Einleitung
Jeder Drogenkonsument hat seine eigene Geschichte. Der Kontakt des Einzelnen mit legalen oder illegalen Mitteln ist nur aus dem Kontext heraus verständlich. In welchem sozialen Umfeld befindet er sich, wer oder was hat ihn bisher geprägt, welche Ziele hat er für seinen persönlichen Werdegang? Was verspricht er sich von den Drogen? Ähnliches gilt für die Drogenproduzenten und die Personen, welche in irgendeiner Weise am Vertriebssystem teilnehmen. Diese Beweggründe stehen fast immer in einer Verbindung mit den gesellschaftlichen Bedingungen eines Landes oder einer Region, aber auch mit den politischen Strukturen der Drogenpolitik. [...] Das Prinzip der Eigenverantwortung des vermeintlich selbstständig denkenden Staatsbürgers der westlichen Länder bleibt somit weitgehend auf der Strecke. Scheinen auch die Rahmenbedingungen bei dieser Thematik selten und nur langsam Veränderungen unterworfen zu sein, ist ein spezieller Einflussfaktor auf die Drogenperzeption in besonderem Maße hervorzuheben: Die Macht der Medien, im speziellen die Macht der bewegten Bilder. Filme, sofern sie nicht indiziert oder gar verboten werden, die einem Massenpublikum zugänglich gemacht werden können, besitzen die Fähigkeit Blickwinkel zu verändern. [...] Sie können aber auch bestehende Klischees kolportieren durch die Visualisierung politisierter Drogenopfer und Rauschgifttäter aus bestimmten Milieus. Deshalb sollte sich dem Zuschauer bei der Analyse von Filmen, die die Drogenthematik aufgreifen, direkt die Frage stellen, welche Konstruktionsform gewählt worden ist und welche Botschaft möglicherweise vermittelt werden soll. Fast immer wird der Drogenkonsum als etwas Furchtbares und Schreckliches dargestellt werden. Regisseure, die eine andere Vorgehensweise bevorzugen, ernten häufig aus konservativen Kreisen der Gesellschaft Kritik. Anhand der zwei Spielfilme „Scarface“ von Brian de Palma und „Maria, llena eres de gracia“ von Joshua Marston werde ich die dargestellten Drogenproblematiken untersuchen. Hierfür beginne ich jeweils mit kurzen Inhaltsangaben, erläutere dann die historischen bzw. sozialen Hintergründe und beschreibe anschließend die Darstellungs- und Funktionsweise der Drogen im Film. Letztendlich werde ich auf die Hauptaussagen und Botschaften der Filme zu sprechen kommen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Meinungsbildung durch Bildereinsatz
Scarface
Inhalt
Historischer Hintergrund
Politisches Statement und gesellschaftskritische Aussage
Inszenierung eines bildgewaltigen Abstiegs
Das Wesen des Protagonisten im Zuge des Kokainkonsums
Die Funktion der Droge im Film
Maria voll der Gnade
Inhalt
Filmische Herangehensweise und Umsetzung
Grundsatzproblematik der Machtverhältnisse und sozialen Ursachen
Verwendung und Funktionalität der Droge
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung der Drogenthematik in den Spielfilmen „Scarface“ und „Maria, llena eres de gracia“, um aufzuzeigen, wie soziale Probleme, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse durch bewegte Bilder vermittelt und verarbeitet werden.
- Mediale Konstruktion von Drogen-Topoi im Spielfilm
- Historisch-soziologische Analyse der Drogenproblematik in den USA und Kolumbien
- Die Rolle des Drogenkonsums und -handels als Katalysator für gesellschaftliche Transformation
- Filmische Inszenierung von Täterschaft vs. Opferschaft bei Migranten
- Untersuchung der psychischen und physischen Folgen des Drogenmilieus
Auszug aus dem Buch
Das Wesen des Protagonisten im Zuge des Kokainkonsums
Tony Montana ist ein Mann voller Sehnsüchte und Begierden. Er strebt nach Macht, Anerkennung, Geld und der Freiheit, das machen zu können, was auch immer er will. Sein Drang ist unersättlich und alles vernichtend was sich ihm bei der Verwirklichung seiner Ziele in den Weg stellt. Mangelnde Selbstkontrolle kombiniert mit absolutem Größenwahn führen letztendlich jedoch in den Abgrund, in ein großes, schwarzes Loch der Vernichtung. Montana versucht sich Befriedigung auf immer höheren Ebenen zu verschaffen, geht dennoch aber leer aus, da er sich als unfähig erweist Zurückhaltung zu bewahren. Egal wie viel er auch erreicht, es ist ihm niemals genug. Man könnte sagen, dass er sich in einen Zustand innerer Leere begibt, ähnlich wie seine Frau Elvira, welcher sich bei ihm allerdings in seiner Außenwirkung anders offenbart. Diese Leere kann von allem materiellen Überfluss nicht überwunden werden, sie tut sich in dem Maße vielmehr auf, indem er sich bemüht sie zuzuschütten.
