Gegenstand der Untersuchung in der vorliegenden Arbeit ist vor allem die Rolle des Bistums Halberstadt bzw. seines Bischofs Hildeward bei der Auflösung des Bistums Merseburg 981. Die initiatorische Beteiligung Hildewards, von der neueren Forschung größtenteils vertreten, kann nur aus zwei Quellen interpretiert und gewonnen werden: der Chronik Thietmars in III,14 und dem im Synodalprotokoll von 981 zu findenden Brief Hildewards. Der Quellenwert dieses Briefs für einen Widerstand Hildewards gegen Gründung und grundsätzlichen Bestand des Bistums Merseburg soll ausführlich erörtert werden. Welcher Inhalt lässt sich für ihn sichern, wie ist er zu datieren? Diese Fragen erweisen sich bei der eher dünnen Decke von ohnehin meist tendenziell gefärbten Quellen als Prüfstein für Hildewards Beteiligung bei der Auflösung. Als weiteres Indiz führt man in der Forschung eine Gebetsverbrüderung der Metzer mit der Halberstädter Kirche an, datiert ins Jahr 980- und schließt aus diesem und dem Auftauchen des einflussreichen Dietrich von Metz bei Thietmar III,16 die Mitwirkung Hildewards. Alle genannten Quellen werden in der Arbeit einer kritischen Prüfung unterzogen und ihre Relevanz und ihre Erkenntnismöglichkeit für das zu untersuchende Thema eingeschätzt. Dazu gehören auch die Gesta Epp. Halberstadensium. Ihrem „Fragmentum“ wird u.a. von Jäschke und Althoff eine Entstehungszeit vor der Abfassung von Thietmars Chronik zugewiesen. Sie liefert uns eine wertvolle Parallelüberlieferung insbesondere zu Thietmar.
Nicht zu umgehen ist im Kontext des Themas auch die Gründung des Erzbistums Magdeburg auf den beiden Synoden von Ravenna 967 und 968 und die dortige Haltung von Papst, Kaiser, Synodalen und tangierten Bischöfen, insbesondere derer aus Mainz und Halberstadt. Hildeward habe hier (968) zwar der Gründung des Erzbistums Magdeburg und Gebietsabtretungen an die neue Kirchenprovinz zustimmt, nicht jedoch seine Zustimmung für Merseburg erteilt- so die gemeine Darstellung in der Forschungsliteratur.
Ein weiterer Abschnitt der Arbeit soll die Auflösung aus kirchenrechtlicher Sicht sowie die eigentlichen Gründe der Auflösung beleuchten, wie sie in der aktuellen Forschung vertreten werden. Einen weiteren kleinen Schwerpunkt soll die Personalie Giselhers darstellen und ergründen, warum nur durch seine Translation eine schnelle Auflösung des Bistums Merseburg möglich wurde. Am Rande sollen weitere Fragestellungen wie die religiöse Kompensation der Suppression kurz thematisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die Rolle Hildewards von Halberstadt bei der Bistumsauflösung
2.2. Auflösungsgründe, Kirchenrecht und religiöse Kompensation
2.3. Die Translation Giselhers als Voraussetzung der Auflösung
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und den kirchenrechtlichen Prozess der Auflösung des Bistums Merseburg im Jahr 981. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle des Halberstädter Bischofs Hildeward, dessen mutmaßliche Mitwirkung an den Auflösungsplänen sowie die kirchenrechtliche Legitimierung durch die römische Synode kritisch analysiert werden.
- Historische Analyse der Bistumsauflösung von 981
- Die Rolle Hildewards von Halberstadt als Akteur
- Kirchenrechtliche Voraussetzungen und Legitimierung durch die Synode
- Die Translation Giselhers als Bedingung der Auflösung
- Religiöse Kompensationsversuche und deren Bedeutung
Auszug aus dem Buch
Die Rolle Hildewards von Halberstadt bei der Bistumsauflösung
Der erste Teil der vorliegenden Arbeit soll sich mit der Rolle Hildewards von Halberstadt befassen. Die neuere Forschung sieht in ihm einen Hauptakteur bei der Auflösung Merseburgs (s. Anm. 31), was vermeintlich durch den Bericht der Gesta Episcoporum gestützt werde33. Vergleicht man aber Hildewards Darstellung mit der seines Vorgängers Bischof Bernhard, dessen lebenslanger Widerstand so triumphierend geschildert wird, muss er eindeutig abfallen34- und zwar in doppelter Hinsicht.
