In der vorliegenden Seminararbeit soll die von Christian Dietrich Grabbe in sein Werk Don Juan und Faust eingearbeitet Zeitkritik gegenüber dem biedermeierlichen Bürgertum beleuchtet werden. Dabei erfolgt zunächst eine generelle Erörterung der historischen
Gegebenheiten der Entstehungszeit des Stückes sowie der politischen Position des Autors. Anschließend soll Grabbes Kritik anhand einer Charakteristik der Nebenfiguren in Don Juan und Faust, Don Gusman, Signor Negro und Signor Rubio sowie den beiden Protagonisten herausgearbeitet werden. Ein abschließendes Fazit zu den Ergebnissen
bezüglich der Haltung der Protagonisten gegenüber ihrer Zeit folgt schließlich als letzter Punkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historische Aspekte - Restauration und Biedermeier in Deutschland
3 Grabbes Gesellschaftskritik in Don Juan und Faust und die Mythen von Don Juan und Faust
3.1 Zeitkritik in den Nebenfiguren von Don Juan und Faust
3.1.1 Don Gusman, der Gouverneur
3.1.2 Signor Negro
3.1.3 Signor Rubio, der Polizeidirektor
3.2 Grabbes Zeitkritik in den Mythenfiguren Don Juan und Faust
3.2.1 Don Juan: Liberalismus gegen kleinbürgerlichen Moralismus
3.2.2 Faust – Entgrenzung als Weltflucht
4 Fazit: Die Zertrümmerung des Bürgertums-Mythos durch Don Juan und Faust
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Christian Dietrich Grabbe in seinem Werk "Don Juan und Faust" verarbeitete Zeitkritik, wobei der Fokus auf dem Kontrast zwischen den antibürgerlichen Protagonisten und den biedermeierlichen Nebenfiguren liegt, um Grabbes Haltung gegenüber den gesellschaftlichen Normen des Restaurationszeitalters aufzuzeigen.
- Analyse der historisch-politischen Rahmenbedingungen der Epoche des Biedermeier und Vormärz.
- Untersuchung der Nebenfiguren als Stereotypen der zeitgenössischen gesellschaftlichen Ordnung.
- Gegenüberstellung der Protagonisten Don Juan und Faust als Repräsentanten einer radikalen Lebensauffassung.
- Kritische Reflexion des bürgerlichen Ideals von Moral, Patriotismus und Ehre.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Don Gusman, der Gouverneur
Don Gusman, spanischer Gouverneur Roms, besitzt jenes nationale Sendungsbewusstsein, das für die Zeit des Vormärz kennzeichnend ist. Er ist ein Patriot durch und durch, was sich unter anderem in Aussagen wie „Wohin ich trete, ist span´scher Grund/ und wo ich atme, da weht span´sche Luft“ (Grabbe 1963: 9) spiegelt. Seinen Aufgabenbereich im Apparat der Staatsorganisation hält er für extrem wichtig, er bezeichnet sich selbst als „Gesandter“ Spaniens und pocht darauf, daher „eigene Gerichtsbarkeit“ ausüben zu können und sich nicht fremden Gesetzen unterordnen zu müssen.
Don Gusman ist nicht wie ein freies Individuum in der Lage, eigene Ideen und Lebensanschauungen zu entwickeln, sondern verkümmert zu einem Repräsentanten seines Heimatlandes (Müller-Kampel 1993: 105), wobei er in dieser Rolle total austauschbar wird. Wie die Bürger, die sich im Biedermeier mit dem Staat assimiliert hatten, ist er stolzer Teil einer Staatsorganisation und hat sich als Grundwerte seiner Existenz Ruhm, Ehre und Loyalität dieser gegenüber auf die Fahne geschrieben (Müller-Kampel 1993: 126). Zudem lässt sein bereits erwähntes, übermäßiges nationales Sendungsbewusstsein den Gouverneur reichlich seltsam, fast schon grotesk, wirken. Im gleichen Maße unpassend, überzogen und generell lächerlich erscheint auch die Moralpredigt, die Don Gusman Don Juan hält, bevor er nach ihrem Duell stirbt (Grabbe 1963: 62). An dieser Stelle wird Grabbes Kritik an dem Festhalten an einer sinnentleerten Moral deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Zeitkritik Grabbes und die methodische Vorgehensweise der Untersuchung.
2 Historische Aspekte - Restauration und Biedermeier in Deutschland: Darstellung der soziokulturellen Gegebenheiten, die den Rückzug ins Private und die Entstehung bürgerlicher Tugenden im Vormärz prägten.
