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Schulen als Leistungsproduktionsmaschinen?

Warum die Qualität von Schulen mit Schulleistungen erklärt wird

Title: Schulen als Leistungsproduktionsmaschinen?

Bachelor Thesis , 2009 , 75 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Patrick Gämperle (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology

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Summary Excerpt Details

Steigende Ansprüche an das Bildungswesen betonen Qualitätsfragen seit den 1990er Jahren immer stärker. Was diese Qualität hingegen ausmacht und wie sie gesichert werden könnte, ist bis heute ungeklärt geblieben. In der einschlägigen Qualitätsdebatte scheint sich allerdings abzuzeichnen, dass im Bildungswesen in der Regel von einem technologischen, der Betriebswirtschaftslehre entlehnten Paradigma ausgegangen wird. Analog zur Evaluation von Betrieben wird diesem Paradigma zufolge die Qualität von Bildungssystemen bzw. -institutionen zunehmend auf deren Wirksamkeit bzw. Leistungen zurückgeführt. Meine These lautet demnach, dass bei der Evaluation von Bildungsinstitutionen bzw. -systemen in erster Linie Schulleistungen als zentrales Qualitätskriterium herangezogen werden. Ich stelle mir aufgrund dieser These die Frage, inwieweit sich diese Leistungssteuerung bereits in der Praxis auswirkt und inwiefern wissenschaftstheoretische Input-Output-Modelle schulischer Wirksamkeit diesen bildungspolitischen Trend legitimieren.
Der Hauptteil ist in zwei Stränge aufgegliedert: Im ersten Teil wird der Paradigmenwechsel in der Steuerung des Schulwesens diskutiert Zunächst werde ich auf die Auslöser dieser neuen Schulsteuerungsmodelle hinweisen. In einem zweiten Schritt soll dieses neue Steuerungsparadigma vorgestellt werden. Das auf dieses Steuerungsparadigma zurück gehende New Public Management-Konzept wird anschliessend thematisiert. In einem abschliessenden Unterkapitel des ersten Stranges soll schliesslich am konkreten Beispiel der Bildungsstandards illustriert werden, inwiefern der Gedanke der Leistungssteuerung bereits Eingang in die Steuerung des Bildungswesens genommen hat. In einem zweiten Strang des Hauptteils werde ich den wissenschaftstheoretisch begründeten Stellenwert von Schulleistungen für die Effektivität bzw. Wirksamkeit von Schulen näher beleuchten. Input-Output-Modelle schulischer Wirksamkeit bilden hierbei meine analytische Grundlage. Zunächst werde ich nacheinander pädagogisch-psychologische, bildungsökonomische und organisationstheoretische Input-Output-Modelle vorstellen. In einer Synthese dieser Modelle werde ich anschliessend untersuchen, inwieweit der Schulleistungsaspekt als zentrales Output-Kriterium – und somit als zentrales Qualitätskriterium – wissenschaftstheoretisch legitimiert ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Grundbegriffe zu schulischer Wirksamkeit bzw. Qualität

