1. Einleitung
„Die Anforderungen an berufliche Qualifikationen verändern sich im Zuge des gesellschaftlichen, ökonomischen und technologischen Wandels. Unsere Gesellschaft ist mit allgemeinen Wandlungsprozessen konfrontiert, […].“ (Bünning; Hortsch; Novy 2000, S.5)
Dieser Fakt ist auch an Großbritannien, im speziellen England, nicht spurlos vorbei gegangen.
Das Konzept der Modularisierung ist dabei kein Novum. Die Ursprünge liegen in den Vereinigten Staaten, insbesondere in Harvard, in den letzten drei Dekaden des 19 Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde unter anderem ein neues Creditsystem entwickelt, um Leistungen besser bewerten zu können. Einzug in England fand der Modulgedanke erstmals in den frühen 1960er Jahren. Schauplatz war die University of London, wo es ab 1966 dann die ersten modularen Kursangebote, im universitären Sinne, gab. (vgl. Fulst-Blei 2003, S.66f) Der Einzug des Modulsystems in die englische Berufsausbildung vollzog sich in den 1980er Jahren, als notwendige Konsequenz eines nahezu unüberschaubaren Systems der Qualifizierung.
Die folgende Arbeit soll sich mit dem modularen Berufsbildungskonzept Englands und dessen Umsetzung in den „National Vocational Qualifications“ beschäftigen. Es findet keine Auseinandersetzung mit den „Problemen“, die dieses System aufwirft, statt. Dies passiert aufgrund der Tatsache, dass ansonsten der Rahmen dieser Ausarbeitung um ein vielfaches überschritten werden würde. Die Literatur betrachtet England und Wales oft zusammen, wenn es um das NVQ-Modell geht, da es beide in grundlegenden Zügen verwenden. Der Fokus dieses Werks liegt jedoch nur auf England.
Der sich der Einleitung anschließende Teil, beschäftigt sich mit der Situation und der Geschichte der Berufsausbildung vor Einführung der NVQs. Dem folgt der Abschnitt über die Etablierung der NVQs, der spezifiziert Gründe aufzeigen soll, warum es zu dieser Einführung kam. In Punkt 4 wird ein detaillierter Blick auf die Struktur geworfen, sowie auf das interne Bewertungssystem und die Progression. Dabei näher betrachtet werden auch die unterschiedlichen zu erreichenden Fähigkeitslevels. In Punkt 5 folgen dann die abschließenden Betrachtungen, mit einem kurzen Ausblick auf die Zukunftsfähigkeit des modularen englischen Berufsbildungssystems, national und international.
2. Die berufliche Bildung vor Einführung der National Vocational Qualifications
Der Ursprung beruflicher Bildung in England liegt in den Zünften des 12. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3. „White Paper“ und Etablierung
4. Das System
4.1 Struktur
4.1.1 Institutionen
4.1.2 Fertigkeitsstufen
4.1.3 „unit based structure“
4.2 Vertikale und Horizontale Progression
4.3. Assessment
5. Abschließende Betrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das englische System der "National Vocational Qualifications" (NVQs) als modulares Berufsbildungskonzept. Dabei wird der historische Kontext der englischen Berufsausbildung beleuchtet, die Struktur der NVQs analysiert und deren Funktionsweise in Bezug auf Institutionen, Qualifikationsstufen, horizontale sowie vertikale Progression und das Bewertungssystem erläutert.
- Historische Entwicklung des englischen Berufsbildungssystems
- Etablierung und Zielsetzung der National Vocational Qualifications (NVQs)
- Struktureller Aufbau und institutionelle Akteure des Systems
- Kompetenzstufen, Progression und das Assessment-Prinzip
Auszug aus dem Buch
4.1.3 „unit based structure“
Der grundsätzliche Aufbau einer NVQ ist denkbar einfach. Die zu erreichende Gesamtqualifikation wird aufgeschlüsselt in verschiedene Kompetenzbereiche, den so genannten unitsofcompetence. (vgl. Ertl; SLOANE 2003, S.95) Je NVQ, muss man im Schnitt sechs bis zehn Units als bestanden nachweisen. Dabei wird unterschieden in Pflichtmodule, die den größten Teil ausmachen und Wahlpflichtmodule. Zudem gibt es noch die Möglichkeit freiwillige Module zu belegen um das Hintergrundwissen breiter zu fächern. Bestandteil der Units sind die occupationalstandards, die wie in Abschnitt 4.1.1 erwähnt, von Arbeitgebern und bestimmten Agenturen erarbeitet werden. Das Ganze geschieht im Rahmen von Funktionsanalysen. Dabei wird ein Beruf in seine Teile soweit zerlegt, bis für einzelne Vorgänge (Units), entsprechende Standards festgelegt werden können. Ein Beispiel für solch eine Funktionsanalyse, bietet die Abbildung 4 (siehe Anhang). Die Standards teilen sich auf in verschiedene Einzelkompetenzen, für die wiederum mehrere Prüfungskriterien (performancecriterias) und Prüfungskontexte (rangestatements) festgelegt sind.
