Reduzieren wir die mediale Landschaft unserer Gegenwart, entsteht das Bild von einer frühneuzeitlichen Kommunikationssituation – einer Lebenswelt ohne Internet, Fernsehen, Rundfunk, Kino und Telefon. Durch die Einbeziehung des Gedruckten in die personale Kommunikation stellt diese Kommunikationssituation in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext dennoch eine Zeit neuer medial gebotener Möglichkeiten dar.1
Ziel dieser Arbeit soll es sein, diese frühneuzeitliche „Medienrevolution“ zu untersuchen und den Erfolg des Narrenschiffs, eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Werke der damaligen Zeit, zum Teil als deren Resultat zu bestimmen. Im ersten Abschnitt der Arbeit soll zunächst ein theoretischer Rahmen geschaffen werden, indem auf Definitionen relevanter Begriffe, den historischen Kontext und determinierende Bedingungen für den medialen Umbruch eingegangen werden soll. Anschließend erfolgt die Hinwendung zum neuen Medium, dem Buchdruck, wobei in gebotener Vereinfachung, der Übergang zwischen den zwei wichtigen Kommunikationssystemen der westlichen Welt voneinander abzugrenzen ist: dem mittelalterlichen Schreiben und dem frühneuzeitlichen Drucken. Zudem sollen die unmittelbar involvierten Handlungsrollen des Druckers, Autors und des Publikums unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Beziehungen zueinander beschrieben und die Rezeption der neuen Medien in ihren Grundzügen charakterisiert werden. Im vierten Passus der Arbeit wird die Verknüpfung zum Narrenschiff des Sebastian Brant vollzogen, das sowohl entstehungsgeschichtlich als auch inhaltlich kurz umrissen wird. Im Folgenden wird die Rezeption des Werkes betrachtet, um letztlich zu untersuchen, ob der Erfolg des Narrenschiffs aus der medialen Umwälzung resultiert und zugleich zu prüfen, welche Variablen den Erfolg des Werkes zusätzlich hervorrufen. Ferner wird ein Ausblick gegeben, in dem markante Erkenntnisse zusammengefasst werden, das „neue Medium“ kritisch beleuchtet und auf offene Fragen verwiesen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches
2.1 Definitionen
2.2 Kontext und Bedingungen
3. Das neue Medium
3.1 Der Buchdruck
3.2 Drucker – Autor – Publikum
3.3 Rezeption: Lesen – Hören – Sehen
4. Das Narrenschiff Sebastian Brants
4.1 Die Rezeption des Narrenschiffs
4.2 Der Erfolg des Narrenschiffs
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die frühneuzeitliche „Medienrevolution“ und analysiert, inwieweit der Erfolg von Sebastian Brants „Narrenschiff“ als Resultat dieser medialen Umwälzung und der veränderten Kommunikationsbedingungen zu verstehen ist.
- Wandel der Kommunikationssituation durch den Buchdruck
- Rollenverteilung zwischen Autor, Drucker und Publikum
- Mediale Rezeptionsformen (Lesen, Hören, Sehen)
- Literarische und typografische Faktoren für den Erfolg des Narrenschiffs
- Sozioökonomische Rahmenbedingungen der frühen Neuzeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Buchdruck
Der Buchdruck, der eine neuzeitliche Technik der Buchherstellung verkörpert, geht in seiner maßgeblichen Form auf Johannes Gutenberg zurück. Perfektioniert war die Erfindung Mitte bis Ende der 1440er Jahre, nachdem es Gutenberg in einer langjährigen Phase des Experimentierens gelungen war, Erkenntnisse aus verschiedenen Handwerken zusammenzuführen und ihm ermöglichten, Bücher herzustellen, welche sich kaum von ihren skriptografischen Vorgängern unterschieden. Gutenbergs Innovation potenzierte die kommunikativen und wissensfördernden Strategien in nie gekanntem Ausmaß, beschleunigte den Aufstieg moderner Wissenschaft (studia humanitatis) und modifizierte in der Folge das ganze soziale, intellektuelle und religiöse Leben. Die wichtigste Folge der Erfindung des Buchdrucks ist aber zunächst keine qualitative, sondern eine quantitative, da sie einen „Quantensprung“ von der komplizierten Anfertigung handschriftlicher Unikate zum gedruckten Buch darstellt, das in größeren Mengen, in identischen Exemplaren, rationeller und schneller verfügbar war. Es konnte also in kürzester Zeit eine Vielfalt von völlig gleichartigen Kopien hergestellt werden.
