In der vorliegenden Arbeit wird die Wirksamkeit der systemischen Therapie analysiert.
Hierzu dienen neun Studien, die jeweils eine Form der systemischen Therapie mit einer oder mehreren anderen Therapiemethoden über einen gewissen Zeitraum verglichen. Forschungsgegenstand sind Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen, ausgewählt wurden dazu Essstörungen, aggressives Verhalten und Substanzmissbrauch.
Die Wirksamkeit wird von Studie zu Studie unterschiedlich definiert, dennoch sprechen die Ergebnisse für eine effektivere Wirkungsweise der systemischen Therapieformen bei Aggressionen und Substanzmissbrauch. Geringere Effekte zeigten sich nur bei den Essstörungen.
Im Anschluss werden noch weitere Forschungsmöglichkeiten erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. DIE SUCHE NACH EINER EFFEKTIVEN THERAPIE FÜR VERHALTENSAUFFÄLLIGE JUGENDLICHE
2. LITERATURRECHERCHE
3. DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER SYSTEMISCHEN THERAPIE
3.1. Was heißt „systemisch“?
3.2. Die Anfänge der systemischen Therapie
3.3. Systemische Therapie heute
4. VORGEHEN BEI EINEM FAMILIENTHERAPEUTISCHEN SETTING
5. WIE LÄSST SICH DIE WIRKSAMKEIT EMPIRISCH MESSEN?
6. VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN BEI JUGENDLICHEN UND DEREN BEHANDLUNG
6.1. Unterschied Verhaltensauffälligkeiten und –Störungen
6.2. Essstörungen
6.2.1. Anorexie und Bulimie
6.2.2. Empirische Nachweise zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemodelle
6.2.3. Vergleich der Ergebnisse
6.3. Aggressionen und Delinquenz
6.3.1. Formen der Aggression bei Jugendlichen
6.3.2. Empirische Nachweise zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemodelle
6.3.3. Vergleich der Ergebnisse
6.4. Substanzmissbrauch
6.4.1. Substanzmissbrauch im Jugendalter
6.4.2. Empirische Nachweise zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemodelle
6.4.3. Vergleich der Ergebnisse
7. WIE WIRKSAM IST NUN DIE SYSTEMISCHE THERAPIE?
8. REFLEXION UND ANREGUNGEN FÜR WEITERE FORSCHUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die empirische Wirksamkeit der systemischen Familientherapie (SFT) bei der Behandlung von verhaltensauffälligen oder gestörten Jugendlichen. Ziel ist es, durch den Vergleich mit anderen Therapiemethoden anhand ausgewählter Studien zu Essstörungen, aggressivem Verhalten und Substanzmissbrauch zu klären, ob systemische Ansätze eine effektivere Behandlungsweise darstellen.
- Wirksamkeitsanalyse systemischer Therapieformen im Vergleich zu anderen Therapiemethoden
- Fokus auf jugendspezifische Störungsbilder: Essstörungen, Aggression, Delinquenz und Substanzmissbrauch
- Evaluation empirischer Studien zur therapeutischen Effektivität
- Untersuchung des Einflusses des familiären Umfelds auf den Therapieerfolg
Auszug aus dem Buch
3.1. Was heißt „systemisch“?
Das Wort „systemisch“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „was zusammen steht“ (Schweitzer & Zwack, 2010, S. 76). Allgemein heißt dies, dass ein System eine aus verschiedenen Elementen zusammen gesetzte Einheit ist, die einer gewissen Ordnung folgt. Daher unterschieden systemtheoretische Ansätze ursprünglich zwischen Teilen, also beispielsweise Familienmitgliedern, und dem Ganzen, der Familie. Es wurde angenommen, dass sich die Summe der einzelnen Elemente eines Systems anders verhält als das System als Ganzes. Neuere Ansätze dagegen unterscheiden zwischen Systemen und deren Umwelt (Simon, Clement & Stierlin, 1999). Die Systemische Familientherapie geht davon aus, dass jedes Individuum Teil eines größeren Systems ist. Eingebettet in eine Vielzahl von sozialen Beziehungen, und damit verschiedenen Systemen, wirkt sich dies auf das eigene Verhalten des Menschen aus (Morschitzky, 2007). Anfangs nur auf das System der Familie begrenzt, weitete sich der Rahmen auf alle Formen, in denen sich Menschen sozial organisieren können aus und beinhaltet heute das gesamte Herkunftssystem des Klienten und dessen Lebensumstände mit seinen sozialen und gesellschaftlichen Strukturen. Somit wurde der Begriff der „Familientherapie“ weitestgehend durch den der „systemischen Therapie“ ersetzt (Fellner, 2004).
