Die von mir zu entwerfende Doppelstunde beschäftigt sich mit dem Glauben an Gott als Schöpfer und den Menschen als das Ebenbild Gottes im Rahmen des Lehrplanthemas 11.2 „Wer bin ich?“. Dieser Glaube ist vom christlichen Glauben untrennbar und für das Verständnis der christlichen Grundlagen notwendig. Außerdem spielt sie eine große Rolle bei dem Selbstverständnis des Menschen und seiner Existenz. Deswegen ist seine Behandlung im Unterricht von Bedeutung. Die Lehrkraft sollte vor dem Unterricht diesen Glauben reflektieren und einen eigenen Standpunkt finden, um authentisch zu bleiben. Es muss berücksichtigt werden, dass nicht jeder diesen Glauben teilt. Daher ergibt sich die Schwierigkeit dieses Unterrichtsentwurfs in dem Bestreben, den Schülern den Glauben an die Schöpfung darzustellen ohne zu indoktrinieren. Der eigene Glaube darf natürlich zur Sprache kommen, die eigene Meinung der Schüler muss aber jederzeit respektiert werden und sollte im Unterricht eine wichtige Rolle spielen. Dies ist die Herausforderung, die sich mir persönlich stellt.
Inhaltsverzeichnis
I Persönliche Begegnung
II Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes
III Theologische Orientierung
1 Historischer Ort der Urgeschichte (Gen 1-11)
2 Exegese von Gen 1-2,4a
3 Jahwe als Schöpfer
4 Jahwe als Vater
5 Der Mensch in der theologischen Anthropologie
6 Der erste Glaubensartikel
7 Der Schöpferglaube aus der Selbstreflexion heraus
IV Didaktische Orientierung
1 Das Exemplarische
2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
3 Struktur des Inhalts, Schwierigkeiten und Gefahren
4 Unterrichtliche Zugänglichkeit
V Didaktische Entscheidungen
VI Methodische Entscheidungen
VII Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit entwickelt einen schriftlichen Unterrichtsentwurf für eine Doppelstunde zum Lehrplanthema "Wer bin ich?", wobei der Fokus explizit auf dem ersten Glaubensartikel und der Rolle Gottes als Schöpfer liegt. Ziel ist es, Schülern der elften Jahrgangsstufe die Bedeutung des Schöpfungsglaubens für das moderne Selbstverständnis des Menschen nahezubringen, ohne dabei in Indoktrination zu verfallen oder die fachliche Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz zu vernachlässigen.
- Theologische Analyse des Schöpfungsberichts (Gen 1-2,4a) und des ersten Glaubensartikels.
- Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Aspekte der Oberstufe (Religiosität, Autonomie, Sinnfindung).
- Didaktische Verknüpfung von theologischen Inhalten mit der individuellen Lebenswelt der Schüler.
- Methodische Gestaltung eines reflektierten Religionsunterrichts unter Verwendung kreativer Impulse und biblischer Exegese.
Auszug aus dem Buch
3 JAHWE ALS SCHÖPFER
Viele Kinderbibeln und Religionsbücher beginnen mit der Schöpfung und bilden auf diese Weise den Eindruck, die Schöpfung prägt seit je die ganze Bibel. Dem ist jedoch nicht so. Der Schöpfungsglaube hatte seine Schwerpunkte in bestimmten Phasen der hebräischen Geschichte, zum Beispiel in der nachexilischen Literatur.
Dies zeigt sich daran, dass auf Latein Gott als Schöpfer als creator bezeichnet wird, im Hebräischen stehen diesem Wort 4 Substantivbildungen zu vier Verben gegenüber. Das Bekenntnis zu Jahwe als Schöpfer ist zur damaligen Zeit noch nicht selbstverständlich gewesen. Die 4 Bildungen sind:
formen / jṣr: Das Verb jazar beschreibt die Arbeit des Töpfers. Dieses Bild deutet auf ein Gottesverhältnis, bei dem die Differenz zwischen Gott und Mensch deutlich wird. Gott ist der Tuende, die Geschöpfe sind ohnmächtig und vom Schöpfer abhängig.
machen, tun / csh: In dieser Bedeutung wird Gott zum Handwerker. Er handelt in allen Bereichen und in jeder Zeit. In diesem Zusammenhang findet sich auch die Rede vom „Werk seiner Hände“. Dieser Ausdruck ist der allgemeinste für Gott als Schöpfer.
