Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Erich Kästner unter dem Gesichtspunkt der Moral. Dabei soll beispielhaft darauf eingegangen werden, wie sich Moralvorstellungen entlang einer Biografie entwickeln und auf einen Lebenslauf auswirken. So soll zum Beispiel der moralische Konflikt Kästners zu Zeiten des Naziregimes beleuchtet werden.
Das erste Kapitel widmet sich der Frage nach der Definition des Begriffs Moral im Allgemeinen.
Im nächsten Kapitel wird dann der Moralbegriff konkret auf Erich Kästner angewendet. Kästner verstand sich selbst als einen Moralisten. Wie er zu dieser Einstellung gelangte, und wie diese sich auf sein Leben und seine Werke auswirkte wird in vier Unterkapiteln genauer erläutert.
Im nächsten Abschnitt wird Kästners Menschenbild im Allgemeinen betrachtet. Als Grundpfeiler der Moral verstand Kästner die Vernunft und machte es sich zur Aufgabe, diese in seinen Werken den Menschen zu vermitteln.
Was passiert, wenn die eigenen Moralvorstellungen nicht mit den gesellschaftlichen Vorstellungen konform gehen, wird im dritten Kapitel betrachtet. Inwiefern geht man – in diesem Fall Erich Kästner – Kompromisse ein? Welche Konsequenzen hat ein Publikationsverbot für das eigene Selbstbild? Welche Vorwürfe musste Kästner sich anhören oder gar selber machen?
Aber auch nach 1945 stellt sich die Frage nach Moral und Vergangenheitsbewältigung. Gegen Kriegsende schrieb Kästner Tagebuch, welches später unter dem Titel Notabene 45 veröffentlicht wurde. In dem Buch spiegelt sich die allgemeine Verunsicherung, denn nach dem Krieg „wird aus Unrecht, das Recht geworden war, wieder Unrecht.“ Neue Zeitungen entstehen, um den Bürgern neue Werte zu vermitteln – was sich auch Kästner zur Aufgabe macht. Diese Themen behandelt das vierte Kapitel.
Im darauffolgenden Abschnitt wird anhand Kästners Biografie rekonstruiert, wie er zu seinen Moralvorstellungen kam.
Im sechsten Kapitel geht es darum, wem Kästner seine Werte vermitteln wollte und welche Wege und Medien er dafür nutzte. Seine Verbreitungswege waren, abgesehen von den zwölf Jahren während des NS-Regimes, breit gefächert. Aber selbst als verbotener Autor wurde seine „Gebrauchslyrik“ begehrt und heimlich gelesen.
Wie sich seine Moralvorstellungen in seinem bekanntesten satirischen Erwachsenenroman Fabian.
Im Fazit werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
01. Was versteht man allgemein unter dem Begriff „Moral“?
02. Kästner – ein Moralist
02.a) Kästners politischen Moralvorstellungen
02.b) Kästners Menschenbild
02.c) Kästner und die Frauen
02.d) Kästner und die Kinder
03. Was passiert, wenn die eigenen Moralvorstellungen nicht mit den gesellschaftlichen Vorstellungen konform gehen?
04. Moral nach 1945
05. Wie kommt Kästner zu seinen Wertvorstellungen?
06. Wem vermittelt Kästner seine Werte?
07. Wie zeigen sich Kästners Moralvorstellungen in seinem Werk Fabian. Die Geschichte eines Moralisten?
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Entwicklung und Auswirkung von Moralvorstellungen im Leben und Werk von Erich Kästner. Dabei wird insbesondere der moralische Konflikt des Autors während des NS-Regimes beleuchtet und analysiert, wie er seine ethischen Prinzipien in seinen Schriften, insbesondere im Roman "Fabian", sowie in seinen Kinderbüchern verarbeitete.
- Entwicklung und Wandel des Moralbegriffs unter besonderer Berücksichtigung von Kants Ethik.
- Kästners politisches Selbstverständnis als Moralist, Pazifist und Aufklärer.
- Die moralische Zerrissenheit und das "Versteckspiel" unter dem Druck der NS-Diktatur.
- Die Darstellung von gesellschaftlicher Verantwortung und individueller Moral im Roman "Fabian".
- Der Einfluss von Erfahrungen, wie etwa dem Ersten Weltkrieg und der Gründerkrise, auf Kästners Menschenbild.
Auszug aus dem Buch
2.a) Kästners politischen Moralvorstellungen
Erich Kästner war links-liberal geprägt und hat das als Journalist und Lyriker immer wieder zum Ausdruck gebracht. Seine politischen Vorstellungen sind z.T. wohl aus eigenen Erfahrungen entstanden, aber auch von Professoren und Zeitungsmitarbeitern beeinflusst. Schon früh wurde Kästner zum Pazifisten: In seiner einjährigen Ausbildung zum Offiziersanwärter wurde er von einem sadistischen Ausbilder gequält, so dass er zum Einen einen Herzfehler bekam und zum Anderen den Krieg und das Militär hasste. Beides sollte ihn ein Leben lang begleiten.
Bereits 1920 veröffentlichte Kästner erste Zeitungsartikel, 1923/24 bekam er seine erste feste Anstellung bei der Neuen Leipziger Zeitung (NLZ) als Redakteur. Weiterhin schrieb er für diverse andere, meist linksgerichtete und anerkannte Zeitungen. Der linksliberale Feuilletonchef Hans Natonek, unter dem Kästner arbeitete, wurde zum Vorbild. Er orientierte seine Theaterkritiken an denen Natoneks und wurde von diesem widerum ermutigt ins politische Tagesgeschäft einzusteigen. 1926 folgte der Wechsel in die politische Redaktion unter Richard Lehmann.
