Nachdem in der Faustforschung lange Zeit das Augenmerk nahezu ausschließlich auf dem Titelhelden ruhte, und sein so essentieller Gegenspieler, der Teufel, großenteils unbeachtet blieb, bzw. auf den typischen, bösen Teufel reduziert wurde, wendet sich die Literaturkritik in letzter Zeit mehr und mehr ihm, dem Widersacher zu. Dies ist um so wichtiger, als der Teufel in der Zeit der Reformation, in der die Anfänge des Fauststoffes fußen, einen großen Zuwachs an Popularität erfuhr, aber auch zahlreichen Veränderungen unterworfen war.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Teufel in der Reformation
2 Mephistopheles Verhältnis zu Gott in verschiedenen Stufen der Fausttradition
2.1 Ursprung und Bedeutung des Teufelsnamens
2.1.1 Mephistopheles
2.1.2 Leviathan
2.2 „Historia von D Johann Fausten“
2.2.1 Textanalyse
2.2.2 Gottesfürchtiger Teufel mit einsetzender psychologischer Tiefe
2.3 Marlowes „Die tragische Historie vom Doktor Faustus“
2.3.1 Textanalyse
2.3.2 Tragischer Höllenfürst mit komplexer Persönlichkeit
2.4 Klingers „Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt“
2.4.1 Textanalyse
2.4.2 Weitsichtiger Teufel als Werkzeug Gottes
2.5 Goethes Urfaust
2.5.1 Textanalyse
2.5.2 Vielschichtige, respektlose Teufelsgestalt
2.6 Die Theodizee als gemeinsames Motiv der Faustbearbeitungen
3 Die ‚Historia‘ als der Grundstein der Fausttradition
4 Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die literarische Ausgestaltung und Charakterisierung der Teufelsfigur in verschiedenen Stufen der Fausttradition, wobei der Fokus auf dem sich wandelnden Verhältnis des Teufels zu Gott liegt. Sie untersucht, wie sich die Darstellung des Widersachers von der reformatorischen Prägung über Marlowes tragische Sichtweise und Klingers gesellschaftskritische Interpretation bis hin zu Goethes „Urfaust“ verändert und inwiefern das Motiv der Theodizee diese Entwicklungen beeinflusst.
- Evolution der Teufelskonzeption in der Faust-Literatur
- Das Verhältnis von Mephistopheles bzw. Leviathan zu Gott
- Die Funktion der Theodizee als gemeinsames Motiv
- Der sozio-kulturelle Kontext der Faust-Bearbeitungen
- Psychologische Tiefe und moralische Instanz der Teufelsfigur
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Textanalyse
Die „Historia von D Johann Fausten“, die 1587 von Johann Spies erstmals gedruckt wurde, erschien in einer Zeit des Umbruchs, in der das Thema des Teufelsbündners an Popularität ungeheuer gewonnen hatte, denn einerseits hatten „die Vertreter der Renaissance und des Humanismus so manche geistliche Fessel des Mittelalters überwunden [...], [a]ndererseits war in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts aus der religiösen Erneuerung der Reformationszeit die engstirnige lutherische Orthodoxie geworden“, die sämtlichen Wissensdrang verteufelte. Zugleich war durch die Lehre des Protestantismus der Mensch nun auf sich selbst gestellt: „Keine helleuchtenden Heiligen oder Engel, bewaffnet mit dem Ruhmesschwert kamen einem zu Hilfe;“ In der ‚Historia‘ ist nicht mehr der Kampf Gottes gegen den Teufel, sondern das Verhältnis des Menschen zum Erzfeind entscheidend. Doch bleibt Mephostophiles weiterhin der gefallene Engel, und damit gefährlicher Widersacher des Herrn.
Bereits auf der ersten Seite der Vorrede an den Christlichen Leser wird der Teufel deutlich vorgestellt als ein „boese[r] Luegen <-> vnd Mordtgeist / der in der Warheit vnd Gerechtigkeit nicht bestanden / vnnd seiner Suende halben auß dem Himmel in den Abgrund der Hellen verstossen worden“(H, S.8f.) sei. Diese Kennzeichnung des gefallenen Engels als Lügner ist entscheidend, denn „das war ein biblischer Topos, der von Luther wieder neu betont worden war; und obgleich der Mephostophiles der ‚Historia‘ meist von einer treuherzig-harmlosen Ehrlichkeit ist, wird durch den Hinweis auf sein Lügenwesen doch eine qualitatis diabolica ins Spiel gebracht“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Teufel in der Reformation: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext der Reformation und wie der wachsende Glaube an die Macht des Teufels als Widersacher Gottes die Anfänge des Fauststoffes beeinflusste.
2 Mephistopheles Verhältnis zu Gott in verschiedenen Stufen der Fausttradition: Dies ist das Kernkapitel, in dem die Entwicklung des Teufels in den verschiedenen Faust-Variationen (Volksbuch, Marlowe, Klinger, Goethe) im Hinblick auf seine Gottesbeziehung detailliert analysiert wird.
3 Die ‚Historia‘ als der Grundstein der Fausttradition: Das Kapitel würdigt das Volksbuch von 1587 als fiktive Biografie und Basiswerk, das trotz seiner stilistischen Schwächen eine faszinierende Sagengestalt schuf, die nachfolgende Epochen maßgeblich prägte.
4 Literaturangaben: Eine Auflistung der in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Fauststoff, Mephistopheles, Leviathan, Teufel, Reformation, Theodizee, Faust-Literatur, Literaturkritik, Gottesverhältnis, christliche Theologie, Literaturanalyse, Historie, Volksbuch, christliches Dogma, literarische Figur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der zentralen Teufelsfigur zu Gott in verschiedenen Werken der Fausttradition, von den Anfängen im Volksbuch bis zu Goethes „Urfaust“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die theologische Einordnung des Teufels als gefallener Engel, die Bedeutung von Macht und Abhängigkeit gegenüber Gott sowie die dramaturgische Ausgestaltung der Teufelsfigur.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Charakterentwicklung des Teufels und die Konstanten sowie Variationen in seinem Verhalten gegenüber der göttlichen Ordnung über verschiedene Epochen hinweg aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Textanalyse, bei der primäre Faust-Dichtungen unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur vergleichend betrachtet werden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der einzelnen Werke (Historia, Marlowe, Klinger, Goethe), um jeweils spezifische Charakterzüge und die dortige Funktion des Teufels herauszuarbeiten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Fauststoff, Teufelsbild, Theodizee, Gottesverhältnis, christliches Weltbild und literarische Evolution charakterisieren.
Warum unterscheidet sich Leviathan bei Klinger von den klassischen Faust-Teufeln?
Leviathan wird bei Klinger als ein gesellschaftskritischer Akteur dargestellt, der eher eine weltlich-didaktische Rolle einnimmt und Gott gegenüber eine distanziertere Haltung zeigt als die traditionell reuigen Teufelsgestalten.
Welche Rolle spielt die „Historia von D Johann Fausten“ für das Gesamtwerk?
Sie bildet das Fundament, auf dem die gesamte Fausttradition fußt, und etablierte die grundlegende Konstellation des Teufels als Untergebener Gottes, der den Menschen in Versuchung führt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Teufels im Urfaust von Goethe?
Goethes Teufel im „Urfaust“ wird als vielschichtige, respektlose Figur interpretiert, die noch deutlicher als im Volksbuch als Zerstörer auftritt, wobei die Theodizee in dieser frühen Fassung noch weniger explizit thematisiert ist.
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- Andrea Soprek (Author), 2008, Der Teufel im Bann Gottes, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161073