2.1 Systemebenen bei der Schulevaluation

2.1.1 Das Bildungssystem als gesellschaftliches Teilsystem

2.1.2 Systemebenen des Bildungssystems: Mikro-, Meso- und Makroebene

2.2 Wirksamkeit bzw. Effektivität im Bildungsbereich

2.2.1 Schulische Wirksamkeit: „School Effectiveness“

2.2.2 Pädagogische Wirksamkeit: „Educational Effectiveness“

2.3 Input-(Prozess)-Output-Modelle schulischer Wirksamkeit

3. Paradigmenwechsel in der Steuerung des Bildungssystems

3.1 Auslöser für die Diskussion neuer Steuerungsmodelle

3.2 Neue Steuerung des Bildungswesens: „Educational Governance“

3.3 Marktsteuerung und New Public Management

3.4 Der Schulleistungsaspekt am Beispiel der nationalen Bildungsstandards

4. Input-Output-Modelle schulischer Wirksamkeit

4.1 Pädagogisch-psychologische Perspektive

4.1.1 Modelle unter dem Paradigma der Zeit

4.1.1.1 Das Modell von Carroll (1963)

4.1.1.2 Das Modell von Cooley (et al. 1975)

4.1.1.3 Das Modell von Bloom (1976)

4.1.1.4 Das Modell von Harnischfeger (et al. 1976)

4.1.1.5 Das Modell von Bennett (1978)

4.1.2 Modelle unter dem Paradigma psychologischer Lerntheorien

4.1.2.1 Das Modell von Gagné (1977)

4.1.2.2 Das Modell von Bruner (1971)

4.1.2.3 Das Modell von Glaser (1976)

4.2 Bildungsökonomische Perspektive

4.2.1 Ökonomisches Denken in der Erziehungswissenschaft

4.2.2 Bildungsökonomische Modelle schulischer Wirksamkeit

4.3 Organisationstheoretische Perspektive

4.3.1 Organisationstheoretisches Denken in der Erziehungswissenschaft

4.3.2 Organisationstheoretische Modelle schulischer Wirksamkeit

4.4 Synthese: Der Schulleistungsaspekt in Input-Output-Modellen schulischer Wirksamkeit

5. Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die These, dass bei der Evaluation von Bildungsinstitutionen und -systemen primär Schulleistungen als zentrales Qualitätskriterium herangezogen werden. Hierbei wird der Frage nachgegangen, wie diese Leistungssteuerung in der Praxis wirkt und inwiefern sie durch wissenschaftstheoretische Input-Output-Modelle legitimiert wird.

  • Paradigmenwechsel in der Steuerung des Bildungswesens (Educational Governance)
  • Einfluss von New Public Management auf die Schulqualität
  • Analyse pädagogisch-psychologischer, bildungsökonomischer und organisationstheoretischer Modelle
  • Legitimation von Schulleistungen als zentrales Output-Kriterium
  • Rolle von nationalen Bildungsstandards und Leistungsvergleichsstudien

Auszug aus dem Buch

1. Einführung

Der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft hat die Unentbehrlichkeit von Bildung in grossem Masse verstärkt (vgl. Herzog 2007, p. 229). Technologische und gesellschaftliche Veränderungen wie neue Qualifikationsanforderungen, Globalisierung, Dezentralisierung und die Verknappung öffentlicher Finanzmittel haben Qualität und Wirksamkeit von Bildungsinstitutionen bzw. -systemen zu dominierenden Themen in der bildungspolitischen Diskussion werden lassen (vgl. Ramseier 2004, p. 13).

Steigende Ansprüche an das Bildungswesen betonen solche Qualitätsfragen seit den 1990er Jahren immer stärker (vgl. Fend 2001, p. 13). Was diese Qualität hingegen ausmacht und wie sie gesichert werden könnte, ist bis heute ungeklärt geblieben und weiterhin Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Debatten (vgl. Dick 2000, p. 171f.; Ditton 2000, p. 74; Fend 2000, p. 55; Heid 2000, p. 41; Helmke 2000, p. 145; Ramseier 2004, p. 26). Dies rührt daher, dass Qualität nicht als eine beobachtbare Eigenschaft eines Objektes aufgefasst werden kann (Heid 2000, p. 41). So macht Gilomens (2002, p. 12) Plädoyer, den Qualitätsbegriff zu operationalisieren, denn auch wenig Sinn: Normative Vorstellungen von einer guten Schule fliessen in jedem Fall in die Definition von Qualität mit ein. Dies, auch wenn scheinbar operationalisierbare Qualitätskriterien wie Fachleistungen der Lernenden als zentrales Qualitätskriterium herangezogen werden (vgl. Tillmann 1999, p. 77f.).

In der einschlägigen Qualitätsdebatte scheint sich trotz alledem abzuzeichnen, dass im Bildungswesen in der Regel von einem technologischen, der Betriebswirtschaftslehre entlehnten Paradigma ausgegangen wird (vgl. Zlatkin-Troitschanskaia 2006, p. 196). Analog zur Evaluation von Betrieben wird diesem Paradigma zufolge die Qualität von Bildungssystemen bzw. -institutionen zunehmend auf deren Wirksamkeit bzw. Leistungen – in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse nationaler und internationaler Schulleistungsvergleichsstudien – zurückgeführt. Solche vergleichenden Bewertungen von Bildungssystemen anhand ihrer Leistungsergebnisse haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen (vgl. Fend 2001, p. 233). Dies geht mit der Gefahr einher, dem Wissens- und Leistungsaspekt einen zu hohen Stellenwert einzuräumen und andere Bildungsziele zu vernachlässigen (vgl. Weinert 2001a, p. 26).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung thematisiert den steigenden Druck auf Bildungssysteme und die These, dass Schulleistungen zunehmend als zentrales Qualitätskriterium innerhalb eines technologischen Input-Output-Paradigmas fungieren.

