Der Gouverneur Alabamas, George Wallace, prophezeite 1962, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung im Süden der USA: „Segregation now, segregation tomorrow, segregation forever“ (Pearson 1998). Ist diese Vorhersage eingetroffen? Meyer beantwortet dies mit Ja, schränkt aber ein: „Whites have accepted African American advancement toward equal citizenship rights as long as they don`t move next door “(Meyer 2001: vii).
Die weiße Bevölkerung hat demnach die Gleichberechtigung ihrer schwarzen Mitbürger akzeptiert. Allerdings endet diese Akzeptanz an ihrer Haustür bzw. in ihrer direkten Nachbarschaft. Obwohl schon sehr viel gegen die Diskriminierung der farbigen Amerikaner getan wurde, ist die Trennung der Nachbarschaften nach der Hautfarbe weiterhin ein nicht zu übersehendes Faktum (Massey/Denton 1987: 802ff).
Wissenschaftlich wird sich seit langen mit der „Hautfarbenverteilung“ von Nachbarschaften, der ethnischen Segregation, auseinandergesetzt. Schelling fragte sich bereits in den 1970er Jahren, ob dieser stark angenommene Zusammenhang die entscheidende Erklärung für die Segregation nach der Ethnie darstellt oder ob nicht etwas anderes der Auslöser dafür sei (Buchanan, 2008: 7f). Sein Kernargument ist, dass schon eine geringe Abneigung gegen eine bestimmte Gruppe zu extremer Segregation führen kann. Er zeigt auf, wie das Zusammenspiel individueller Entscheidungen über den Umzug bzw. Nicht-Umzug zu starker Segregation führen kann, obwohl die Akteure diesen Effekt nicht beabsichtigt hatten (Rauch 2002).
Ziel dieser Seminarausarbeitung ist, den Code des in der Computersoftware Netlogo implementierten Segregtationsmodells von Schellung begründet zu erweitern. Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: es wird der Begriff der Segregation sowie das Segregationsmodell von Schelling dargestellt. Anschließend werden die Einstellung des in Netlogo implementierten Modells sowie die daraus resultierenden Schlussfolgerungen erläutert. Im Anschluss folgt die Begründung der Erweiterung des Modells sowie der Code und die Auswertung der Erweiterung. Im Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Segregation
2.1 Definition
2.2 Funktionale, soziale und ethnische Segregation
3. Das Segregations-Modell
3.1 Methodologischer Individualismus
3.2 Drei Voraussetzungen
3.3 Nachbarschaft
3.4 Umzugsregel
3.5 Kettenreaktionen
4. Implementierung in NetLogo
4.1 NetLogo
4.2 Funktionen
4.3 Ergebnis
5. Erweiterung des NetLogo-Modells
5.1 Idee der Erweiterung
5.2 Ergebnis
6. Fazit
Code
Literatur
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht Schellings Segregationsmodell, um zu verstehen, wie individuelle Entscheidungen von Akteuren auf Mikroebene zu einer starken ethnischen Segregation auf gesellschaftlicher Makroebene führen können. Das Ziel ist es, das in NetLogo implementierte Modell auf Basis aktueller Forschungserkenntnisse zu erweitern und die Auswirkungen unterschiedlicher Toleranzschwellen sowie ungleicher Bevölkerungsverteilungen auf den Segregationsprozess zu analysieren.
- Grundlagen der Segregation (funktional, sozial, ethnisch)
- Methodologische Analyse des Schelling-Modells
- Computersimulation mittels NetLogo
- Erweiterung des Modells um gruppenspezifische Toleranzparameter
- Analyse der Auswirkungen von Bevölkerungsverteilungen auf Segregationsprozesse
Auszug aus dem Buch
3.1 Methodologischer Individualismus
Schelling geht bei der Erklärung der ethnischen Segregation von dem Modell des methodologischen Individualismus aus. Das heißt, Phänomene auf der gesellschaftlichen Makroebene werden durch Aggregation des Handelns individueller Akteure auf der Mikroebene erklärt (Greve/Schnabel/Schützeichel 2008: 9).
