Soll man Tiere moralisch berücksichtigen oder nur Menschen und was bildet, falls man Tiere berücksichtigen sollen, die Grundlage dafür? Kann es überhaupt eine Norm dafür geben?
Ursula Wolf beschäftigt sich in ihrem Werk „Das Tier in der Moral“1 mit diesem Thema und versucht eine Moralkonzeption aufzubauen, in der sie Menschen wie Tiere berücksichtigt.
Doch ist die Konzeption als Norm zu verstehen oder eher als eine Grundeinstellung, von der es wünschenswert ist, dass sie jeder einhält?
Im ersten Teil dieser Hausarbeit wird die Argumentation Wolfs zusammengefasst. Es wird der Argumentationsgang Ursula Wolfs bis zu Ihrer Konzeption des generalisierten Mitleids und dessen Grundlage, der Leidensfähigkeit, geklärt.
Der zweite Teil der Hausarbeit besteht aus der kritischen Auseinandersetzung mit den im ersten Teil geschilderten Argumentationen Wolfs.
Einleitend werden zunächst einige wenige Textstellen und Thesen beleuchtet und genauer erläutert, hinterfragt oder gestützt.
Danach erfolgt die Auseinandersetzung mit der Kernfrage der Hausarbeit.
Ist es möglich auf Grundlage der Leidensfähigkeit, die Ursula Wolf als wichtige Eigenschaft einstuft, eine Norm weiter zu entwickeln, die Menschen und Tiere gleichermaßen berücksichtigt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erster Teil – Argumentationswiedergabe
2.1 Eine metaphysische Konzeption liberaler Moral
2.2 Der Standpunkt des generalisierten Mitleids
2.3 Probleme und Grenzen der Mitleidsmoral
3. Zweiter Teil – Kritische Auseinandersetzung
3.1 Schopenhauers Beispiel der Übervorteilung einer Staatskasse
3.2 Das Einbeziehen der Tiere in die Moralkonzeption
3.3 Der Fötus und die Leidensfähigkeit
3.4 Versuch der Aufstellung einer Norm auf Grundlage der Leidensfähigkeit
3.4.1 Die Erkennbarkeit der Leidensfähigkeit und ihre Grenzen
3.4.2 Die Schutzbedürftigkeit
3.4.3 Entwicklung einer Norm aus dem „Kern einer Einstellung“
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Ursula Wolfs Moralkonzeption des generalisierten Mitleids und prüft kritisch, ob auf der alleinigen Grundlage der Leidensfähigkeit eine belastbare moralische Norm formuliert werden kann, die sowohl Menschen als auch Tiere gleichermaßen in die ethische Berücksichtigung einbezieht.
- Analyse der Moralkonzeption des generalisierten Mitleids von Ursula Wolf
- Kritische Reflexion der Rolle von Leidensfähigkeit als zentrales moralisches Kriterium
- Untersuchung der moralischen Einbeziehung von Tieren
- Problemfelder der moralischen Deckungsgleichheit (Rechte vs. Pflichten)
- Entwurf einer weiterführenden Norm zur moralischen Berücksichtigung
Auszug aus dem Buch
3.1 Schopenhauers Beispiel der Übervorteilung einer Staatskasse
Wie bereits auf Seite 9 in Kapitel 2.3 beschrieben, nimmt Ursula Wolf Stellung zu dem von Schopenhauer erläuterten Beispiel mit der Staatskasse, der darin die Meinung vertritt, dass man indirekt einem Menschen schadet, der von der Staatskasse leben muss, wenn man diese übervorteilt.
Für sie ist dies nicht überzeugend, da dieser Fall nicht eintreffen würde, wenn nur eine Person dies täte. Wolf vertritt diese Meinung, weil man eine Staatskasse nicht bemitleiden und in ihrer Würde verletzen kann.
Sie geht nicht genauer darauf ein, weil dies nicht direkt etwas mit Tieren zu tun hat, jedoch ist nicht plausibel, weshalb die Übervorteilung einer Staatskasse von nur einer Person eine andere Person, die davon leben muss, nur deshalb schaden soll, weil eine Staatskasse nicht bemitleidet oder gedemütigt werden kann.
Schopenhauer sagt, dass derjenige, der die Staatskasse übervorteilt, dem Menschen indirekt schadet.
Niemand wird bestreiten, dass man eine Staatskasse nicht bemitleiden kann, jedoch zeigt das folgende Beispiel, dass durch fehlende Gelder einer übervorteilten Staatskasse einem Menschen, der auf sie angewiesen ist, durchaus schaden kann.
