Die Anfängerquoten bei akademischen und nicht-akademischen Ausbildungen sind über viele Jahre hinweg permanenten Schwankungen unterworfen. Auch die Nachfrage nach bestimmten Studienfachgruppen fluktuiert im Zeitverlauf. Produktivitätsschocks können alleine diese Phänomene nicht erklären.
Es wird ein einfaches verhaltenswissenschaftliches Modell entworfen, das versucht die Fluktuationen bei der Nachfrage nach Bildung endogen zu erklären. Die Agenten sind bei der Wahl der Ausbildung begrenzt rational wobei sie ihre Bildungsentscheidung nach der Attraktivität einer Ausbildung ausrichten. Die Attraktivität einer Ausbildung richtet sich nach den Löhnen, die die Absolventen der Ausbildung aktuell erhalten und wird durch Herdenverhalten beeinflusst.
Im Modell senken Studiengebühren die Studienanfängerquote und verstärken die Lohnungleichheit zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern. Ein Mindestlohn in der richtigen Höhe dämpft die volatile Nachfrage nach Bildung und bringt somit positive Wohlfahrtseffekte mit sich.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 MOTIVATION
3 EIN EINFACHES MODELL MIT AKADEMIKERN UND NICHT-AKADEMIKERN
3.1 MODELLSTRUKTUR
3.2 MODELLBAUSTEINE
3.2.1 Attraktivitätsfunktionen
3.2.2 Lohnfunktionen
3.2.3 Gewichtungsfunktionen
3.3 SIMULATION
3.4 ANALYSE
4 ERWEITERUNGEN UND MODIFIKATIONEN DES MODELLS
4.1 STUDIENGEBÜHREN
4.1.1 Modellbausteine
4.1.2 Simulation
4.1.3 Analyse
4.2 MINDESTLÖHNE
4.2.1 Modellbausteine
4.2.2 Simulation
4.2.3 Analyse
4.3 STUDIENFACHWAHL
4.3.1 Modellbausteine
4.3.2 Simulation
4.3.3 Analyse
4.4 STOCHASTISCHE STÖRUNGEN
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die permanenten Fluktuationen bei der Nachfrage nach akademischer und nicht-akademischer Bildung durch ein endogenes, verhaltenswissenschaftliches Modell zu erklären. Anstatt exogene Schocks vorauszusetzen, konzentriert sich die Arbeit auf die Wirkung von Bildungsentscheidungen, die auf begrenzter Rationalität und Herdenverhalten der Akteure basieren.
- Entwicklung eines agentenbasierten Modells zur Nachfrage nach Bildung
- Analyse der Dynamik von Löhnen und Bildungsentscheidungen
- Untersuchung der Auswirkungen von Studiengebühren
- Evaluierung von Mindestlöhnen auf die Bildungsnachfrage
- Modellierung der Dynamik bei der Studienfachwahl
- Einbezug stochastischer Störungen für eine realitätsnähere Simulation
Auszug aus dem Buch
3.1 Modellstruktur
Die Agenten können zwischen einer akademischen und einer nicht-akademischen Ausbildung wählen. Bei der Wahl wägen sie ab, welche Ausbildung sie bevorzugen. Dabei betrachten sie einen für die Wahl ausschlaggebenden Faktor bewusst und werden darüber hinaus von einem zweiten Faktor unbewusst bei der Wahl beeinflusst.
Der erste Faktor sind die Löhne, die den Absolventen des jeweiligen Bildungswegs gezahlt werden. Je höher die Löhne sind, desto mehr Agenten wählen die Ausbildung mit der die hohen Löhne erzielt werden. Die Löhne wiederum sind umso höher je weniger Absolventen es in diesem Bildungsweg gibt.
Der zweite, unbewusste Faktor der bei der Wahl der Ausbildung eine Rolle spielt ist die Anzahl der Absolventen, die die entsprechende Ausbildung absolviert haben. Je mehr Absolventen einer Ausbildung es gibt, desto wahrscheinlicher entscheiden sich die Agenten für diese Ausbildung und umso mehr von ihnen gibt es. Die Agenten unterliegen somit auch einem gewissen Herdenerhalten.
