gesprochen wird.
Die Tatsache, dass in Thailand der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige gehört , ist nicht von der Hand zu weisen. Auch dass viele thailändische Frauen aus verschiedenen finanziellen Motiven und Nöten heraus Prostitution betreiben, ist bittere Realität. Somit ist die finanzielle Unterstützung durch die Sextouristen zwar faktisch gegeben, gibt jedoch genug Zündstoff für eine Diskussion über Werte und Moral. Der Tourismus in Thailand hat mehrere Dimensionen, sowohl positive als auch negative. Natürlich ist der Tourismus aus Thailands Einnahmen nicht mehr wegzudenken, jedoch sind damit politisch-planerische, soziale und ökologische Probleme verbunden. Mit dem mittlerweile nicht nur für Thailand sondern auch für andere (Entwicklungs-) Länder typischen Sextourismus kommt eine weitere gesundheitliche Dimension (vor allem, aber nicht nur AIDS) dazu.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tourismus in Thailand
3. Probleme des Tourismus in Thailand
3.1. Profitorientierte Tourismuspolitik, Raumnutzungskonflikte und Korruption
3.2. Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
3.3. Müllentsorgung
3.4. Sextourismus – die soziale Schattenseite des Tourismus
3.4.1. Begriffsdiskussion und die Entwicklung des Sextourismus in Thailand
3.4.2. AIDS
3.4.3. Kinderprostitution
3.4.4. Settings des Sextourismus
3.4.5. Eigenschaften deutscher Sextouristen
4. Schlussbemerkung
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. virtuelle Quellen
5.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen negativen Auswirkungen des Tourismus in Thailand, wobei der Fokus gezielt auf dem Sextourismus liegt. Sie beleuchtet, wie touristische Erschließungsprozesse soziale, ökonomische und gesundheitliche Probleme verschärfen und analysiert dabei kritisch die Rolle und Merkmale der beteiligten Akteure.
- Tourismus als wichtiger Wirtschaftszweig versus ökologische Folgen
- Die Problematik von Korruption und Raumnutzungskonflikten
- Sextourismus als soziale Schattenseite und gesundheitliche Risiken (AIDS)
- Kinderprostitution als Menschenrechtsverletzung
- Soziodemografische Analyse deutscher Sextouristen
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Begriffsdiskussion und die Entwicklung des Sextourismus in Thailand
Der Spiegel berichtete erstmals 1974 über so genannte Sextouristen und „Bumsbomber“ in dem Artikel „Bangkok: Jermans here velly happy“. Seitdem hat sich der Begriff „Sextourismus“ etabliert, nahezu alle nachfolgenden populärwissenschaftlichen Artikel zu diesem Thema haben diesen Begriff übernommen. Doch kaum ein Journalist machte sich die Mühe, den Begriff zu klären. Was ist eigentlich Sextourismus? Wer oder was ist überhaupt ein Sextourist? Ist es auch der Entwicklungshelfer, der mit einer einheimischen Frau sexuellen Kontakt hatte und dadurch sie und ihre Familie unterstützt? Ist es derjenige, der vorsätzlich in ein Land reist, um für wenig Geld Sex zu haben? Muss es immer ein Tourist sein oder nicht auch ein Geschäftsreisender und definiert es sich über die finanzielle Bezahlung, also über den Austausch Sex gegen Geld? Gefährlich wird es, wenn stereotype Bilder als Definitionen herangezogen werden, indem man davon ausgeht, dass Personen der Ersten Welt mit Angehörigen der Dritten Welt Sex haben, denn dadurch kann ein Rassismus entstehen, der es als ethnisch unhaltbar ansieht, dass Menschen unterschiedlicher Rassen miteinander sexuellen Kontakt hätten. Eine anwendungsbezogene Begriffserklärung für deutsche „Sextouristen“ oder auch „Prostitutionstouristen“, die für diese Arbeit als Vorlage fungieren soll, bieten KLEIBER und WILKE. Sie wurde im Rahmen einer Umfrage deutscher Urlauber und Sextouristen Anfang der 90er Jahre formuliert:
„Sextouristen sind alle Personen, die aus der Bundesrepublik kommend in einem Land der Dritten Welt, in dem sie sich befristet (zumeist zu Urlaubszwecken, z.T. aber auch Geschäftsleute, Tagungsreisende o.ä.) aufhielten, Sex mit einheimischen Frauen/Männern gegen Geld oder Sachleistungen gehabt haben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Problematik des Sextourismus in Thailand und legt den Fokus auf die negative Dimension des wirtschaftlich bedeutenden Tourismussektors.
