Die vorliegende Arbeit verfolgt dabei das Ziel, bestehende Konzepte der interkulturellen und antirassistischen Arbeit hinsichtlich ihres theoretischen Hintergrundes zu reflektieren,um aus der kritischen Diskussion beider Theoriestränge Weiterentwicklungsmöglichen für die pädagogische Arbeit aufzeigen zu können. Neben der kritischen Analyse der theoretisch-konzeptionellen Ebene der interkulturellen und antirassistischen Pädagogik soll zudem ein Blick in die pädagogische Praxis geworfen werden. Um die Handlungsrelevanz für die Pädagogik zu verdeutlichen, wird zu Beginn ein Blick in Studien und Untersuchungen zur Entwicklung und Verbreitung aktueller rassistischer Denkmuster und Strukturen in der Bundesrepublik Deutschland geworfen;
Für eine Bewertung bestehender Konzepte ist es notwendig, in einem ersten Schritt das komplexe Phänomen Rassismus ausführlich zu analysieren, um sich seines historischen Hintergrundes und seiner zugrundeliegenden Ursachen bewusst zu werden.
Neben einem Blick in die Entstehungsgeschichte, auf ausgewählte Definitionen sowie begriffliche Klärungen und Abgrenzungen wird in diesem Teil der Arbeit besonders auf einige ausgewählte psychologische und soziologische Modelle zur Erklärung von Rassismus
eingegangen. Aufgrund der Erkenntnisse der Analyse soll dann ein Arbeitskonzept entwickelt werden, das einen Ausgangspunkt für die Bewertung der interkulturellen und antirassistischen Konzepte bildet.
Daran anschließend sollen die interkulturellen und antirassistischen Handlungsstrategien vorgestellt und kritisch analysiert werden.
Im letzten Teil der Arbeit sollen schließlich Konsequenzen und Herausforderungen für pädagogische Konzepte gegen Rassismus aufgezeigt werden, die sich aus den Schwachpunkten bestehender Konzepte ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 RASSISMUS IN DEUTSCHLAND
3 RASSISMUSANALYSE
3.1 Historische Entstehung der Begriffe „Rasse“ und Rassismus
3.1.1 Die „Rassen“- Idee zur Zeit der Aufklärung
3.1.2 Das „Rasse“-Konzept im 19. Jahrhundert
3.1.3 Bedeutung des Rassenkonzepts im 20. Jahrhundert
3.1.4 Entstehung des Begriffs Rassismus
3.1.5 Fazit der historischen Entstehungsgeschichte
3.2 Definitionen von Rassismus
3.2.1 Albert Memmi: Rassismus als Wertung von Unterschieden
3.2.2 Rassismus als soziale Konstruktion
3.2.3 Alltagsrassismus von Philomena Essed
3.3 Begriffsabgrenzungen
3.3.1 Ausländerfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Ethnizität und Ethnozentrismus
3.3.2 Rechtsextremismus, Rechtradikalismus, Neofaschismus und Neonazismus
3.4 Modelle zur Erklärung von Rassismus
3.4.1 Psychologische Modelle zur Erklärung von Rassismus
3.4.1.1 Klassische Vorurteilsforschung: Gordon Allports Natur des Vorurteils
3.4.1.2 Charakterstudien von Adorno
3.4.1.3 Theorie der sozialen Repräsentation
3.4.2 Soziologische Erklärungsmodelle
3.4.2.1 Individualisierungsthese
3.4.2.2 Ökonomische Ansätze
3.4.2.3 Ideologietheoretische Ansätze
3.4.2.4 Diskursanalytische Ansätze
3.5 Arbeitskonzept von Rassismus
4 Interkulturelle Handlungsstrategien
4.1 Entstehung und Entwicklung interkultureller Pädagogik: Von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Pädagogik
4.1.1 Ausländerpädagogik
4.1.2 Interkulturelle Pädagogik
4.2 Konzepte und Ziele interkultureller Pädagogik
4.2.1 Motive und Grundlagen interkultureller Konzepte
4.2.2 Ziele interkultureller Erziehung und Bildung nach Nieke
4.2.3 Umgang mit Differenz und antirassistische Erziehung als Konzepte interkultureller Pädagogik
4.2.3.1 Umgang mit Differenz
4.2.3.2 Antirassistische Erziehung
