Welche Einstellung haben Journalisten zu Pausen?
Wie verbringen Journalisten ihre Pausen?
Machen Journalisten überhaupt Pausen?
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„Zeit sparen“, „keine Zeit haben“ und „keine Zeit verlieren zu wollen“ – das sind geflügelte Wörter unserer Zeit. Einer Zeit, in der man pausenlos von einem Termin zum nächsten hetzt und sich nicht die Zeit nimmt, sie auch mal zu genießen, sich selten eine Auszeit gönnt. Doch gerade die Auszeiten sind es, die das Leben lebenswert machen. Daher stehen sie im Zentrum der Betrachtungen dieser Studienarbeit. „Für Proust beispielsweise sind Auszeiten jene Momente, die unerwartet für die Dauer eines Blitzes ein kleines Quantum Zeit freizusetzen vermögen […]. Indem das Subjekt für einen Augenblick die Identität zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfährt, steht es außerhalb der Zeit“ (Muri 2010, S. 65) – man könnte auch sagen, dass Subjekt macht dann eine Pause.
Zu Beginn der Auseinandersetzung mit dieser Arbeit haben wir Pausen in erster Linie als einen von vielen Aspekten im Zusammenhang mit Zeitmanagement betrachtet. Wer in der Lage ist, regelmäßig Pausen zu machen, kann sich seine Zeit gut einteilen und effizient arbeiten, so war unsere Vermutung – auch wir sind Kinder unserer Zeit. Doch „Pausen" sind weit mehr als ein „notwendiges Übel“ im Sinne des Zeitmanagements. Pause hat eine Geschichte und ist eng verbunden mit dem menschlichen Individuum und mit der Zeit. Wer denkt, keine Zeit für eine Pause zu haben, sollte dringend eine einlegen.
Doch wie sehen Journalisten das in einer Zeit, in der selbst die Sendepause abgeschafft wurde? Inzwischen ist das Burnout-Syndrom zur Volkskrankheit unserer pausenlosen Arbeitsgesellschaft geworden. Betroffen sind davon vor allem Menschen die unter großem Zeitdruck und Stress arbeiten, aber auch Menschen, die sich mit ihrem Beruf so sehr identifizieren, dass sie aufgrund von Übereifer, Verausgabung und enttäuschten Erwartungen irgendwann „ausbrennen“. Journalisten und Redakteure gehören an vorderster Arbeitsfront zu denen, die immer häufiger von diesem Krankheitsbild betroffen sind - und unter Umständen dadurch berufsunfähig werden.
Eine der Ursachen ist der Anspruch, Teil einer pausenlosen Gesellschaft sein zu wollen in der wichtig erscheint, wer seine Zeit nicht mit Nichtstun vergeudet und zu jeder Zeit für alles bereit ist. Doch: „Pausen sind nicht nichts“ (Geißler, Karlheinz, A. (2010), S. 92) sagt der Zeitforscher Karlheinz Geißler. Und er hat Recht.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
TEIL A: BEDEUTUNG VON PAUSEN IN DER GESELLSCHAFT
1. Der Begriff „Pause“
1.1. Funktionen von Pausen
1.2. Größenordnungen von Pausen
2. Die Bedeutung von Pausen in der Gesellschaft
3. Die Arten von Pausen
3.1. Wochenende
3.2. Feiertage
3.3. Urlaub
3.4. Die Schulpause
3.5. Arbeitspausen im Berufsalltag
3.5. Zeitliche Einteilung von Arbeitspausen
3.6. Organisatorische Einteilung von Arbeitspausen
4. Die Entwicklung des Zeitverständnisses im Lauf der Geschichte
4.1. Formen der Zeit, des Zeitbewusstseins und des Zeitverständnisses
4.2. Historische Entwicklung von Zeit und Zeitbewusstsein
4.3. Zeitverständnis und -bewusstsein der Gegenwart
5. Die Rahmenbedingung für Pausen
5.1. Arbeit als Rahmenbedingung für Pausen (im Gegensatz zur Freizeit)
5.2. Definitionsansätze des Begriffs Arbeit
5.3. Arbeit in der römisch-griechischen Antike
5.4. Ambivalentes Arbeitsverständnis im Mittelalter
5.5. Beruf als Berufung - Arbeitsverständnis der Reformation
5.6. Arbeitsbegriff der bürgerlichen Gesellschaft
5.7. Arbeitsverständnis der Neuzeit
5.8. Zwischen Verwirklichung und „Entfremdung“
