Die Geschichte Alexanders des Großen ist so vielschichtig, dass sie seit nunmehr fast zwei Jahrtausenden den Forscherdrang der Historiker, die Abenteuerlust von Wagemutigen und die Fantasie von Autoren beflügelt.
Alexander ist längst über sich hinaus gewachsen und hat sich zu einem weltumspannenden Phänomen entwickelt. Und wie Ulrich Wilcken bereits bemerkte, hat jeder Gelehrte sein eigenes Alexanderbild. Allerdings ist diese Entwicklung zu einem individuellen Idealbild Alexanders keinesfalls sprunghaft erst in der Moderne aufgetreten.
. Feldherren wie Publius Cornelius Scipio Africanus Maior, Kaiser wie Augustus und Könige wie Luis XIV. nahmen ihn zum Vorbild und sein berühmter Alexanderzug faszinierte Heerführer wie Gelehrte von jeher.
Es ist also nicht verwunderlich, dass auch im Mittelalter Alexanders Ruf als großer Kämpfer und tugendhafter König vorbildhaft für Herrscher in ganz Europa war.
Diese Arbeit soll einen der so genannten mittelalterlichen Alexanderromane zum Thema haben. Es handelt sich hierbei um den Alexanderroman des Pfaffen Lamprecht, der wohl um 1150 entstand und wie man es von einem Roman über einen Vorreiter und Visionär seiner Zeit nicht anders erwarten konnte, in der mittelhochdeutschen Literatur neue Maßstäbe setzte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Zum Alexanderroman des Pfaffen Lambrecht
2.1. Quellen
2.2. Autor
2.3. Versionen und der Vorauer Alexander
3. Inhaltsangabe des Romans
4. Personen und erwähnte Namen
4.1. Die Person Alexanders
4.2. Familie Alexanders
4.3. Kameraden und Freunde
4.4. Gegner Alexanders
5. Zugstrecke und erwähnte Schlachten
5.1. Zugstrecke Alexanders im Roman und der Wirklichkeit
5.2. Dargestellte Schlachten
6. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historischen Wahrheitsgehalt des "Vorauer Alexander" des Pfaffen Lambrecht, indem sie die fiktiven Erzählstrukturen des mittelalterlichen Romans mit historisch belegten Fakten aus dem Leben Alexanders des Großen vergleicht.
- Analyse der literarischen Quellen und Entstehung des Alexanderromans
- Charakterisierung und historische Einordnung der dargestellten Personen
- Untersuchung der geografischen Zugstrecke und räumlichen Diskrepanzen
- Vergleich der fiktiven Schlachten mit den historischen Begebenheiten
- Einordnung des Werkes in den kulturellen Kontext des 12. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Person Alexanders
Alexander als Mensch scheint im Vergleich zu dem Wissen über seine Taten und Erfolge als König, Heerführer und Politiker gänzlich im Nebel der Geschichte und des Mythos unterzugehen. Nur sehr wenige numismatische Zeugnisse direkt aus seinen Lebzeiten sind erhalten. Alle anderen Bildnisse und Beschreibungen des großen Königs stammen aus späteren Zeiten, wie das Alexandermosaik aus Pompeji, das wohl im dritten Jahrhundert vor Christus entstand.
Lambrecht musste sich also in diesem Punkt gänzlich auf seine Quellen verlassen. Er beschreibt Alexanders Körper als wohlgeformt. Sein Haar soll „strûb unde rôt“ gewesen sein. Außerdem soll es lockig und dicht wie die Mähne eines Löwen ausgesehen haben. Julius Valerius hingegen berichtet genau wie viele der antiken Alexanderquellen, dass der König dunkelblondes Haar besessen hätte. Diese Haarpracht soll aber tatsächlich in Locken um seinen Kopf gefallen sein und ihm so ein löwenähnliches Aussehen beschieden haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Alexander-Mythos als zeitloses Phänomen und Einführung in das Thema des Pfaffen Lambrecht als zentraler Akteur der mittelhochdeutschen Rezeption.
2. Zum Alexanderroman des Pfaffen Lambrecht: Untersuchung der überlieferten Manuskripte, der Autorbiografie und der verschiedenen Fassungen des Romans unter besonderer Berücksichtigung des Vorauer Alexander.
3. Inhaltsangabe des Romans: Darstellung des Handlungsverlaufs des Vorauer Alexander von der Geburt des Protagonisten bis zum finalen Sieg über Darius.
4. Personen und erwähnte Namen: Kritische Gegenüberstellung der im Roman genannten Figuren, ihrer Charakterisierung durch Lambrecht und ihrer historischen Entsprechungen oder Abweichungen.
5. Zugstrecke und erwähnte Schlachten: Analyse der geografischen Routen und der militärischen Auseinandersetzungen im Roman im Vergleich zu den dokumentierten Ereignissen des Alexanderzuges.
6. Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung des Alexanderromans als literarisches Denkmal, das eher ein Idealbild des mittelalterlichen Herrschers konstruiert als historische Fakten zu protokollieren.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Pfaffe Lambrecht, Vorauer Alexander, Alexanderroman, Mittelalter, Geschichtsfiktion, Dareios, Antikenroman, Literaturwissenschaft, historische Analyse, Herrscherbild, Tugendlehre, Bukephalos, Mittelalterliche Epik, Rezeptionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den "Vorauer Alexander" von Pfaffen Lambrecht im Hinblick darauf, wie die historische Figur Alexander des Großen in einem mittelalterlichen literarischen Kontext verarbeitet, mythologisiert und in ein zeitgemäßes Herrscherideal transformiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die literarischen Quellen des Romans, die Charakterisierung Alexanders und seiner Weggefährten, der Abgleich der geografischen Zugstrecke mit historischen Daten sowie die Darstellung militärischer Schlachten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Differenzierung zwischen dem historischen Alexander der Antike und dem literarischen Alexander des Mittelalters, um den Wahrheitsgehalt und die dichterischen Freiheiten des Pfaffen Lambrecht zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen komparatistischen Ansatz, indem sie den Text des Alexanderromans philologisch interpretiert und die Ergebnisse mit gesicherten historischen Quellen der Antike kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Inhaltsangabe sowie die systematische Untersuchung von Personennamen, geografischen Ortsangaben und der Darstellung von Schlachten im Vergleich zur Realität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "Alexanderroman", "historische Authentizität", "dichterische Freiheit", "Pfaffe Lambrecht" und "Herrscherideal" charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Vorauer Alexander in dieser Arbeit?
Der Vorauer Alexander dient als primäre Textgrundlage, da er als älteste Fassung dem Original von Pfaffen Lambrecht am nächsten steht und daher am besten zur Analyse des ursprünglichen literarischen Konzepts geeignet ist.
Wie bewertet der Autor die historischen Abweichungen im Roman?
Die Autorin deutet die historischen Ungenauigkeiten nicht als Fehler, sondern als bewusste literarische Stilmittel, um Alexander als exemplarischen, tugendhaften König für ein mittelalterliches Publikum greifbar zu machen.
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- Roxana Romahn (Autor:in), 2010, Fiktion und Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160728