Wieso steht das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) in Ländern wie Frankreich und Deutschland, die beide durch ein ausgeprägtes System staatlicher Wohlfahrt charakterisiert sind, so hoch im Kurs, dass sich die Regierungen beider Länder damit befassen, diverse Organisationen und Vereinigungen gegründet wurden, um CSR in die Tat umzusetzen? Diese Frage ist nicht trivial, denn beide Wohlfahrtsstaaten nehmen für sich in Anspruch, u.a. sozial gerecht zu sein bzw. nach sozialer Gerechtigkeit zu streben und entsprechende Absichten in gesetzlichen Regelungen zum Ausdruck gebracht zu haben. Wenn dem so ist, wozu bedarf es dann der Corporate Social Responsibility? Diese Frage soll im Verlauf der vorliegenden Arbeit u.a. vor dem Hintergrund des institutionellen Arrangements wie es in Deutschland und Frankreich zu finden ist, beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Soziale Verantwortung im Wohlfahrtsstaat
2. Die Vielfalt von CSR: Regionale Unterschiede in der Definition von CSR
3. CSR in Deutschland und Frankreich: Der Effekt institutioneller Arrangements
3.1 Deutschland
3.2 Frankreich
4. CSR, die EU und nationale Besonderheiten
5. Fazit: Zentralistische und korporatistische Systeme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) in den wohlfahrtsstaatlich geprägten Systemen Deutschlands und Frankreichs. Dabei soll beantwortet werden, warum diese Länder trotz bestehender staatlicher Absicherung das Konzept der CSR verfolgen, und inwiefern dies als Ergebnis internationaler Isomorphie sowie als Instrument nationaler Interessenpolitik zu verstehen ist.
- Vergleich der CSR-Ausgestaltung in Deutschland und Frankreich
- Analyse der Bedeutung institutioneller Rahmenbedingungen
- Prüfung der These normativer Isomorphie durch EU-Vorgaben
- Untersuchung von CSR als Instrument staatlicher Arbeits- und Sozialpolitik
Auszug aus dem Buch
3. CSR in Deutschland und Frankreich: Der Effekt institutioneller Arrangements
Wie im letzten Kapitel dargestellt, ist die Frage, welche Unterschiede sich in der jeweiligen (nationalen) Ausgestaltung von CSR finden lassen, eine Frage der Relation, deren Ergebnis davon abhängt, wer mit wem verglichen wird. So kommen Studien, die die USA oder das Vereinigte Koenigreich mit Ländern Kontinentaleuropas vergleichen regelmäßig zu unterschiedlichen Befunden im Hinblick auf die Ausprägung von CSR in beiden Ländergruppen, während Studien, in denen die USA und Europa mit Asien verglichen werden, die Unterschiede eher zwischen den USA und europäischen Staaten auf der einen Seite und asiatischen Staaten auf der anderen Seite sehen. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass ein erster Blick auf die Unterschiede, die im Hinblick auf die Frage, wie CSR in Deutschland und Frankreich gefüllt wird, bestehen, keine solchen ergibt (Abbildung 1). Die Abbildung basiert auf den Ergebnissen von Apostolakou und Jackson, die aus deren Studie, in die 274 Unternehmen eingingen, resultieren. Die Daten stammen von der Züricher Firma „Sustainable Asset Management“, die wiederum Daten zu den Unternehmen und im Hinblick auf die Dimensionen Ökonomie, Umwelt und Soziales sammelt. Die Ergebnisse vermitteln somit einen Eindruck darüber, wie sie die Praktiken von Unternehmen zwischen den einzelnen Ländern unterscheiden. Und wie Abbildung 1 zeigt, unterscheiden sich die Praktiken der deutschen und französischen Unternehmen, die in die Analyse eingingen, kaum voneinander, lediglich im Bereich des Sozialen sind französische Unternehmen im Hinblick auf CSR aktiver als ihre deutschen Pendants.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Soziale Verantwortung im Wohlfahrtsstaat: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem Konzept der CSR und bestehenden Wohlfahrtsstaaten und formuliert die zentralen Forschungsfragen sowie die Hypothese der normativen Isomorphie.
2. Die Vielfalt von CSR: Regionale Unterschiede in der Definition von CSR: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Unschärfe des CSR-Begriffs und stellt die Unterscheidung zwischen expliziter und impliziter CSR im Kontext unterschiedlicher Marktwirtschaftsmodelle dar.
3. CSR in Deutschland und Frankreich: Der Effekt institutioneller Arrangements: Der Hauptteil analysiert die unterschiedliche CSR-Praxis in beiden Ländern: In Deutschland eher als diffuse, freiwillige Anpassung innerhalb korporativer Strukturen, in Frankreich als stark reguliertes, staatlich gelenktes Projekt.
4. CSR, die EU und nationale Besonderheiten: Es wird geprüft, wie internationale Vorgaben, insbesondere der EU, zu einer Angleichung der nationalen CSR-Verständnisse führen und welche Rolle dabei die jeweils nationalen Agenden spielen.
5. Fazit: Zentralistische und korporatistische Systeme: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schließt mit der Erkenntnis, dass CSR in beiden Ländern funktional umgedeutet wurde, um bestehende institutionelle Interessen zu verfolgen.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Deutschland, Frankreich, Wohlfahrtsstaat, Institutionelle Arrangements, Normative Isomorphie, Europäische Union, Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Nachhaltigkeit, Unternehmensverantwortung, Korporatismus, Stakeholder, Berichtspflicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das CSR-Konzept in den wohlfahrtsstaatlich geprägten Systemen von Deutschland und Frankreich implementiert wird und welche Rolle dabei staatliche Einflüsse spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen den Vergleich nationaler CSR-Strategien, die Bedeutung des institutionellen Umfelds sowie den Einfluss internationaler Organisationen wie der EU auf die Unternehmensverantwortung.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit untersucht, warum Regierungen in Deutschland und Frankreich CSR fördern, obwohl beide Länder bereits über ausgeprägte soziale Sicherungssysteme verfügen, die eine solche Verantwortung eigentlich abdecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?
Der Autor nutzt einen komparativen Ansatz, der auf der Auswertung bestehender Studien und internationaler Literatur (u.a. von Apostolakou, Jackson, Matten und Moon) basiert, um institutionelle Unterschiede und Isomorphie-Tendenzen aufzuzeigen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung der CSR-Entwicklung in Deutschland (korporatistisch geprägt) und Frankreich (zentralistisch und gesetzgeberisch geprägt) sowie der Prüfung der Isomorphie-These.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Kernbegriffe sind Corporate Social Responsibility, Wohlfahrtsstaat, institutionelle Arrangements, normative Isomorphie, EU-Richtlinien und nationale Besonderheiten.
Warum unterscheidet sich die CSR-Praxis in Frankreich von der in Deutschland?
Während in Deutschland CSR oft als freiwilliges Engagement innerhalb korporativer Strukturen verhandelt wird, fungiert CSR in Frankreich primär als Instrument staatlicher Kontrolle und gesetzgeberischer Steuerung.
Was ist das Fazit zur Wirksamkeit von CSR in diesen beiden Ländern?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass CSR in beiden Ländern funktional von seinem ursprünglichen, freiwilligen Konzept abweicht und stattdessen zu einem Vehikel staatlicher Sozial- und Arbeitsmarktpolitik geworden ist.
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- Clemens Rasch (Author), 2009, "Corporate Social Responsibility" in Deutschland und Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/157620