4.3 Reflexion (problematischer) Begriffe interkultureller Pädagogik im erziehungswissenschaftlichen Diskurs
4.3.1 Das Kulturverständnis und kulturelle Identitäten
4.3.2 Der Begriff Ethnizität im erziehungswissenschaftlichen Diskurs
4.4 Interkulturelle Trainings- und Fortbildungskonzepte in der außerschulischen Bildungsarbeit
4.4.1 Interkulturelle Trainings – ein Überblick
4.4.2 Interkulturelle Kompetenz in Fort-, Weiterbildungs- und Trainingsangeboten
4.4.3 Praxisbeispiele interkultureller Kompetenztrainings
4.4.3.1 „Polizei und Fremde“ – Fortbildungsangebote der Polizei
4.4.3.2 Interkulturelle Kompetenz für kommunale Verwaltungen und Migrantenorganisationen (EICP-Fortbildungen)
4.5 Schlussfolgerungen
5 Antirassistische Handlungsstrategien
5.1 Antirassistische Pädagogik – zur Entwicklung und Situation in Deutschland
5.2 Rassismus - Verständnis in antirassistischen Ansätzen
5.3 Antirassistische Trainings – ein Überblick
5.3.1 Bewusstwerdungstraining: „am Ende der Weißheit“
5.3.2 „Braunäugig/Blauäugig“-Training
5.3.3 Fazit antirassistischer Trainings
5.4 Kritische Reflexion antirassistischer Handlungsstrategien
6 KONSEQUENZEN UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR PÄDAGOGISCHE KONZEPTE GEGEN RASSISMUS
7 SCHLUSSBETRACHTUNG
8 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, bestehende Konzepte der interkulturellen und antirassistischen Arbeit hinsichtlich ihres theoretischen Hintergrunds kritisch zu reflektieren, um daraus Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die pädagogische Praxis aufzuzeigen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche Chancen und Grenzen die jeweiligen Konzepte aufweisen, um dem Phänomen Rassismus effektiv entgegenzuwirken.
- Historische Herleitung und Begriffsanalyse von Rassismus und Rassekonzepten
- Kritische Diskussion interkultureller Pädagogik und ihrer Trainingsformate
- Analyse antirassistischer Handlungsstrategien und deren theoretischer Fundierung
- Untersuchung der Machtverhältnisse und diskursiver Konstruktionen in der Bildungsarbeit
- Reflexion problematischer Begriffe wie Kultur und Ethnizität im erziehungswissenschaftlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die „Rassen“- Idee zur Zeit der Aufklärung
Auch wenn nach Ansicht einiger Autoren der Rassismus bereits in der Antike zu finden ist, beginnt der historische Rückblick dieser Arbeit erst im 18. Jahrhundert. Denn die Entstehung moderner rassistischer Denkmuster wird überwiegend in die Zeit der Aufklärung eingeordnet.
Der amerikanische Historiker Mosse spricht in diesem Zusammenhang von der „Wiege des modernen Rassismus“. Demnach hatten die wichtigsten kulturellen Strömungen dieser Zeit erheblichen Einfluss auf die Grundlagen rassistischen Denkens.
Auch der französische Philosoph und Historiker Christian Delacampagne sieht die Epoche der Aufklärung als Ursprung der modernen Formen des Rassismus. Obgleich er zu bedenken gibt, dass es Rassismus schon vorher gab, betont Delacampagne, dass die rassistischen Überzeugungen erst zu dieser Zeit umgestaltet, theoretisch untermauert und systematisiert wurden. Die damals noch junge Wissenschaft der Naturgeschichte lieferte Delacampagne zufolge den „Mörtel“, der rassistische Überzeugungen zusammenhielt.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde „Rasse“ zunächst noch nicht als biologischer Begriff, sondern als historisches Konzept verstanden. Mit Hilfe dieses Konzeptes sollte es möglich sein, eine rational-wissenschaftliche Ordnung von Zugehörigkeiten herzustellen; das bedeutete einen wichtigen Schritt in der Rationalisierung menschlicher Natur.