Wichtiger Aspekt bleibt die Eigenständigkeit der NVQs. Jeder ist für sich ein abgeschlossenes System, wodurch die Reihenfolge für das Absolvieren unerheblich wird und eine Prüfung unabhängig von der anderen abgelegt werden kann. Damit erreicht man ein immens flexibles System. Sollte es im Zuge der Entwicklung zu etwaigen Neuerungen kommen, oder Abläufe ändern sich, können einzelne Module angepasst werden um den Anforderungen gerecht zu werden, oder es werden einfach neue hinzugefügt. In einem nicht modular aufgebauten System wie Deutschland z.B., ist so etwas schlicht weg nicht möglich. Hier müsste die gesamte zu erreichende Qualifikation überarbeitet werden, was einen massiven Mehraufwand bedeutet, gegenüber dem Modulsystem.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des sich wandelnden Qualifikationsbedarfs ein und skizziert das Ziel der Arbeit, das modulare englische Berufsbildungskonzept der NVQs zu untersuchen.
3. „White Paper“ und Etablierung: Das Kapitel behandelt die historischen Rahmenbedingungen, gescheiterte Reformansätze wie den Industrial Training Act und die Einführung der NVQs durch das "White Paper" von 1986.
4. Das System: Dieser Abschnitt beschreibt das NVQ-System, die Rolle der National Occupational Standards (NOS) sowie die beteiligten Institutionen und deren Verantwortungsbereiche.
4.1 Struktur: Hier werden die organisatorischen Grundlagen sowie die Fertigkeitsstufen und der modularisierte Aufbau ("unit based structure") der Qualifikationen detailliert.
4.1.1 Institutionen: Dieses Kapitel erläutert die Rollen von Regierungsstellen, Industry Lead Bodies (ILBs) beziehungsweise National Training Organisations (NTOs) sowie der Awarding Bodies.
4.1.2 Fertigkeitsstufen: Es wird die Unterteilung des Systems in fünf verschiedene Schwierigkeitsstufen mit den jeweils definierten Kompetenzanforderungen dargelegt.
4.1.3 „unit based structure“: Der Aufbau der NVQs aus einzelnen Units, Pflicht- und Wahlmodulen sowie die Flexibilität des Systems gegenüber Änderungen werden hier hervorgehoben.
4.2 Vertikale und Horizontale Progression: Dieses Kapitel beschreibt die Möglichkeiten der individuellen Karriereentwicklung durch horizontale und vertikale Progression innerhalb des Modulsystems.
4.3. Assessment: Die Bewertungsmethodik nach dem "outcome"-Prinzip, die Abgrenzung von "competent" zu "not yet competent" und die Prüfungsbedingungen stehen hier im Fokus.
5. Abschließende Betrachtungen: Das Fazit fasst die Bedeutung der NVQs in England zusammen, reflektiert Kritik an der Modularisierung und blickt auf die Zukunftsfähigkeit des Systems im Kontext des Europäischen Qualifikationsrahmens.
Schlüsselwörter
Berufsbildung, Modularisierung, National Vocational Qualifications, NVQ, England, Kompetenzstufen, Unit based structure, Assessment, Qualifikation, National Occupational Standards, Progression, Ausbildung, Zertifizierung, Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstandort.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem englischen Berufsbildungssystem und analysiert speziell das Konzept der National Vocational Qualifications (NVQs).
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der englischen Berufsbildung, die Struktur und Etablierung der NVQs, die institutionellen Akteure sowie das interne Bewertungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das modulare Konzept der NVQs, dessen Aufbau und Funktionsweise sowie die damit verbundenen Vorteile für die berufliche Qualifikation in England darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des englischen Berufsbildungssystems und der strukturellen Untersuchung des NVQ-Modells.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der NVQs, die beteiligten Institutionen, die fünf Fertigkeitsstufen, das Prinzip der horizontalen und vertikalen Progression sowie das Assessment-System.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Berufsbildung, Modularisierung, NVQ, England, Kompetenzstufen, Progression, Assessment, Qualifikation.
Was unterscheidet das englische Modulsystem von dem in Deutschland?
Das englische System erlaubt durch die "unit based structure" eine hohe Flexibilität, da einzelne Units transferierbar sind und Anpassungen an Neuerungen ohne Überarbeitung der gesamten Qualifikation möglich sind, was im deutschen System so nicht umsetzbar ist.
Wie funktioniert das Bewertungssystem (Assessment) bei den NVQs?
Die Bewertung erfolgt nach dem "outcome"-Prinzip, bei dem die tatsächliche Leistung und Fertigkeit des Prüflings unter realen Arbeitsbedingungen beurteilt wird, anstatt rein prozessorientiert zu prüfen.
- Quote paper
- Tobias Engfer (Author), 2010, Modulare Berufsausbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161053