5.9. Arbeit im Schatten der Stoppuhr
5.10. Grundrecht auf Arbeit
5.11. Bedeutung von Arbeit in der Gegenwart
6. Die Geschichte von Pausen
6.1. Pause und Müßiggang im Mittelalter
6.2. Kritik am Müßiggang – Beispiel Martin Luther
6.3. Pausen im Fokus der Wissenschaft
6.4. Verordnete Pausen im 20. Jahrhundert
TEIL B: CHRONOBIOLOGIE – PAUSEN UND DER BIOLOGISCHE RHYTHMUS
7. Der Ursprung der Chronobiologie
7.1. Die Bunkerexperimente
7.2. Die innere Uhr
7.3. Die verschiedenen Rhythmen des Organismus
8. Der Tagesrhythmus
8.1. Die persönliche Leistungskurve
8.2. Phasen des Tagesrhythmus
8.3. Der 90-Minuten-Rhythmus
8.4. Die Bedeutung der Tiefs
8.5. Was den Rhythmus stört
9. Ermüdung – wichtiger Indikator für den Zeitpunkt von Pausen
9.1. Ermüdung – eine Begriffsbestimmung
9.2. Ermüdungsarten
9.3. Messbarkeit von Ermüdung
10. Die Wirkung von Pausen auf den menschlichen Organismus
10.1. Verschiedene Einflussfaktoren
10.2. Pausen im Tagesrhythmus
10.3. Ermüdung vorbeugen statt bekämpfen
10.4. Pausen zur Regeneration und Erholung
10.5. Pausen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit
10.6. Bedingungen für Erholpausen I – Zeitpunkte und Dauer
10.7. Problematik willkürlicher und maskierter Pausen
10.8. Motivationseffekt durch regelmäßige Pausen
10.9. Grundhaltung auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite
10.10. Soziale Funktion von Pausen
10.11. Einfluss der Kenntnis von Pausenwirkung
11. Die Gestaltung von Pausen
11.1. Pausenkultur
11.2. Pauseninfrastruktur
11.3. Pausenräume
11.4. Pausenernährung
12. Die Zielrichtung von Pausen
12.1. Pausenziele „Energie tanken“ und „Zur Ruhe kommen“
12.2. Pausenziele – „Etwas Anregendes machen“
12.3. Pausenziel – „Dampf ablassen“
12.4. Pausenziel „Etwas Sinnvolles tun“
13. Einstellung zu Pausen
TEIL C: IM ZENTRUM DER BETRACHTUNG: DER JOURNALIST
14. Definition „Journalist“
15. Tätigkeitsfelder: Wandel Rollen und Arbeitsweisen
15.1. Entwicklung des Journalismus im Radio
15.2. Studie „Journalismus in Deutschland II“
16. Rollenselbstverständnis des Journalistenberufs
16.1. Image von Journalisten in der Gesellschaft
16.2. Berufsmotivation und Rollenbilder
16.3. Aufgabenfelder von Journalisten
16.4. Idealistische Vorstellungen des Berufsbildes
16.5. Idealtypische, empirische und normative Rollenbilder
16.6. Das Selbstverständnis Deutscher Journalisten
16.7. Gesellschaftliche Einflüsse auf das Berufsbild
17. Zeit und Journalismus
18. Einfluss der Arbeitszeit auf Pausen
18.1. Tariflich geregelte Arbeits- und Pausenzeiten
18.2. Reelle Ausprägungen von Arbeitszeit
18.2. Zeitstrukturen von festen Redakteuren und freien Journalisten
19. Zeitmanagement von Journalisten
19.1. Exkurs: Links- und rechtshirniges Denken
19.2. Zeitdiebe im Journalismus – und wie man ihnen entkommt
20. Arbeitszufriedenheit von Journalisten
21. Motivationsstrategien und Arbeiten im Flow
21.1. Intrinsische Motivation
21.2. Motivation und Arbeit
21.3. Berufsarbeit und Flow
21.4. Zeitempfinden und Flow
21.5. Flow und Pausen
22. Stress und Burnout bei Journalisten
22.1. Wenn Stress krank macht – Burnout
22.2. Prävention
TEIL D: EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
23. Untersuchung: Pausenverhalten von Journalisten
23.1. Methodik
23.2. Fragebogen
23.3. Fragestellung und Hypothesen
23.4. Untersuchungsgruppe
24. Datenerhebung und Datenanalyse
24.1. Soziodemografie
24.2. Besonderheiten der Stichprobe
24.3. Assoziationen in Bezug auf Pausen
24.4. Pausenverhalten der Befragten
24.5. Soziale Kontakte
24.6. Pausenorte
24.7. Pausenaktivitäten
24.8. Ernährung
24.9. Bedeutung von Pausen
24.10. Pausen beeinflussende Faktoren
25. Auswertung und Diskussion
F1: Wie, wo und mit wem machen Journalisten Pause?