2. Grundbegriffe zu schulischer Wirksamkeit bzw. Qualität: Dieses Kapitel erläutert die Systemebenen der Schulevaluation und definiert die Begriffe Wirksamkeit, Effektivität und Effizienz im Bildungsbereich.

3. Paradigmenwechsel in der Steuerung des Bildungswesens: Es wird der Wandel hin zu neuen Steuerungsmodellen wie Educational Governance und New Public Management analysiert, wobei der Fokus auf der Leistungssteuerung und Bildungsstandards liegt.

4. Input-Output-Modelle schulischer Wirksamkeit: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse pädagogisch-psychologischer, bildungsökonomischer und organisationstheoretischer Modelle und untersucht deren Bezug zur Leistungssteuerung.

5. Diskussion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Folgen der einseitigen Output-Orientierung für die schulische Praxis und pädagogische Ziele.

Schlüsselwörter

Bildungsqualität, Schulleistung, Input-Output-Modell, Educational Governance, New Public Management, Schulleistungsvergleichsstudien, Bildungsstandards, Effektivität, Effizienz, Bildungsökonomie, Organisationstheorie, Schulentwicklung, Leistungssteuerung, Schulwirksamkeitsforschung, Pädagogische Psychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die These, dass Schulleistungen in der aktuellen Bildungspolitik zunehmend als zentrales Kriterium für die Qualität von Schulen und Bildungssystemen dienen, und beleuchtet die Hintergründe dieser Entwicklung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt Themen wie moderne Steuerungsmodelle im Bildungswesen (Educational Governance), die Anwendung von New Public Management in Schulen, die wissenschaftstheoretische Fundierung von Input-Output-Modellen und die Bedeutung von nationalen Bildungsstandards.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, inwieweit wissenschaftliche Input-Output-Modelle der schulischen Wirksamkeit den bildungspolitischen Trend zur starken Output- bzw. Leistungssteuerung legitimieren und welche Konsequenzen dies für andere Bildungsziele hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Synthese verschiedener Forschungsdisziplinen, insbesondere der Pädagogik, Psychologie, Bildungsökonomie und Organisationstheorie, unter Einbeziehung relevanter wissenschaftlicher Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst der Paradigmenwechsel in der Steuerung des Schulwesens und verschiedene theoretische Modelle schulischer Wirksamkeit (pädagogisch-psychologisch, bildungsökonomisch, organisationstheoretisch) hinsichtlich ihrer Output-Orientierung analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Bildungsqualität, Schulleistung, Input-Output-Modell, Educational Governance, New Public Management, Bildungsstandards und Effizienz.

Wie unterscheidet sich die bildungsökonomische von der pädagogisch-psychologischen Sichtweise auf Schulleistung?

Während die Bildungsökonomie Schulleistung primär unter Effizienzkriterien und als messbaren Output in einem Produktionsprozess betrachtet, gewichten pädagogisch-psychologische Modelle, insbesondere die älteren Ansätze, den Leistungsaspekt oft nur als einen von mehreren Faktoren für eine effektive Schule.

Welche Rolle spielt die "Data Envelopment Analysis" (DEA) in der Arbeit?

Die DEA wird als Beispiel für ein organisationstheoretisches Verfahren zur Effizienzmessung von Schulen aufgeführt, das die Output-Orientierung durch den Fokus auf messbare Schulleistungen illustriert.

Inwiefern beeinflussen internationale Studien wie PISA die heutige Bildungspolitik?

Die Ergebnisse solcher Studien werden in der Arbeit als Auslöser für Reformen interpretiert, die zu einer stärkeren Standardisierung und Output-Orientierung (Leistungssteuerung) geführt haben, um nationale Bildungssysteme vergleichbar und steuerbar zu machen.

Excerpt out of 75 pages  - scroll top

Details

Title
Schulen als Leistungsproduktionsmaschinen?
Subtitle
Warum die Qualität von Schulen mit Schulleistungen erklärt wird
College
University of Bern  (Erziehungswissenschaft)
Course
Abteilung Pädagogische Psychologie
Grade
1.0
Author
Patrick Gämperle (Author)
Publication Year
2009
Pages
75
Catalog Number
V160667
ISBN (eBook)
9783640745937
ISBN (Book)
9783640746569
Language
German
Tags
Schulen Leistungsproduktionsmaschinen Warum Qualität Schulen Schulleistungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Gämperle (Author), 2009, Schulen als Leistungsproduktionsmaschinen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160667
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