Mithilfe der Analyse zweier biblischer Texte wird der Zusammenhang von Gott und Naturphänomenen dargelegt und die Auswirkung auf das Gottesbild betrachtet.
Hierfür werden zwei Theophanien aus dem Alten Testament herangezogen welcher einer Strukturanalyse unterzogen und gedeutet werden. Die Auswirkungen auf das Gottesbild werden vor allem im Kontext von Kindern betrachtet.
Eine der wohl bekanntesten Überlieferungen aus dem Alten Testament ist Exodus 20, die die Verkündung der zehn Gebote thematisiert. Hierbei soll das zweite Gebot Gottes besonders in den Fokus gerückt werden. In der Einheitsübersetzung von 1999 heißt es in Ex 20,4 wie folgt: Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
Die Differenzierung zwischen der Ausgabe und der überarbeiteten Ausgabe von 2016 ist insofern wichtig, als der Wortlaut voneinander abweicht und damit einhergehend eine semantische Änderung vorliegen könnte.
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1 Das Gottesbild und die Natursymbolik
2 Gottesbilder und Gottesvorstellungen
3 Vergleich zweier Theophanieberichte im Alten Testament hinsichtlich ihrer Natursymbolik
4 Auswirkung von Natursymbolen auf das Gottesbild
Literaturverzeichnis
1 Das Gottesbild und die Natursymbolik
Eine der wohl bekanntesten Überlieferungen aus dem Alten Testament ist Exodus 20, die die Verkündung der zehn Gebote thematisiert. Hierbei soll das zweite Gebot Gottes besonders in den Fokus gerückt werden. In der Einheitsübersetzung von 1999 heißt es in Ex 20,4 wie folgt:
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
Die Differenzierung zwischen der Ausgabe und der überarbeiteten Ausgabe von 2016 ist insofern wichtig, als der Wortlaut voneinander abweicht und damit einhergehend eine semantische Änderung vorliegen könnte.
Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. (Ex 20,4)
Der Grund für die Änderung ist unter anderem die Übersetzung aus dem Hebräischen, welche dem Wortlaut der Fassung von 2016 wohl näher liege. Dennoch eröffnet die Auflage von 1999 Fragen hinsichtlich der Entwicklung eines Gottesbildes. Eine Änderung des Begriffes soll womöglich die Differenz zwischen einer selbst entwickelten Vorstellung und einer bildlichen Darstellung schaffen. Denn es ist unvermeidlich, dass durch die geschaffenen Assoziationen beim Leseprozess ein inneres Bild von Gott entsteht. Unser Gottesbild entwickelt sich demnach aus den wörtlichen Überlieferungen. Die ersten Überlieferungen über die Gottesdarstellung erhalten wir aus dem Alten Testament. Nach einer genauen Beschreibung Gottes suchen wir aber auch hier vergeblich. Dafür erhalten wir eine Vielzahl von Sprachbildern und Metaphern, mit welchen uns die Gestalt Gottes näher gebracht wird. Aus der Interpretation dieser Sprachbilder und den damit verbundenen Assoziationen bildet sich unsere Gottesvorstellung aus. Aufgrund der Vielzahl von möglichen Gottesbildern und Auslegungen wird der Blick im Rahmen dieser Arbeit nur auf den Aspekt der Naturphänomene in Verbindung mit Gotteserscheinungen gerichtet. Diese zeigen sich im Alten Testament vor allem in den Theophanien, weshalb zwei davon exemplarisch betrachtet und hinsichtlich der auftretenden Naturereignisse verglichen werden sollen. Des Weiteren eröffnet die Darstellung von Naturphänomenen bei Gotteserscheinungen die Frage nach dem Einfluss Gottes auf die Natur. Besonders im Hinblick auf die bekannten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse stellt sich die Frage, ob Naturereignisse noch mit Gott als ursprünglichen Schöpfer der Natur in Verbindung gebracht werden können. Abschließend soll der Bogen zum Einfluss der Naturerscheinungen auf die Entstehung von Gottesbildern und Gottesvorstellungen gespannt werden, welche einen Ausblick auf eine mögliche vertiefte Auseinandersetzung mit der Thematik eröffnet.