Wenn die Agenten die Ausbildung abgeschlossen haben, ist deren Lohn umso geringer je mehr Absolventen es mit derselben Ausbildung gibt. Damit haben sie einen Einfluss über die Lohnauswirkung auf die Entscheidung der Agenten, die nun vor der Bildungswahl stehen. Zudem beeinflusst ihre Anzahl die Agenten bei der Bildungswahl durch das Herdenverhalten. Die Agenten treffen ihre Bildungsentscheidung und das Muster setzt sich wieder fort.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit beleuchtet die weltweiten, volatilen Schwankungen der Studienanfängerquoten und deren ökonomische Relevanz.
2 MOTIVATION: Es wird die begrenzte Rationalität der Akteure und das Herdenverhalten als zentrale Motive für die Modellbildung hergeleitet.
3 EIN EINFACHES MODELL MIT AKADEMIKERN UND NICHT-AKADEMIKERN: Einführung der Modellstruktur, der Attraktivitäts- und Lohnfunktionen sowie der Simulation des Grundmodells.
4 ERWEITERUNGEN UND MODIFIKATIONEN DES MODELLS: Analyse der Effekte von Studiengebühren, Mindestlöhnen, Studienfachwahl sowie der Implementierung stochastischer Störungen.
5 FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach endogene Fluktuationen durch das Modell plausibel erklärt und durch politische Maßnahmen beeinflusst werden können.
Schlüsselwörter
Bildungsnachfrage, Studienanfängerquote, Verhaltenswissenschaftliches Modell, Agentenbasiertes Modell, Herdenverhalten, Begrenzte Rationalität, Lohnfunktionen, Studiengebühren, Mindestlohn, Studienfachwahl, Endogene Fluktuationen, Arbeitsmarkt, Humankapital, Humankapitaltheorie, Dynamische Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht endogene Ursachen für die permanenten und volatilen Schwankungen bei der Nachfrage nach akademischer und nicht-akademischer Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Bildungsökonomie, verhaltenswissenschaftliche Aspekte der Bildungsentscheidung, die Lohnbildung sowie die Auswirkungen politischer Eingriffe wie Gebühren oder Mindestlöhne.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Entwurf eines verhaltenswissenschaftlichen Modells, das die beobachteten Fluktuationen der Bildungsnachfrage ohne Rückgriff auf externe Schocks endogen erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein agentenbasiertes Modell verwendet, welches mittels Computersimulationen ausgewertet und durch Bifurkationsanalysen auf das Verhalten bei unterschiedlichen Parameterkonstellationen geprüft wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in ein Grundmodell sowie dessen Modifikationen, insbesondere hinsichtlich Studiengebühren, Mindestlöhnen und der Studienfachwahl unter Einbezug von Störfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bildungsnachfrage, Herdenverhalten, begrenzte Rationalität, Studienanfängerquote und endogene Dynamik sind die prägenden Begriffe.
Wie beeinflussen Studiengebühren laut Modell die Bildungsnachfrage?
Studiengebühren senken die Attraktivität des akademischen Studiums, was kurzfristig zu einer geringeren Studienanfängerquote führt, aber gleichzeitig die Lohnungleichheit zwischen Absolventen der beiden Bildungswege verstärken kann.
Was bewirkt die Einführung eines Mindestlohns im Modell?
Ein Mindestlohn in der richtigen Höhe kann die Volatilität der Bildungsnachfrage dämpfen, indem er das Lohnniveau bei den Nicht-Akademikern stützt und extreme Ausschläge reduziert.
Warum ist das Herdenverhalten im Modell wichtig?
Das Herdenverhalten simuliert den unbewussten Einfluss der Absolventenzahl auf die Bildungsentscheidungen neuer Agenten, was zur Entstehung zyklischer Dynamiken im Modell beiträgt.
- Quote paper
- Robert Bajura (Author), 2010, Endogene Fluktuationen bei der Nachfrage nach Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159251