Die vorliegende Arbeit sucht sich mit dem Essay Causes et raisons des îles désertes (1951) von Gilles Deleuze auseinander zusetzten. Da der Text infolge seiner alogischen Konstruktion wie etwas unhintergehbares anmutet und zunächst sehr ungewöhnlich erscheint, werden hinsichtlich des hier einzuschlagenden Weges einer Annäherung an Gilles Deleuze Essay, beständig Querverbindungen sowohl zu anderen Schriften des genannten Autors als auch weiterer zeitgemäßer Schriftsteller eröffnet und aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Wissenschaft von der Schrift: Saussure und Derrida
2.1. Die Metapher als Markierung des ursprungslosen Signifikanten
2.2. Nietzsches Bruch mit dem Wahrheitswert
3. Konsequenzen einer rhizomatischen Struktur
3.1. Spiele mit einer konkaven Subjektkategorie
3.2. Der Postkoloniale Raum
3.2.1. « Veiller sur le sens absent » : Eine ethische Konzeption
3.3. ...und die Nomadologie
4. Die menschenleere Insel
4.1. Eine Welt ohne Anderen
5. Reflexionen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Gilles Deleuzes Essay "Causes et raisons des îles désertes" (1951) durch eine poststrukturalistische Lektüre zu erschließen, wobei die alogische Textkonstruktion des Essays als Ausgangspunkt für die Erörterung rhizomatischer Strukturen und nomadologischer Denkbewegungen dient.
- Analyse der Derridaschen Schriftkonzeption und des Metapherndiskurses
- Untersuchung der rhizomatischen Struktur als Alternative zur binären Logik
- Reflexion über den Postkolonialen Raum und Stereotypen der Wüste
- Dekonstruktion des Subjekts und der Autorschaft in literarischen und philosophischen Texten
- Auseinandersetzung mit der Fiktionalität in einer "Welt ohne Anderen"
Auszug aus dem Buch
3.2. Der Postkoloniale Raum
Unter dem Gesichtspunkt des Postkolonialen Raumes und den Stereotypen der Wüste im Querschnitt der Schriftsteller des 19. u. 20. Jh. erscheint wichtig aufzuzeigen, dass das Rhizommodell nicht nur auf verschiedene Lektürepfade verweist, sondern dazu das klassische Denken, die traditionell verwendeten Begriffe der Genealogie um Perspektiverweiterungen bereichert. Die Konstruktion (nationaler) Identität wird hinsichtlich ihrer Begrifflichkeit immer durch der Natur entnommene Kategorien geformt und metaphorisch aufgeladen. Obendrein werden diese „natürlichen Kategorien“ auch noch mit dem psychoanalytischen Sockel des Gegensatzpaares Mutter und Vater verbunden: Mutter Erde, Vaterland, verwurzelt sein, entwurzelt sein, Abstammungsbaum sind nur einige Beispiele, um den postulierten Naturzustand der Evolutionstheorie zu versinnbildlichen, wobei die Evolution keine Entwicklung, sondern plötzliche Mutation ist.
Darüber hinaus ist die Evolutionstheorie wie die gesamte wissenschaftliche Naturbeschreibung durch ihre Begrifflichkeiten immer an die menschliche Sprache gekoppelt, perspektiviert und gefiltert, die Natur durch die Sprache vermenschlicht, was die postulierte objektive Beschreibung der natürlichen Vorgänge eher in die Kultur einschreibt als in die Natur bzw. kommt es zu einer ununterscheidbaren Vermischung.
Das Rhizom hingegen ist eine Anti-Genealogie, eine aparallele Evolution, „un rhizome opérant immédiatement dans l´hétérogène et sautant d´une ligne déjà différenciée à une autre.“ So fordern die n-Co-Autoren auch das fehlende Gegenteil von Geschichtsschreibung, ein Teilgebiet der Nomadologie, denn „on écrit l´histoire, mais on l´a toujours écrite du point de vue des sédentaires, et au nom d´un appareil unitaire d´État, au moins possible même quand on parlait des nomades.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Forschungsinteresse, Gilles Deleuzes Essay und die methodische Herangehensweise an die "alogische" Textstruktur.
2. Eine Wissenschaft von der Schrift: Saussure und Derrida: Untersuchung der Dekonstruktion des Signifikanten und der Kritik an klassischen Wahrheitskategorien vor dem Hintergrund Nietzsches.
3. Konsequenzen einer rhizomatischen Struktur: Erläuterung des Rhizom-Modells als Gegenentwurf zu hierarchischen Strukturen und Anwendung auf den Postkolonialen Raum sowie die Nomadologie.
4. Die menschenleere Insel: Analyse des Mythos der menschenleeren Insel als metaphysischer Ort und die Reflexion über die Bedingungen einer Welt ohne Anderen.
5. Reflexionen: Abschließende Betrachtung der Schwierigkeiten des Anfangens und Endens in einem rhizomatischen Denksystem sowie Einordnung der Arbeit als Arbeitsprobe.
Schlüsselwörter
Gilles Deleuze, Nomadologie, Rhizom, Poststrukturalismus, Jacques Derrida, Schrift, Metapher, Postkolonialer Raum, Geophilosophie, Fiktionalität, Identität, Differenz, Entterritorialisierung, Struktur, Welt ohne Anderen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer philosophischen Annäherung an Gilles Deleuzes Essay "Causes et raisons des îles désertes" unter Anwendung poststrukturalistischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Schriftkonzeption nach Derrida, das Modell des Rhizoms, die Nomadologie sowie die Dekonstruktion von Autorschaft und Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die bestehenden starren Gefüge oppositionell strukturierter Denkprozesse zu sprengen und eine "enthierarchisierte Lesefreiheit" sowie das Potenzial des Werdens statt des Seins zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die diskursanalytische Methode in Anlehnung an Michel Foucault und die Geophilosophie, um sprachliche Ordnungen und Begriffe zu dekonstruieren und umzustrukturieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Derridasche Schrift, das Konzept des Rhizoms, die Stereotype des Postkolonialen Raumes und die philosophische Bedeutung der menschenleeren Insel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Rhizom, Nomadologie, Differenz, Dekonstruktion, Schrift, Geophilosophie und die Abwesenheit des Anderen.
Wie bezieht sich die Arbeit auf den Autor Samuel Beckett?
Beckett dient als Beispiel, um anhand seines Werkes "Endspiel" die Struktur einer Welt ohne den Anderen und die Abhängigkeit der Protagonisten aufzuzeigen.
Was bedeutet der Begriff "Geophilosophie" in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt die Komposition aus Erde (Geo) und Liebe zur Weisheit (Philosophie) und bezieht sich auf die Verbindung von räumlicher Kartographie und theoretischer Reflexion.
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- M.A. Hoelenn Maoût (Author), 2006, Gilles Deleuze´s Geophilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160033