Zum Ersten muss es verwundern, dass in den Gesta Episcoporum Hildewards doch eigentlich frommen Bestrebungen zur Auflösung des konkurrierenden Bistums Merseburg und zur Wiederherstellung der alten Diözesangrenzen kein Platz zugedacht wurde. Auch unser einziges echtes Zeugnis für eine Aktivität Hildewards im Zuge der Auflösung des Bistums Merseburg, nämlich der im Synodaldekret von 981 zitierte Brief35, findet keine Erwähnung. Dass die Darstellung Hildewards, unter dessen Episkopat die Entstehung der Gesta vermutet wird36, einem Panegyrikus gleicht37, lässt die eigenartige Wortkargheit der Halberstädter Quelle zur Bistumsauflösung in Merseburg noch mehr verwundern- zumindest wenn man voraussetzt, Hildeward habe hier entscheidende Impulse gesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Bistums Merseburg von 968 bis zur Auflösung 981 und skizziert die Forschungsproblematik sowie die Quellenlage.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Akteure wie Hildeward von Halberstadt, die kirchenrechtlichen Argumente für die Auflösung und die strategische Bedeutung der Translation Giselhers.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass die Auflösung eine konsensuale Entscheidung war, bei der Hildewards aktive Rolle zwar vermutet, aber historisch schwer belegbar bleibt.
Schlüsselwörter
Bistum Merseburg, Kirchenprovinz Magdeburg, 981, Hildeward von Halberstadt, Giselher, Synode, Kirchenrecht, Ottonen, Bistumsauflösung, Thietmar von Merseburg, Translation, Gesta Episcoporum Halberstadensium, Papsttum, Reichskirche, Gebietsabtretungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen, den Akteuren und den kirchenrechtlichen Vorgängen, die zur Auflösung des Bistums Merseburg im Jahr 981 geführt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse in der sächsischen Reichskirche, die kirchenrechtliche Argumentation für die Auflösung von Bistümern sowie die politischen Handlungsspielräume der beteiligten Bischöfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Rolle des Halberstädter Bischofs Hildeward zu klären und zu prüfen, ob die in der Forschung oft unterstellte aktive Mitwirkung an der Auflösung Merseburgs durch die Quellenlage gestützt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenkritik, bei der diplomatische Urkunden und erzählende Quellen wie die Chronik Thietmars und die Gesta Episcoporum Halberstadensium miteinander abgeglichen und interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hildewards Rolle, die kirchenrechtliche Analyse der Auflösungsgründe und die Bedeutung der Translation von Giselher für den Prozess der Bistumsauflösung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Bistum Merseburg, Kirchenprovinz Magdeburg, Synode, Hildeward von Halberstadt, Kirchenrecht, Reichskirche und die Translation von Giselher.
Warum wird die Darstellung Hildewards in den Gesta Episcoporum als problematisch eingestuft?
Weil die Quelle Hildewards Episkopat als sehr positiv darstellt, aber gleichzeitig jede konkrete Aktivität Hildewards im Zusammenhang mit der Auflösung des verhassten Konkurrenzbistums Merseburg auslässt, was im Kontext einer panegyrischen Schrift erstaunt.
Wie bewertet der Autor die Rolle Giselhers bei der Bistumsauflösung?
Der Autor argumentiert, dass Giselher als integraler Bestandteil der kaiserlichen Pläne gesehen werden muss und die angebliche „Intrige“ bei Hofe eine nachträgliche, von Thietmar geprägte Deutung ist, da der Prozess von langer Hand vorbereitet wurde.
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- Nico Lehmann (Author), 2010, Die Auflösung des Bistums Merseburg im Jahre 981, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159824