Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept des problembasierten Lernens am Ende des Literaturunterrichts der Sekundarstufe I (Doppeljahrgangsstufe 9/10) am Beispiel ‚Die Verwandlung‘ von Franz Kafka.
Der erste Teil setzt sich mit den theoretischen Grundlagen des problembasierten Lernens kritisch auseinander. Dabei werden grundsätzliche Fragen diskutiert, die zu einer Arbeitsdefinition des Begriffes Problem führen. Weitergehend wird problembasiertes Lernen als Lernstrategie eingeordnet und deren Eignung im Literaturunterricht begründet. Es folgt eine Untersuchung des Begriffs der Erstaneignung, welche zeigen wird, dass eine Definition desselben in der bisherigen Literatur nicht auftaucht. Daher wird auch hier eine eigene Bestimmung des Terminus erarbeitet. Danach erläutere ich aktuelle didaktische Möglichkeiten des literarischen Lernens und bringe sie in Zusammenhang zu problembasiertem Lernen.
Am Beispiel von Franz Kafkas Erzählung ‚Die Verwandlung‘ soll der Einsatz der Methode demonstriert werden. Die Erzählung birgt für Schüler einer 10. Klasse das Potenzial in sich, Parallelen eigener familiärer und persönlicher Krisen zu erkennen. Damit integriert er sich in die Lebenswelt des Schülers in einer Phase der körperlichen und geistigen Veränderung und des Erwachsenwerdens. Diese Lesart eignet sich am besten in der Phase der Erstaneignung, da sie einerseits eine Verbindung zur realen Lebenswelt des Schülers herstellt, andererseits aber als Türöffner für tiefgründigere Deutungen fungiert. Es wird sich auch herausstellen, dass eine einfache Lesart scheinbar schwerer Stoffe Schüler motiviert, sich weiter mit ihnen auseinanderzusetzen.
Ziel der Arbeit ist es, ein Unterrichtsmodell zu entwickeln, welches die Erstaneignung literarischer Texte im Deutschunterricht der Sekundarstufe I mit der Methode des problembasierenden Lernens verbindet. Es werden die Ziele dieses Modelles vorgestellt, Aufgabenstellungen entwickelt und Arbeitsweisen aufgezeigt. Das Ergebnis wird eine mögliche Alternative zur aktuellen Praxis der literarischen Erstaneignung sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Begründung
1.2 Ziele und Methoden der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Problembasiertes Lernen – eine Definition
2.2 Fachdidaktische Positionen zur Auseinandersetzung mit literarischen Texten – Möglichkeiten und Grenzen
3. Unterrichtsmodell zur Erstaneignung literarischer Texte durch problembasierte Aufgabenstellungen anhand Franz Kafkas ‚Die Verwandlung‘
3.1 Textanalyse zu Kafkas ‚Die Verwandlung‘
3.2 Ziele des Modells
3.3 Problembasierte Aufgabenstellung: Fragetechniken, Ablauf und Organisation
3.3.1 Fragetechniken
3.3.2 Ablauf und Organisation
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein Unterrichtsmodell für die Erstaneignung literarischer Texte in der Sekundarstufe I zu entwickeln, das schülerzentrierte, problembasierte Lernstrategien nutzt, um die Lesemotivation zu steigern und einen lebensweltnahen Zugang zur Literatur zu ermöglichen.
- Integration von problembasiertem Lernen in den Literaturunterricht
- Entwicklung von Fragetechniken zur Förderung selbstgesteuerten Lernens
- Analyse der Erstaneignung literarischer Texte am Beispiel von Franz Kafkas ‚Die Verwandlung‘
- Verbindung von fächerübergreifenden Kompetenzen mit literarischem Verständnis
- Überwindung traditioneller, stark lehrergesteuerter Lehrmethoden
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Fragetechniken
Die Art und Weise, wie eine Aufgabe gestellt wird, beeinflusst das Ergebnis von dem, der die Aufgabe löst, da Aufgabenstellungen immer antizipierte Ziele von Schülerleistungen sind. Klassischerweise wird in Aufgabenstellungen zwischen offenen, halboffenen und geschlossenen Fragen sowie Aufforderungen, die durch einen Operator eingeleitet werden, unterschieden. Schüler sollen motiviert werden, sich einen Text selbstständig anzueignen. Dabei spielt der Operator der Aufgabenstellung eine entscheidende Rolle.
Bei problembasierten Aufgabenstellungen ist wichtig, keine geschlossenen Fragen zu stellen. ‚Hat dir der Text gefallen?‘ lässt zu, dass der Schüler mit ‚Ja‘, ‚Nein‘ oder ‚Ich weiß nicht‘ antworten kann und danach schweigt, da er nicht weiß, was er genau sagen soll und froh ist, überhaupt eine Antwort geben zu können. Entscheidungsfragen zu stellen, bedeutet, dem Schüler bereits die Erkenntnis abzunehmen, der Text könne Teil seiner persönlichen Lebenswelt sein. Sie geht demnach den zweiten Schritt vor dem ersten. Der Lehrende manipuliert die möglichen Antworten, indem er eine Richtung vorgibt. Problemzentrierter Unterricht bedeutet aber, das Problem mit den Schülern und durch sie lösen zu lassen. Allenfalls lenkt der Lehrende die Bahnen und dies tut er, indem er die richtige Art der Fragen stellt.
