In dieser Arbeit möchte ich die entwicklungspsychologische Bedeutung der Objektiven Selbstaufmerksamkeitstheorie für institutionalisiertes Lernen analysieren. Diese Aufgabe erfordert zunächst die Schaffung eines theoretischen Bezugsrahmens, indem die Theorie der OSA detailliert dargestellt und mit Alttagsbeispielen, sowie konkreten Experimenten veranschaulicht wird.
Nach Aufbau des theoretischen Grundgerüstes soll im nächsten Teil die Anwendung der OSA auf den schulischen Alltag stattfinden. In Anbetracht der Zeit werde ich ein Set von ausgewählten Anknüpfpunkten aus dem Schulalltag auswählen, auf die die theoretischen Erkenntnisse der objektiven Selbstaufmerksamkeitstheorie angewendet werden sollen. Bei
der Auswahl der zu analysierenden Aspekte habe ich darauf geachtet, verschiedene Bereiche auszuwählen. So werde ich auf schulische Interaktionen, intrapersonale Aspekte, Unterrichtsgestaltung und Leistungsverhalten eingehen. Dabei soll einerseits der Mehrwert der theoretischen Erkenntnisse untersucht, wie also die Erkenntnisse konstruktiv genutzt werden können; es soll aber auch immer kritisch hinterfragt werden, welche Probleme in der in der Praxis aufkommen können. Nach Darstellung und Anwendung der Theorie soll diese kritisch beleuchtet werden, um Stärken und Schwächen herauszustellen. Ich werde an dieser Stelle teilweise die Weiterentwicklung der Theorie durch Fenigstein et al. hinzuziehen. Dies hat folgenden Grund: Wie die Darstellung zeigen wird, verfolgen die die beiden Theorien zwei völlig unterschiedliche Ansätze: Während Duval und Wicklund einen situativen Zugriff verfolgen, Selbstaufmerksamkeit also als situationsabhängig begreifen, greifen Fenigstein et al. das
Thema aus dispositionaler Sicht auf, nach dem Selbstaufmerksamkeit ein konsistentes Persönlichkeitsmerkmal darstellt. Zwei so grundverschiedene Ansätze einzubeziehen, dient meiner eigenen Horizonterweiterung und der Erleichterung, Unplausibilitäten und Schwachstellen besser aufzudecken. Die Arbeit schließ mit einem
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Ursprüngliches Anliegen der Theorie
2.2 Effekte von OSA
2.3 Kausalattribution und Diskrepanzreduktion
3. Anwendung
4. Kritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die entwicklungspsychologische Bedeutung der Theorie der Objektiven Selbstaufmerksamkeit (OSA) für das institutionalisierte Lernen, um zu untersuchen, wie theoretische Erkenntnisse konstruktiv in den schulischen Alltag integriert werden können.
- Grundlagen und Definitionen der OSA nach Duval und Wicklund
- Die Rolle situativer Reize und interner Richtigkeits-Standards
- Mechanismen der Diskrepanzreduktion bei Leistungsanforderungen
- Anwendungspotenziale der OSA in der Unterrichtsgestaltung
- Kritische Reflexion der Theorie und alternative dispositionale Ansätze
Auszug aus dem Buch
Effekte von OSA
Im folgenden sollen die Effekte von OSA betrachtet werden: Duval und Wicklund nehmen an, dass OSA Personen nicht einfach neutral auf sich als Objekt reagieren, sondern sie sich unmittelbar, nachdem der objektive Zustand auftaucht, evaluieren. Dass aber überhaupt Evaluation stattfinden kann, setzt natürlich voraus, dass wir Zugriff auf ein internalisiertes System von Richtigkeits-Standards haben, anhand derer das eigene Verhalten abgeglichen werden kann. Die Summe dieser Standards könnte definiert werden als das, was für uns eine korrekte/perfekte Person darstellt. Je nach Situation oder Vorerfahrung der Person ist ein bestimmter Aspekt dieses Systems zugänglich. Dass Verhaltensstandards situationsabhängig sind, soll das folgende Beispiel zeigen: Nehmen wir den Verhaltensstandard – im Imperativ ausgedrückt „Du sollst lustig sein und Deine Mitmenschen durch Witze erheitern!“ Mit diesem Verhaltenskriterium fährt man beim ersten Date mit seinem Schwarm mit Sicherheit richtig (wenn die Witze lustig sind). Bezieht man den selben Standard auf eine andere Situation wie z.B. wenn jemand eine Rede auf einer Beerdigung hält, kommt man nicht gut an und wird viele böse Blicke ernten oder sogar gebeten zu gehen.