2. Tourismus in Thailand: Dieses Kapitel beschreibt die touristische Entwicklung Thailands, die trotz externer Krisen einen rasanten Aufstieg erlebte und analysiert die Bedeutung des Tourismus als zentrale Einnahmequelle.
3. Probleme des Tourismus in Thailand: Das Kapitel behandelt verschiedene systemische Probleme wie Umweltbelastungen, Landnutzungskonflikte und Korruption, die durch den Tourismusdruck entstehen.
3.1. Profitorientierte Tourismuspolitik, Raumnutzungskonflikte und Korruption: Fokus liegt auf den negativen Auswirkungen der Tourismusentwicklung auf die Landschaft und die Rolle der Korruption bei Landnutzung und Bauvorhaben.
3.2. Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung: Dieses Kapitel erläutert die durch den Tourismus verursachte Wasserknappheit und die mangelhaften Abwasserentsorgungssysteme in touristischen Zentren.
3.3. Müllentsorgung: Hier wird die Überforderung lokaler Entsorgungssysteme durch den Tourismus sowie die problematischen Entsorgungsmethoden wie Müllverbrennung thematisiert.
3.4. Sextourismus – die soziale Schattenseite des Tourismus: Dieses Kapitel analysiert den Sextourismus als soziales Phänomen, dessen Strukturen und Auswirkungen auf die thailändische Gesellschaft.
3.4.1. Begriffsdiskussion und die Entwicklung des Sextourismus in Thailand: Auseinandersetzung mit der Definition des Begriffs „Sextourist“ sowie der historischen Entstehung durch US-Truppenstationierungen.
3.4.2. AIDS: Untersuchung der gesundheitlichen Folgen des Sextourismus und der Auswirkungen von Aufklärungskampagnen auf die Infektions- und Sterberaten.
3.4.3. Kinderprostitution: Problematisierung der Menschenrechtsverletzungen und der Schwierigkeit, genaue Daten über das Ausmaß der Kinderprostitution zu erheben.
3.4.4. Settings des Sextourismus: Vorstellung der touristischen Zentren und Orte wie Massagesalons oder Bars, in denen sexuelle Kontakte vermittelt werden.
3.4.5. Eigenschaften deutscher Sextouristen: Präsentation soziologischer Daten zu Alter, Familienstand und Bildungsgrad der deutschen Zielgruppe.
4. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Reflexion über die Ambivalenz der Tourismusprobleme und die Schwierigkeit einer moralischen Bewertung.
Schlüsselwörter
Tourismus, Thailand, Sextourismus, Prostitution, Korruption, Umweltverschmutzung, Abwasser, Müllentsorgung, AIDS, Menschenrechte, Kinderprostitution, Infrastruktur, Landnutzung, Reisemotive, Entwicklungszusammenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die negativen Begleiterscheinungen des Tourismus in Thailand, insbesondere die ökologischen Probleme sowie die soziale Problematik des Sextourismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der touristischen Infrastruktur, Umweltkonflikten, der Rolle der Korruption sowie den vielfältigen Dimensionen des Sextourismus und dessen gesundheitlichen Folgen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die aus dem Massentourismus resultierenden Probleme aufzuzeigen und einen tieferen Einblick in die Strukturen des Sextourismus sowie dessen Auswirkungen auf Thailand zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender Umfragedaten und Statistiken zur touristischen Entwicklung und zu soziologischen Profilen deutscher Sextouristen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung allgemeiner tourismusbedingter Probleme (Müll, Wasser, Korruption) und eine detaillierte Analyse des Sextourismus einschließlich AIDS, Kinderprostitution und der Charakteristika der Touristen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sextourismus, Tourismuspolitik, soziale Schattenseiten, Umweltbelastung, Korruption und soziologische Strukturanalysen geprägt.
Warum spielt die Stationierung von US-Truppen in der Arbeit eine Rolle?
Der Autor führt die historische Entstehung des Sextourismus als festes Markenzeichen Thailands auf die Anwesenheit von US-Soldaten während des Vietnamkrieges zurück.
Welche Rolle spielt die Kondombenutzung bei der Bewertung des Sextourismus?
Aufgrund der alarmierend niedrigen Kondombenutzungsrate im Kontext der AIDS-Statistiken wird die gesundheitliche Gefahr des Sextourismus als zentrales und kritisches Problemfeld hervorgehoben.
- Quote paper
- Erik Kurzke (Author), 2010, Probleme des Tourismus in Thailand, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161281