Die Basken gelten als das Volk mit der längsten Historie auf dem europäischen Kontinent und zählen zugleich zu den vielen Minderheiten, die in der heutigen Welt mehr und mehr um ihr Dasein kämpfen müssen. Jede dieser Ethnien muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten und unter Einbezug ihrer kulturellen und politischen Gegebenheiten das Weiterbestehen ihrer Existenz verfolgen. Welche Komponenten bei einem solchen Unterfangen eine wichtige Rolle spielen, soll in der vorliegenden Arbeit geklärt werden.
Der erste Teil der Arbeit widmet sich dem theoretischen Konstrukt »Sprache-Identität«, wobei die Rolle der Sprache als identitätsstiftender Parameter herausgearbeitet werden soll. Darauf aufbauend schließt sich eine kurze Darstellung der Sprachgeschichte und kulturellen Entwicklung des baskischen Volkes an, bevor ein Abriss der Sprachkultivierung res. -politik im Baskenland letztlich das Fundament für die sich anknüpfende Analyse liefern wird.
Im zweiten Teil werden die zur Verfügung stehenden Statistiken in diachroner Sicht auf ausgewählte Schwerpunkte ausgewertet. Im Mittelpunkt dieser Analyse stehen die Aufarbeitung der Entwicklung der Sprachkultivierung auf nationaler Ebene im Bildungswesen und die Verwendung des Baskischen in den Kommunikationsmedien, wobei das Internet im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden kann.
Das große Ziel dieser punktuellen Untersuchung soll sein, Entwicklungstendenzen resp. Prognosen für die Zukunft bzgl. der Sprache treffen zu können – ganz gemäß der Devise der baskischen Regierung:
»El nuevo plan del Gobierno Vasco: asegurar el uso del euskera, la clave del futuro.« (GOBIERNO VASCO. DEPARTAMENTO DE CULTURA: 5)
Inhaltsverzeichnis
0 Vorwort
1 Identität und Sprache?
2 La 'identidad vasca' – Brevísima historia de la populación y lengua vascas
3 Sprachkultivierung im Baskenland
3.1 Anfänge
3.2 Sprachpolitik in der CAV heute
4 Aktuelle Rolle der Sprache in der baskischen Kultur – Blingualismus/Muttersprache, »ikastolak« und »euskaldunización«
5 Sprachkultivierung in Kommunikationsmedien
5.1 Rolle der Kommunikationsmedien in der Gesellschaft
5.2 »Ley de Normalización del Uso del Euskera«, 10/1982
5.3.1 Baskisch im Bücherwesen
5.3.2 Baskisch in den Printmedien
5.4 Das Baskische im Radio und Fernsehen
5.4.1 Ein ungleiches Team: Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit
5.4.2 Auditive Sprachkultivierung – Baskisch im Radio
5.4.3 Das Audio-Visuelle – Baskisch im TV
6 Fazit
7 Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Sprache als identitätsstiftendes Merkmal im Baskenland und analysiert die Entwicklung der Sprachkultivierung und Sprachpolitik. Ziel der Untersuchung ist es, auf Basis diachroner Statistiken und der Analyse der Nutzung des Baskischen in Bildungswesen und Medien, Entwicklungstendenzen und zukünftige Prognosen für den Erhalt und die Verbreitung der baskischen Sprache abzuleiten.
- Theoretische Verankerung des Konstrukts "Sprache und Identität".
- Abriss der Sprachgeschichte und kulturellen Entwicklung des baskischen Volkes.
- Analyse der offiziellen Sprachpolitik und gesetzlicher Rahmenbedingungen (CAV).
- Bedeutung der "ikastolak" und des bilingualen Schulwesens für die Sprachrezeption.
- Rolle der Kommunikationsmedien (Bücher, Print, Radio, TV) bei der Sprachkultivierung.
Auszug aus dem Buch
3 Sprachkultivierung im Baskenland
In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt auf der Comunidad Autónoma Vasca (CAV), d.h. der Hegoalde liegen, wodurch die baskischen Gebiete auf französischem Territorium (Ipparalde) außen vorgelassen werden. Die im Folgenden aufgezeigte Sprachkultivierung und deren Resultate bzgl. der heutigen baskischen Kultur werden sich – auf Grund des für diese Arbeit begrenzten Umfangs – auf eine Analyse der Rolle des Baskischen auf spanischem Gebiet beschränken.