Ein Beispiel. Geht man davon aus, dass die gesamten Gelder der Staatskasse, die für Sozialausgaben reserviert sind, monatlich auf alle sozial schwachen Menschen aufgeteilt werden, so kann sehr wohl der Fall eintreffen, dass durch eine einzige Person, die die Staatskasse übervorteilt, ein anderer Mensch leidet. Nämlich dann, wenn eine Person aus der Masse der bereits zur Verfügung gestellten Gelder beispielsweise 500 Euro stiehlt. Da diese Geldmasse vor der Überweisung rein rechnerisch genau auf alle sozial schwachen Menschen aufgeteilt wurde, erhält der letzte Mensch keine Auszahlung mehr auf sein Konto, weil diese schlichtweg nicht mehr getätigt werden kann, da das Geld in dieser Staatskasse fehlt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der Autorin Ursula Wolf und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der moralischen Berücksichtigung von Tieren.
2. Erster Teil – Argumentationswiedergabe: Darstellung von Wolfs metaphysischer Konzeption, ihrer Abgrenzung zu anderen liberalen Moralsystemen und der Einführung der Leidensfähigkeit als zentralem moralischen Ankerpunkt.
3. Zweiter Teil – Kritische Auseinandersetzung: Eigene kritische Prüfung von Wolfs Thesen, insbesondere im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit auf konkrete Fälle wie Staatskassen-Übervorteilungen und die Etablierung einer allgemein gültigen Norm.
4. Schlusswort: Zusammenfassende Bewertung der Moralkonzeption und Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen einer normativen Weiterentwicklung auf Basis der Leidensfähigkeit.
Schlüsselwörter
Mitleidsmoral, Ursula Wolf, Leidensfähigkeit, Tierethik, Moral, Schutzbedürftigkeit, Generalisiertes Mitleid, Normbildung, Schopenhauer, Personbegriff, Moralkonzeption, Ethik, moralische Berücksichtigung, Handlungsfreiheit, Lebewesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Ursula Wolfs philosophischem Werk „Das Tier in der Moral“ und untersucht deren Ansatz, moralische Berücksichtigung primär über die Eigenschaft der Leidensfähigkeit zu begründen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Tierethik, die philosophische Begründung von Moral, die Unterscheidung zwischen Moral als „Grundhaltung“ versus „festem Regelsystem“ sowie die Abgrenzung von Leidensfähigkeit und Schutzbedürftigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der Konzeption des „generalisierten Mitleids“ und der Versuch, eine moralische Norm zu entwickeln, die konsequent alle leidensfähigen Wesen, inklusive Tieren, in den moralischen Kreis einschließt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Argumentationswiedergabe kombiniert mit einer kritischen philosophischen Auseinandersetzung und Reflexion auf Basis der von Ursula Wolf vorgegebenen Texte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Position von Wolf (Teil 1) und eine anschließende kritische Analyse (Teil 2), in der die Konzepte auf praktische und Grenzbeispiele angewendet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Mitleidsmoral, Leidensfähigkeit, Tierethik, Schutzbedürftigkeit und das Konzept der „Grundhaltung“ charakterisiert.
Wie unterscheidet Wolf laut der Arbeit zwischen „Grundhaltung“ und „Norm“?
Wolf versteht ihre Mitleidsmoral eher als eine moralische Grundhaltung, die zur Empathie gegenüber leidenden Wesen aufruft, und nicht als ein starres, in Paragraphen gefasstes Regelwerk für jedes individuelle Handeln.
Warum spielt die Leidensfähigkeit eine solch zentrale Rolle bei der Grenzziehung der Moral?
Die Leidensfähigkeit wird als universelle, beobachtbare Eigenschaft gesehen, die nicht an komplexe kulturelle Traditionen oder kognitive Leistungen gebunden ist, und bietet somit eine objektive Basis für die moralische Einbeziehung.
Welches spezifische Problem wird am Beispiel der Staatskasse diskutiert?
Es geht um die Frage, ob eine rein auf Mitleid basierende Ethik ausreicht, um indirekte Schäden an sozialen Strukturen zu erfassen, die zwar nicht direkt ein Wesen „bemitleiden“ kann, deren Beeinträchtigung aber zu Leid führt.
Wie positioniert sich der Autor zur Einbeziehung von Komapatienten oder Föten?
Der Autor reflektiert Wolfs Schwierigkeiten, diese Grenzfälle innerhalb einer rein auf aktuellem Leidensausdruck basierenden Moral zu erfassen, und diskutiert, ob die Einbeziehung der Spezieszugehörigkeit hier als Lösung dienen kann.
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- Ing. Roberto Grebarsche (Author), 2010, Ursula Wolfs Ethik des generalisierten Mitleids, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160796