Besonderes Augenmerk hatte Kästner auf die Schulpolitik, weil er Kinder liebte und in ihnen die Chance auf eine bessere Zukunft sah. Auf die Forderung nach „vermehrter Schulaufsicht“ des Leipziger Oberbürgermeisters, die aufgrund der alle gesellschaftlichen Schichten vereinenden Volksschule vor allem von bürgerlichen und rechtsstehenden Eltern unterstützt wurde, reagierte Kästner ungehalten und fragte in einem Artikel: „Was wird unsere Jugend, wenn sie einst Deutschlands Zukunft sichern muß, nötiger haben? Großes Wissen oder freies Urteil? Enormes Gedächtnis oder äußerste Entschlossenheit?“
Zusammenfassung der Kapitel
01. Was versteht man allgemein unter dem Begriff „Moral“?: Dieses Kapitel beleuchtet die etymologischen Wurzeln und die begriffliche Unterscheidung zwischen deskriptiver und präskriptiver Moral unter Einbeziehung Kants.
02. Kästner – ein Moralist: Hier wird Kästner als Aufklärer und Urenkel der deutschen Aufklärung porträtiert, dessen schriftstellerischer Auftrag eng mit der Vermittlung von Moral verknüpft war.
02.a) Kästners politischen Moralvorstellungen: Es wird dargelegt, wie Kästners Pazifismus und linksliberale Haltung durch eigene traumatische Erfahrungen und prägende Vorbilder entstanden sind.
02.b) Kästners Menschenbild: Das Kapitel analysiert Kästners trotz vieler Enttäuschungen beibehaltenen Glauben an das Gute im Menschen, insbesondere bei Kindern.
02.c) Kästner und die Frauen: Hier wird das komplexe Verhältnis zu seiner Mutter sowie die freizügige Lebensweise des Autors im Kontrast zu seinen moralischen Überzeugungen beleuchtet.
02.d) Kästner und die Kinder: Dieser Abschnitt beschreibt Kästners Kinderbücher als Gesellschaftsutopien, in denen Vernunft und Verantwortung zentrale Rollen einnehmen.
03. Was passiert, wenn die eigenen Moralvorstellungen nicht mit den gesellschaftlichen Vorstellungen konform gehen?: Das Kapitel erörtert den moralischen Konflikt Kästners während des NS-Regimes, der ihn zu lebensgefährlichen Kompromissen zwang.
04. Moral nach 1945: Es geht um die Schwierigkeiten der Vergangenheitsbewältigung und die moralische Ratlosigkeit in der Nachkriegszeit.
05. Wie kommt Kästner zu seinen Wertvorstellungen?: Hier wird Kästners Biografie, vom Aufwachsen in der Gründerkrise bis hin zu den prägenden Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, als Ursprung seines Wertesystems rekonstruiert.
06. Wem vermittelt er seine Werte?: Der Autor reflektiert die verschiedenen Verbreitungswege von Kästners Schriften, von seiner Kinderbuchautor-Tätigkeit bis zum Journalismus.
07. Wie zeigen sich Kästners Moralvorstellungen in seinem Werk Fabian. Die Geschichte eines Moralisten?: Abschließend wird der Roman als Warngeschichte analysiert, die den Leser zur kritischen Reflexion über Verantwortung und Moral anregt.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Moral, Ethik, Fabian, Pazifismus, Nationalsozialismus, Kinderliteratur, Vernunft, Aufklärung, politisches Engagement, innere Emigration, gesellschaftliche Verantwortung, Doppelmoral, Zeitgeschichte, Gewissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die moralischen Vorstellungen Erich Kästners, wie sie sich in seinem Leben und seinen literarischen Werken manifestieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das moralische Handeln im Spannungsfeld zwischen persönlicher Überzeugung und politischem Zwang, der Einfluss der Biografie auf Werte sowie die pädagogische Komponente in Kästners Kinderbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Moralvorstellungen entlang einer Biografie entstehen und welchen Herausforderungen ein Moralist wie Kästner während der NS-Diktatur gegenüberstand.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine biographisch-literaturwissenschaftliche Analyse, die Kästners Texte und Tagebuchaufzeichnungen (insb. "Notabene 45") in den historischen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kästners Selbstverständnis, seinen politischen Ansichten, seinem Menschen- und Frauenbild sowie der detaillierten Analyse des moralischen Konflikts während des NS-Regimes und nach 1945.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Moral, Erich Kästner, Aufklärung, Verantwortung, Pazifismus und Zeitkritik.
Warum emigrierte Kästner nicht während der NS-Zeit?
Kästner wollte nach eigener Aussage die Zeit des NS-Regimes vor Ort miterleben, um später eine authentische Chronik verfassen zu können, und er wollte zudem seine Mutter nicht alleine zurücklassen.
Welche Rolle spielt der Roman "Fabian" in dieser Untersuchung?
Der Roman dient als zentrales Fallbeispiel, da er Kästners satirische Auseinandersetzung mit der moralischen Verkommenheit seiner Zeit und die Problematik der Verantwortung des Einzelnen besonders prägnant widerspiegelt.
- Quote paper
- Angelika Otto (Author), 2008, Erich Kästner und die Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159218