Das Gewahrwerden der transkulturellen Bewußtseinsdimension hat einen wohltuenden und lindernden Einfluß auf die Last und Bedingtheit, die mit der kulturellen Programmierung einhergeht. Sie kann die menschliche Autonomie und Freiheit wiederherstellen, denn nachdem die kulturelle Konditionierung ihren Sinn in der Entwicklung der Individuen und der Gattung (Ontogenese und Phylogenese) erfüllt hat, kann sie mit ihren unentrinnbaren und schwer steuerbaren Prozessen zum Ballast und zur Last werden.
Allein die transkulturelle Intelligenz der transkulturellen oder metamentalen (oder noetischen) Ebene, die transkulturelle Bewußtheit, bietet die Möglichkeit der Relativierung und Beherrschung der Kultur im Inneren und im Äußeren. Der Schlüssel zur Meisterung des Interkulturellen liegt im Transkulturellen. In der pädagogischen Praxis sollte daher das kulturelle Bewußtheitstraining nicht nur das Interkulturelle, sondern auch das Transkulturelle miteinschließen. Diese Schwelle der Transkulturellen gilt es im dritten Millennium zu überschreiten, denn es bietet dem Menschen die Option einer nachhaltigen kulturellen Beherrschung und Freiheit, die von Anfang an in ihm angelegt waren. Nun ist seine Zeit gekommen. Diesen die Interkulturalität ebenso ergänzenden Sachverhalt, der diese ebensowenig invalidiert, wie das Quantenparadigma das Newtonwsche Paradigma invalidiert, sondern neu kontextualisiert habe ich in vielen Schriften erklärt, modelliert und visualisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Dämmerung eines neuen interkulturellen Paradigmas
1.1 Ein Entwurf
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Grenzen der traditionellen, horizontalen interkulturellen Forschung aufzuzeigen und ein neues, transkulturelles Paradigma zu etablieren. Dabei wird untersucht, wie eine ganzheitliche, metamentale Kontextualisierung von Kultur dazu beitragen kann, kulturelle Konditionierung zu überwinden und eine nachhaltige Steuerung kultureller Prozesse zu ermöglichen.
- Kritik an deterministischen Kulturmodellen und der horizontalen Forschung
- Einführung des Konzepts der "transkulturellen Intelligenz" (TCQ)
- Die Rolle der metamentalen Ebene als Steuerungsinstanz
- Synergieprinzipien als Alternative zum Kulturkonflikt
- Rekontextualisierung von Kultur innerhalb der menschlichen Gesamtarchitektur
Auszug aus dem Buch
Die Dämmerung eines neuen interkulturellen Paradigmas
Nach der Schaffung von interkulturellen Professuren an beinahe allen Hochschulen zu urteilen erkennt man offenbar in Deutschland nach zwei Weltkriegen und einer extremen Rassenpolitik, nach Spaltung und Wiedervereinigung durch die Handlungen der eigenen und anderer Kulturen und Nationen, daß es eine eigene und fremde Kulturen gibt. Nun möchte man sich dieses Sachverhalts annehmen und sich damit auseinandersetzen, insbesondere soweit er die wissenschaftlich-technische und daher wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit tangiert.
Zu wenig und vor allem zu spät, könnte man sagen. Der Mangel an kulturellem und ethischem Bewußtsein oder an Bewußtsein schlechthin hat insbesondere im Laufe des vergangenen Jahrhunderts einen myriadenfachen Blutzoll gefordert, der von Hofstede, dem Wegbereiter der modernen interkulturellen Forschung auf zwischen 50 und 100 Millionen beziffert wurde. Ist die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nun soviel wichtiger als es die Integrität des individuellen und kollektiven Lebens war und ist? Die kulturelle Herausforderung bestand schon immer, heute ist sie nur an jeder Haustür angelangt, in die Ritzen und Fugen der intimsten Bastionen der Privatsphäre eingedrungen. Quo usque tandem?… ist man in vieler Hinsicht geneigt zu fragen. Raum und Zeit überbrückend werden wir durch die globalen Medien mit den Geschehnissen in Kandahar und Swat Valley synchronisiert, die uns bis in unsere Träume begleiten, ganz zu schweigen von dem weltweit Furcht und Schrecken verbreitenden blinden fundamentalistischen Terror.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Dämmerung eines neuen interkulturellen Paradigmas: Dieses einleitende Kapitel analysiert die historische Notwendigkeit einer neuen Herangehensweise an kulturelle Prozesse und hinterfragt die bisherigen, primär wirtschaftsorientierten Ansätze der interkulturellen Forschung.
Ein Entwurf: Dieser Unterabschnitt vertieft die Problematik der kulturellen Konditionierung und leitet die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels hin zum Transkulturellen ein.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Forschung, Paradigmenwechsel, Transkulturelle Intelligenz, TCQ, Kulturmanagement, Kulturelle Konditionierung, Metamentale Ebene, Synergieprinzip, Globalisierung, Identität, Mentale Software, Bewusstsein, Kulturelle Relativität, Eigenkultur, Fremdkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Entwurf eines neuen Paradigmas im Bereich der Kulturforschung, das über die bisherigen horizontalen und oft rein deskriptiven Ansätze hinausgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Kritik am bisherigen Kulturverständnis, die Untersuchung der Wirkung von kultureller Konditionierung sowie die theoretische Fundierung einer transkulturellen Ebene, die eine bewusste Steuerung ermöglicht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die Überwindung der Sackgasse traditioneller interkultureller Forschung durch die Einführung einer "transkulturellen Intelligenz" (TCQ), um Individuen und Organisationen mehr Autonomie und nachhaltige Lösungsansätze zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Naturwissenschaft (Quantenphysik), der Neurophysiologie, der Philosophie sowie anthropologische und psychologische Konzepte integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die neurophysiologische und psychologische Fundierung der Idee, dass das Bewusstsein (als metamentale Instanz) das im mentalen Bereich gespeicherte kulturelle Programm steuern kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Transkulturelle Intelligenz, Kulturmanagement, Konditionierung, Paradigmenwechsel, Synergie und Bewusstsein.
Warum hält der Autor die bisherige interkulturelle Forschung für unzureichend?
Der Autor argumentiert, dass die bisherige Forschung sich in einer "horizontalen" Dimension bewegt, die zwar deskriptiv wertvoll ist, aber keine effektive Lösung für die durch Kultur erzeugten Konflikte bietet, da sie die Rolle des Bewusstseins vernachlässigt.
Was ist mit der "metamentalen Ebene" gemeint?
Die metamentale Ebene beschreibt eine übergeordnete Bewusstseinsschicht, die den mentalen Bereich (in dem kulturelle Programme gespeichert sind) beobachten und somit steuernd auf diesen einwirken kann.
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- D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deissler (Author), 2010, Die Dämmerung eines neuen interkulturellen Paradigmas, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159802