Der erste Effekt von OSA ist also nach D+W, dass wir uns der in der Situation aktivierten Norm bewusst werden und anschließend ein Abgleich zwischen dieser Norm und unseres Selbst (also zwischen Ist und Soll) stattfindet. In der Realität fallen die Diskrepanzen zwischen Korrektheitsanspruch und Selbst meist negativ aus. Dies kann sich als Frustration oder Angst ausdrücken. An dieser Stelle soll ein Beispiel aus der Schule helfen, um das bisher Gesagte zu veranschaulichen: Stephan wird von seinem Deutschlehrer nach vorne gebeten, ein Referat, dass alle zu heute vorbereiten sollten, vorzutragen. Allein die Situation, dass Stephan allein vor der ganzen Klasse steht und sein Wissen vor Publikum unter Beweis stellen muss, wird OSA induzieren. Dieser Zustand kann noch verstärkt werden, wenn z.B. Mitschüler tuscheln während sie ihn ansehen. Die Norm: „Ich sollte jetzt keinen Fehler machen und flüssig reden“ wird aktiviert. Schon bald merkt Stephan, dass er nicht so gut ist, wie die Norm es verlangt. Er wurde schon dreimal verbessert und verhaspelt sich immer öfter. Die Diskrepanz zwischen ist und soll zustand wird immer größer. Stephan fühlt sich schlecht, er bekommt vielleicht Herzrasen und ein glühendes Gesicht und hat Sorge, dass er eine schlechte Note bekommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit dargelegt, die Bedeutung der OSA für das institutionelle Lernen zu untersuchen und sowohl situative als auch dispositionale Ansätze kritisch zu verknüpfen.
2. Theorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen von Duval und Wicklund zur objektiven Selbstaufmerksamkeit, die Dichotomie von Aufmerksamkeit sowie die Mechanismen der normativen Evaluation.
3. Anwendung: Hier werden praktische Ableitungen für den Schulalltag diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Lernsteuerung, Gruppenarbeit und Feedback-Kultur.
4. Kritik: Die Theorie wird kritisch beleuchtet, wobei bemängelt wird, dass sie zwar breite Anwendung findet, aber an Präzision hinsichtlich konkreter Handlungsanleitungen mangelt.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass OSA ein zentraler Faktor für den Lernerfolg ist und ein bewusster, pädagogisch gesteuerter Umgang damit essenziell für die Schule ist.
Schlüsselwörter
Objektive Selbstaufmerksamkeit, OSA, SSA, Duval, Wicklund, institutionalisiertes Lernen, Diskrepanzreduktion, Verhaltensstandard, Attributionstheorie, Schulisches Lernen, Selbststeuerung, Fenigstein, Persönlichkeitsmerkmal, Feedback, Unterrichtsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die entwicklungspsychologische Bedeutung der Theorie der Objektiven Selbstaufmerksamkeit für den schulischen Kontext und das institutionalisierte Lernen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernpunkten gehören die theoretischen Grundlagen der Selbstaufmerksamkeit, ihre Effekte auf das Verhalten sowie die Anwendung dieser psychologischen Erkenntnisse im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Mehrwert der OSA-Theorie für den Bildungsbereich zu analysieren und aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler beim bewussten Umgang mit ihrer Aufmerksamkeit unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch die Literatur (Duval, Wicklund, Fenigstein et al.) und deren Anwendung sowie kritische Reflexion anhand von praxisnahen Beispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Darlegung des Konstrukts, eine Analyse von Effekten bei Diskrepanzen zwischen Selbst und Norm sowie die Übertragung dieser Erkenntnisse auf schulische Interaktionen und Leistungsverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Objektive Selbstaufmerksamkeit, Lernsteuerung, Verhaltensstandards, Diskrepanzreduktion und pädagogische Anwendung.
Warum wird zwischen "subjektiver" und "objektiver" Selbstaufmerksamkeit unterschieden?
Die Unterscheidung basiert darauf, ob das Individuum handelndes Subjekt (SSA) oder Objekt seiner eigenen Aufmerksamkeit (OSA) ist, wobei letzteres einen Abgleich mit internen Normen ermöglicht.
Welche Rolle spielt die "Diskrepanzreduktion" bei schulischen Referaten?
In einer Stresssituation, wie einem Referat, führt die OSA dazu, dass Diskrepanzen zwischen dem eigenen Ist-Zustand und dem Soll-Standard (z.B. "flüssig reden") wahrgenommen werden, was Anpassungsdruck erzeugt.
Warum ist das Beispiel des Fahranfängers für die Kritik an der Theorie relevant?
Das Beispiel verdeutlicht, dass die Theorie zwar erklärt, dass eine hohe OSA in Stresssituationen hinderlich ist, jedoch keine konkreten Schritte liefert, wie der Anwender dieses Wissen handlungsorientiert nutzen kann.
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- Margaretha Armbrüster (Author), 2008, Objektive Selbstaufmerksamkeit und institutionalisiertes Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159372