Für Philosophen wie Kant und Voltaire war der Rassebegriff deshalb so interessant, weil er eine von den Lehren der Kirche unabhängige Ordnung der Welt und der in ihr lebenden Menschen versprach. Die Systematiker unter den Naturphilosophen entwickelten in dieser Zeit aufwendige Modelle und Nomenklaturen der Menschheit und deren verschiedenen Untergruppen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit beleuchtet die Notwendigkeit einer pädagogischen Rassismusforschung und kritischen Diskussion bestehender interkultureller und antirassistischer Ansätze.
2 RASSISMUS IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel skizziert die Verbreitung rassistischer Delikte und Diskriminierungserfahrungen in der Bundesrepublik anhand aktueller Studien.
3 RASSISMUSANALYSE: Hier werden die historische Entstehung, Begriffsabgrenzungen sowie psychologische und soziologische Modelle zur Erklärung von Rassismus detailliert untersucht.
4 Interkulturelle Handlungsstrategien: Es wird die Entwicklung der interkulturellen Pädagogik analysiert, ihre Ziele hinterfragt und die Praxis der interkulturellen Trainings kritisch bewertet.
5 Antirassistische Handlungsstrategien: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung und theoretische Fundierung antirassistischer Pädagogik sowie die kritische Reflexion konkreter Trainingsbeispiele.
6 KONSEQUENZEN UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR PÄDAGOGISCHE KONZEPTE GEGEN RASSISMUS: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und Anforderungen an eine zukünftige, rassismuskritische Bildungspraxis formuliert.
7 SCHLUSSBETRACHTUNG: Eine abschließende Synthese der Analyseergebnisse unterstreicht die Notwendigkeit einer reflexiven, multiperspektivischen pädagogischen Haltung.
Schlüsselwörter
Rassismus, interkulturelle Pädagogik, antirassistische Pädagogik, Vorurteilsforschung, Soziale Konstruktion, Machtverhältnisse, Alltagsrassismus, Diskursanalyse, Erziehungswissenschaft, Differenz, Kulturverständnis, Identität, Diskriminierung, Migrationspädagogik, Handlungsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Rassismus und diskutiert kritisch die Ansätze der interkulturellen und antirassistischen Pädagogik, um deren Chancen und Grenzen in der Bildungspraxis aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die historische Genese des Rassebegriffs, soziologische und psychologische Erklärungsmodelle für rassistische Strukturen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Trainingsformaten wie interkulturellen Kompetenztrainings und antirassistischen Programmen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, eine Grundlage für die Reflexion pädagogischer Konzepte zu schaffen, damit diese nicht unreflektiert Kulturalisierungen oder Stereotype reproduzieren, sondern Machtverhältnisse und strukturelle Bedingungen angemessen berücksichtigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, wertet aktuelle Studien (z.B. FRA, EU-MIDIS) aus und diskutiert theoretische Ansätze aus Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Rassismusanalyse, eine kritische Beleuchtung interkultureller Ansätze sowie eine Untersuchung antirassistischer Strategien, ergänzt durch die Analyse spezifischer Trainingsbeispiele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rassismuskritik, soziale Konstruktion, Kulturalisierung, Machtverhältnisse, Reflexivität und Interkulturelle Kompetenz.
Wie bewertet die Arbeit interkulturelle Trainings?
Die Arbeit steht vielen interkulturellen Trainings kritisch gegenüber, da diese häufig zu kurzfristig angelegt sind und durch ein statisches Kulturverständnis eher Stereotype festigen als Machtstrukturen abzubauen.
Was kritisiert die Autorin am „Blauäugig/Braunäugig“-Training?
Sie kritisiert den autoritären Erziehungsstil, die zugrunde liegende Täter-Opfer-Dichotomie und die individualisierende Wirkung, die den Betroffenen die Auseinandersetzung mit realen gesellschaftlichen Machtstrukturen erschwert.
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- Andrea Kern (Author), 2010, Die Rassismusproblematik aus pädagogischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158808