Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Ästhetik der Trailer von Raging Bull und Million Dollar Baby auseinander. Obwohl beide sicherlich keine reinen Boxfilme sind, besteht doch eine Schwierigkeit darin, dies auch über die Trailer zu vermitteln. Wie die Trailer diesen Eindruck zu vermitteln versuchen, wird einer der Fragen dieser Arbeit sein. Dabei ist interessant, wie unterschiedlich die beiden Trailer auf dieses Problem reagieren und wie letztlich Beide doch ein ähnliches Ziel verfolgen. Das würde dazu führen, dass beide Regisseure einen ähnlichen Stil verfolgen, wie sie in ihren Trailer wahrgenommen werden wollen.
Die zentrale Frage wird dabei sein: Kann ein Trailer durch seine Erzähl- und Bedeutungsebenen die Werbefunktion so sehr in den Hintergrund drängen, dass er vorwiegend zu einem Kunstobjekt wird?
Inhaltsverzeichnis
A Vorwort
B Ästhetische Vorüberlegungen zum Kinotrailer
I. Der amerikanische Kinotrailer
1. Trailer der klassischen Periode
2. Trailer der zeitgenössischen Periode
C Analyse
I. Raging Bull
II. Million Dollar Baby
D Der Trailer als Kunst vor der Kunst
I. Eastwoods Trailer als Bsp. für eine andere Haltung von Trailern
II. Scorseses Trailer als werbende Kunst
E Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ästhetik von Kinotrailern, um zu ergründen, ob diese über ihre reine Werbefunktion hinaus als eigenständige Kunstobjekte fungieren können. Anhand der Trailer von Martin Scorseses „Raging Bull“ und Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ wird analysiert, wie filmische Erzählebenen und atmosphärische Inszenierungen dazu beitragen, das Publikum nicht nur zu informieren, sondern auf einer tieferen, künstlerischen Ebene anzusprechen.
- Historische Entwicklung und theoretische Einordnung des amerikanischen Kinotrailers
- Vergleichende Analyse der Trailer von „Raging Bull“ und „Million Dollar Baby“
- Hybridisierung und ästhetische Gestaltung von Trailer-Strukturen
- Spannungsfeld zwischen Werbefunktion und künstlerischem Anspruch
- Rolle von Regie-Handschriften bei der Gestaltung moderner Trailer
Auszug aus dem Buch
II. Million Dollar Baby
Der Trailer von Clint Eastwood zu Million Dollar Baby weist in seiner Haupterzählung eine klare 2/3-Struktur auf, die dem zeitgenössischem Modus entspricht. Es wird aber zudem noch mit einer weiteren Handlungsebene gearbeitet, die der weiteren Bedeutungsebene im Analyseprotokoll entspricht.
Dadurch ist die Einteilung des Trailers etwas komplexer als bei Raging Bull. Insgesamt sind acht Teile zu benennen. Fünf Teile lassen sich zu einer Haupterzählung rechnen und drei Teile zu einer Metaebene (siehe Analyseprotokoll). Die fünf Teile der Haupterzählung können aber alle zusammengefasst werden unter dem in B,I.,2 vorgestellten Schema. Somit ist dieser Teil formal klar im zeitgenössischen Modus zu verorten.
Es wird eine Ausgangssituation vorgestellt, eine Exposition, die ein Problem beinhaltet: Frankie will Maggie nicht trainieren. Auch wird verdeutlicht, dass beide Hauptcharaktere Personen am Rande der sozialen Gesellschaft sind. Maggie bleibt beharrlich und so kommt es schließlich zu einem auslösendem Ereignis, das in dem Fall die Zustimmung Frankies zu dem Trainergesuch von Maggie ist. Danach werden fast 40 % des Trailers darauf verwendet, die Konfrontation nach der Zustimmung Frankies zu gestalten: Maggie kann sich nun ihren Traum vom Boxen erfüllen. Sie wird besser und feiert erste Erfolge. Nebenbei wird das Verhältnis zu Frankie zu einer Art Vater-Tochter-Beziehung für Beide. Maggie bekommt wohl die Chance zu einem großen Weltmeisterschaftskampf und im Moment der größten Spannung endet der Hauptteil des Trailers also mit einer Art cliffhanger. Kurz danach folgen im Film der Weltmeisterschaftskampf, der Unfall, die Zeit im Krankenhaus und die Sterbehilfe. All diese wichtigen Elemente der Handlung werden im Trailer nicht erzählt.
Zusammenfassung der Kapitel
A Vorwort: Einführung in die Thematik der Werbepraxis von Kinotrailern und die spezifische Fragestellung der Arbeit anhand der Filme von Scorsese und Eastwood.
B Ästhetische Vorüberlegungen zum Kinotrailer: Darstellung der historischen Entwicklung des amerikanischen Trailers, unterteilt in die klassische und die zeitgenössische Periode nach Vinzenz Hediger.
C Analyse: Detaillierte Untersuchung der Trailer zu „Raging Bull“ und „Million Dollar Baby“ hinsichtlich ihrer formalen Struktur und ästhetischen Gestaltung.
D Der Trailer als Kunst vor der Kunst: Diskussion darüber, wie Trailer durch ihre formale Gestaltung und inhaltliche Abstraktion zu Kunstobjekten werden können, statt nur als Werbemittel zu fungieren.
E Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung, dass sich künstlerischer Anspruch und kommerzieller Werbeeffekt nicht ausschließen.
Schlüsselwörter
Kinotrailer, Filmästhetik, Martin Scorsese, Clint Eastwood, Raging Bull, Million Dollar Baby, Filmwerbung, Paratext, Modus, Hediger, Kunstobjekt, Boxfilm, Erzählstruktur, Zuschauersteuerung, Medienwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ästhetische Gestaltung von Kinotrailern und hinterfragt, ob und wie diese neben ihrer primären Funktion als Werbemittel für einen Film eine eigenständige künstlerische Qualität entwickeln können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Trailers, die Unterscheidung zwischen klassischem und zeitgenössischem Modus nach Vinzenz Hediger sowie die Analyse von Regie-Handschriften im Bereich der Filmwerbung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, auszuloten, ob moderne Kinotrailer durch ihre narrative und ästhetische Gestaltung so in den Hintergrund rücken, dass sie vom Publikum als eigenständige Kunstobjekte wahrgenommen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die filmwissenschaftliche Analyse von Trailern, wobei das Modell von Vinzenz Hediger als theoretischer Rahmen dient, um die formale Einordnung der ausgewählten Beispiele vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Trailer zu „Raging Bull“ und „Million Dollar Baby“. Dabei wird untersucht, wie diese mit dem Boxsport-Thema umgehen und inwieweit sie das Modell von Hediger bestätigen oder erweitern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kinotrailer, Filmästhetik, Paratext, Werbefunktion, künstlerischer Anspruch sowie die spezifische Anwendung auf das Werk von Scorsese und Eastwood.
Warum wurden gerade diese beiden Filme als Beispiele gewählt?
Beide Filme behandeln den Boxsport, jedoch aus gänzlich unterschiedlichen ästhetischen Blickwinkeln, was sie zu idealen Objekten für einen Vergleich zwischen klassischem und zeitgenössischem Trailer-Modus macht.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des Modells von Hediger?
Das Modell von Hediger bietet eine gute historische Basis, ist jedoch bei hochgradig künstlerisch gestalteten Trailern wie „Million Dollar Baby“ zu starr, da diese durch Hybridisierung und Metaebenen eine größere Flexibilität aufweisen.
- Quote paper
- Bernard Hoffmeister (Author), 2010, Zur Ästhetik von Kinotrailern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159826