Damit verändert sich das Verhältnis zum Buch als Objekt des persönlichen Besitzes. Im Mittelalter war dieser Besitz vorwiegend institutionell und damit eher Kirchen, Klöstern und anderen Bildungseinrichtungen vergönnt. Im 15. Jahrhundert hingegen steigt der Anteil von Xerokopien als Eigentum von Einzelpersonen sprunghaft an und übersteigt bald die Formen des gemeinsamen Besitzes. Dadurch zeichnete sich eine Entwicklung von den sakralen Funktionen des Buches im Mittelalter zu den profanen in der Renaissance einerseits und von dessen Eigner als Institution zum Besitzer als Individuum andererseits ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den zeitgeschichtlichen Rahmen und umreißt die Forschungsfrage, ob der Erfolg des „Narrenschiffs“ aus der frühneuzeitlichen Medienrevolution resultiert.
2. Theoretisches: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Kommunikationsbegriffe sowie den historischen Kontext von Humanismus und Renaissance als Voraussetzungen für den medialen Umbruch.
3. Das neue Medium: Hier werden der Buchdruck als neue Technik, die veränderten Rollen von Autor und Drucker sowie die verschiedenen Rezeptionsweisen des Lesens, Hörens und Sehens thematisiert.
4. Das Narrenschiff Sebastian Brants: Das Kapitel verknüpft die allgemeine Medientheorie mit Brants Hauptwerk, untersucht dessen Rezeption und analysiert die spezifischen Erfolgsfaktoren des Buches.
5. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen, hinterfragt den „Medienrevolution“-Begriff kritisch und verweist auf die fortbestehenden kulturellen Unterschiede in der Informationsaufnahme.
Schlüsselwörter
Frühe Neuzeit, Medienrevolution, Buchdruck, Sebastian Brant, Narrenschiff, Humanismus, Renaissance, Massenkommunikation, Literaturgeschichte, Rezeption, Buchmarkt, Typografie, Kommunikation, Akkulturation, Bestseller.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Übergang vom handgeschriebenen Buch zum frühen Buchdruck in der Renaissance und analysiert, wie dieser mediale Wandel den Erfolg von Sebastian Brants „Narrenschiff“ beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die frühneuzeitliche Kommunikationssituation, der technologische Wandel durch Gutenbergs Erfindung, die Rolle der Humanisten und die sozialen Veränderungen in der Mediennutzung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, inwieweit der exzeptionelle Erfolg von Sebastian Brants „Narrenschiff“ aus der damaligen medialen Umwälzung resultiert und welche weiteren Variablen diesen Erfolg begünstigten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und medienhistorische Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Quellen zur Buchgeschichte und Rezeptionsästhetik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Kommunikation in der frühen Neuzeit dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse des Buchdrucks und schließlich der Anwendung dieser Erkenntnisse auf Sebastian Brants „Narrenschiff“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Medienrevolution, Buchdruck, Sebastian Brant, Narrenschiff, Humanismus, Renaissance und Rezeption.
Welche Rolle spielte der Buchort Basel für das „Narrenschiff“?
Basel war ein aufstrebendes Zentrum mit bedeutender Universität und einem exzellenten Handels- sowie Vertriebsnetz, was Brant ermöglichte, sein Werk optimal in den europäischen Buchmarkt einzubinden.
Wie trugen die Illustrationen zum Erfolg des Werkes bei?
Die 105 Holzschnitte, an denen u.a. Albrecht Dürer mitwirkte, bildeten mit dem Text eine Einheit, die sowohl leseunkundige als auch gelehrte Rezipienten ansprach und die Wirkung des Werkes als Bestseller maßgeblich steigerte.
- Arbeit zitieren
- B.A. Gordon Oslislo (Autor:in), 2009, Die frühneuzeitliche Medienrevolution und der Erfolg des "Narrenschiffs" Sebastian Brants, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160249