Ein wichtiges systemisches Konzept ist die Zirkularität. Dabei wird angenommen, dass sich Individuen stets gegenseitig beeinflussen. Das Verhalten einer Person kann sowohl Ursache als auch Wirkung des Verhaltens anderer sein. Im Fall der Auffälligkeiten heißt dies, dass ein solches Verhalten einerseits als Reaktion auf das soziale Umfeld verstanden werden kann, aber auch andererseits das soziale Umfeld selbst beeinflusst (von Sydow, Beher, Retzlaff & Schweitzer, 2007). Zirkuläre Fragen sollen den Klienten anregen, über die innerfamiliären Beziehungsmuster zu sprechen. Dadurch erkennt der Therapeut, wie das System organisiert ist und kann eingefahrene Strukturen aufbrechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DIE SUCHE NACH EINER EFFEKTIVEN THERAPIE FÜR VERHALTENSAUFFÄLLIGE JUGENDLICHE: Einleitung in die Problematik zunehmender Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Wirksamkeit der systemischen Familientherapie.
2. LITERATURRECHERCHE: Beschreibung des methodischen Vorgehens bei der Auswahl und Beschaffung wissenschaftlicher Quellen und Studien aus Fachdatenbanken.
3. DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER SYSTEMISCHEN THERAPIE: Überblick über die begrifflichen Grundlagen, die historischen Wurzeln sowie die heutige Bedeutung und Ausbildung in der systemischen Therapie.
4. VORGEHEN BEI EINEM FAMILIENTHERAPEUTISCHEN SETTING: Erläuterung der praktischen Umsetzung familientherapeutischer Sitzungen, der Rolle des Therapeuten und der Zielsetzungen der Intervention.
5. WIE LÄSST SICH DIE WIRKSAMKEIT EMPIRISCH MESSEN?: Diskussion über die methodischen Herausforderungen bei der Erfassung von Therapieerfolgen in der systemischen Familientherapie.
6. VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN BEI JUGENDLICHEN UND DEREN BEHANDLUNG: Hauptteil der Arbeit, der empirische Studien zu Essstörungen, Aggression/Delinquenz und Substanzmissbrauch analysiert und vergleicht.
7. WIE WIRKSAM IST NUN DIE SYSTEMISCHE THERAPIE?: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Wirksamkeit systemischer Ansätze für die untersuchten Störungsbilder.
8. REFLEXION UND ANREGUNGEN FÜR WEITERE FORSCHUNG: Kritische Würdigung der methodischen Einschränkungen der untersuchten Studien und Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Systemische Therapie, Familientherapie, Wirksamkeit, Verhaltensauffälligkeiten, Jugendliche, Essstörungen, Aggression, Delinquenz, Substanzmissbrauch, Multisystemische Therapie, Sozialverhalten, Empirie, Studienvergleich, Therapieerfolg, Intervention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wirksamkeit der systemischen Familientherapie (SFT) bei Jugendlichen mit verschiedenen psychischen Auffälligkeiten durch einen Vergleich mit anderen Therapiemethoden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Essstörungen (Anorexie/Bulimie), aggressives Verhalten inklusive Delinquenz sowie Substanzmissbrauch bei Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, anhand einer Analyse empirischer Studien zu klären, ob die systemische Familientherapie bei den ausgewählten Störungsbildern effektiver arbeitet als alternative Behandlungsmethoden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führt eine systematische Literaturanalyse durch, bei der neun ausgewählte empirische Studien ausgewertet und hinsichtlich ihrer methodischen Qualität und Ergebnisse miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Bereiche: Studien zu Essstörungen, Studien zu Aggression und Delinquenz sowie Studien zum Substanzmissbrauch, wobei jeweils die verwendeten Therapieformen und die daraus resultierenden Ergebnisse analysiert werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe systemische Therapie, Wirksamkeitsnachweis, Verhaltensauffälligkeiten, Jugendliche und Familientherapie charakterisiert.
Warum wurden gerade diese drei Störungsbilder für die Untersuchung ausgewählt?
Diese Formen wurden gewählt, um unterschiedliche Bereiche abzudecken und die Vielseitigkeit der systemischen Therapie zu veranschaulichen, wobei auch das Geschlechterverhältnis der Betroffenen (Mädchen bei Essstörungen, eher männlich bei Aggression/Substanzmissbrauch) eine Rolle spielte.
Wie bewertet die Arbeit die Wirksamkeit der systemischen Therapie bei Essstörungen?
Bei Essstörungen ergab die Analyse, dass systemische Ansätze nicht immer die effektivsten sind; hier zeigten getrennte Therapieformen in manchen Fällen bessere oder schnellere Ergebnisse, weshalb eine differenzierte Entscheidung je nach Einzelfall empfohlen wird.
Was ist das wesentliche Fazit bezüglich der multisystemischen Therapie (MST)?
Die MST erweist sich bei aggressivem Verhalten und Substanzmissbrauch als wirksame Methode, da sie positive Effekte auf soziale Kompetenzen hat, die Rückfallquoten senkt und die Dauer von außerfamiliären Unterbringungen deutlich reduziert.
- Quote paper
- Judith Wölfel (Author), 2010, Systemische Familientherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158638