3.1 Anfänge
Um eine Sprachpolitik aufzustellen, wird zunächst eine Norm des linguistischen Systems benötigt. Darüber hinaus muss die zu kodifzierende Sprache auch genutzt werden, denn die Normierung kann einzig vom gesprochenen Idiom ausgehend aufgebaut werden.
Im 16. Jahrhundert wurden vielerlei vaskonischer Dialekte gesprochen, die jedoch untereinander teilweise kaum bis unverständlich waren. (Trask 1997) Ein Problem, das im 20. Jahrhundert angegangen wurde und bis heute aktuell ist. (s.u.)
Im Jahre 1571 erschien das erste gedruckte Buch in Baskisch unter dem Titel »Linguae Vasconum Primitiae«,3 das den Gebrauch der Volkssprache im kulturellen Bereich verteidigte. (Janich/Greule 2002: 8) Im selben Jahr wurde auch das Neue Testament übersetzt, das schließlich eine Schnittmenge zahlreicher damaliger Dialekte und somit den ersten indirekten Versuch einer Kodifizierung darstellte.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Vorwort: Einleitung in die Thematik der sprachlichen Identität baskischer Minderheiten und Definition des Untersuchungsziels.
1 Identität und Sprache?: Theoretische Betrachtung der Korrelation von Sprache und Identitätsstiftung nach Assmann und Beriain.
2 La 'identidad vasca' – Brevísima historia de la populación y lengua vascas: Historischer Abriss zur Widerstandsfähigkeit der vaskonischen Sprache gegen äußere Einflüsse und Assimilierung.
3 Sprachkultivierung im Baskenland: Untersuchung der historischen Anfänge der Normierung und der aktuellen politischen Rahmenbedingungen in der CAV.
4 Aktuelle Rolle der Sprache in der baskischen Kultur – Blingualismus/Muttersprache, »ikastolak« und »euskaldunización«: Analyse der Sprachkompetenzentwicklung und der Bedeutung von Sprachschulen für die jüngere Generation.
5 Sprachkultivierung in Kommunikationsmedien: Detaillierte Betrachtung von Büchern, Printmedien, Radio und Fernsehen als Instrumente der Sprachförderung.
6 Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich des Prestiges der baskischen Sprache und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
7 Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Baskenland, Euskera, Sprachkultivierung, Identität, Sprachpolitik, Comunidad Autónoma Vasca, ikastolak, Euskaltzaindia, Bilingualismus, Euskara Batua, Kommunikationsmedien, Kulturtradition, Sprachnormierung, Transición, Minderheitenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle der Sprache im Baskenland und deren Bedeutung als identitätsstiftendes Merkmal unter Berücksichtigung historischer und politischer Entwicklungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Sprachnormierung, die Rolle des bilingualen Bildungswesens sowie die Nutzung des Baskischen in den modernen Kommunikationsmedien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Entwicklungstendenzen und Zukunftsprognosen für den Erhalt und die Nutzung der baskischen Sprache auf Basis statistischer Daten zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diachrone Auswertung vorhandener Statistiken vorgenommen, ergänzt durch eine Analyse der sprachpolitischen Rahmenbedingungen im Baskenland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Sprachidentität, die historische Sprachgeschichte sowie die detaillierte Analyse der Sprachkultivierung in Medien und Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachkultivierung, Euskera, Identität, ikastolak und Sprachpolitik charakterisiert.
Welche Bedeutung haben die "ikastolak" für das Baskenland?
Die "ikastolak" waren als private Schulen entscheidend für den Erhalt der Sprache in Zeiten politischer Repression und bilden heute ein Rückgrat der sprachlichen Ausbildung.
Wie hat sich das Prestige des Baskischen verändert?
Die ehemalige "Bauernsprache" hat durch die staatliche Anerkennung und die Nutzung in Medien und Bildung ein deutlich gestiegenes Prestige innerhalb der jüngeren Generation erreicht.
Welchen Einfluss hatte das Fernsehen auf die Sprachverbreitung?
Das baskische Fernsehen, insbesondere ETB1 und ETB2, dient als Instrument der Reichweitenvergrößerung, steht jedoch in Konkurrenz zu etablierten spanischsprachigen Sendern.
- Quote paper
- Rico Moyon (Author), 2010, Die Rolle der Sprache im Baskenland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159840