1. Einleitung
Die Debatte um die Entwicklung unserer Gesellschaft zu einzelnen, unabhängigen individualisierten Gesellschaftsmitgliedern, sowie der Verlust territorialer Kontrolle durch die Ausbildung von Parallelgesellschaften, die sich in sogenannten „Business Improvement Districts“ selbst organisieren, ist sehr umfangreich. Was hierbei mit dem öffentlichen Raum passiert, soll in der vorliegenden Arbeit zum Beispiel anhand von Ansichten des Soziologen Richard Sennett deutlich werden. Anschließend wird auf das Thema der „Privatisierung öffentlicher Räume“ eingegangen, das sich an den Beispielen der Einkaufszentren, sowie den geschlossenen Wohnkomplexen veranschaulichen lässt. Am Ende wird die Raumkontrolle thematisiert, die sich technisch und baulich in Städten erkennen lässt und den Nachweis der Aktivitäten der Individuen bedingt. Hierbei wird als Schwerpunkt die Kontrolle durch Videoüberwachung heran gezogen. (LUEDTKE (20.02.10) Die Ausweitung staatlicher und privater Raumkontrolle: Infragestellung der modernen (National-)gesellschaft? www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/.../Luedtke_Abstracts_Jena_2008.doc)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
3. Der öffentliche Raum nach G. Glasze und H. Ahrendt
4. Was passiert mit dem öffentlichen Raum?
5. Die Privatisierung öffentlicher Räume
6. Die Videoüberwachung am Fallbeispiel Coventry
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den soziologischen Wandel des öffentlichen Raums angesichts zunehmender privater Kontrolle, technischer Überwachung und der Verschiebung gesellschaftlicher Kommunikation in digitale Sphären.
- Veränderung der öffentlichen Sphäre durch private Interessen
- Soziologische Perspektiven auf den Begriff des öffentlichen Raums
- Privatisierungstendenzen am Beispiel von Einkaufszentren und geschlossenen Wohnkomplexen
- Auswirkungen von Videoüberwachung auf das Sozialverhalten (Fallbeispiel Coventry)
- Verlust der politischen und lokalen Funktion des öffentlichen Raums
Auszug aus dem Buch
6. Die Videoüberwachung am Fallbeispiel Coventry
Die Sicherheit öffentlicher Räume stellt eine Grundvoraussetzung für die Qualität und Nutzbarkeit dieser Räume dar. Durch die Videoüberwachung kann man erreichen, dass sowohl die subjektive, als auch die objektive Sicherheit solcher Räume erhöht wird. Dies hat zur Folge, dass Videokameras - angebracht in öffentlichen Räumen - zunehmend zum Einsatz kommen. In Deutschland ist die Überwachung privater Räume deutlich höher, als die Überwachung öffentlicher Räume, da letzteres besondere rechtliche Voraussetzungen bedingt, die für die Zulässigkeit der Überwachung notwendig sind. Zu prüfen gelten hier die Erforderlichkeit, die Angemessenheit, sowie die Eignung der geplanten Videoüberwachung unter Einbezug des umgebenden öffentlichen Raums.
In Großbritannien hingegen gelten diese besonderen Grundvoraussetzungen nicht und somit wurde die Videoüberwachung schon weitläufig in den Innenstädten eingeführt. Die Überwachung soll hier allerdings vielmehr der Innenstadtförderung dienen, als der erwarteten Kriminalitätsprävention durch Unsicherheit. Dieses wirtschaftliche Interesse, das die Menschen dazu leitet Kameras anzubringen, kann am Fallbeispiel Coventry zunehmend verdeutlicht werden. Die Stadt verfügt über eine moderne Innenstadt, die jedoch kontinuierlich durch die in der Umgebung errichteten Einkaufszentren an Attraktivität verliert und aufgrund dessen wirtschaftlich geschwächt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Debatte um den Wandel des öffentlichen Raums durch Individualisierung und verstärkte Raumkontrolle ein.
2. Definitionen: Es wird die Schwierigkeit beleuchtet, die Begriffe privater und öffentlicher Raum aufgrund ihrer Bedeutungsvariabilität eindeutig zu definieren.
3. Der öffentliche Raum nach G. Glasze und H. Ahrendt: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Bedeutungsebenen des Raums, wie Eigentumsverhältnisse und die Funktion als Ort der politischen Auseinandersetzung.
4. Was passiert mit dem öffentlichen Raum?: Es wird analysiert, wie die öffentliche Sphäre durch Medien und private Interessen zunehmend zurückgedrängt wird.
5. Die Privatisierung öffentlicher Räume: Das Kapitel behandelt die Entwicklung von Einkaufszentren und geschlossenen Wohnkomplexen als Räume unter privater Kontrolle.
6. Die Videoüberwachung am Fallbeispiel Coventry: Anhand des Beispiels Coventry wird aufgezeigt, wie Videoüberwachung zur wirtschaftlichen Förderung und sozialen Kontrolle in Innenstädten eingesetzt wird.
7. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Kontrolle öffentlicher Räume zwar Sicherheit vermittelt, jedoch ursprüngliche soziale und politische Funktionen des Raums gefährdet.
Schlüsselwörter
Öffentlicher Raum, Privater Raum, Raumkontrolle, Videoüberwachung, Stadtentwicklung, Privatisierung, Coventry, Öffentlichkeit, Sozialverhalten, Sicherheit, Kommunikation, Überwachung, Stadtgesellschaft, Soziologie, Stadtplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des öffentlichen Raums in modernen Städten und den damit verbundenen Prozessen der Privatisierung und technischen Überwachung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition öffentlicher Räume, die Auswirkungen von Medien auf die Öffentlichkeit, die Entstehung privater Sicherheitsräume sowie die Videoüberwachung zur Innenstadtförderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch zunehmende Raumkontrolle und Kommerzialisierung die ursprünglichen Funktionen des öffentlichen Raums – insbesondere die soziale und politische Interaktion – verloren gehen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse soziologischer Konzepte sowie die Betrachtung konkreter Fallbeispiele, um urbane Phänomene zu erläutern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden soziologische Raumbegriffe diskutiert, der Einfluss von Massenmedien auf die öffentliche Sphäre analysiert sowie die Privatisierung durch Shopping-Center und Videoüberwachung untersucht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Raumkontrolle, Privatisierung, öffentliche Sphäre, Videoüberwachung und den soziologischen Blick auf urbane Räume charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Videoüberwachung in Deutschland von der in Großbritannien?
Während in Deutschland strenge rechtliche Voraussetzungen für die Videoüberwachung gelten, wird sie in Großbritannien oft weitläufiger eingesetzt, um wirtschaftliche Interessen und die Innenstadtförderung zu unterstützen.
Was verbirgt sich hinter dem Projekt der "City Centre Company" in Coventry?
Die City Centre Company fungiert als eine Non-Profit-Organisation, die durch die Installation von Überwachungskameras in der Innenstadt eine Atmosphäre der Sicherheit schaffen will, um die wirtschaftliche Attraktivität der Stadt zu steigern.
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- Nadine Hänsel (Author), 2009, Räume der Kontrolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159850