Im Zentrum des Essays stehen die grundlegenden Thesen Walter Benjamins, einem Autor, der in einem seiner zahlreichen Werke über die Aufgaben eines Übersetzers von Gedichten schreibt. Benjamins Ansicht, wodurch eine Übersetzung von Gedichten als gelungen gilt, wird hierbei mit der technischen Übersetzung durch das Programm Google Translate verglichen, um herauszuarbeiten, wie Google Translate Gedichte übersetzt und in wie weit diese Übersetzung den Anforderungen Benjamins an einen guten Übersetzer gerecht wird, oder nicht. Ist Google Translate demnach die neue Generation von gelungenen Übersetzungen oder verfehlt das Programm die Aufgabe eines Übersetzers?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Google Translate und die maschinelle Übersetzung
2.1 Voraussetzungen für eine gelungene Übersetzung nach Walter Benjamin
2.2 Anwendung auf das Beispiel „Willkommen und Abschied“
2.2.1 Analyse der strukturellen Veränderungen
2.2.2 Untersuchung der syntaktischen und metrischen Genauigkeit
3. Zusammenfassende Bewertung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Leistungsfähigkeit von Google Translate bei der Übersetzung poetischer Texte und prüft, ob die automatisierten Ergebnisse den hohen qualitativen Anforderungen an eine gelungene Übersetzung, wie sie von Walter Benjamin definiert wurden, entsprechen.
- Grundlagen der maschinellen Übersetzung mittels Google Translate.
- Einführung in Walter Benjamins Theorie zur Aufgabe des Übersetzers.
- Praktische Untersuchung des Goethe-Gedichts „Willkommen und Abschied“.
- Vergleich von Ausgangstext und maschinellem Zieltext hinsichtlich Form, Syntax und Reim.
- Kritische Reflexion über die Grenzen algorithmischer Sprachverarbeitung bei poetischen Werken.
Auszug aus dem Buch
Anwendung auf das Beispiel „Willkommen und Abschied“
Ob und inwieweit Google Translate den Anforderungen Benjamins an eine gute Übersetzung bzw. an einen guten Übersetzer gerecht wird, wird nun anhand des Gedichtes ‚Willkommen und Abschied‘ von Johann Wolfgang von Goethe demonstriert. Nachdem das vollständige Gedicht in das Programm eingegeben und es automatisch vom Deutschen ins Englische übersetzt wurde, ist zunächst auffällig, dass Google Translate die Absätze, die das Original aufweist, nicht in der Übersetzung berücksichtigt, sondern stattdessen vollkommen weggelassen hat. Der maschinelle Übersetzer formte folglich das geordnete und übersichtliche Original, das aus insgesamt vier Strophen besteht, um, in eine einzige gebundene Strophe.
Des Weiteren wird deutlich, dass die Software jegliche Satzzeichen vom Original in die Übersetzung übernommen hat. Bei näherer Betrachtung der Übersetzung erkennt man jedoch, dass das Programm zwar alle Zeichen grammatikalisch korrekt und an den gleichen Stellen, wie es im Original ist, übernahm, aber im fünften Vers ein Satzzeichen eingefügt hat, das im Original nicht zu finden ist. Das Komma betont zwar hierbei das Wort ‚oak‘, kann aber in diesem Falle aus grammatikalischer Sicht weggelassen werden.
Des Weiteren besteht das Original aus einem Kreuzreim (ababcdcd …). In der von Google Translate angefertigten Übersetzung ist sehr gut sichtbar, auf welche Art und Weise das Programm eine Sprache in eine andere überträgt: Es übersetzt jedes einzelne Wort und versucht dabei die Syntax beizubehalten. Das Programm übersetzt im ersten und dritten Vers beispielsweise ‚Pferd‘ mit ‚horse‘ und ‚Erde‘ mit ‚earth‘ und behält, um der Anordnung des Originalverses zu folgen, die Wörter, die eigentlich einen Reim bildeten, an der gleichen Stelle- nämlich am Schluss des Verses. Da das Programm die Anordnung beibehält verschwindet der Reim in der Übersetzung jedoch. Demzufolge besitzt die Software nicht die Aufgabe, das Reimschema eines poetischen Textes beizubehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Übersetzung und führt in die Problematik ein, ob moderne Software wie Google Translate als adäquater Übersetzer poetischer Texte fungieren kann.
2. Google Translate und die maschinelle Übersetzung: Dieses Kapitel verknüpft Walter Benjamins theoretisches Ideal der Übersetzung mit den praktischen Ergebnissen der Software anhand des Goethe-Gedichts „Willkommen und Abschied“.
3. Zusammenfassende Bewertung: Das Kapitel resümiert, dass Google Translate an der komplexen Struktur poetischer Werke scheitert und somit Benjamins Anforderungen an eine gelungene Übersetzung nicht erfüllen kann.
Schlüsselwörter
Maschinelle Übersetzung, Google Translate, Walter Benjamin, Die Aufgabe des Übersetzers, Poetik, Literaturübersetzung, Goethe, Willkommen und Abschied, Syntax, Reimschema, Interlinearversion, Sprachverarbeitung, Lyrik, Digitale Übersetzung, Übersetzungstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob maschinelle Übersetzungssysteme wie Google Translate in der Lage sind, komplexe poetische Texte unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Qualitätsstandards zu übersetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die maschinelle Sprachverarbeitung (Google Translate), die Übersetzungstheorie nach Walter Benjamin sowie die praktische Textanalyse lyrischer Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation der maschinellen Übersetzung von Google Translate anhand von Walter Benjamins Kriterien für „gelungene Übersetzungen“.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse zwischen einem Originaltext (Goethe) und dem automatisch erzeugten Zieltext der Software durchgeführt, um formale und inhaltliche Differenzen aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Probleme der Software, wie den Verlust des Reimschemas, die Vernachlässigung von Betonungen und die Unfähigkeit, poetische Syntax angemessen zu erfassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Maschinelle Übersetzung, Walter Benjamin, Lyrik-Übersetzung und Poetische Syntax charakterisiert.
Wie geht Google Translate mit dem Reimschema um?
Das Programm erkennt die poetische Struktur nicht als solche an und priorisiert die wörtliche Übersetzung der einzelnen Wörter, wodurch das Reimschema im Englischen vollständig verloren geht.
Warum betont der Autor Walter Benjamin als Referenz?
Benjamin wird als theoretischer Anker gewählt, da seine Definition der „Aufgabe des Übersetzers“ einen klaren Maßstab für die Bewertung von Form, Gestalt und Sinn bietet.
Welches Ergebnis erzielt die Software bei Goethes „Willkommen und Abschied“?
Die Software liefert eine zwar grammatikalisch weitgehend korrekte, aber poetisch unzureichende Übersetzung, die den Kern und die ästhetische Form des Gedichts nicht bewahrt.
Ist Google Translate nach Ansicht des Autors für Lyrik geeignet?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Software keine „neue Generation gelungener Übersetzungen“ darstellt, da sie das Wesen poetischer Texte nicht erfassen kann.
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- Susanne Hahn (Author), 2010, Google Translate, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158604