F2: Gibt es einen Unterschied im Pausenverhalten zwischen Frauen und Männern?
F3: Haben ältere Journalisten ein anderes Pausenverhalten als jüngere?
F4: Hat das Arbeiten in einer bestimmten Redaktion oder einem bestimmten Medium Einfluss auf das Pausenverhalten?
F6: Wie wirkt sich die Arbeitsweise von Journalisten auf deren Pausenverhalten aus?
F7: Wirkt sich das Selbstverständnis von Journalisten auf deren Pausenverhalten aus?
26. Zusammenfassung
27. Ausblick
TEIL E: ANHANG
28. Literaturverzeichnis
29. Fragebogen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit untersucht das Pausenverhalten von Journalisten in Deutschland durch eine quantitative, empirische Herangehensweise. Das primäre Ziel ist es, in einem explorativen Ansatz zu analysieren, wie Journalisten – trotz eines hohen Arbeitsdrucks und eines speziellen Berufsverständnisses – Pausen in ihren Alltag integrieren, welche Bedeutung sie ihnen beimessen und durch welche strukturellen sowie persönlichen Faktoren ihr Pausenverhalten geprägt wird.
- Bedeutung und Definition von Pausen im gesellschaftlichen und chronobiologischen Kontext.
- Entwicklung des Arbeitsbegriffs und dessen Auswirkungen auf das Pausenempfinden.
- Das Rollenselbstverständnis und die Arbeitswirklichkeit von Journalisten.
- Empirische Auswertung des Pausenverhaltens mittels Online-Fragebogen unter 78 Probanden.
- Zusammenhang zwischen Arbeitsweise, Stressbelastung und der Fähigkeit zur Regeneration.
Auszug aus dem Buch
3.6.1. Organisierte bzw. gesetzliche Pausen
Organisierte Pausen sind solche, die fester Bestandteil der Arbeitszeit in den jeweiligen Betrieben sind, bzw. zudem gesetzlich vorgeschrieben sind. „Dazu können gerechnet werden: die Mittagspause, die Verpflegungspausen und allfällige Kurzpausen“ (Grandjean 1991, S. 199 f). Bei gesetzlichen Pausen handelt es sich um „festgelegte Ruhepausen mit einer festgesetzten Mindestdauer und einem vorgegebenen Zeitpunkt. Sie dienen vorwiegend der Nahrungsaufnahme“ (Amon-Glassl 2003, S. 82).
Der vorgegebene Zeitpunkt wird branchenspezifisch vermutlich unterschiedlich gehandhabt. So liegt die Vermutung nahe, dass es bei Journalisten eher keine starr organisierten Pausen gibt. Im Gegensatz für die von Pornschlegel beschriebenen Branchen: „Die Zeiten zur Unterbrechung der Tätigkeit zum Zwecke der Erholung werden für Arbeitsgruppen, Werkstätten oder Büros angezeigt (optisch oder akustisch). Diese Form der Pause kommt überall da in Frage, wo eine verhältnismäßig starke Bindung des Menschen an Maschinen oder Arbeitsverfahren gegeben ist, zugleich aber ein etwa gleicher Erholungsbedarf für die Arbeitenden vorliegt. Typisch hierfür ist die Fließfertigung oder mengenteilige Werkstattfertigung; dies gilt aber auch z.B. für zentrale Schreibbüros oder Tätigkeiten von Datatypistinnen“ (Pornschlegel et al. 1984, S. 195).