3 Grabbes Gesellschaftskritik in Don Juan und Faust und die Mythen von Don Juan und Faust: Analyse der kritischen Auseinandersetzung des Autors mit dem Bürgertum durch die Zeichnung von Neben- und Hauptfiguren.
3.1 Zeitkritik in den Nebenfiguren von Don Juan und Faust: Untersuchung der Nebenfiguren als Repräsentanten eines konservativen, opportunistischen und ineffizienten Staatsapparats.
3.1.1 Don Gusman, der Gouverneur: Charakterisierung des Gouverneurs als nationalstolzer, aber austauschbarer Vertreter einer staatlichen Moral.
3.1.2 Signor Negro: Analyse von Signor Negro als resignierter Bürger, der passiv bleibt und gesellschaftliche Ordnung einfordert.
3.1.3 Signor Rubio, der Polizeidirektor: Kritik an der Doppelmoral staatlicher Institutionen und der Unfähigkeit der Exekutive am Beispiel des betrunkenen Polizeidirektors.
3.2 Grabbes Zeitkritik in den Mythenfiguren Don Juan und Faust: Untersuchung der Protagonisten als gegensätzliche, aber gleichermaßen revolutionäre und anti-bürgerliche Instanzen.
3.2.1 Don Juan: Liberalismus gegen kleinbürgerlichen Moralismus: Analyse der Figur des Don Juan als hedonistischer, auf individueller Freiheit beharrender Gegenentwurf zum biedermeierlichen Bürger.
3.2.2 Faust – Entgrenzung als Weltflucht: Darstellung von Faust als unzufriedener Gelehrter, der durch Allmachtsvorstellungen und Wissensdrang die engen Grenzen des Bürgertums sprengt.
4 Fazit: Die Zertrümmerung des Bürgertums-Mythos durch Don Juan und Faust: Zusammenfassende Bewertung der Protagonisten als "Leitfiguren der Grenzüberschreitung" und ihre Bedeutung als Ausdruck eines gesellschaftlichen Umbruchs.
Schlüsselwörter
Christian Dietrich Grabbe, Don Juan und Faust, Biedermeier, Vormärz, Restauration, Gesellschaftskritik, Mythos, Bürgertum, Zeitkritik, Individualismus, Hedonismus, Doppelrollen, Staatskritik, moralischer Verfall, Industrialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zeitkritik, die Christian Dietrich Grabbe in seinem Drama "Don Juan und Faust" gegenüber den bürgerlichen Idealen des Biedermeier und des Vormärz formuliert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die gesellschaftliche Ordnung, das Spannungsfeld zwischen Anpassung und individueller Freiheit sowie die Kritik an restaurativen politischen Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Grabbe durch seine Figuren sowohl das biedermeierliche Bürgertum als auch die Mythenfiguren Don Juan und Faust als Werkzeuge nutzt, um die erstarrten gesellschaftlichen Werte seiner Zeit zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung zeitgeschichtlicher Kontexte und wissenschaftlicher Sekundärliteratur untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Nebenfiguren als Karikaturen des Staatsapparats sowie die Protagonisten Don Juan und Faust als komplementäre, anti-bürgerliche Gegenentwürfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zeitkritik, Biedermeier, Anti-Bürger, Mythos, Staatsversagen und individuelle Freiheit charakterisieren.
Warum spielt der Gouverneur eine zentrale Rolle für Grabbes Kritik?
Don Gusman fungiert als Sinnbild für einen nationalen Sendungsbewusstsein-Fanatismus und eine sinnentleerte Moral, womit er die Lächerlichkeit und Austauschbarkeit von Repräsentanten des restaurativen Staates verdeutlicht.
Inwiefern ist Faust für Grabbe ein Spiegel der eigenen Sinnkrise?
Fausts Ablehnung einer gottzentrierten Ordnung und sein Streben nach Sinnfindung im Diesseits reflektieren laut der Arbeit die persönliche Entwicklung des Autors, der die Restaurationsepoche als gottlos empfand.
Was unterscheidet Don Juans Hedonismus vom bürgerlichen Leben?
Don Juan wählt den Weg der ständigen Grenzüberschreitung und des Hedonismus als existenzielle Protestform, während der Bürger im Biedermeier Sicherheit, Konformität und private Idylle sucht.
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- Andrea Heigl (Author), 2010, Christian Dietrich Grabbes Zeitkritik in „Don Juan und Faust“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161138