Die Bakkalaureatsarbeit II mit dem Titel "Kybernetik im Spannungsfeld der digitalen Medien"
beschäftigt sich mit der Wissenschaft der Kybernetik, versucht diese zu verstehen und auf die
Eigenschaften der Medien anzuwenden. Die drei Kapitel ordnen sich so an dass die Materie von
Kapitel zu Kapitel tiefer in die vorliegende Thematik eindringt. Das Erste Kapitel beschreibt die
Formale Kybernetik die von Norbert Wiener erstmals nach dem zweiten Weltkrieg geprägt
wurde. Seine Arbeiten im Zuge der Macy Konferenzen und deren Auswirkungen auf die
wissenschaftliche Gemeinde die sich mit dem Thema der Kybernetik zu dieser Zeit
auseinandersetzte werden erwähnt, genauso wie die Historischen Grundlagen des Begriffes der
Kybernetik. Das zweite Kapitel betont die Anwendung der Kybernetik auf Soziologische
Problemfelder und führt die Kybernetik der zweiten Ordnung ein. Mit der Wissenschaft der
Beobachtung zweiter Ordnung werden Konstruktivistische Sichtweisen verdeutlicht und
schließlich im dritten Kapitel auf digitale Medien und Massenmedien bezogen. Die Conclusio
fasst die für diese Arbeit wichtigsten Erkenntnisse zusammen und setzt sich weiter mit den
dargelegten Denkweisen auseinander.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Formale Kybernetik
1.1 Historische Grundlagen der Kybernetik
1.2 Kybernetik nach Norbert Wiener
1.3 Ross Ashby und das Gesetz der erforderlichen Varietät
2. Die Soziale Kybernetik
2.1 Kybernetik zweiter Ordnung
2.2 Konstruktivismus und Beobachtung
3. Die Kybernetik der Medien
3.1 Die Kybernetik der Digitalen Medien
3.2 Conclusio
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das komplexe Feld der Kybernetik und deren Anwendung auf digitale Mediensysteme. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen der Kybernetik zu erläutern und diese Perspektive zu nutzen, um die Funktionsweise heutiger Medien innerhalb der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und zu analysieren.
- Grundlagen der formalen Kybernetik (Norbert Wiener).
- Systemtheoretische Ansätze und das Gesetz der erforderlichen Varietät (Ross Ashby).
- Einführung in die Kybernetik zweiter Ordnung und den Konstruktivismus.
- Analyse digitaler Massenmedien als beobachtende und sich selbst organisierende Systeme.
Auszug aus dem Buch
1.1 Historische Grundlagen der Kybernetik
Der Begriff der Kybernetik entstand bereits vor vielen Jahrzehnten im Griechischen als "kybernts". Diesen Begriff prägten Plato und Aristoteles für den Akt ein Schiff zu steuern. In dem von Platon verfassten Dialog "Gorgias" wird bereits hier ein indirekter Vergleich gezogen zwischen der Kunst ein Schiff zu steuern und der des Redens. Vielleicht sah Plato schon die Verbindung der Begriffe darin, dass beide Künste die Antwort ihres eigenen Handelns benötigen. So braucht der gekonnte Redner seinen Applaus des Publikums und der Steuermann die Wellen die auf den Rumpf schlagen um sein Schiff korrekt steuern zu können. Ob dies jedoch sein tatsächlicher Gedankengang war, ist unklar (vgl. Masani 1990, 252f).
Dieses griechische Wort wurde von dem lateinischen Sprachraum übernommen und manifestierte sich als den lateinischen Ausdruck "gubernator". Man erkennt eine parallele zu dem englischen Wort "Governor" (vgl. Jackson 2000, 67). Ein Gouverneur ist seiner politischen Bedeutung nach ein Entscheidungsträger oder auch ein Steuermann der Öffentlichkeit. Dem Begriff wurde jedoch zu dieser Zeit wenig Zuwendung zugetragen.
Erst im 19. Jahrhundert tauchte der Begriff erneut auf. Der französische Wissenschaftler André Ampère benutzte den Begriff als ein Äquivalent zu dem Begriff der Politik. Diese Benutzung des Wortes wurde von weiteren Politik-WissenschaftlerInnen verwendet. Zu diesen gehören unter anderem Karl Deutsch, David Easton und John Steinbrunner (vgl. Corning 2005, 146f). Ampère jedoch war sich keineswegs bewusst mit welcher Vehemenz der Begriff später auch außerhalb der Politik verwendet werden sollte. Zudem erwähnte Ampère keine Art von Rückkoppelungsschleifen oder ähnlichen regulativen Vorgängen welche später die Schlüsselindizien der Kybernetik werden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Themengebiet der Kybernetik und deren Relevanz für soziale und digitale Mediensysteme.
1. Die Formale Kybernetik: Erläuterung der historischen Wurzeln und der mathematischen Ansätze von Norbert Wiener sowie des Konzepts der erforderlichen Varietät von Ross Ashby.
2. Die Soziale Kybernetik: Einführung der Kybernetik zweiter Ordnung, des Konstruktivismus und der Rolle des Beobachters innerhalb kybernetischer Systeme.
3. Die Kybernetik der Medien: Analyse digitaler Medien und Massenmedien mittels kybernetischer Strukturen sowie Betrachtung von Kybernetik in der Kunst und der gesellschaftlichen Konsequenzen.
Schlüsselwörter
Kybernetik, Formale Kybernetik, Soziale Kybernetik, Digitale Medien, Massenmedien, Konstruktivismus, Beobachtung, Kybernetik zweiter Ordnung, Feedback, Informationstheorie, Norbert Wiener, Ross Ashby, Niklas Luhmann, Autopoiesis, Realitätsgenerierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Gebiet der Kybernetik und untersucht, wie deren Konzepte auf moderne digitale Medien angewendet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen formale Kybernetik (Wiener, Ashby), die soziale Kybernetik (Kybernetik zweiter Ordnung, Konstruktivismus) und deren Anwendung auf Massenmedien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Rolle der Kybernetik als Analysewerkzeug für digitale Medien zu etablieren und gesellschaftliche Kommunikationsprozesse dadurch besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf systemtheoretischen Ansätzen und den wissenschaftlichen Analysen von Vertretern wie Norbert Wiener, Ross Ashby, Heinz von Förster und Niklas Luhmann basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Grundlagenforschung der Kybernetik, die Entwicklung hin zur sozialen Kybernetik und die konkrete Applikation dieser Theorien auf das digitale Medienumfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kybernetik, Konstruktivismus, Beobachtung, Informationstheorie, Systemtheorie und Digitale Medien.
Welche Rolle spielt der Konstruktivismus?
Der Konstruktivismus ist zentral für das Verständnis, dass Realität durch Beobachtung kreiert wird, was für die Analyse von Mediensystemen essenziell ist.
Was besagt das Gesetz der erforderlichen Varietät?
Es besagt, dass ein System nur dann stabil und kontrollierbar bleibt, wenn der Regulator eine ebenso große oder größere Varietät (Zustandsvielfalt) aufweist als das zu regulierende System selbst.
Wie definiert der Autor das Verhältnis zwischen Beobachtetem und Beobachter?
In der Kybernetik zweiter Ordnung wird die Grenze zwischen Beobachtetem und Beobachter aufgehoben; der Beobachter wird Teil des Systems, was die Objektivität im klassischen Sinne in Frage stellt.
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- Hannes Franks (Author), 2010, Kybernetik im Spannungsfeld der digitalen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160777