2 Gottesbilder und Gottesvorstellungen
„[Vor] diesem Hintergrund der begrenzten Möglichkeiten, Gott zu erkennen und auszudrücken, sprechen wir [Karl Frielingsdorf zufolge] auch vom Gottesbild“.[1] Der Glaube im Alten Testament war ein bildloser Glaube, welcher bereits bis in die Anfänge Israels zurückgeht. Aufgrund der mangelnden Überlieferungen von Gottesabbildungen ist davon auszugehen, dass die bildlose Gottesverehrung nicht erst im Laufe der Geschichte Israels eingeführt wurde.[2] In der Auseinandersetzung mit Gott ist die Entwicklung eines Bildes von ihm unvermeidbar. Dabei beschreibt der Ausdruck Gottesbild eher eine Vorstellung von Gott als eine konkrete Abbildung. Hier muss zwischen Gottesbild und Gottesvorstellung differenziert werden. Der Religionswissenschaftler Tord Olsson definierte die Gottesvorstellung als das mentale Konzept von Gott, während er das Gottesbild als Konkretisierung von Gottesvorstellungen in Texten bezeichnet. Demnach entsteht ein Gottesbild aus den Gottesvorstellungen in Texten. Die Texte im Alten Testament verstehen sich als Sprach- und Textbilder, welche komplexe Metaphern und Bilder zu unseren Gottesvorstellungen eröffnen. Um einige Beispiele von verbreiteten Gottesbildern zu nennen, kann Gott als Hirte, als Vater oder als Schöpfer repräsentativ angeführt werden.[3] Ein Gottesbild fasst demnach die Assoziationen bei der Auseinandersetzung mit Erzählungen von Gott zusammen. Das zweite Gebot Gottes, welches dem Menschen verbietet, sich ein Abbild Gottes zu schaffen, engt folglich nicht unsere Vorstellung von Gott ein, sondern verbietet uns, ein figürliches Abbild von Gott zu schaffen. Dieses würde als Götzenbild unter das Bilderverbot fallen.[4] Die möglichen Vorstellungen von Gott sind vielfältig und abhängig von unseren Erfahrungen mit und von Gott. Rückblickend entnehmen wir unsere Erfahrungen aus den überlieferten Erzählungen des Alten und Neuen Testaments.
2.1 Ausgleich der Transzendenz Gottes durch sprachliche Bilder
Bei der Auseinandersetzung mit Gotteserzählungen sollte sich bewusst gemacht werden, dass es sich um Sprachbilder handelt. Das bedeutet, dass die übermittelten Gottesbilder lediglich aus einer Vielzahl von wörtlichen Überlieferungen entstanden sind. Keines dieser Gottesbilder ist in konkreter Form materiell überliefert. Es gilt demnach diese Sprachbilder und Metaphern zu untersuchen und zu interpretieren.[5] Bei der Untersuchung von Gottesbildern in der Bibel handelt es sich allerdings um eine besondere Form der Textauslegung. Dies ist in der Besonderheit der Bibel als Traditionsliteratur begründet.[6] Eine Auslegung vom Autor gibt es nicht, womit der Text und seine Gestaltung den einzigen Zugang zu einer Interpretation bieten. Folglich ergibt sich eine Vielzahl an Auslegungen aus den individuellen Perspektiven der Leser und Leserinnen des Textes.[7] Diese Pluralität der Auslegungen wird auch im Gottesbild sichtbar. Gottes Erscheinung wird in den biblischen Erzählungen nicht konkret beschrieben. Um eine Gottesvorstellung entwickeln zu können, gilt es demnach die Erzählungen über Gott zusammenzufügen und zu interpretieren. Hier stehen wir hermeneutisch vor einer großen Herausforderung: so ist Gott zwar in nahezu allen Erzählungen anwesend, doch ist er transzendent dargestellt. Hartenstein postuliert hierzu Folgendes:
Das Alte Testament ist in dieser Hinsicht ein Buch der Bilder, allerdings in der Dialektik einer visuellen Grenzsymbolik Gottes zwischen Präsenz und Entzug. Die auch für eine literarische und philosophische Ästhetik fruchtbare „Ikonik“ biblischer Texte wurzelt in einer langzeitigen Symbolwelt.[8]
An wenigen Stellen im Alten und Neuen Testament offenbart sich Gott dem Menschen persönlich, doch Gott wird als verborgen beschrieben. Es wäre irrtümlich, davon auszugehen, dass er gestaltlos dargestellt wird. In den meisten Theophanien wird Gott als verborgen oder verhüllt beschrieben, durch zum Beispiel Wolken, Feuer, Finsternis oder Wolkendunkel.[9] Diese genannten Symbole bedienen sich Bildern aus der Natur, um beispielsweise Gottes Anwesenheit anzudeuten. Ob diese Sprachbilder lediglich als Metaphern oder als tatsächlich stattgefundene Naturphänomene verstanden werden können, ist die Aufgabe der Exegese, der Interpretation von Bibeltexten. Unweigerlich formen sie jedoch unsere Vorstellung von Gott mit. Das Alte und das Neue Testament greifen demnach in ihrem Erzählen über Gott auf Bilder aus der Erfahrungswelt der Menschen zurück, um das Unbegreifliche begreifbar zu machen. Die beschriebenen Erscheinungen bilden damit nicht direkt ein Bild Gottes ab, sie wirken sich aber durch die eigene Interpretation auf unser Gottesbild aus.