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Diese Einführung beleuchtet die Allgegenwart von Zeitdruck und Stress in der heutigen Gesellschaft und führt in die Problematik ein, warum Auszeiten gerade für Journalisten als gefährdete Berufsgruppe essenziell sind.
Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab und erläutert die interdisziplinäre Vorgehensweise, die von der gesellschaftlichen und chronobiologischen Bedeutung der Pause bis hin zur empirischen Untersuchung journalistischen Handelns reicht.
TEIL A: BEDEUTUNG VON PAUSEN IN DER GESELLSCHAFT: Dieser Abschnitt definiert den Begriff Pause und analysiert deren historische Bedeutung, sowie die Entwicklung des Arbeitsbegriffs als Rahmenbedingung, die das moderne Pausenverständnis maßgeblich beeinflusst hat.
TEIL B: CHRONOBIOLOGIE – PAUSEN UND DER BIOLOGISCHE RHYTHMUS: Hier werden die biologischen Grundlagen behandelt, insbesondere wie menschliche Rhythmen, Ermüdung und die „innere Uhr“ die Notwendigkeit von Pausen physiologisch begründen.
TEIL C: IM ZENTRUM DER BETRACHTUNG: DER JOURNALIST: In diesem Teil wird das komplexe Berufsbild des Journalisten definiert und untersucht, wie Faktoren wie Rollenselbstverständnis, Zeitmanagement und die hohe psychische Belastung (Stress/Burnout) auf das Pausenverhalten einwirken.
TEIL D: EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Dieser Abschnitt dokumentiert die Durchführung, Methodik und Ergebnisse der Online-Umfrage, welche das tatsächliche Pausenverhalten und dessen Einflussfaktoren bei den befragten Journalisten beleuchtet.
Schlüsselwörter
Journalismus, Pausenverhalten, Zeitmanagement, Arbeitsbelastung, Chronobiologie, Burnout-Prävention, Work-Life-Balance, Stressbewältigung, Regenerationsphasen, Redaktionsalltag, Flow-Erleben, Arbeitszeitgestaltung, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Pausenverhalten von Journalisten als Berufsgruppe, die häufig unter hohem Termindruck steht, und analysiert, inwieweit diese Pausen zur Regeneration genutzt werden.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Die zentralen Themen sind die historische und gesellschaftliche Einordnung von Pausen, die biologische Notwendigkeit von Ruhezeiten (Chronobiologie) sowie das spezifische Berufsbild und die Arbeitswirklichkeit von Journalisten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, explorativ zu klären, wie Journalisten in ihrem Berufsalltag Pausen wahrnehmen, gestalten und durch welche Faktoren – etwa das Rollenselbstverständnis oder die Unternehmenskultur – ihr tatsächliches Pausenverhalten beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären theoretischen Ansatz (Soziologie, Arbeitswissenschaft, Chronobiologie) und kombiniert diesen im empirischen Teil mit einer quantitativen Online-Umfrage unter Journalisten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Zeitverständnis, Arbeitsgeschichte), physiologische Aspekte (Ermüdung, Tagesrhythmus) und die spezifische Analyse des journalistischen Arbeitsalltags im Hinblick auf Zeitdruck, Burnout-Risiken und Motivationsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Journalismus, Pausenverhalten, Zeitmanagement, Chronobiologie und Burnout-Prävention definiert.
Was bedeutet „maskierte Pause“ in diesem Kontext?
Unter einer maskierten oder kaschierten Pause versteht die Arbeit Nebenbeschäftigungen, die nicht zur Erledigung des Arbeitsauftrags notwendig sind und die der Arbeitnehmer nutzt, um eine Pause zu verschleiern, da er sie sich aus Angst vor negativen Konsequenzen nicht offiziell nehmen kann.
Welches Ergebnis liefern die empirischen Daten hinsichtlich der Mittagspause?
Die Umfrage ergab, dass die Mittagspause für Journalisten einen ritualisierten festen Bestandteil darstellt, wobei vor allem die Kantine als Ort der sozialen Interaktion und Kommunikation mit Kollegen bevorzugt wird.
- Quote paper
- Katalin Valeš (Author), Ulrike Sommerfeld (Author), 2010, Pausen im journalistischen Berufsalltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159767