Genauso wenig sind Aufforderungen hilfreich. Im traditionellen Literaturunterricht sind die Aufgaben in der Erstaneignung wie folgt aufgebaut: ‚Untersucht den Text mit Hilfe der Übersicht auf S. 191. Legt dabei besonderes Augemerk auf den Aufbau‘. Sicherlich werden die Operatoren ‚Nenne‘, ‚Erkläre‘ oder ‚Beschreibe‘ in dem Sinne eingesetzt, um eine Aufgabe klar zu strukturieren und einfache Handlungsanweisungen zu geben. Aber genau aus diesem Grunde eignen sie sich nicht für einen problemzentrierten Ansatz. Hier soll es keine klaren Anweisungen geben. Hier soll der Schüler vor eine Wahl gestellt werden, an deren Entscheidungsziel kein Richtig oder Falsch steht. Die Schüler sollen ergebnisoffen arbeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit problematisiert die Ergebnisse der PISA-Studie und die mangelnde Motivation im Literaturunterricht, um die Notwendigkeit schülerzentrierter Lernkonzepte zu begründen.
2. Theoretische Grundlagen: Es erfolgt eine Definition des problembasierten Lernens sowie eine kritische Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Positionen und dem Begriff der Erstaneignung.
3. Unterrichtsmodell zur Erstaneignung literarischer Texte durch problembasierte Aufgabenstellungen anhand Franz Kafkas ‚Die Verwandlung‘: Auf Basis einer Textanalyse wird ein Modell entwickelt, das Fragetechniken und Organisationsformen des problembasierten Lernens auf Kafkas Erzählung anwendet.
4. Resümee: Die Arbeit fasst die Potenziale problembasierten Lernens für die Steigerung der Lesemotivation zusammen und identifiziert den Bedarf an weiterführender empirischer Forschung.
Schlüsselwörter
Problembasiertes Lernen, Literaturunterricht, Erstaneignung, Lesemotivation, Sekundarstufe I, Die Verwandlung, Franz Kafka, schülerzentrierter Unterricht, Fragetechniken, Lernstrategien, Binnendifferenzierung, Kompetenzvermittlung, aktive Auseinandersetzung, literarische Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie problembasierte Aufgabenstellungen im Literaturunterricht eingesetzt werden können, um die Phase der Erstaneignung von Texten in den Klassenstufen 9 und 10 schülerorientierter und motivierender zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Felder sind das Konzept des problembasierten Lernens, die Didaktik der literarischen Erstaneignung und die Anwendung dieser Methoden anhand von Franz Kafkas „Die Verwandlung“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Unterrichtsmodells, das Schüler durch problemzentrierte Fragestellungen dazu anregt, literarische Texte aktiv und unter Bezugnahme auf ihre eigene Lebenswelt zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Arbeit, die theoretische Konzepte (problembasiertes Lernen) mit einer anwendungsbezogenen Modellentwicklung verknüpft und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Lernansatzes sowie die praktische Ausarbeitung eines Unterrichtsmodells, inklusive spezifischer Fragetechniken und organisatorischer Abläufe für den Literaturunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind problembasiertes Lernen, Erstaneignung, Lesemotivation, Literaturunterricht und schülerzentrierte Methoden.
Warum wird Franz Kafkas „Die Verwandlung“ als Beispiel gewählt?
Die Erzählung bietet durch die Thematik der körperlichen und geistigen Veränderung sowie die familiären Spannungen starke Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt und die Pubertät der Schüler in der 9. und 10. Klasse.
Welche Rolle spielt die „Erstaneignung“ in diesem Konzept?
Die Erstaneignung gilt als Grundbaustein für das langfristige Interesse an Literatur; das Modell zielt darauf ab, diesen Prozess durch Eigenaktivität der Schüler statt durch passive Rezeption zu stärken.
Wie unterscheidet sich dieser Ansatz vom traditionellen Literaturunterricht?
Im Gegensatz zum traditionellen, oft lehrerzentrierten Unterricht steht hier das selbstgesteuerte Lösen von Problemen und die ergebnisoffene Auseinandersetzung mit dem Text im Vordergrund.
Welche Grenzen sieht der Autor für dieses Modell?
Eine wesentliche Grenze stellt die zeitliche Komponente dar, da problembasierte Prozesse mehr Zeit für Recherche und Diskussion erfordern, als in einer regulären Unterrichtsstunde oft zur Verfügung steht.
- Quote paper
- Daniel Acker (Author), 2010, Zugang zu Möglichkeiten zur Gestaltung der Phase der Erstaneignung literarischer Texte durch problembasierte Aufgabenstellungen in den Jahrgangsstufen 9/10, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/158278