2.2 Gott als Schöpfer der Natur
Das Gottesbild, welches sich zu Beginn des Alten Testaments eröffnet, fokussiert Gottes Rolle als Schöpfer. Das Buch Genesis beginnt mit der Schöpfung der Erde und des Wassers, diesem folgten Licht und Pflanzen. Auch die Sonne und den Mond schuf er, was die Macht über Himmelsereignisse vermittelt. Erst danach schuf er die Tiere und die Menschen (vgl. Gen 1). Auch wenn die Schöpfung der Menschen hier besonders betont wird, rückt auch das Bild der Schöpfung der Natur und seiner Bewohner ins Bild. Die Rolle des Schöpfers bezieht sich somit nicht nur auf das Geschlecht der Menschen, sondern auf alles zwischen Himmel und Erde. Doch würde man Gott als Schöpfer nur zu Beginn der Schöpfung sehen und ihn im weiteren Verlauf ausklammern, würde das ein sehr kurzweiliges und nur temporäres Gottesbild schaffen. Doch gerade im Hinblick auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse scheint ein Ausklammern Gottes in der Natur möglich zu sein, folgt sie doch gewissen Gesetzmäßigkeiten. Möchte man Gott als Schöpfer in diese Natur der Gegenwart hineindenken, muss eine gewisse Parallele zwischen Gottesallmacht und Naturgesetzen herrschen.[10] Barockscholastische Theologen und Philosophen verstanden daher die Verbindung von Gott und dem Kausalnexus als cooperatio, das Zusammenwirken als Schöpfer und Geschöpf, wobei die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten Gott in Form des Geschöpfes unterliegen. Diese Annahme macht deutlich, dass die Rolle des Schöpfers nicht mit der Schöpfung abgeschlossen ist, vielmehr läuft die Schöpfung mit der Zeit fort. So wirken zwar die Gesetzmäßigkeiten als Geschöpf Gottes auf die Natur ein, Gott selbst wirkt als Schöpfer aber ebenfalls weiterhin ein aufgrund des Kausalzusammenhangs der cooperatio. Gott wirkt als Erstursache gleichermaßen neben der Zweitursache, den Naturgesetzen.[11] Demnach kann Gott unter Berücksichtigung der natürlichen Ordnung im Hier und Jetzt noch wirken. Dabei tritt er als der teilnehmende Gott auf, der sich der vorliegenden Struktur der Weltordnung bedient und sie nicht neu kreiert. Er kann damit auch fortlaufend in die Natur eingreifen. Damit verleiht er seiner Schöpfung zwar Kontinuität, tritt jedoch weiterhin als schöpfender Gott auf.[12]
3 Vergleich zweier Theophanieberichte im Alten Testament hinsichtlich ihrer Natursymbolik
Zur Ausbildung eines Gottesbildes tragen besonders Erzählungen bei, in welchen Gott den Menschen erscheint. Diese Erscheinungen werden als Theophanien bezeichnet. Die Bergtheophanien von Gott vor Mose und Elija ähneln sich besonders in den Phänomenen der Natur, obwohl beide räumlich und zeitlich getrennt stattfinden.[13] Obwohl jeder Text unterschiedliche Interpretationen zulässt, soll hier ein Ansatz zur Auslegung der Natursymboliken gewählt werden.
3.1 Ex 19,16-19
Die hier dargestellte Szene spielt sich in der Wüste vor dem Berg Sinai ab. Vorab hat Mose das Volk Israel, welches unter der Herrschaft des Pharaos gelitten hat, aus Ägypten herausgeführt. Dies geschah aufgrund der Weisung, welche Mose von Gott erhielt. Gott offenbarte sich Mose am brennenden Dornbusch auf dem Gottesberg Horeb und wies ihn an, das Volk Israel aus Ägypten zu führen (vgl. Ex 3). Er tat, wie ihm geheißen. Drei Monate nach dem Auszug in die Wüste Sinai spricht Gott auf dem Berg zu Mose. Er bekommt Weisungen für das Volk für zwei Tage. Am dritten Tag würde Gott vor den Augen des ganzen Volkes auf den Berg Sinai herabsteigen. An diesem Tag solle keiner den Berg berühren, da er sonst den Tod verdient hätte. Nach zwei Tagen des Wartens stieg Gott, wie verheißen, vor den Augen des Volkes Israel auf den Berg Sinai herab. Auffällig an dieser Szene ist, dass Gott selbst dem Volk verborgen bleibt. In Ex 19,16-19 werden jedoch die mit Gottes Erscheinung verbundenen Naturphänomene beschrieben.
3.1.1 Text (in kolometrischer Schreibweise)
16a Am dritten Tag, im Morgengrauen,
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- Anonym (Author), 2021, Die Verbindung zwischen Gott und Naturphänomenen und ihre Auswirkung auf die Entstehung von Gottesbildern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1611593