Tonys grundsätzliche Charaktereigenschaften, wie Zielstrebigkeit, Tatendrang, Narzissmus oder Selbstbewusstsein verstärken sich ab dem Zeitpunkt, als er gegen das ungeschriebene Gesetzt der Dealer verstößt: „Werd niemals high von deinem eigenen Zeug.“ Diese Grenzüberschreitung hin zum eigenen Kokainkonsum beschleunigt auf dramatische Weise den psychischen und damit einhergehend den gesellschaftlichen Untergang. Protagonist und Rauschmittel verbindet eine sozusagen teuflische Symbiose.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die historische und politische Wandlungsfähigkeit der Drogenwahrnehmung erörtert und die zentrale Rolle der Medien bei der Beeinflussung des öffentlichen Blickwinkels auf Suchtmittel hervorgehoben.
Meinungsbildung durch Bildereinsatz: Das Kapitel analysiert, wie Filme durch das Aufgreifen von Klischees und Stigmatisierungsmustern bestimmte Drogen mit sozialen Klassen oder Lebensweisen verknüpfen und so das kollektive Bewusstsein prägen.
Scarface: Die Analyse des Films fokussiert auf den Aufstieg und Fall des Kleinkriminellen Tony Montana vor dem Hintergrund der Gewaltwelle im Miami der 1980er Jahre und der zerstörerischen Wirkung von exzessivem Kokainkonsum.
Maria voll der Gnade: Das Kapitel beleuchtet das Schicksal eines kolumbianischen Mädchens, das als Drogenkurierin in ein lebensgefährliches, von sozialer Armut und perspektivloser Ausbeutung geprägtes System gerät.
Schlussbemerkung: Der Vergleich der beiden Filme zeigt, dass während „Scarface“ den Konsumenten als Täter inszeniert, „Maria voll der Gnade“ die Perspektive des Opfers einnimmt, wobei beide Filme die Unfähigkeit der Behörden gegenüber organisierten Drogenkartellen verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Drogenpolitik, Kokain, Scarface, Maria voll der Gnade, Medienanalyse, Drogenhandel, Kolumbien, Miami, Sucht, Gesellschaftskritik, Bildereinsatz, Migranten, Drogenkartell, Filmsoziologie, Machtstrukturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die mediale Darstellung von Drogenproblematiken in zwei Spielfilmen und untersucht deren soziale, politische und historische Hintergründe.
Welche zentralen Themenfelder werden durch die Filme abgedeckt?
Die zentralen Themen sind der Drogenhandel, die Ausbeutung von Migranten, die Folgen von Drogenkonsum sowie die Darstellung von sozialem Aufstieg und existenziellem Scheitern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Filmbranche durch ihre visuelle Projektionskraft Meinungsbildung betreibt und welche Botschaften bezüglich der globalen Drogenproblematik transportiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?
Es wird eine filmische Analyse durchgeführt, bei der Inhaltsangaben mit historisch-sozialen Kontextualisierungen verbunden und auf ihre Darstellungs- und Funktionsweise hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der inhaltlichen Zusammenfassung sowie der Analyse der historischen Hintergründe und der filmischen Umsetzung der Filme „Scarface“ und „Maria voll der Gnade“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Drogenkartelle, soziale Armut, mediale Stigmatisierung, Kapitalismuskritik und die Rolle des Protagonisten beschreiben.
Welche Rolle spielt der Schauplatz Miami in "Scarface"?
Miami dient als Kulisse für einen „höllischen“ Schauplatz im Paradies, geprägt von Gewalt durch Kokain-Kartelle und einer Atmosphäre der Angst in den frühen 80er Jahren.
Warum wird "Maria voll der Gnade" als dokumentarisch inspiriert eingestuft?
Der Regisseur führte umfangreiche Recherchen durch, interviewte Drogenkuriere und Zollbeamte und setzte bewusst Laiendarsteller ein, um eine hohe Authentizität zu erzielen.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Tony Montana von der von Maria?
Während Tony Montana als aktiver Täter und Konsument agiert, der seinen Untergang selbst herbeiführt, wird Maria als Opfer gezeigt, das trotz schwieriger Umstände versucht, eine Zukunft aufzubauen.
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- Alexander Christian Pape (Author), 2010, Drogen in den Filmen “Scarface” und „Maria, llena eres de gracia“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160968