erwerben / qnh: Diese Bezeichnung stammt aus dem Alltag, in biblischen Zusammenhängen findet sie sich in Ex 15,16 oder in Ps 139,13 wieder. Die Übersetzung als Schöpfer ist bei diesem Ausdruck umstritten, da es sich bei ihm möglicherweise um einen alten vorisraelitischen Gottesnamen handelt.
schaffen / br: In der Priesterschrift wird dadurch die Erschaffung von Mensch und Tier von Gott. Es geht nicht um konkrete handwerkliche oder auf Mythen bezogene Vorstellungen.
Zusammenfassung der Kapitel
I Persönliche Begegnung: Einleitende Reflexion des Autors zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema und den Herausforderungen, Glaubensinhalte ohne Indoktrination zu vermitteln.
II Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes: Untersuchung der kognitiven und religiösen Entwicklungsstufen von Schülern der elften Klasse sowie deren Lebensweltkontext.
III Theologische Orientierung: Fachwissenschaftliche Grundlagenarbeit zu biblischen Schöpfungstexten, Gottesbildern und anthropologischen Fragestellungen.
IV Didaktische Orientierung: Pädagogische Einordnung des Themas in Bezug auf exemplarische Bedeutung und Gegenwartsbezug für die Lernenden.
V Didaktische Entscheidungen: Begründung der angestrebten Grob- und Teilziele für einen verantwortungsbewussten Religionsunterricht.
VI Methodische Entscheidungen: Darstellung der konkreten Unterrichtsgestaltung, einschließlich Schreibgesprächen und der Arbeit mit Musik.
VII Verlaufsplanung: Tabellarische Übersicht des zeitlichen und methodischen Ablaufs der geplanten Doppelstunde.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Schöpfungsglaube, Erster Glaubensartikel, Anthropologie, Wer bin ich, Bibel, Exegese, Didaktik, Schöpfungsbericht, Genesis, Gott, Selbstreflexion, Identität, Oberstufe, Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erstellt einen detaillierten Unterrichtsentwurf für den Religionsunterricht in der elften Klasse, um das Thema Schöpfung mit der Identitätsfrage der Schüler zu verknüpfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Exegese von Gen 1-2,4a, das Gottesbild (Schöpfer und Vater), die theologisch-anthropologische Sicht auf den Menschen und die praktische Umsetzung in der Oberstufe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Schülern zu ermöglichen, eine eigene Position zum christlichen Schöpfungsglauben im Kontext ihrer Suche nach Identität ("Wer bin ich?") zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus fachwissenschaftlicher Exegese, entwicklungspsychologischen Ansätzen (nach Piaget und Oser/Gmünder) und didaktischen Planungsmodellen nach Klafki.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theologische Orientierung zur Schöpfung, eine didaktische Analyse der Schülergruppe und eine konkrete methodische Verlaufsplanung der Doppelstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Religionsunterricht, Schöpfungsglaube, Identitätsfindung, biblische Anthropologie und methodische Elementarisierung.
Warum ist das "Schreibgespräch" eine zentrale Methode in diesem Entwurf?
Es wurde gewählt, um jedem Schüler ausreichend Zeit für die Reflexion zu geben und durch den Austausch in Kleingruppen fruchtbare Ideen zur Leitfrage zu generieren, bevor diese im Plenum diskutiert werden.
Welche Rolle spielt Luthers Auslegung des ersten Glaubensartikels?
Sie dient als konkrete, historisch fundierte Deutungsmöglichkeit, die den Schülern hilft, den Schöpfungsglauben als persönliche Antwort auf ihr Leben zu verstehen, ohne jedoch als einzig gültige Wahrheit dogmatisiert zu werden.
Wie geht die Arbeit mit dem Konflikt zwischen Religion und Naturwissenschaft um?
Sie betont, dass der Schöpfungsglaube keine naturwissenschaftliche Kosmologie ist, sondern Religion und Naturwissenschaft sich ergänzende Perspektiven auf die Welt darstellen.
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- Paula Svoboda (Author), 2010, Wer bin ich? - Mit Fokus auf den ersten Glaubensartikel , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160579