Schellings Untersuchungsebene sind die Entscheidungen der Individuen, die sich zu einem Makrophänomen aggregieren. Im Fall der ethnischen Segregation untersucht er, wie diese durch individuelle Entscheidungen entstehen kann und wie sich die Stärke der Abneigung bzw. Toleranz gegenüber Mitgliedern der anderen Gruppen, auf das Makrophänomen der ethnischen Segregation auswirkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Problematik der ethnischen Segregation trotz gesellschaftlicher Fortschritte und führt in Schellings Kernargument ein, wonach bereits geringe individuelle Abneigungen zu extremer Segregation führen können.
2. Segregation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Segregation und differenziert zwischen funktionalen, sozialen und ethnischen Ausprägungsformen anhand soziologischer Merkmale.
3. Das Segregations-Modell: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Modells erläutert, insbesondere der methodologische Individualismus, die Annahmen über Nachbarschaften, Umzugsregeln und das Entstehen von Kettenreaktionen.
4. Implementierung in NetLogo: Dieses Kapitel beschreibt die technische Umsetzung des Modells in der Simulationssoftware NetLogo, erläutert die Funktionsweise der Parameter und präsentiert die Ergebnisse der Grundeinstellung.
5. Erweiterung des NetLogo-Modells: Es wird begründet, warum eine Anpassung des Modells sinnvoll ist, und es werden Ergebnisse präsentiert, die eine differenzierte Betrachtung von Toleranzschwellen und Bevölkerungsverteilungen ermöglichen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass selbst bei asymmetrischer Toleranz eine hohe Segregation unvermeidbar ist, wenn nicht beide Gruppen eine signifikante Toleranzsteigerung aufweisen.
Schlüsselwörter
Segregation, Schellings Modell, NetLogo, Methodologischer Individualismus, Ethnische Segregation, Soziale Ungleichheit, Computersimulation, Toleranzschwelle, Nachbarschaftseffekte, Bevölkerungsverteilung, Mikro-Makro-Modell, Modellierung, Umzugsregel, Integrationsforschung, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Segregationsmodells von Thomas C. Schelling, um zu erklären, wie durch individuelle Umzugsentscheidungen von Individuen in einer Nachbarschaft kollektive Segregationsmuster entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung der Segregation, der methodologische Individualismus, die Computersimulation mittels NetLogo sowie die Auswirkungen von Toleranzschwellen auf ethnische Trennungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Computercode des ursprünglichen Schelling-Modells in NetLogo kritisch zu hinterfragen, zu erweitern und anhand aktueller Forschungsbefunde die Segregationseffekte unter realistischeren Bedingungen (z.B. unterschiedliche Toleranzlimits der Gruppen) zu testen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der agentenbasierten Computersimulation in der Software NetLogo, um theoretische Annahmen auf einer Mikroebene zu aggregieren und die resultierenden Makrophänomene zu beobachten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Segregationsbegriffs, die Vorstellung von Schellings Modell, die technische Implementierung in die Simulationsumgebung sowie eine eigene Erweiterung des Modells samt Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Segregation, Schellings Modell, methodologischer Individualismus, agentenbasierte Simulation (NetLogo) und Toleranzschwelle definiert.
Warum wurde das ursprüngliche Modell erweitert?
Das Modell wurde erweitert, um zwei separate Schieberegler für die Toleranz der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen und die Bevölkerungsverteilung anzupassen, da die ursprüngliche Annahme einer 50/50-Verteilung oft nicht der Realität im urbanen Raum entspricht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Prophezeiung von George Wallace?
Die Autorin folgert, dass allein die Toleranz einer Gruppe nicht ausreicht, um Segregation zu verhindern; wenn die Toleranz der anderen Gruppe nicht ebenfalls deutlich steigt, führt dies zwangsläufig zur Fortsetzung der Segregation, wie sie in Wallaces Prophezeiung thematisiert wurde.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Nina Eger (Autor:in), 2010, Eine empirische Untersuchung von Schellings Segregationsmodell, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160261